Der Börsengang Deines Unternehmens

Yasmin
Yasmin April 2021 Content Editor 11 Min

Inhaltsverzeichnis

Ist Dein Unternehmen reif für den Aktienmarkt ist der Börsengang eine gute Alternative, an Kapital zu gelangen, ohne dabei Einschränkungen Deiner unternehmerischen Unabhängigkeit hinnehmen zu müssen. Gleichzeitig steigert er die Bekanntheit Deines Unternehmens. Andererseits kommen mit dem Börsengang hohe Kosten und weitreichende Verpflichtungen bei der Unternehmensführung auf Dich zu.

Bevor Dein Unternehmen an die Börse kommt, muss es bestimmte Voraussetzungen erfüllen durchlaufen. Angefangen bei der Prüfung der Börsenreife über die Auswahl der Banken, die Bekanntmachung Deines Börsengangs, der Preisfindung für Deine Aktien bis hin zur Zuteilung und Zeichnung der Aktien steht Dir ein zeit-, arbeits- und kostenintensiver Prozess bevor.

Was heißt „an die Börse gehen“?

Als Börsengang oder Börseneinführung wird die Aufnahme von Aktien in den Handel einer Börse bezeichnet, der in der Regel von einer oder auch mehreren Investmentbanken begleitet wird. Im Englischen spricht man vom going public oder initial public offering (IPO). In Deutschland gibt es insgesamt acht Börsenplätze, an denen der Parketthandel oder auch Präsenzhandel mit Aktien stattfindet. Hier zu zählen die:

  • Frankfurter Wertpapierbörse
  • Börse  Berlin 
  • Börse  Bremen
  • Börse  Düsseldorf
  • Börse  Hamburg
  • Börse  Hannover
  • Börse München
  • Börse Stuttgart

Der Frankfurter Börse sind darüber hinaus die elektronischen Handelsplattformen Xetra und Eurex zugeordnet.

Börsenreife: Die Voraussetzungen für Deinen Börsengang 

Um Aktien für Dein Unternehmen an eine dieser Börsen zu platzieren, muss es bestimmte rechtliche Voraussetzungen erfüllen. Hierbei handelt es sich um gesetzliche und satzungsrechtliche Zulassungsvoraussetzungen und Folgepflichten, die objektiv und nachprüfbar sind. Kann Dein Unternehmen diese rechtlichen Kriterien nicht vollständig und uneingeschränkt erfüllen, bleibt ihm der Weg an die Börse verwehrt. Obwohl es neben diesen Voraussetzungen keine weiteren zwingenden Kriterien für den Börsengang gibt, spielen weitere wirtschaftliche und organisatorische Anhaltspunkte eine Rolle bei der Frage, ob ein Unternehmen reif für die Börse ist.

Ob Dein Unternehmen die rechtlichen, wirtschaftlichen und organisatorischen Bedingungen erfüllt und damit reif für die Börse ist, zeigt eine Analyse der Stärken und Schwächen Deines Unternehmens, der Wettbewerbssituation und des Börsenumfelds, die von einem unabhängigen Berater geprüft werden.

Die rechtlichen Voraussetzungen

Eine der wesentlichen Voraussetzungen für den Börsengang ist die Rechtsform Deines Unternehmens. In Deutschland sind hierzu ausschließlich die folgenden Kapitalgesellschaften zum Handel an der Börse zugelassen:

Firmiert Dein Unternehmen unter einer anderen Gesellschaftsform, beispielsweise als Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH), muss es zunächst in eine der zulässigen Gesellschaftsformen umgewandelt werden. 

Deutscher Corporate Governance Kodex

Ist dieser Schritt getan und Du bist entschlossen, den Börsengang zu wagen, mach Dich mit dem Deutschen Corporate Governance Kodex (DCGK) vertraut. Die gesetzlichen Vorschriften zur Leitung und Überwachung börsennotierter Unternehmen in Deutschland sind im Wesentlichen im deutschen Aktiengesetz (AktG) geregelt. Der Kodex enthält darüber hinaus Empfehlungen und Anregungen sowie international und national anerkannte Standards zur guten Unternehmensführung. Ziel des Kodex ist, die in Deutschland geltenden Regeln für Unternehmensleitung und -überwachung für nationale und internationale Investoren verständlich und transparent zu machen, um so das Vertrauen in die Unternehmensführung deutscher Gesellschaften und dem deutschen Kapitalmarkt zu stärken. Der Kodex stellt eine Selbstverpflichtung der Unternehmen dar. Entsprechend muss Dein Unternehmen vor Börsengang auch in der Lage sein, die Vorschriften des Deutschen Corporate Governance Kodex zu erfüllen.

Publizitätspflichten

Das Stichwort Transparenz führt Dich auf direktem Wege zu Deiner nächsten Verpflichtung: Der Publizitätspflicht. Vor dem Börsengang bist Du verpflichtet, eine schriftliche Zusammenstellung der relevanten Unternehmensdaten sowie die Aktien- und Anleihebedingungen im Wertpapierprospekt, auch Emissions- oder Verkaufsprospekt genannt, zu veröffentlichen. Nach dem Börsengang warten weitere regelmäßige Publizitätspflichten auf Dich. Hierzu zählen der jährliche Geschäftsbericht, die Zwischen- oder Quartalsbericht, Ad-hoc-Mitteilungen, Aktionärsbriefe, die Hauptversammlung sowie die regelmäßige Kommunikation mit den Aktionären (Investor Relations). All diese Maßnahmen tragen dazu bei, Investoren dabei zu unterstützen, sich ein Bild von der wirtschaftlichen Lage zu machen, bevor sie in ein Unternehmen investieren.  

Für die Aufnahme in den Handel am geregelten und amtlichen Markt muss Dein Unternehmen zudem die formalen Kriterien des Prime Standard an der Deutschen Börse erfüllen:

  • der Streubesitz (free float) weist innerhalb der Mitgliedsstaaten der EU oder des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) mindestens 25 Prozent auf  
  • der voraussichtliche Kurswert der Aktien beträgt mindestens 1,25 Millionen Euro 
  • es werden mindestens 10.000 Aktien ausgegeben 

Wirtschaftliche Faktoren

Erfüllt Dein Unternehmen die rechtlichen Voraussetzungen für den Börsengang, geht es weiter mit der Überprüfung der wirtschaftlichen Reife. Hier gibt es allerdings keine konkreten verbindlichen Richtwerte über die Höhe des jährlichen Umsatzes, mit dem ein Unternehmen als börsenreif gilt. Es geht vielmehr darum, ein Gesamtbild aus der bisherigen wirtschaftlichen Entwicklung, der Positionierung eines Unternehmens im Markt und im Vergleich zum Wettbewerb und seine Aussichten für die Zukunft anhand der wirtschaftlichen Kennzahlen zu erstellen. Aber nicht nur die Kennzahlen müssen überzeugen. Weitere Faktoren zahlen auf die wirtschaftliche Reife eines Unternehmens ein:

  • die Kompetenz des Managementteams
  • Dein Geschäftsmodell
  • die Strategie für die Zukunft
  • Umsatz- und Ergebnisplanung
  • Wettbewerbspositionierung

Markt und Branche

Um die Börsenreife Deines Unternehmens zu ermitteln, musst Du auch den Markt und die Branche, in denen Dein Unternehmen agiert, in Deine Analyse mit einbeziehen. Hier geht es unter anderem um Fragen zur Wettbewerbsintensität oder dem Wachstumspotenzial einer Branche. Hier ist es von Vorteil, wenn Dein Unternehmen seine Position am Markt bereits gefestigt hat und sich bereits einen guten Namen in der Branche verschafft hat.

Als Gründer eines Start-ups weißt Du bereits, wie wichtig der Innovationsgrad Deiner Geschäftsidee sowie eine klare Wachstums- und Unternehmensstrategie und detaillierte Unternehmensplanung, um Investoren für Dein Unternehmen zu gewinnen. Überzeugt das Ergebnis der Analyse der wirtschaftlichen Faktoren die Investoren nicht von der Börsenreife Deines Unternehmens, werden sie voraussichtlich trotz Erfüllung der rechtlichen Kriterien keine Aktien erwerben. 

Wie hoch die Barrieren für den Börsengang liegen, hängt letztlich aber nicht nur von Deinem Unternehmen, sondern auch vom Börsenklima ab. So kann ein positives Börsenklima mit einer größeren Zahl von Börsengängen Einfluss auf die Ansprüche des Kapitalmarkts an den Grad der Börsenreife haben.

Startklar für den Börsengang?

Bevor es endgültig losgehen kann, muss Dein Unternehmen organisatorisch so aufgestellt sein, dass das Controlling sowie das interne und externe Rechnungswesen an die Erfordernisse des Kapitalmarktes angepasst sind. Zudem muss Dein Unternehmen über ein kompetentes Managementteam und ein zuverlässiges Risikomanagementsystem verfügen sowie eine transparente Unternehmens- und Organisationsstruktur aufweisen. 

Von der Analyse und Planung über die Durchführung bis hin zum Börsengang rechnen Experten mit einem Zeitraum von mindestens einem Jahr. Hast Du die Zulassungsvoraussetzungen für den Börsengang bzw. Deine Börsenreife geprüft, stehst Du immer noch am Anfang eines besonders zeit-, kosten- und arbeitsintensiven Projekts. Eine Aufgabe, die Du ohne Hilfe ausgewiesener Experten allein kaum bewältigen kannst. Zudem kannst Du Dir keine Fehler erlauben, die den Börsengang verzögern oder sogar verhindern. Vertraue bei Deinem Weg an die Börse daher auf unabhängige Spezialisten aus unterschiedlichen Fachbereichen wie Banken, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Rechtsanwälte und PR-Profis, die Dich mit ihrem Know-how unterstützen. 

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Die richtige Bank für Deinen Börsengang

Im nächsten Schritt steht die Auswahl einer oder mehrerer Banken, die den Börsengang Deines Unternehmens begleiten, auf dem Plan. Die Komplexität des Börsengangs erfordert eine intensive und vor allem vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Bank. Die Auswahl solltest Du daher besonders sorgfältig treffen. Die wesentlichen Kriterien für eine erfolgreiche Zusammenarbeit sind:

  • Fundierte Erfahrungen mit Börsengängen
  • Verständnis für Dein Geschäftsmodell
  • Zugang zu institutionellen Investoren und Privatanlegern
  • Erfahrung und gute Bewertungen der Analysten in Bezug auf die Erstellung des Research Reports und der Equity Story

In der Regel fungiert ein Institut als führende Bank (Konsortialführer) und wird beim Börsengang von weiteren Banken, dem Bankenkonsortium, unterstützt. Achte bei der Zusammenstellung darauf, dass die verschiedenen Banken möglichst alle für Deinen Börsengang relevanten Investorengruppe ansprechen. Wie viele Banken letztendlich den Börsengang unterstützen, hängt meist von der Höhe des erwarteten Emissionsvolumens ab.

Den infrage kommenden Banken wird über ein Fact Book ein umfassender Einblick in das Unternehmen gewährt. Bei Interesse bewerben sich die Banken im sogenannten Beauty Contest um die Begleitung des Börsenganges. Dazu geben sie ihre Angebote über die Kosten und die Konditionen ab.

Hast Du Dich für ein Bankenkonsortium entschieden, legt es fest, wie der Börsengang durchgeführt werden soll, welche Investoren angesprochen werden sollen, ob es Rabatte oder Restriktionen für besondere Investorengruppen geben soll.

Im Anschluss folgt die Due-Dilligence-Prüfung. Diese teilt sich auf in die legal Due Dilligence und in die financial Due Dilligence auf und dient der wirtschaftlichen und organisatorischen Überprüfung des Unternehmens. Auf dieser Basis stellt ein unabhängiger Wirtschaftsprüfer den Comfort Letter aus – eine Bestätigung, dass die angegebene Kennzahlen korrekt sind. 

Was sind Deine Aktien beim Börsengang wert?

Investoren interessiert natürlich, welchen Börsenwert Dein Unternehmen hat bzw. wie hoch der Emissionswert – also der Preis pro Aktie – beim Börsengang sein wird. Um hier einen ersten Eindruck zu vermitteln, erstellen die Konsortialbanken die Research Reports (Finanzstudien)

Du kannst Deine Aktien entweder zum Festpreis verkaufen oder eine Preisspanne mit einem Minimalpreis und einen Maximalpreis festlegen. Bei der Preisspanne entscheiden die Investoren, wie viel sie maximal für eine Aktie zahlen würden. Der Durchschnitt ihrer Gebote ist der Kurs, zu dem die Aktie dann ausgegeben wird. Zu welchem Preis eine Aktie letztendlich angeboten wird, hängt vom geschätzten Wert des Unternehmens sowie von der aktuellen Marktlage an den Börsen ab.

Zeichnung und Zuteilung der Aktien

Steht der Preis fest, werden die Aktien öffentlich zur Zeichnung angeboten. Das bedeutet, interessierte Investoren legen sich verbindlich fest, wie viele Aktien sie zu welchem Maximalpreis erwerben möchten. Die Zeichnung findet über das Bankenkonsortium statt. Übersteigt die Nachfrage das Angebot an Aktien, spricht man von einer Überzeichnung. Die Banken halten allerdings immer noch eine bestimmte Anzahl an Aktien in Reserve und entscheiden darüber, ob weitere Aktien ausgegeben werden. 

Die Zuteilung der Aktien erfolgt dann kurz vor dem offiziellen Börsengang zum festgelegten Emissionspreis. Die Aktien werden am Tag des Börsengangs erstmalig an der Börse gehandelt. Der erste amtlich festgestellte Kurs für die Aktien wird als Erstnotiz bezeichnet.

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Wie kannst Du Anleger für Deine Aktien gewinnen?

Um Investoren zu finden, die sich für den Kauf Deiner Aktien interessieren, musst Du Deinen Börsengang natürlich noch entsprechend bekannt machen. Die Due Dilligence dient als Grundlage für die Equity Story und den Börsenprospekt, der den Investoren als Information zur Verfügung gestellt wird. Darüber hinaus sind weitere Marketing- und Kommunikationsmaßnahmen notwendig. Welche Maßnahmen hier passend sind, hängt von den unterschiedlichen Zielgruppen ab, die Du mithilfe Deiner Kommunikation erreichen möchtest. 

Private Anleger oder Mitarbeiter beispielsweise haben andere Anforderungen an Informationen als institutionelle Investoren. Als weitere Zielgruppe musst Du Analysten und Journalisten, die kein eigenes Interesse am Erwerb Deiner Aktien haben, sondern als Multiplikatoren dienen, im Blick haben.

Die Kommunikation an die verschiedenen Interessengruppen ist Managementaufgabe. Insbesondere Investoren wollen direkt von der Unternehmensführung informiert werden. Gemeinsam mit Investor Relations und der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit werden die Informationen zielgruppengerecht bereitgestellt. 

Der Bereich Investor Relations bedient sich dabei zahlreicher Maßnahmen und Informationsveranstaltungen wie:

  • Roadshows
  • Analsytengesprächen
  • Investorengesprächen
  • Presse- und Analystenkonferenzen
  • der Unternehmenswebsite
  • einem Newsletter – auch Aktionärsbrief genannt

Investor Relations ist auch nach dem erfolgreichen Börsengang Deines Unternehmens Hauptansprechpartner für Aktionäre und verantwortlich für die regelmäßige Kommunikation.

Zu den Pflichtterminen zählen neben der jährlichen ordentlichen Hauptversammlung unter anderem die Veröffentlichung der Quartalsberichte und dem jährlichen Geschäftsbericht. Um den Spagat zwischen den Interessen der Privatanleger und den institutionellen Investoren enthält der Geschäftsbericht längst nicht mehr „nur“ trockene Zahlen. Vielmehr soll die aufwendige Gestaltung alle Zielgruppen gleichermaßen ansprechen und das Image des Unternehmens fördern. Neben detaillierten Fakten und übersichtlichem Zahlenmaterial transportiert der Geschäftsbericht auch die Equity Story als zentrale kommunikative Botschaft des Unternehmens. Für die persönliche Ansprache sorgt das Vorwort des Vorstandes.

Der Börsengang: Chance und Herausforderungen

Die Vorbereitung und Durchführung des Börsengangs wird Dich Zeit, Geld und Aufwand kosten. Für börsennotierte Unternehmen gelten zahlreiche Pflichten – nicht nur beim Börsengang, sondern auch später in der Unternehmensführung. So sind sie beispielsweise verpflichtet, verschiedene Transparenz- und Verbotsvorschriften zu befolgen, Ad-hoc-Meldungen zu veröffentlichen, regelmäßig Finanzberichte zu publizieren oder Stimmrechtsmitteilungen der Marktteilnehmer zu melden. 

Ein Aufwand, der sich aber durchaus lohnen kann. Bringt Dein Unternehmen die entsprechende Börsenreife mit, profitierst Du nach dem Börsengang von zahlreichen Vorteilen wie finanzieller Flexibilität und Unabhängigkeit von Kreditgebern und sicherst Dir gleichzeitig Deine unternehmerische Freiheit. Du steigerst durch den Einführungsprozess die Bekanntheit Deines Unternehmens und hast die Chance, sein Image und seine Attraktivität als Arbeitgeber zu verbessern.

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