Arbeitskleidung von der Steuer absetzen: Was musst Du beachten?

Yasmin
Yasmin Mai 2022 Content Editor 6 Min

Inhaltsverzeichnis

Professionelles Auftreten fängt in der Geschäftswelt mit ordentlicher Kleidung an. Obwohl Dresscodes mittlerweile weniger streng sind, erfordern bestimmte Anlässe nach wie vor klassische Business-Kleidung. Je nach Arbeitsbereich sind die Regeln mal weniger streng, mal ist Arbeits- oder Sicherheitskleidung oder sogar Uniform vorgeschrieben. Die Kosten für die Anschaffung und Pflege der Arbeitskleidung trägst Du in der Regel selbst.

Über die Steuer kannst Du Dir die Ausgaben für die Arbeitskleidung aber vom Finanzamt erstatten lassen. Wir sagen Dir, wie es geht und was Du beachten musst.

Steuerrechtliche Definition: Was ist Arbeitskleidung?

Ausgaben für typische Arbeits- oder Berufskleidung können unter bestimmten Voraussetzungen als Werbungskosten in der Einkommensteuererklärung geltend gemacht werden.

Das Finanzamt erkennt die Aufwendungen für Kleidung aber nur dann an, wenn Du diese ausschließlich während der Ausübung Deines Berufes trägst. Kleidung, die Du auch in Deiner Freizeit tragen könntest, gilt dagegen steuerrechtlich nicht als Arbeitskleidung.

Bürgerliche Kleidung

Konkret bedeutet das, Du kaufst Dir als Unternehmer einen Anzug oder ein Kostüm, die Du beispielsweise bei Terminen mit Kunden, Banken oder Investoren anziehst.

Die Aufwendungen für Anschaffung und Pflege kannst Du nicht als Arbeitskleidung von der Steuer absetzen, da Du diese Kleidungsstücke genauso gut zu einem privaten Anlass – einer Familienfeier, einer Weihnachtsfeier oder einem Besuch in der Oper – tragen könntest.

Das Gleiche gilt für die Kleidung von Musikern oder Schauspielern, die sie auf der Bühne oder bei Dreharbeiten tragen.

Typische Arbeitskleidung

In vielen Berufen ist Arbeits- oder Berufskleidung, Dienstkleidung oder Schutzkleidung Pflicht. In diesem Fall spricht das Steuerrecht von „typischer Arbeitskleidung, die aufgrund ihrer Beschaffenheit und ihrer Eigenart zur beruflichen Verwendung bestimmt und notwendig ist“.

Zur eindeutigen Arbeitskleidung gehören beispielsweise:

  • Uniformen
  • die Richterrobe 
  • der Talar eines Pfarrers
  • Amtstrachten
  • Kleidung mit Firmenlogo 
  • uniformähnlichen Kleidung (bspw. in der Gastronomie oder dem öffentlichen Dienst)
  • Bauhelme, Sicherheitsschuhe und Arbeitshandschuhe
  • Kittel für Ärzte und Pflegekräfte
  • Schutzkleidung gegen Hitze oder Chemikalien

Kein Werbungskostenabzug

Nicht abzugsfähig ist Kleidung, die unter der typischen Arbeitskleidung getragen wird. Hierzu zählen beispielsweise Schuhe, Socken, Unterwäsche, Funktionsunterwäsche oder normale weiße Kleidung wie T-Shirts, Hemden oder Hosen, die Ärzte unter ihren Kitteln tragen.

Rechtliche Grauzone

Die Grenze zwischen steuerlich abzugsfähiger und privater, steuerlich nicht abzugsfähiger Kleidung ist strittig.

Das Finanzgericht Berlin-Brandenburg hat entschieden (Urteil vom 29.08.2018, Az.: 3 K 3278/15), dass sich der schwarze Anzug, den bestimmte Berufsgruppen wie Trauerredner, Leichenbestatter oder Kellner tragen, nicht von der bürgerlichen Kleidung, die privat zu festlichen Anlässen getragen wird, unterscheidet. Das Verfahren ist anhängig, der Bundesfinanzhof (BFH) muss nun entscheiden, ob ein Abzug der Aufwendungen als Arbeitskleidung von der Steuer möglich ist.

Wie kannst Du Arbeitskleidung von der Steuer absetzen?

Erfüllt die Kleidung die Voraussetzungen, um bei der Steuer als Arbeitskleidung anerkannt zu werden, kannst Du neben Deinen Ausgaben für den Kauf auch Reinigungs- und Reparaturkosten für Berufskleidung als Werbungskosten geltend machen.

Sofern Arbeitgeber keinen Schadenersatz leisten, können Angestellte auch Aufwendungen für die Reinigung oder den Restwert von Kleidungsstücken bei der Steuer geltend machen, wenn diese bei der Arbeit beschmutzt oder beschädigt worden ist.

Wo wird die Arbeitskleidung in der Steuererklärung eingetragen?

Um Deine Aufwendungen für Arbeitskleidung als Arbeitnehmer geltend zu machen, addierst Du sämtliche Ausgaben für Anschaffung, Reinigung in Instandhaltung und trägst diese in der Anlage N unter „Aufwendungen für Arbeitsmittel“ bei den weiteren Werbungskosten (sonstiges, Zeile 46) in Deiner Einkommensteuererklärung ein.

Kannst Du Deine Ausgaben entsprechend mit Rechnungen und Quittungen belegen, kannst Du die Aufwendungen für Deine Arbeitskleidung in voller Höhe bei der Steuer geltend machen.

Pauschalversteuerung von Arbeitsmitteln

Kannst Du keine entsprechenden Belege vorweisen, kannst Du Deine Aufwendungen für Arbeitskleidung als Pauschale für Anschaffung, Reinigung und Reparatur von der Steuer absetzen.

Bei der Pauschalversteuerung erkennt das Finanzamt im Rahmen der Arbeitsmittel-Pauschale einen Betrag in Höhe von 110 € auch ohne den Nachweis durch Belege an. Voraussetzung ist, dass Du nachweisen kannst, dass es sich um typische Arbeitskleidung handelt.

Überlassung und Zuschüsse

Arbeitnehmer, die typische Arbeitskleidung von gestellt bekommen, Zuschüsse für die Anschaffung oder Wäschegeld für die Reinigung von ihren Arbeitgebern erhalten, dürfen ausschließlich ihrer eigenen Ausgaben von der Steuer absetzen. In der Steuererklärung wird nur die Differenz zwischen den eigenen Aufwendungen und den Erstattungen geltend gemacht.

Reinigungs- und Reparaturkosten für Arbeitskleidung

Gibst Du Deine Arbeitskleidung in die Reinigung oder bringst Du sie zum Änderungsschneider, lässt Du Dir Deine Ausgaben mit einer Quittung belegen, um sie in Deiner Steuererklärung geltend zu machen. 

Wie berechne ich meine Waschkosten?

Wäscht Du Deine Arbeitskleidung zu Hause in Deiner eigenen Waschmaschine, darfst Du Deine Aufwendungen für die Reinigung für die Steuer schätzen.

Für die Berechnung der Waschkosten benötigst Du fünf Angaben:

  • Wie viele Personen leben in Deinem Haushalt?
  • Wie viel wiegt Deine Arbeitskleidung?
  • Wie wäscht Du Deine Wäsche? (Kochwäsche, Buntwäsche, Feinwäsche)
  • Benutzt Du einen Wäschetrockner?
  • Bügelst Du Deine Wäsche?

Berücksichtigt wird die Gesamtmenge der angefallenen Arbeitskleidung innerhalb eines Kalenderjahres. Für Kochwäsche, Buntwäsche und pflegeleichte Wäsche werden unterschiedliche Lademengen anerkannt: Bei Kochwäsche/Buntwäsche bis 5 kg und bei pflegeleichter Wäsche bis 2,5 kg.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband e. V. hat im Dezember 2002 Pauschalsätze für die Reinigungskosten je Kilogramm Wäsche veröffentlicht.

Personen1234
WASCHEN



Kochwäsche (90 Grad)0,770,500,430,37
Buntwäsche (60 Grad)0,760,480,410,35
Pflegeleichte Wäsche0,880,600,530,47
TROCKNEN



Ablufttrockner0,410,260,230,19
Kondenstrockner0,550,340,290,24
DAMPFBÜGELN0,070,050,050,05

Quelle: Kanzlei-pfalz.de

Beispielrechnung Reinigungskosten

Eine Ärztin lebt mit ihrem Lebensgefährten in einem gemeinsamen Haushalt. Abzüglich ihres Jahresurlaubs ist die Ärztin 46 Wochen im Jahr im Dienst. Pro Woche werden cirka 5 kg Arbeitskleidung gewaschen: 2,5 kg Kochwäsche und 2,5 kg Buntwäsche an. Die gesamte Arbeitskleidung wird im Ablufttrockner getrocknet. Gebügelt wird nur die Buntwäsche.

  • 46 Wochen à 2,5 kg Kochwäsche x 0,50 €/kg = 57,50 €
  • 46 Wochen à 2,5 kg Buntwäsche x 0,48 €/kg = 55,20 €
  • 46 Wochen à 5,0 kg Ablufttrockner x 0,26 €/kg = 59,80 €
  • 46 Wochen à 2,5 kg Bügelwäsche x 0,05 €/kg = 5,75 €

Insgesamt kann die Ärztin für das Kalenderjahr also 178,25 € Reinigungskosten für ihre Arbeitskleidung bei der Steuer geltend machen.

Arbeitskleidung als Selbstständiger oder Unternehmen versteuern

Selbstständige und Unternehmen erfassen Ausgaben für Arbeitskleidung in ihrer Buchhaltung als betrieblichen Aufwand, der den Gewinn und damit die Steuerbelastung mindert. Die Berufsbekleidung wird entsprechend in der Steuererklärung für die Einkommen- bzw. die Körperschaftsteuer berücksichtigt.

Fazit: Arbeitskleidung von der Steuer absetzen

Angestellte können eigene Aufwendungen für typische Arbeitskleidung, die ausschließlich zur beruflichen Verwendung bestimmt und notwendig ist, in voller Höhe als Werbungskosten von der Steuer absetzen. Zu diesen Ausgaben zählen neben den Anschaffungskosten auch Reinigungs- und Instandhaltungskosten.

Voraussetzung ist, dass die Ausgaben mit Rechnungen und Quittungen belegt werden können. Wird die Wäsche selbst gewaschen, gibt sich das Finanzamt mit einer Schätzung zufrieden.

Alternativ zur Versteuerung sämtlicher Aufwendungen kannst Du Deine Ausgaben für Berufskleidung auch ohne Belege pauschal in Höhe von 110 € als Arbeitsmittel steuerlich geltend machen. Neben den Aufwendungen für Deine Arbeitskleidung werden hier aber auch weitere Arbeitsmittel berücksichtigt. Daher lohnt es sich häufig, sich die Mühe zu machen, die Reinigungskosten für die Arbeitskleidung zu berechnen und zusammen mit den Anschaffungskosten und Reparaturkosten anzugeben und zu belegen, statt Ausgaben für Arbeitskleidung pauschal zu versteuern.

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