Einzelunternehmen gründen: Die Checkliste zur erfolgreichen Gründung

Yasmin
Yasmin Februar 2022 Content Editor 8 Min

Inhaltsverzeichnis

Bei Unternehmern, die als Einzelpersonen ohne Partner in die Selbstständigkeit starten, handelt es sich um Einzelunternehmer. Die Rechtsform Einzelunternehmer bezeichnet sowohl Kaufleute als auch Freiberufler oder Kleingewerbetreibende, die sich durch rechtliche und steuerliche Besonderheiten voneinander unterscheiden.

Wenn Du ein Einzelunternehmen gründen möchtest, mach Dich zunächst mit den unterschiedlichen Varianten vertraut und den sechs Schritten, die zur erfolgreichen Gründung notwendig sind.

Das Wichtigste in Kürze

  • Einzelunternehmen werden von nur einer natürlichen Person gegründet
  • Mögliche Rechtsformen für Einzelunternehmen sind der Freiberufler, das Kleingewerbe oder eingetragene Kaufleute
  • Je nach Art des Einzelunternehmens gelten unterschiedliche rechtliche und steuerliche Vorgaben
  • Eine Haftungsbeschränkung ist in Einzelunternehmen nicht möglich 
  • Einfache Gründung: Ein Einzelunternehmen lässt sich in nur wenigen Schritten gründen

Einzelunternehmen gründen: Welche Rechtsformen sind möglich?

Das Einzelunternehmen kann als Personengesellschaft über verschiedene Rechtsformen gegründet werden. Diese biete wiederum unterschiedliche Vor- und Nachteile mit sich, die Du als Unternehmer genau abwägen solltest. Zu den Einzelunternehmen zählen: 

Obwohl sie ebenfalls von nur einer natürlichen Person gegründet werden, zählen die Ein-Personen-AG, die Ein-Personen-GmbH oder die Ein-Personen-UG nicht zu den Einzelunternehmen, sondern zu den Kapitalgesellschaften.

Eingetragene Kaufleute (e. K.)

Beim eingetragenen Kaufmann (e. K.) unterscheidet man zwischen dem IST-Kaufmann und dem KANN-Kaufmann. 

  • Der IST-Kaufmann betreibt gewerblichen Handel und ist somit verpflichtet, sein Unternehmen im Handelsregister anzumelden. Er unterliegt damit den Rechten und Pflichten des Handelsgesetzbuches (HGB). Durch den Eintrag in das Handelsregister genießt er hohes Ansehen bei Banken, Investoren und Geschäftspartnern. Er ist damit aber auch zur doppelten Buchhaltung und Erstellung einer Bilanz verpflichtet. Liegen seine Umsatzerlöse allerdings unter 600.000 € und sein Jahresüberschuss beträgt nicht mehr als 60.000 €, ist eine einfache Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) als Jahresabschluss ausreichend.
  • Wer ein Gewerbe, aber keinen gewerblichen Handel betreibt, hat die Möglichkeit, sich in das Handelsregister eintragen zu lassen. Der KANN-Kaufmann ist aber nicht dazu verpflichtet. Solange kein Eintrag erfolgt, unterliegt er den Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) und ist nicht zur doppelten Buchführung und Erstellung einer Bilanz verpflichtet.

Kleingewerbetreibende

Kleingewerbe weisen aufgrund ihres eingeschränkten Geschäftsumfanges keine Kaufmannseigenschaft auf. Damit sind sie nicht an die Vorschriften des Handelsgesetzbuches gebunden. Sie unterliegen den Regelungen des Bürgerlichen Gesetzbuches, der der Gewerbeordnung sowie den Steuer- und Sozialgesetzen.

Der Aufwand, ein Kleingewerbe zu betreiben, ist relativ gering: Kleingewerbetreibende sind nicht zur doppelten kaufmännischen Buchführung verpflichtet, müssen keine Bilanz erstellen, ihren Jahresabschluss nicht veröffentlichen und brauchen keine Inventur zu machen. Nach der Gewerbeanmeldung und der Anmeldung beim Finanzamt gilt ein Kleingewerbe offiziell als gegründet. Die Pflicht zur Anmeldung im Handelsregister entfällt für kleingewerbliche Unternehmen.

Freiberufler

Als Freiberufler gelten all jene, die einen der sogenannten Katalogberufe ausüben. Zu diesen Berufsgruppen zählen überwiegend wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeiten. Die Grenzen zwischen freiberuflichen und gewerblichen Tätigkeiten sind nicht immer ganz eindeutig. In letzter Instanz legt das Finanzamt fest, wer Freiberufler ist. Freiberufler zahlen keine Gewerbesteuer und sind nicht verpflichtet, sich in das Handelsregister eintragen zu lassen. Zudem reicht für ihre Buchhaltung eine einfache Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) aus.

Die Unternehmensgründung als Freiberufler ist mit einem recht geringen Aufwand verbunden: Du meldest Dein Unternehmen beim Finanzamt an, erhältst Deine Steuernummer, eröffnest ein Geschäftskonto, um private von beruflichen Ausgaben sauber zu trennen, und los gehts!

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Gründungsschritt 1: Geschäftsidee und Businessplan

Um bestens für die kommenden Schritte der Gründung vorbereitet zu sein, solltest Du für Dein Einzelunternehmen eine solide Geschäftsidee finden und einen detaillierten Businessplan erstellen. Das ermöglicht es Dir, dem Finanz- und Gewerbeamt genaue Auskunft über Deine Ansichten und Tätigkeitsbereiche zu geben. Zudem kannst Du nur so wissen, welche Bedingungen für Dein Unternehmen gelten müssen, und so die perfekte Rechtsform für Dein Business finden.

Gründungsschritt 2: Geschäftskonto eröffnen 

Als Einzelunternehmer bist Du nicht dazu verpflichtet, ein Geschäftskonto zu eröffnen. Es ist aber dennoch auch für Einzelunternehmen ratsam, von Anfang an private und geschäftliche Zahlungen sauber voneinander zu trennen.

Ein digitales Geschäftskonto ermöglicht Dir dabei, überall und jederzeit auf Deine Finanzen zuzugreifen, Unterkonten für eine bessere Übersichtlichkeit anzulegen und Integrationen für Buchhaltung & Co. hinzuzufügen, um all Deine finanziellen Bedürfnisse holistisch abzudecken. Debitkarten für Dein Team kannst Du zudem mit präzisem Ausgabenmanagement verbinden, um effektiv zusammenzuarbeiten. Uns das Beste: Ein Online-Geschäftskonto kannst kannst Du – wie der Name bereits verrät – komplett online und in nur wenigen Minuten eröffnen.

Gründungsschritt 3: Gewerbeanmeldung für Dein Einzelunternehmen

Mit Ausnahme der Freiberufler sind alle Einzelunternehmer verpflichtet, vor Aufnahme ihrer Tätigkeit ein Gewerbe anzumelden. Um eine Gewerbeanmeldung für Dein Einzelunternehmen zu tätigen, musst Du den Gewerbeschein ausfüllen und beim zuständigen Gewerbeamt einreichen. Dort musst Du Deine Rechtsform, natürlich die persönlichen Daten, den Inhalt der Unternehmung und Deine Kontodaten angeben.

Für die Anmeldung wird eine Gebühr gezahlt werden. Die Höhe der Gebühr variiert je nach Gewerbeamt. In der Regel liegt sie zwischen 30 und 50 €. Prüfe vorab die Möglichkeit, ob Du Deine Einzelunternehmung online bei Deinem zuständigen Gewerbeamt anmelden kannst. Damit sparst Du Dir den Weg und lange Wartezeiten.

Gründungsschritt 4: Einzelunternehmen beim Finanzamt anmelden

Das Gewerbeamt gibt nach Anmeldung die Informationen über die Gründung an das Finanzamt weiter und Du erhältst automatisch den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung für Dein Einzelunternehmen. In diesem Fragebogen lieferst Du dem Finanzamt eine realistische Einschätzung Deiner zu erwartenden Umsätze. Auf dieser Basis legt das Finanzamt im Gründungsjahr die Höhe Deiner zu zahlenden Einkommensteuer fest. Hier kannst Du auch gleich angeben, die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen zu wollen, um Dich von der Zahlung der Umsatzsteuer befreien zu lassen.

Wer unsicher ist und Fehler vermeiden möchte, kann beim Ausfüllen einen Steuerberater hinzuziehen. Auch als Einzelunternehmer solltest Du die Kosten für einen Steuerberater nicht scheuen, um Fehler und hohe Steuernachzahlungen zu vermeiden.

Steuernummer für Freiberufler

Wer ein Einzelunternehmen als Freiberufler gründet, muss sich selbst beim Finanzamt melden, um eine Steuernummer zu beantragen. Der Prozess ist der Gleiche wie für Gewerbetreibende: Der Freiberufler füllt den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung aus und erhält nach einer Prüfung durch das Finanzamt eine Steuernummer. Zudem überprüft das Finanzamt, ob eine Tätigkeit tatsächlich die Anforderungen an die Freiberuflichkeit erfüllt.

Einzelunternehmen müssen natürlich auch eine Steuererklärung beim Finanzamt abgeben. Einzelunternehmen unterliegen der Einkommensteuer. Darüber hinaus zahlen Einzelunternehmen Umsatz- und Gewerbesteuer – eine Ausnahme ist der Freiberufler.

Gründungsschritt 5: Anmeldung bei der Berufsgenossenschaft, IHK und HWK

Für Einzelunternehmen ist die Mitgliedschaft in einer Berufsgenossenschaft Pflicht. Ausnahme von der Regel sind auch hier wieder die Freiberufler: Den meisten Freiberuflern steht es frei, der gesetzlichen Unfallversicherung beizutreten. Für einige freiberufliche Tätigkeiten gilt allerdings eine Versicherungspflicht.

Je nach Beruf und Branche sind unterschiedliche Berufsgenossenschaften zuständig. Eine Übersicht der zuständigen Berufsgenossenschaften findest Du beim DGUV, dem Spitzenverband der gesetzlichen Unfallversicherung.

Gegebenenfalls musst Du Dich auch bei der Industrie- und Handelskammer oder einer anderen Berufskammer anmelden. Darüber hinaus werden für manche Tätigkeiten weitere Genehmigungen benötigt. So musst Du als Handwerker bspw. einen Meisterbrief vorlegen oder eine bestimmte Anzahl an Berufsjahren nachweisen. Informiere Dich bereits im Vorfeld darüber, welche Genehmigungen Bescheinigungen notwendig sind und auf welche Regelungen Du achten musst. So sparst Du im Gründungsprozess Zeit und unnötige Wege zu den Behörden und Ämtern.

Handelsregister für Kaufleute

Sobald Du Deine gewerbliche Tätigkeit in einem gewissen Ausmaß ausübst, wird ein Handelsregistereintrag notwendig. Besonders Kaufleute sind hierzu verpflichtet. Auch der Jahresumsatz oder die Anzahl der Geschäftsvorgänge sind entscheidend. Als Grenzwert für den Umsatz werden mehrere 100.000 € festgelegt.

Gründungsschritt 6: Meldung bei der Agentur für Arbeit

Beschäftigst Du als Einzelunternehmer eigene Angestellte, musst Du eine Betriebsnummer (BBNR) bei der Agentur für Arbeit beantragen. Diese Nummer dient der eindeutigen Identifizierung von Unternehmen und wird benötigt, um Meldungen zur Sozialversicherung für sozialversicherungspflichtig Beschäftigte an die Sozialversicherungsträger zu übermitteln. 

Fazit – Einzelunternehmen gründen: Vor- und Nachteile

Generell ist die Gründung eines Einzelunternehmens die einfachste Art, ein Unternehmen zu gründen. Der Gründungsprozess ist vergleichsweise einfach. Trotzdem gibt es einige Punkte, die Du beachten musst. Insbesondere für Freiberufler gelten rechtliche und steuerliche Besonderheiten, über die Du Dich im Vorfeld informieren solltest. Jede Rechtsform bietet Dir dabei Vor- und Nachteile für Dein Einzelunternehmen.

Vorteile sind z.B., dass die Gründung eines Einzelunternehmens vergleichsweise einfach ist und die Kosten dafür relativ gering sind. Zudem sind weder Stammkapital, noch Gesellschaftsvertrag oder Satzung notwenig. Auch die Buchhaltung und Steuererklärung sind meist einfacher als bei Kapitalgesellschaften wie der GmbH oder AG.

Einer der größten Nachteile: Die Haftung des Einzelunternehmens. Du haftest nämlich als Privatperson mit Deinem Privatvermögen unbeschränkt. Zudem bist Du in Entscheidungsprozessen auf Dich selbst gestellt.

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