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Haben Selbstständige Anspruch auf Elterngeld?

Yasmin
Yasmin Juni 2021 10 Min

Inhaltsverzeichnis

Elterngeld und Elternzeit geben frisch gebackenen Eltern die Möglichkeit, in den ersten Monaten nach der Geburt voll und ganz für ihren Nachwuchs da zu sein. Natürlich haben auch Selbstständige Anspruch auf Elterngeld: Paare, bei denen beide oder ein Elternteil selbstständig tätig sind, haben ebenfalls Anspruch auf die Unterstützung durch den Staat. Die Beantragung von Elterngeld für Selbstständige ist wesentlich komplizierter und umfangreicher als für Eltern, die ihre Einkünfte aus nicht selbstständiger Arbeit beziehen. Beispielsweise wird die Bemessungsgrundlage für die Höhe des Elterngeldes bei Einkünften aus einer selbstständigen Tätigkeit anders berechnet als bei Eltern in einem Angestelltenverhältnis. Der Antrag auf Elterngeld für Selbstständige hält einige Fallstricke bereit. Wer sich genau informiert, kann aber auch von einigen Gestaltungsmöglichkeiten profitieren.

Elterngeld Selbstständige – Die Grundlagen

Das Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (BEEG) trat am 1. Januar 2007 in Kraft und enthält unter anderem Bestimmungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf, insbesondere zur Elternzeit sowie dem Bezug von Elterngeld. Das Elterngeld ist eine wichtige Unterstützung für Paare nach der Geburt ihres Kindes. Als Einkommensersatzleistung gleicht es den Verdienstausfall eines Elternteils aus, der seine Erwerbstätigkeit unterbricht oder nur eingeschränkt einer Beschäftigung nachgeht. Elterngeld gibt es in den drei Varianten Basiselterngeld, ElterngeldPlus und dem Partnerschaftsbonus.

Elterngeld beantragen

Der Antrag auf Elterngeld wird innerhalb von drei Monaten nach Geburt des Kindes bei der Elterngeldstelle gestellt. Die Zahlung des Elterngeldes erfolgt rückwirkend ab der Geburt des Kindes.

Haben auch Selbstständige Anspruch auf Elterngeld?

Anspruch auf Elterngeld haben leibliche Eltern, Adoptiveltern und Pflegeeltern, die im Krankheits- oder Todesfall der Eltern die Erziehung der Kinder übernehmen. Die wesentlichen Voraussetzungen sind, dass sie mit ihrem Kind in einem Haushalt leben, es selbst betreuen und erziehen, ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland haben und nicht mehr als 30 Stunden pro Woche arbeiten. Dabei ist es nicht relevant, ob sie ihr Geld als Selbstständige oder im Angestelltenverhältnis verdienen.

Wer beispielsweise als Grenzgänger im Ausland wohnt, aber in Deutschland arbeitet oder vorübergehend im Ausland arbeitet, kann ebenfalls Elterngeld beantragen. In diesem Fall kannst Du eine Beratung zum Elterngeld in Anspruch nehmen, da diese Ansprüche vom jeweiligen Einzelfall und den Rechtsvorschriften der Länder sowie insbesondere der einschlägigen EU-Verordnungen ab hängen.

Der Elterngeldanspruch gilt nur, solange alle diese Voraussetzungen erfüllt werden. Ändert sich auch nur eine der Bedingungen im Bezugszeitraum, geht der Anspruch verloren und gegebenenfalls kommen Rückzahlungen auf Dich zu.

Welche Unterlagen benötigen Selbstständige, um Elterngeld zu beantragen?

Bei Angestellten errechnet sich die Höhe des Elterngeldes nach dem Einkommen der letzten zwölf Monate vor der Geburt des Babys. Da die Einkommen von Unternehmern häufig stark schwanken, zieht der Staat zur Berechnung der Höhe des Elterngeldes bei Selbstständigen das letzte abgeschlossene Wirtschaftsjahr als Bemessungsgrundlage heran. Bei Mischeinkünften eines Antragstellers, also bei Einkünften aus selbstständiger und nichtselbstständiger Arbeit ist auch das letzte Wirtschaftsjahr maßgeblich.

Neben dem Antrag auf Elterngeld, Deinem Personalausweis sowie der Geburtsbescheinigung Deines Babys, benötigst Du Unterlagen, die Dein Einkommen im letzten Wirtschaftsjahr nachweisen. Eltern, die ihr Geld mit selbstständiger Arbeit verdienen, legen um Elterngeld zu beantragen ihren letzten Steuerbescheid sowie eine Erklärung über ihre bisherigen Arbeitszeiten und ihre geplanten Arbeitszeiten während des Elterngeldbezugs vor. Liegt Dir noch kein Steuerbescheid vor, weil Du Dein Unternehmen gerade erst gegründet hast, kannst Du auch eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR), einen Steuervorauszahlungsbescheid oder eine Bilanz einreichen. Den Steuerbescheid reichst Du nach, sobald er Dir vorliegt. Arbeitest Du während des Bezugs von Elterngeld gar nicht oder weniger als bisher, kannst Du zusätzlich Erklärungen über die zu erwartende Verringerung von Aufträgen oder über mögliche Vertretungsregelungen abgeben.

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Wie wird die Höhe des Elterngeldes berechnet?

Die Höhe des Elterngeldes hängt von Deinem Einkommen vor der Geburt Deines Kindes ab. Bei Angestellten wird das Einkommen der letzten zwölf Monate vor Geburt des Babys als Bemessungsgrundlage für die Höhe des Elterngeldes herangezogen. Bei Selbstständigen ersetzen bei der Gewinnermittlung die Gewinneinkünfte abzüglich der Steuern und Sozialabgaben das Einkommen. Die Bemessungsgrundlage für die Höhe Deines Anspruchs auf Elterngeld berechnen sich aber nicht aus Deinen Einkünften der letzten zwölf Monate vor der Geburt Deines Kindes, sondern nach Deinem Einkommen im letzten Wirtschaftsjahr.

Hieraus kann Neugründern ein Nachteil entstehen. Hast Du Dein Unternehmen beispielsweise 2019 gegründet, und Dein Baby kommt im Dezember des darauffolgenden Jahres zur Welt, ist die Bemessungsgrundlage das Geschäftsjahr 2019. Im Gründungsjahr wirst Du noch nicht viel Umsatz gemacht haben. Im Folgejahr lief es besser und Du kannst gute Zahlen nachweisen. Trotzdem gilt zur Gewinnermittlung der Steuerbescheid aus dem Gründungsjahr. Eine Verschiebung ist mit Ausnahme einer nachweislich schwangerschaftsbedingten Erkrankung im Bemessungszeitraum und dem daraus resultierenden Einkommensverlust, nicht möglich.

  • Der Höchstsatz beim Bezug von Elterngeld beträgt 1.800 Euro.
  • Bei einem Einkommen von bisher 1.800 Euro erhältst Du 67 Prozent.
  • Bei einem Einkommen über 1.200 Euro erhältst Du 65 Prozent.
  • Bei einem Einkommen unter 1.000 Euro kann sich der Satz auf bis zu 100 Prozent erhöhen.
  • Ein Mindestbetrag in Höhe von 300 Euro monatlich steht auch Eltern zu, die vor der Geburt ihres Kindes nicht erwerbstätig waren.
  • Bei einem Einkommen ab 250.000 Euro eines Elternteils oder 500.000 Euro für beide Elternteile besteht kein Anspruch auf Elterngeld.

Elterngeld ist weder steuer- noch sozialabgabenpflichtig, aber es muss bei der Steuererklärung im Rahmen des Progressionsvorbehalts berücksichtigt werden. Es wird zu Deinem zu versteuernden Einkommen hinzugerechnet und Dein Steuersatz wird dann auf Basis Deiner erhöhten Einkommensteuer ermittelt. Dieser Steuersatz wird auf Dein zu versteuerndes Einkommen, aber nicht auf das Elterngeld angewendet. Die Daten werden automatisch von der Elterngeldstelle bis zum 28. Februar des Folgejahres an Dein Finanzamt übermittelt.

Selbstständig und angestellt: Elterngeld bei Mischeinkünften

Bei Eltern, die fest angestellt sind und nebenberuflich selbständig arbeiten, werden alle Einkünfte sowohl aus der selbstständigen als auch aus der nichtselbstständigen Tätigkeit aus dem letzten Wirtschaftsjahr vor der Geburt des Kindes berücksichtigt. Das gilt auch für Eltern, die ihre Selbstständigkeit mittlerweile aufgegeben haben und ihr Geld ausschließlich als Angestellte verdienen.

Dürfen Selbstständige während des Bezuges von Elterngeld weiter arbeiten?

Gerade als Gründer kannst Du es Dir meist nicht leisten, Dein Business nach der Geburt Deines Kindes komplett ruhen zu lassen. Insbesondere werdende Mütter müssen mit enormen Einkommenseinbußen rechnen. Mit Ausnahme von Frauen, die als Selbstständige freiwillig gesetzlich krankenversichert sind und Anspruch auf Krankengeld haben, haben Mütter, die ihr Geld mit selbstständiger Arbeit verdienen im Vergleich zu Frauen im Angestelltenverhältnis, in der Regel keinen Anspruch auf Mutterschaftsgeld. Als einzige Einnahme ist das Elterngeld meist nicht ausreichend. Wer also weiterhin arbeiten muss oder will, darf das auch tun. Allerdings nur maximal 30 Stunden pro Woche. Da der Gewinn mit dem Elterngeld verrechnet wird, lohnt sich der Einsatz meist aber gar nicht.

Stellst Du eine Vertretung ein, um Dein Geschäft am Laufen zu halten, musst Du bedenken, dass die Einkünfte, die mit dieser Vertretung erwirtschaftet werden, ebenfalls auf das Elterngeld angerechnet werden. Rechnungseingänge für bereits geleistete Aufträge, die in den Bezugszeitraum fallen, werden übrigens auch angerechnet.

Zur Berechnung deines Anspruchs ermittelt die Elterngeldstelle die Differenz aus Deinem geschätzten Einkommen und Deinem tatsächlich zu erwartenden monatlichen Einkommen im Bemessungszeitraum. Die Elterngeld-Ersatzrate beträgt in der Regel 65 Prozent und wird auf den errechneten Differenzbetrag angewendet. Ein Beispiel: Dein geschätztes Einkommen liegt bei monatlich 1.000 Euro. Das zu erwartenden durchschnittliche Einkommen liegt bei 1.650 Euro im Monat. Die Differenz beträgt 650 Euro, angerechnet werden 65 Prozent, also 422,50 Euro.

Selbst, wenn Du nur in einem einzigen Monat im Bezugszeitraum Einkommen erzielst, wird dieser Betrag anteilig auf alle Lebensmonate Deines Babys, für die Du Elterngeld beantragt hast, angerechnet. Arbeitest Du nachweislich gar nicht oder stellst Dein Geschäft ruhend, wird Einkommen, beispielsweise aus noch offenen Rechnungen, nur auf den betreffenden Monat angerechnet.

Einfluss der Kappungsgrenze auf das Elterngeld für Selbstständige

Die Höhe des Elterngeldes bemisst sich an 65 Prozent Deines monatlichen Einkommens im letzten Wirtschaftsjahr. Da die Auszahlung maximal 1.800 Euro beträgt, werden bei der Berechnung maximal 2.770 Euro pro Monat berücksichtigt. Bei Eltern, die mit einem Einkommen aus selbstständiger Arbeit im Bemessungszeitraum deutlich mehr verdient haben, wird das Elterngeld anhand der Kappungsgrenze bemessen. Das heißt, wenn Du als Selbstständiger jetzt monatlich 2.200 Euro verdienst, wird der Restbetrag hochgerechnet, um Deinen Anspruch zu ermitteln. Als Elterngeld bekommst Du dann 65 Prozent des Restbetrags von 570 Euro, also 370,50 Euro ausbezahlt.

Wie lange können Selbstständige Elterngeld beziehen?

Eltern können die Elterngeldmonate untereinander aufteilen und das Elterngeld gleichzeitig oder abwechselnd beantragen. In jedem Lebensmonat, in dem Mutter und Vater gleichzeitig Elterngeld bekommen, verbrauchen sie zusammen zwei Monate Elterngeld. Sie können das Elterngeld entweder am Stück beziehen, den Elterngeldbezug unterbrechen und später fortsetzen oder sich abwechseln. Wie lange Du Elterngeld bekommst, hängt davon ab, für welche der Elterngeld-Varianten Du Dich entscheidest und ob Du den Partnerschaftsbonus nutzt:

  • Das Basiselterngeld erhältst Du für mindestens zwei bis maximal zwölf Lebensmonate Deines Babys. Diesen Anspruch kannst Du nur in den ersten zwölf Lebensmonaten Deine Babys geltend machen. Wenn beide Elternteile Elterngeld beantragen und mindestens einer von euch nach der Geburt weniger Einkommen hat als davor, verlängert sich der Anspruch auf bis zu vierzehn Monate. Bei diesen zusätzlichen Monaten spricht man von den sogenannten Partnermonaten. Alleinerziehende haben grundsätzlich Anspruch auf die vierzehn Monate.
  • Das ElterngeldPlus ist vor allem für Eltern interessant, die während des Bezuges eine Teilzeitbeschäftigung ausüben. Wenn Du ElterngeldPlus beantragst, halbiert sich die Höhe des Elterngeldes, während sich die Bezugszeit gleichzeitig verdoppelt. Damit stehen Dir mindestens 300 Euro und maximal 900 Euro monatlich zu. Das monatliche ElterngeldPlus kann damit genauso hoch sein wie das mögliche Basiselterngeld mit Einkommen und trotzdem kannst Du so ElterngeldPlus doppelt so lange bekommen wie das Basiselterngeld. ElterngeldPlus wird somit auch über den vierzehnten Lebensmonat des Kindes hinaus gezahlt.
  • Mit dem Partnerschaftsbonus bekommst Du vier zusätzliche Monate mit ElterngeldPlus. Der zweite Elternteil hat ebenfalls Anspruch auf diese vier Monate. Der Bezug ist nur in vier aufeinander folgenden Lebensmonaten unter der Voraussetzung, dass ihr beide in dieser Zeit mindestens 25 aber höchstens 30 Stunden pro Woche arbeitet. Entscheidend dabei ist, nicht die tatsächliche wöchentliche Arbeitszeit, sondern die durchschnittlichen Wochenstunden pro Monat.
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Geschwisterbonus: Wie viel Elterngeld erhalten Selbstständige mit weiteren Kindern?

Leben weitere Kinder in einem Haushalt, erhalten Eltern mit dem Geschwisterbonus einen Zuschlag auf das Elterngeld. Mit dem Geschwisterbonus erhöht sich das Elterngeld um 10 Prozent, aber mindestens um 75 Euro pro Monat beim Basiselterngeld oder 37,50 Euro pro Monat beim ElterngeldPlus. Mit dem Geschwisterbonus erhöhen sich auch der Mindest- und der Höchstbetrag des Elterngeldes um mindestens
375 Euro und höchstens 1.980 Euro beim Basiselterngeld sowie mindestens  187,50 Euro und höchstens 990 Euro beim ElterngeldPlus.

Diesen Zuschlag zum Elterngeld erhalten auch Selbstständige unter der Voraussetzung, dass

  • mindestens ein weiteres Kind, das noch keine 3 Jahre alt ist,
  • mindestens zwei weitere Kinder, die beide noch keine 6 Jahre alt sind,
  • mindestens ein behindertes Kind mit einem Grad der Behinderung von mindestens 20, das noch keine 14 Jahre alt ist,

im selben Haushalt leben.

Den Geschwisterbonus gibt es solange, bis das ältere Geschwisterkind das jeweilige oben genannte Alter erreicht.

Mögliche Kombinationen von Basiselterngeld, ElterngeldPlus und dem Partnerschaftsbonus

Die unterschiedlichen Varianten können auch kombiniert werden. Je nach Lebenssituation kannst Du gemeinsam mit Deinem Partner/Deiner Partnerin die für euch passende Kombination wählen.

Dein Anspruch auf Elterngeld

So nutzt Du Deinen Gestaltungsspielraum beim Elterngeld

Als Einzelunternehmer oder Freiberufler bietet sich Dir mit dem Zuflussprinzip eine weitere Gestaltungsmöglichkeit für den Bezugszeitraum des Elterngeldes. Selbstständige, die nicht der Bilanzierungspflicht unterliegen, können ihre Rechnungsstellung und die damit verbundenen Zahlungseingänge stark beeinflussen. Die Elterngeldstelle rechnet den Gewinn, den Du man während Deines Elterngeldbezuges erwirtschaftest an, nicht Deinen Umsatz. Wenn sich die Einnahmen und Ausgaben also die Waage halten, liegt Dein Gewinn im für Dich besten Fall bei 0 Euro. Die Anrechnung führt entsprechend zu keiner Minderung Deines Anspruchs auf Elterngeld.

Für Selbstständige bietet sich das ElterngeldPlus an, um den Bezugszeitraum maximal zu verlängern und sich trotzdem ums Business kümmern zu können. Da Du den Bezugszeitraum für Elterngeld grundsätzlich auch unterbrechen darfst, ist es unter Umständen sinnvoll für Dich, bestimmte Lebensmonate beim Elterngeldbezug auszusparen. So verschaffst Du Dir mehr Flexibilität und kannst beispielsweise arbeitsintensive Aufgaben oder Rechnungsziele in die Bezugspausen legen.

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