Selbstständig machen: 8 Schritte zum Start in die Selbstständigkeit

Yasmin
Yasmin März 2022 Content Editor 20 Min

Inhaltsverzeichnis

Selbstständig machen kann sich grundsätzlich eigentlich jeder. Selbst ohne eine innovative Geschäftsidee oder Startkapital bieten sich Dir unendlich viele Möglichkeiten. Einen Masterplan für eine erfolgreiche Gründung gibt es leider nicht. Analysierst Du vorab Deine individuelle Situation und die Voraussetzungen, die Du für die Selbstständigkeit mitbringst, und beachtest ein paar Leitlinien, minimierst Du Dein Risiko zu scheitern und setzt Deinen Plan Schritt für Schritt erfolgreich in die Tat um.

Das Wichtigste in Kürze

  • Selbstständige zeichnen sich durch unternehmerische Unabhängigkeit und hohe Eigenverantwortung aus
  • Es sind keine persönlichen oder fachlichen Qualifikationen zwingend erforderlich
  • Berufserfahrung und Kenntnisse in Unternehmensführung sind allerdings hilfreich
  • Du kannst Dich aus unterschiedlichen Situationen heraus – auch nebenberuflich selbstständig machen
  • Unterschiedliche Stellen bieten Dir finanzielle und fachliche Unterstützung 

Selbstständig machen in 8 Schritten

Bevor es Ernst wird und Du Deine Unternehmen bei Ämtern und Behörden offiziell anmeldest, erwartet Dich die gründliche Vorbereitung Deines Gründungsvorhabens. Die wichtigsten Schritte haben wir Dir hier zusammengefasst.

Schritt 1: Geschäftsidee finden

Eine eigene Geschäftsidee zu entwickeln, ist gar nicht so einfach. Sie muss innovativ sein. Dein Produkt oder Deine Dienstleistung muss ein bestehendes Problem lösen und Deinen Kunden einen echten Mehrwert bieten. Hinzu kommt, dass die Gesellschaft mittlerweile deutlich bewusster konsumiert: Verbraucher erwarten heute den schonenden und ausgeglichenen Umgang mit Ressourcen. Produkte und Services müssen moralisch einwandfrei sein, damit Deine Kunden sich gesellschaftlich, politisch und im Hinblick auf die Umwelt wohlfühlen können. Zudem sollten Datenschutz und Datensicherheit im Vordergrund Deiner selbstständigen Tätigkeit stehen. 

Die Herausforderungen sind groß: Natürlich muss die Umsetzung Deiner Idee auch realisierbar und der Markt für Deine Idee vorhanden sein. Gelingt es Dir, Produkte und Services mit einem bedeutenden Mehrwert für die Gesellschaft und die Umwelt anzubieten, wirst Du mit Deiner Geschäftsidee aber gute Chancen auf langfristigen Erfolg haben.

Ideenfindung

Die besten Ideen, um sich selbstständig zu machen, entstehen häufig aus der Notwendigkeit, eine Lösung für ein bestimmtes Problem anzubieten. Gibt es keine konkrete Fragestellung, lass Dich bei der Ideenfindung von aktuellen Trends wie der Digitalisierung, Künstliche Intelligenz (KI) oder Umweltschutz und Nachhaltigkeit inspirieren.

Es ist nicht zwingend notwendig, eine eigene Geschäftsidee zu entwickeln. Alternativ kannst Du auch ein Franchise-Konzept, Copycats oder eine Unternehmensübernahme für Deine Selbstständigkeit in Betracht ziehen. 

FranchiseCopycatsUnternehmensnachfolge
Etablierte Unternehmen überlassen Dir gegen Gebühr die Rechte zur Namens- und Konzeptnutzung. So profitierst von einem bereits funktionierendem Geschäftsmodell inklusive eines Marketingplans und bist trotzdem Dein eigener Herr. Erfolgreiche Geschäftsmodelle werden von Gründern mit viel Kreativität nachgeahmt, ohne dabei Marken– oder Patentrechte zu verletzen. Im Vergleich zum Franchising bietet dieses Modell mehr kreativen Spielraum.Wer sich bei seiner Selbstständigkeit den Gründungsprozess sparen und gleich mit einem Unternehmen starten möchte, dass sich schon am Markt etabliert hat, übernimmt als Nachfolger eine bereits bestehende Firma.

Schritt 2: Businessplan erstellen

Unabhängig davon, ob Du Deinen Start in die Selbstständigkeit mit eigenen oder fremden Mitteln finanzieren willst, benötigst Du einen gut durchdachten Businessplan. Je sorgfältiger Du Deinen Start in die Selbstständigkeit planst, desto solider ist die Grundlage, Dein Vorhaben erfolgreich umzusetzen. Mit einem detaillierten Plan, der in der Regel aus einem Text- und einem Zahlenteil, dem Finanzplan, besteht, bist Du gut vorbereitet und kannst Start und Entwicklung Deiner Selbstständigkeit in die richtigen Bahnen lenken.

  • Verschaffe Dir einen Überblick über Markt und Wettbewerb, analysiere die Aussichten, mit Deiner Selbstständigkeit in Deinem Berufsfeld Fuß zu fassen und Deine Perspektiven, langfristig Erfolg zu haben.
  • Definiere Deine Ziele und mache Dir Gedanken, wie Du sie mit Deiner Selbstständigkeit erreichen kannst. Behalte Deine Ziele im Auge und passe sie nicht nur in der Gründungsphase, sondern im Verlauf der gesamten Unternehmensentwicklung immer wieder an.
  • Analysiere Deine Zielgruppe und entwerfe eine Marketingstrategie: Wie willst Du künftig Kunden gewinnen?
  • Analysiere den Standort, an dem Du Dein Unternehmen gründen und selbstständig arbeiten willst.
  • Überlege Dir, ob und wie viele Mitarbeiter Du benötigst, um Deinen Plan in die Tat umzusetzen.
  • Kalkuliere die Kosten für Deine Selbstständigkeit und überlege, ob Deine zu erwartenden Einnahmen die Ausgaben decken können.
  • Gib eine realistische Einschätzung der zu erwartenden Gewinne ab.

Für die Erstellung kannst Du Vorlagen oder Leitfäden nutzen, um sicherzustellen, dass der Businessplan für Deine Selbstständigkeit alle relevanten Bereiche abdeckt.

Schritt 3: Finanzierung klären

Der Finanzplan ist das Herzstück Deines Businessplans – insbesondere, wenn Du auf die Fremdfinanzierung angewiesen bist. Er stellt die Entwicklung Deines Unternehmens in Zahlen dar, die Banken und Investoren Aufschluss darüber geben, ob sich die Firmengründung wirtschaftlich lohnt. Darüber hinaus zeigt er die Höhe des notwendigen Kapitals auf, das Du für die Finanzierung Deiner Selbstständigkeit aufbringen musst. Er ist elementar wichtig, um einzuschätzen, ob Du in der Lage sein wirst, einen Kredit inklusive der fälligen Zinsen fristgerecht zurückzuzahlen. Zusätzlich dient er als wirksames Instrument, den Erfolg Deiner Selbstständigkeit zu überprüfen, finanzielle Risiken für Dein Unternehmen zu erkennen und rechtzeitig handeln zu können.

Mit Deinem gut durchdachten Businessplan inklusive Finanzplan machst Du Dich auf die Suche nach Investoren, die Dich bei der Umsetzung Deiner Geschäftsidee finanziell unterstützen. Welche Art der Finanzierung am besten zu Dir und Deinem Geschäftsmodell passt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Beispielsweise vom optimalen Verhältnis von Fremd- und Eigenkapital in Bezug auf Geschäftsmodell und Unternehmensphase oder ob Du bereit bist, einen Partner, Miteigentümer oder Investor ins Boot zu holen oder ob Du lieber unabhängig bleibst und Fremdkapital aufnimmst.

Unabhängig davon, ob Du Deine Selbstständigkeit mit Eigenkapital finanzierst, Startkapital von der Bank oder anderen Investoren benötigst oder einen Gründungszuschuss beantragst: Deine Unternehmensfinanzierung muss in jedem Fall optimal zu Deinem Geschäftsmodell, Deiner finanziellen Situation und der Phase passen, in der sich Dein Unternehmen befindet.

Gründungszuschuss oder Förderdarlehen beantragen

Der Staat unterstützt Gründungsvorhaben mit Förderdarlehen zu günstigen Konditionen. Diese zeichnen sich durch günstige Zinsen, lange Laufzeiten sowie einer tilgungsfreien Anlaufphase aus. Eine Übersicht der wichtigsten Förderprogramme findest Du im Existenzgründungsportal des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi). Alternativ bieten Fondsgesellschaften oder Förderbanken wie die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) oder die High-Tech Gründerfonds (HTGF) finanzielle Unterstützung während der Gründungsphase.

Wer aus der Arbeitslosigkeit heraus in die Selbstständigkeit startet, kann bei der Agentur für Arbeit den Gründungszuschuss beantragen. Dabei handelt es sich um einen echten Zuschuss, der nicht zurückgezahlt werden muss.

Schritt 4: Rechtsform wählen

Für den Start in Deine Selbstständigkeit kannst Du zwischen zahlreichen Rechtsformen für Dein Unternehmen wählen. Grob werden sie unterteilt in 

EinzelunternehmenPersonengesellschaftenKapitalgesellschaften
eingetragener Kaufmann) / eingetragene Kauffrau (e. K)
Kleingewerbe
Freiberufler
Offene Handelsgesellschaft (OHG) Kommanditgesellschaft (KG)
Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR)
Aktiengesellschaft (AG)
Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) Unternehmergesellschaft (UG)
Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA)

Soloselbstständige bevorzugen häufig die Gründung eines Einzelunternehmens. Als Einzelunternehmer befindet sich Dein Unternehmen vollständig in Deinem Besitz. Du hast den alleinigen Anspruch auf alle anfallenden Gewinne und Verluste und trägst das alleinige Risiko. Das heißt, Du haftest in vollem Umfang und auch mit Deinem Privatvermögen. Ein solches Unternehmen gründest Du entweder ohne Stammkapital oder mit einer beliebigen Summe. Aufwand und Kosten für die Gründung eines Einzelunternehmens sind vergleichsweise gering.

Bei Personengesellschaften stehen die beteiligten Gesellschafter im Fokus. Für eine Gründung werden mindestens zwei natürliche oder juristische Personen als Gesellschafter benötigt. Alle Gesellschafter haften persönlich und unbeschränkt auch mit ihrem Privatvermögen. Eine Kapitaleinlage ist üblich, aber keine Voraussetzung.

Bei Kapitalgesellschaften steht das hinterlegte Kapital im Vordergrund. Es besteht eine strikte Trennung zwischen der Gesellschaft als eigenständige juristische Person und ihren Gesellschaftern. Zur Gründung sind mindestens zwei natürliche oder juristische Personen notwendig. Eine Kapitaleinlage ist Voraussetzung. Ihre Höhe variiert je nach Gesellschaftsform zwischen 1 und 50.000 Euro. Kapitalgesellschaften haften mit ihrem Gesellschaftsvermögen.

Die Entscheidung für eine Rechtsform hat persönliche, finanzielle, steuerliche und rechtliche Folgen. Sie sollte daher gut überlegt sein: nicht nur im Hinblick auf die Gründung, sondern auch mit Blick in die Zukunft. Eine Unternehmensform, die zum Start Deiner Selbstständigkeit genau richtig war, kann sich später aufgrund von Veränderungen im Unternehmen als nachteilig erweisen.

Schritt 5: Unternehmensnamen finden

Mit Deinem Firmennamen, Markenname und Deinem Logo setzt Du Dich deutlich von Deinen Wettbewerbern ab. Gut gewählt, verschafft er Dir ein Alleinstellungsmerkmal am Markt und sichert Dir einen Wettbewerbsvorteil für Deine Selbstständigkeit. Ohne Markenschutz fehlt Dir allerdings die rechtliche Grundlage, Deinen Wettbewerbern die Nutzung Deines Namens zu untersagen oder sie auf Schadensersatz zu verklagen.

Social Media und Website

Überprüfe bei der Entscheidung für Deinen Firmennamen, ob die entsprechende Domain für Deine Unternehmenswebsite und die Social-Media-Kanäle noch frei sind. So stellst Du einen runden Gesamtauftritt Deines Unternehmens sicher.

Für den wirksamen rechtlichen Schutz Deines Firmennamens in Deutschland ist das Deutsche Patent und Markenamt (DPMA) zuständig. Ist Dein Unternehmen international tätig, solltest Du Deinen Firmennamen auch im Ausland schützen lassen. Den Markenschutz innerhalb der EU, die sogenannte Unionsmarke, erhältst Du beim Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum (European Union Intellectual Property Organization, kurz EUIPO). Trademarks für den Markenschutz im nicht europäischen Ausland beantragst Du bei der Weltorganisation für geistiges Eigentum (World Intellectual Property Organization, kurz WIPO).

Schritt 6: Selbstständigkeit anmelden

Um Deine Selbstständigkeit anzumelden, erwarten Dich einige formelle Gründungsschritte zur Anmeldung bei Ämtern und Behörden,

Freiberufler ausgenommen, führt Dich der erste Schritt in die Selbstständigkeit zum Gewerbeamt. Alle Gewerbetreibenden sind verpflichtet, sich vor Aufnahme ihrer selbstständigen Tätigkeit beim Gewerbeamt anzumelden und einen Gewerbeschein zu beantragen. Im Anschluss gibt das Gewerbeamt die Informationen über Deine Gründung an das Finanzamt, die Industrie- und Handelskammer (IHK) oder die Handwerkskammer (HWK) sowie die zuständige Berufsgenossenschaft weiter. 

Um Deine Steuer-ID-Nummer zu beantragen, wirst Du vom zuständigen Finanzamt aufgefordert, online den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung auszufüllen. Dieser dient zur Schätzung der Höhe Deiner künftigen Einnahmen im Rahmen Deiner Selbstständigkeit und der Festsetzung Deiner Steuerlast. Freiberufler, die keine Gewerbe anmelden müssen, sind verpflichtet, sich aktiv an das Finanzamt zu wenden, um ihre Steuernummer zu erhalten. Zu den wesentlichen Steuerarten für Unternehmen zählen die:

  • Einkommensteuer bzw. Körperschaftsteuer
  • Gewerbesteuer
  • Umsatzsteuer
  • Grunderwerbsteuer

Selbstständigkeit: Gewerbe vs. freiberuflich

Das Steuergesetz unterscheidet zwischen Gewerbetreibenden und Freiberuflern. Im Gegensatz zu den Gewerbetreibenden sind Freiberufler nicht verpflichtet, Gewerbesteuer zu bezahlen. Welche selbstständigen Tätigkeiten zu den freien Berufen, den sogenannten Katalogberufen, zählen, regelt § 18 Einkommensteuergesetz (EStG). Darüber hinaus sind Freiberufler von der Pflicht zur doppelten Buchführung befreit. Eine einfache Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) reicht dem Finanzamt für die Steuererklärung aus. Da nicht immer ganz eindeutig ist, welche Berufe als freie Berufe anerkannt werden, wende Dich vor Aufnahme Deiner selbstständigen Tätigkeit an Dein zuständiges Finanzamt.

Bist Du aufgrund der Rechtsform Deines Unternehmens handelsregisterpflichtig, musst Du es im Handelsregister anmelden. Dabei handelt es sich um ein öffentliches Verzeichnis, das Auskunft über die wesentlichen wirtschaftlichen Verhältnisse eines Unternehmens gibt. Für die Beurteilung, ob Du mit Deiner Selbstständigkeit im juristischen Sinne als Kaufmann zählst, werden im Wesentlichen Kriterien wie Art und Umfang Deiner Geschäftstätigkeit, Umsatz, Anzahl Deiner Beschäftigten, die Höhe des Betriebsvermögens und der Kredithöhe sowie die Anzahl der Standorte herangezogen. 

Welche Unterlagen Du für den Antrag einreichen musst, ist abhängig von der Abteilung, in der Dein Unternehmen eingetragen wird. Hier wird zwischen Handelsregister A und Handelsregister B unterschieden.

  • In Abteilung A oder Handelsregister A werden der Einzelkaufmann (e. K.), die offene Handelsgesellschaft (OHG), die Kommanditgesellschaft und die Europäische wirtschaftliche Interessenvereinigung (EWIV) eingetragen.
  • In Abteilung B oder Handelsregister B werden Aktiengesellschaften, die Kommanditgesellschaft auf Aktien, Gesellschaften mit beschränkter Haftung und der Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit geführt.

Handelsregistereintrag

Sofern Du für Deine Gründung Stammkapital hinterlegen musst, benötigt der Notar für den Handelsregistereintrag einen Kontoauszug Deines Firmenkontos sowie den Einzahlungsbeleg. Der Antrag wird mithilfe des Notars ausgefüllt, der ihn anschließend an das Amtsgericht weiterleitet. Nach einer Prüfung durch das Amtsgericht wird der Eintrag im Handelsregister im elektronischen Bundesanzeiger bekannt gegeben.

Gewerbetreibende, die mit ihrer Selbstständigkeit kein Handwerk ausüben, werden laut Gesetz grundsätzlich den Industrie- und Handelskammer (IHK) zugeordnet. Handwerker müssen sich zusätzlich in die Handwerksrolle aufnehmen lassen. Die Prüfung bzw. Einordnung, welcher Handwerkskammer ein Handwerker zugeordnet wird, übernimmt die IHK.

Zusätzlich musst Du Dich als Selbstständiger bei Deiner zuständigen Berufsgenossenschaft unfallversichern. Eine Übersicht der zuständigen Berufsgenossenschaften findest Du bei der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV). Von dieser Regelung ausgenommen sind Freiberufler.

Schritt 7: Geschäftskonto eröffnen

In Deutschland sind nur Kapitalgesellschaften dazu verpflichtet, ein Geschäftskonto zu führen. Ein Geschäftskonto empfiehlt sich allerdings immer für die Selbstständigkeit unabhängig von der Unternehmensform, um private und geschäftliche Zahlungen sauber voneinander zu trennen und jederzeit den Überblick über die Finanzen Deines Unternehmens zu behalten.

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Schritt 8: Versicherungen prüfen

Als Selbstständiger gehst Du sowohl beruflich als auch privat hohe Risiken ein. Geht beruflich etwas schief, hat das nicht nur Konsequenzen für Deine Selbstständigkeit, sondern auch für Deine private Absicherung. Aber keine Sorge. Du hast viele Möglichkeiten, Dich als Selbstständiger oder Freiberufler abzusichern. Dabei kommt es aber auf den richtigen Versicherungsschutz an. Nicht jede Versicherung ist für jeden Unternehmer sinnvoll. Dennoch gibt es sowohl im privaten als auch im betrieblichen Bereich Versicherungen, die für Dich als Unternehmer „Pflicht“ sein sollten.

Deine persönlichen Risiken decken die Krankenversicherung, die Rentenversicherung, eine Berufsunfähigkeits- und die Privathaftpflichtversicherung ab. Bei ihrer Kranken- und der Rentenversicherung haben Selbstständige die Wahl, ob sie sich freiwillig gesetzlich oder privat versichern. Eine Arbeitslosenversicherung für Selbstständige gibt es nicht. Zeiten ohne Einkommen sicherst Du mithilfe von Rücklagen ab.

Betriebs- und Berufshaftpflicht sowie eine Rechtsschutzversicherung für Selbstständige und die Sach- und Ertragsausfallversicherung bieten einen guten Schutz gegenüber betrieblichen Risiken in der Selbstständigkeit. 

Bestehende Versicherungen solltest Du sorgfältig überprüfen. So haftet die private Rechtsschutzversicherung beispielsweise nicht bei beruflichen Streitfällen. 

Merkmale: Wann ist man selbstständig?

Viele Menschen träumen davon, ihr eigener Chef zu sein und ihren Beruf unabhängig von einem festen Arbeitgeber auszuüben. Aber was genau unterscheidet eigentlich die Selbstständigkeit vom Angestelltenverhältnis? 

Per Definition bedeutet Selbstständigkeit, dass eine Person ihre berufliche Tätigkeit unabhängig von einem Arbeitgeber ausübt und auf eigene Verantwortung handelt. Selbstständige bieten ihre Leistungen auf eigene Rechnung an. Sie sind nicht weisungsgebunden und erledigen ihre Arbeit im Auftrag ihrer Kunden. Sie genießen die Freiheit, in Absprache mit dem Kunden selbst zu bestimmen, wann, wo und mit welchen Mitteln sie diesen Auftrag ausführen. Gleichzeitig tragen sie das alleinige unternehmerische Risiko und haften im Schadensfall. 

Alleine oder im Team selbstständig machen?

Der Status der Selbstständigkeit ist unabhängig davon, ob Du alleine arbeitest oder ob Du eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigst. Hast Du eigene Angestellte, bist Du Dritten gegenüber nicht für Dein eigenes Handeln, sondern auch für Schäden, die durch Deine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verursacht werden, verantwortlich.

Du kannst eine selbstständige Tätigkeit entweder als Hauptberuf ausüben oder Dich nebenberuflich selbstständig machen. Ob Deine Selbstständigkeit als Haupterwerb zählt, hängt davon ab, ob Du den Hauptanteil Deiner Einnahmen mit dieser selbstständigen Arbeit erwirtschaftest. Von einer nebenberuflichen Selbstständigkeit spricht man, wenn durch eine selbstständige Tätigkeit ein zusätzliches Einkommen verdient wird, dass das Einkommen aus einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis aber nicht übersteigt. 

Welche Voraussetzungen gibt es?

Grundsätzlich kann sich jeder seinen Traum vom eigenen Unternehmen erfüllen und sich selbstständig machen. Man hört zwar immer wieder von Gründerpersönlichkeiten. Es gibt aber keine besonderen Charaktereigenschaften, die Du zwingend mitbringen musst. Dennoch gibt es ein paar fachliche und persönliche Voraussetzungen, die Du für die Selbstständigkeit erfüllen solltest.

Neben den fachlichen Qualifikationen in Deinem Beruf musst Du zusätzlich über kaufmännische und betriebswirtschaftliche Kenntnisse verfügen. Wer sich selbstständig machen will, muss auch in der Lage sein, unternehmerisch zu denken und zu handeln. Du bist für den Einkauf, die Preiskalkulation, die Buchhaltung und die Steuern verantwortlich. Planst Du, eigene Angestellte zu beschäftigen, solltest Du auch in den Themen Arbeitsrecht und Mitarbeiterführung fit sein. 

Natürlich kannst Du Dir Hilfe holen. Gerade in der Anfangsphase Deiner Gründung wirst Du Dir aber nicht unbedingt gleich einen eigenen Mitarbeiter für die Buchhalter oder einen externen Buchhalter und Steuerberater leisten können. Und selbst wenn: Als Unternehmer solltest Du zumindest mit den Basics ordnungsgemäßer Buchhaltung vertraut sein und Dich nicht blind auf andere verlassen. 

Ein digitales Geschäftskonto unterstützt Dich dabei, Deine Finanzen jederzeit im Blick zu behalten. Zudem kannst Du Dir die Buchhaltung erheblich erleichtern, wenn Du Dich für einen Anbieter entscheidest, der Dir ein Geschäftskonto mit einer integrierten Buchhaltungssoftware und einer Schnittstelle zu Deinem Steuerberater anbietet. 

Darüber hinaus musst Du eine gewisse Risikobereitschaft, Mut und Durchhaltevermögen mitbringen. Trotz einer großartigen Geschäftsidee, stimmigen Konzept und solider Finanzierung wird nicht immer alles glattlaufen. Nicht jeder ist diesem Druck gewachsen. Besonders in Krisenzeiten sind auch Deine sozialen Kompetenzen gefragt: Läuft etwas nicht zufriedenstellend, ist es an Dir, mit Kunden, Geschäftspartnern, Angestellten oder Geldgebern zu kommunizieren. Diese Aufgabe nimmt Dir als Selbstständiger niemand ab. 

Ob Du Dich tatsächlich für die Selbstständigkeit eignest, kannst Du vermutlich selbst am besten einschätzen. Wenn Du eine gute Idee hast, für die Du brennst, sei mutig und lass Dich nicht aufhalten. 

Selbstständig machen – 4 Gründungssituationen

Gleich nach dem Studium, aus einem festen Arbeitsverhältnis heraus, als Übergang in das Rentenalter oder als Weg aus der Arbeitslosigkeit: Es gibt viele unterschiedliche Szenarien, wie Du Dich selbstständig machen kannst.

Nebenberuflich selbstständig machen

Wer den Schritt in die Selbstständigkeit langsam angehen möchte, kann sich zunächst erst einmal nebenberuflich selbstständig machen. Dieses Szenario hat gleich mehrere Vorteile:

  • Du bist über Deinen Arbeitgeber sozialversichert
  • Du erhältst weiterhin ein Gehalt, dass Dich finanziell absichert
  • Du kannst Dir die Zeit nehmen, herauszufinden, wie Du Deine Geschäftsidee am besten umsetzen kannst
  • Du benötigst in der Regel weniger Gründungskapital 

Damit diese Vorteile nicht zu Nachteilen werden, musst Du allerdings auch ein paar Dinge bei der nebenberuflichen Selbstständigkeit beachten. So solltest Du auf jeden Fall Deinen Arbeitgeber rechtzeitig über Dein Gründungsvorhaben informieren. Zwar hat dieser nicht das Recht, Dir eine Gründung zu verbieten. Sinkt Deine Leistungsbereitschaft oder machst Du Deinem Arbeitgeber mit Deinem eigenen Unternehmen Konkurrenz, ist Ärger bis hin zur Kündigung vorprogrammiert. 

Entsprechend muss Dein Gehalt aus Deiner Festeinstellung auch den Hauptanteil an Deinem Einkommen ausmachen. Andernfalls läufst Du Gefahr, Deine Sozialversicherungsbeiträge wie jeder Selbstständige aus der eigenen Tasche zu finanzieren. Um hier Missverständnisse zu vermeiden, solltest Du daher auch Deine Krankenkasse über Deine Gründung informieren und die Einkommensgrenze klären.

Unterschätze zudem auch als nebenberuflicher Gründer nicht den Aufwand, der mit Gründung und Führung Deines eigenen Unternehmens auf Dich zukommt. Bei den formellen Gründungsschritten macht der Umfang Deiner Selbstständigkeit keinen Unterschied. Und bei der Unternehmensführung bist Du ebenfalls verpflichtet, Rechnungen zu schreiben, Dich sorgfältig um die Buchhaltung zu kümmern und alle erforderlichen Steuererklärungen fristgerecht abzugeben.

Selbstständig machen aus dem Studium

Im Grunde genommen handelt es sich auch hier um eine nebenberufliche Gründung. Warum? Ganz einfach: Dein Studium gilt als Deine Hauptbeschäftigung. Entsprechend musst Du bei einer Gründung während des Studiums ebenfalls Deine Krankenkasse informieren, da sich die Höhe Deiner Krankenkassenbeiträge durch Deine Einnahmen als Unternehmer erhöhen können.

Zudem darfst Du in der Vorlesungszeit auch nicht mehr als 20 Stunden pro Woche arbeiten, ohne Deinen Studentenstatus zu riskieren. Wer finanzielle Unterstützung in Form von BAföG bezieht, muss ebenfalls klären, welche Einnahmen er maximal erwirtschaften darf, ohne eine Kürzung der finanziellen Unterstützung in Kauf nehmen zu müssen.

Selbstständig machen aus der Arbeitslosigkeit

Wer arbeitslos ist und sich selbstständig machen möchte, um wieder selbst für sein Einkommen zu sorgen, erhält unter bestimmten Voraussetzungen Unterstützung von der Agentur für Arbeit. Um sich aus der Arbeitslosigkeit selbstständig zu machen, kannst Du den Gründungszuschuss beantragen. Dieser Zuschuss steht Arbeitslosen aber nicht automatisch zu. 

Die Bewilligung ist an verschiedene Voraussetzungen gebunden, die Du erfüllen musst, um finanzielle Unterstützung für Dein Gründungs­vorhaben zu bekommen:

  • Du musst Arbeitslosengeld I (ALG I) beziehen
  • Du musst bei Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit noch mindestens 150 Tage Anspruch auf den Bezug des ALG I haben
  • Du benötigst einen Businessplan
  • Du benötigst ein Gutachten von offizieller Stelle, dass das Erfolgspotenzial Deines Gründungsvorhaben bestätigt
  • Du musst die entsprechende persönliche und berufliche Qualifikation nachweisen

Wird Dein Antrag bewilligt, erhältst Du bis zu 15 Monate finanzielle Unterstützung, die Du weder versteuern noch zurückzahlen musst. 

Selbstständig machen aus der Beschäftigung

Machst Du Dich aus einem Angestelltenverhältnis heraus selbstständig, erwarten Dich Veränderungen – insbesondere in den Bereichen Steuern und Versicherungen. 

Während Du zuvor die Lohnsteuer auf Dein Gehalt gezahlt hast, wird für Dein Einkommen aus einer selbstständigen Tätigkeit die Einkommensteuer bei Einzelunternehmern und Personengesellschaften bzw. die Körperschaftsteuer bei Kapitalgesellschaften erhoben. Zudem sind selbstständige Unternehmer verpflichtet, Umsatzsteuer, Gewerbesteuer und Lohnsteuer zu bezahlen. Welche Steuerarten für Dich relevant sind, hängt der Rechtsform Deines Unternehmens ab. Nimmst Du zudem die Kleinunternehmerregelung in Anspruch, bist Du von der Umsatzsteuer befreit. 

In Bezug auf die Absicherung Deiner privaten und beruflichen Risiken musst Du wissen, dass Du als Selbstständiger selbst für Deinen Versicherungsschutz verantwortlich bist. Bei der Kranken- und der Rentenversicherung hast Du die Wahl, Dich freiwillig gesetzlich oder privat zu versichern.

Vor- und Nachteile der Selbstständigkeit

Wie alles im Leben hat auch die Selbstständigkeit ihre Vor- und Nachteile. Wer sich selbstständig macht, genießt beispielsweise viele Freiheiten. Gleichzeitig trägt er aber auch das unternehmerische Risiko. 

Vorteile der Selbstständigkeit

  • Du bist Dein eigener Herr 
  • Du entscheidest, welche Aufträge Du annimmst
  • Du entscheidest, wann, wo und wie Du eine Aufgabe erledigst
  • Du kannst Deine eigenen Ideen umsetzen
  • Eigenverantwortung, Selbstdisziplin und Eigenorganisation werden gestärkt
  • Als Unternehmer genießt Du großes Ansehen

Nachteile der Selbstständigkeit

  • Dein Einkommen unterliegt Schwankungen und ist nicht planbar
  • Du trägst das Risiko und die Verantwortung
  • Du bist selbst für die Absicherung privater und beruflicher Risiken verantwortlich
  • Du hast keine geregelten Arbeitszeiten
  • Du musst im Notfall auch am Wochenende oder im Urlaub erreichbar sein 
  • Du musst auch Aufgaben, die nicht zu Deinen Kernkompetenzen zählen (z. B. die Buchhaltung) erledigen 

Selbstständig machen: Wo finde ich Hilfe?

Wer gründen will, hat viele Fragen. Antworten rund um das Thema Selbstständigkeit bekommst Du bei zahlreichen kompetenten Anlaufstellen in Deiner Stadt. 

Kostenlose Gründungsberatung

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) sowie die Handwerkskammern bieten unentgeltliche Gründungs- und Unternehmensberatungen an. Darüber hinaus bieten Berufsverbände häufig ebenfalls Gründungsinformationen an. In Form von persönlichen Beratungsgesprächen, Seminaren oder Veranstaltungen erhältst Du bei diesen Einrichtungen kostenlose Unterstützung für Deinen Start in die Selbstständigkeit. Einen guten Überblick über Deine Möglichkeiten, Dich vor Umsetzung Deines Vorhabens kompetent beraten zu lassen, findest Du zudem im Existenzgründungsportal des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi).

Qualifikationen, einen Betrieb zu leiten

Keine Ahnung von Buchhaltung, Personalmanagement oder Finanzierungsplänen? Damit Deine Selbstständigkeit nicht an mangelnden kaufmännischen und unternehmerischen Kenntnissen scheitert, eigne Dir bereits vor der Gründung das notwendige Wissen an. Auch hier kannst Du wieder die Angebote der Handels- und Handwerkskammern nutzen und beispielsweise einen Existenzgründungskurs besuchen. Informiere Dich darüber hinaus rechtzeitig, ob Du weitere Nachweise, beispielsweise einen Meisterbrief, benötigst oder bestimmte Bedingungen erfüllen musst, um Dich mit Deinem eigenen Betrieb selbstständig zu machen.

Gründungsberatung für Freiberufler

Ein spezielles Beratungsangebot für Selbstständige, die in einem der freien Berufe beispielsweise als Unternehmensberater, Rechtsanwalt, Arzt, Ingenieur, Künstler oder Journalist arbeiten wollen, erhalten die entsprechende Beratung beim Institut für Freie Berufe. 

Gründungsberatung für Arbeitslose

Wer aus der Arbeitslosigkeit in die Selbstständigkeit startet, erhält von der Agentur für Arbeit beratende Unterstützung sowie unter bestimmten Voraussetzungen auch finanzielle Unterstützung.

Kostenpflichtige Gründungsberatung

Natürlich kannst Du Dir bei der Vorbereitung Deiner Selbstständigkeit auch Unterstützung bei einem honorarpflichtigen Unternehmens- oder Existenzgründungsberater holen. Einige Bundesländer gewähren einen Zuschuss zu diesen kostenpflichtigen Leistungen.

Fazit: Mut zur Selbstständigkeit!

Viele Menschen träumen davon, ihr Angestelltendasein gegen die Selbstständigkeit einzutauschen und künftig selbstbestimmt ihr Geld zu verdienen. Aus Angst davor zu scheitern, bleibt es häufig leider nur ein Traum. Für Deinen Schritt in die Selbstständigkeit gibt es keinen Masterplan. Hab Mut, sei motiviert und erstelle mit ein paar Tipps eine detaillierte Planung für den Start in Deine Selbstständigkeit. So minimierst Du Dein Risiko zu scheitern und setzt Deinen Plan Dich selbstständig zu machen Schritt für Schritt erfolgreich in die Tat um.

Banking, das sich Deinem Unternehmen anpasst

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