Anhebung der Mehrwertsteuer 2021: Die Rückkehr zur Norm

Yasmin
Yasmin Januar 2021 6 Min

Inhaltsverzeichnis

Am 1. Juli 2020 trat die Mehrwertsteuersenkung in Kraft. Der Beschluss der Bundesregierung war Teil des Maßnahmenpakets, um die wirtschaftlichen Härten der Corona-Pandemie abzumildern. Eine Verlängerung der vorübergehenden Absenkung der Steuersätze über den Jahreswechsel hinaus ist nicht erfolgt. Ab dem ersten Januar 2021 gelten daher wieder der reguläre Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent und der ermäßigte Steuersatz von sieben Prozent auf alle Waren und Dienstleistungen. Entsprechend waren Unternehmer verpflichtet, betroffene Systeme wie Kassen, Buchhaltungsprogramme und Rechnungssoftware erneut umzustellen, um pünktlich zum Jahresanfang wieder die bisherigen Steuersätze ausweisen zu können. Im Grunde genommen handelt es sich bei der Mehrwertsteuer 2021 also lediglich um die Rückkehr zur Normalität. Bei der Rückabwicklung der Mehrwertsteuersatzänderungen musst jedoch wieder Du insbesondere die korrekte Abgrenzung von Lieferungen und Leistungen beachten.

Mehrwertsteuer 2021: Der richtige Zeitpunkt

Einer der entscheidenden Voraussetzungen für die Angabe des korrekten Steuersatzes ist der Zeitpunkt, zu dem eine Lieferung, Dienstleistung oder anderweitige Leistungen ausgeführt worden sind. Der Zeitpunkt der Rechnungsstellung ist für die Entstehung der Mehrwert- bzw. Umsatzsteuer und die Anwendung des zutreffenden Steuersatzes nicht relevant. Das Gleiche gilt bei Anzahlungen oder Vorabzahlungen. Ist es notwendig, die Bemessungsgrundlage für eine Leistung nachträglich zu ändern, ist ebenfalls ausschließlich der Zeitpunkt der Leistungserbringung maßgeblich für den Steuersatz.  

Wann gelten Leistungen und Lieferungen als ausgeführt? 

Grundsätzlich gilt eine Lieferungen oder Leistungen als ausgeführt, sobald der Leistungsempfänger über den Gegenstand, den er erworben hat, verfügen kann. Wann dieser Zeitpunkt eintritt, hängt von der Art des zu liefernden Gegenstands ab:

  • Beim Versand eines Gegenstandes wird eine Lieferung mit Beginn der Versendung als ausgeführt betrachtet. 
  • Bei Dienstleistungen und anderweitigen sonstigen Leistungen ist der Zeitpunkt ihrer Vollendung maßgeblich. 
  • Sofern keine Teilleistungen vereinbart wurden, gelten zeitlich begrenzte Dauerleistungen mit Ende eines Leistungsabschnitts als ausgeführt. 
  • Bei innergemeinschaftlichen Erwerben aus anderen EU-Ländern ist die Ausstellung der Rechnung entscheidend. 

Was versteht man unter Teilleistungen? 

Wird ein gesondertes Entgelt für eine Leistung vereinbart, die sich wirtschaftlich sinnvoll vom Gesamtauftrag abgrenzen lässt, spricht man von einer Teilleistung. Laut Steuerrecht wird für Teilleistungen eine eigene Rechnung erstellt. Dadurch entsteht die Umsatzsteuer mit Ablauf des Voranmeldezeitraums, in dem sie ausgeführt wurde. 

warum penta desktop

Penta verbindet Banking und Buchhaltung

Was gilt bei Dauerleistungen und wiederkehrende Leistungen? 

Typische Leistungen, die als Teilleistungen gelten, sind Dauerleistungen wie Miet- oder Leasingverträge. Die entsprechenden Verträge musst Du im Rahmen der Anhebung der Mehrwertsteuer in 2021 wieder auf den regulären Steuersatz von 19 Prozent anpassen. 

Wartungsverträge hingegen gelten als wiederkehrende Leistungen, die zu einem bestimmten vereinbarten Zeitpunkt ausgeführt werden und auch dann abgerechnet werden. In diesem Fall ist der Steuersatz anzuwenden, der am Tag der tatsächlichen Ausführung der Leistungserbringung gilt. 

Mehrwertsteuer 2021: Vorsicht bei Gefälligkeitsrechnungen

Bei Leistungen, die bis zum Ende des Jahres nicht vollständig erbracht werden konnten, ist alternativ die Abrechnung von Teilleistungen möglich. Du darfst aber nur dann Teilleistungen abrechnen, wenn die Voraussetzungen dafür erfüllt sind. In diesen Fällen lässt das Finanzamt auch nachträgliche Vertragsanpassungen, die bis zum 31. Dezember 2020 vorgenommen wurden, zu.

Hier ist allerdings Vorsicht geboten, da davon auszugehen ist, dass das Finanzamt genau prüfen wird, ob es sich hier um Gefälligkeitsrechnungen handelt. Gewährst Du einem Kunden den gesenkten Steuersatz für eine Leistung, die nicht den Voraussetzungen für eine Teilleistung entspricht, kommt eine Nachzahlung der Differenz auf Dich zu.  

Eingangs- und Ausgangsrechnungen sorgfältig prüfen

Als Unternehmer bist Du dazu verpflichtet, darauf zu achten, dass bei eingehenden Rechnungen der korrekte Umsatzsteuersatz verwendet wird. Bei einem zu niedrigen Steuersatz schuldet der Unternehmer, der eine Leistung erbringt, dem Finanzamt die Differenz für die gesetzlich vorgeschriebene Umsatzsteuer. Wurde der Steuersatz zu niedrig angesetzt, darfst Du als Leistungsempfänger trotzdem nur den auf der Rechnung ausgewiesenen Steuerbetrag als Vorsteuer in Deiner Umsatzsteuervoranmeldung geltend machen.

Wie werden Anzahlungen und Vorauszahlungen versteuert?

Bei Anzahlungen und Vorauszahlungen ist entscheidend, wann diese Zahlungen geleistet wurden und wann die Leistungen tatsächlich erbracht wurden.

Für Anzahlungen, die Du vor der Mehrwertsteuersenkung erhalten hast, setzt Du den regulären Steuersatz von 19 Prozent an. Wurde die Leistung erst nach der Mehrwertsteuersenkung ausgeführt, gilt der ermäßigte Steuersatz von 16 Prozent. In der Schlussrechnung musst Du für die Anzahlung und die Leistungserbringung beide Steuersätze ausweisen. 

Entsprechendes gilt für Anzahlungen, die im zweiten Halbjahr 2020 geleistet wurden: Hier weist Du eine Mehrwertsteuer von 16 Prozent aus. Wird die Leistung bis zum 31. Dezember 2020 erbracht, gilt auch hier der Steuersatz von 16 Prozent. Wird die Leistung erst nach der Anhebung der Mehrwertsteuer in 2021 ausgeführt, musst Du 19 Prozent an das Finanzamt abführen. 

Die Nachversteuerungen oder Entlastungen von Anzahlungen müssen dabei im Voranmeldungszeitraum erfolgen, in dem eine Leistung ausgeführt wurde. 

Einzweck- oder Mehrzweckgutscheine?

Verkaufst Du Gutscheine, musst Du bei der Entstehung und Angabe des korrekten Steuersatzes zwischen Einzweck- und Mehrzweckgutscheinen unterscheiden. Stehen zum Zeitpunkt der Ausstellung eines Gutscheines der Ort der Lieferung oder der sonstigen Leistung und die für diesen Umsatz geschuldete Umsatzsteuer bereits fest, handelt es sich um einen Einzweckgutschein. Bei Einzweckgutscheinen gilt die Übertragung als Lieferung beziehungsweise Leistungserbringung. Bei Einzweckgutscheinen, die im zweiten Halbjahr 2020 verkauft wurden, gilt also der Steuersatz von 16 Prozent. 

Im Gegensatz dazu stehen bei Mehrzweckgutscheinen der Ort oder die für diesen Umsatz geschuldete Umsatzsteuer noch nicht fest. Mehrzweckgutscheine werden daher erst beim Einlösen versteuert. Das heißt, Mehrzweckgutscheine, die im zweiten Halbjahr 2020 verkauft wurden, aber erst nach der Anhebung der Mehrwertsteuer in 2021 eingelöst werden, gilt der Steuersatz von 19 Prozent.

Sonderregelung für Gastronomiebetriebe 

Während der Steuersatz für Speisen von 5 Prozent zum Jahresbeginn wieder auf 7 Prozent angehoben wurde, bleibt der Unterschied, ob Speisen im Lokal oder außer Haus verzehrt werden, noch bis 30. Juni 2021 irrelevant für die Erhebung der Mehrwertsteuer. Getränke werden ebenfalls wieder auf den Regelsteuersatz von 19 Prozent angehoben. Bei Menüs, die Speisen und Getränke beinhalten, wird der Pauschalpreis bei der Mehrwertsteuer nach dem Verhältnis von Speisen zu Getränken aufgeteilt.

Mehrwertsteuer 2021: Unberechtigten Mehrwertsteuerausweis vermeiden

Wie bei der vorübergehenden Mehrwertsteuersenkung im Juli 2020 gilt es auch 2021 bei der Rückkehr zur regulären Mehrwertsteuer von 19 beziheungsweise 7 Prozent unbedingt auf die korrekte Ausweisung der Umsatzsteuer und der Vorsteuer in Rechnungen zu achten. Prüfe Deine ausgehenden Rechnungen sorgfältig, um Steuernachzahlungen zu vermeiden. Entscheidend für die Entstehung der Steuer ist der Zeitpunkt, zu dem eine Leistung oder Lieferung ausgeführt wird. Da Du nur den erhobenen Steuersatz als Vorsteuer geltend machen darfst, achte auch bei eingehenden Rechnungen sorgfältig auf den korrekten Ausweis des Steuersatzes.

Weitere Informationen zur befristeten Absenkung des allgemeinen und ermäßigten Umsatzsteuersatzes zum 1. Juli 2020 sowie die Anhebung zum 1. Januar 2021 findest Du im Schreiben des Bundesministeriums für Finanzen.

lastschriften

Das ideale Geschäftskonto für Dein Business

Nach oben