Factoring: mehr Liquidität für Dein Unternehmen

Jeannine Klein
Jeannine Klein Juli 2019 6 Min

Inhaltsverzeichnis

Factoring ist eine interessante Finanzierungsmöglichkeit, um kurzfristig die Liquidität Deines Unternehmens zu erhöhen. Diese Art der Finanzierung wird immer häufiger bei Neugründungen und von kleinen und mittelständischen Unternehmen genutzt, um schnell und vergleichsweise unkompliziert an Geld zu kommen. Du hast noch nie vom Factoring gehört oder denkst im ersten Moment sogar an den Verkauf von Waren direkt aus einer Produktionsstätte? Finde jetzt heraus, was hinter dieser Art der Unternehmensfinanzierung steht – vielleicht ist das eine gute Alternative zu Firmenkrediten und passt perfekt in Deinen Finanzplan.

Rechnungen verkaufen als Geschäftsmodell?

Rechnungen verkaufen klingt erst einmal nicht unbedingt nach einem cleveren Geschäftsmodell. Der Verkäufer erhält schnell sein Geld. Doch was macht dieses Modell attraktiv für den Käufer? Zunächst einmal zu den Grundzügen des Factoring: Du hast Dein Produkt oder Deine Dienstleistung an Deinen Kunden geliefert und ihm diese in Rechnung gestellt. Dein Kunde kann aber nicht in dem vereinbarten Zeitraum zahlen. Hier kommt die Factoring-Gesellschaft ins Spiel: Vereinfacht gesagt, zahlt sie Dir zunächst den offenen Rechnungsbetrag und holt sich das Geld dann im nächsten Schritt von Deinem Kunden wieder.

Factoring-Gesellschaften werden auch Factor genannt. Dieser Factor kann eine Bank oder ein anderer Finanzdienstleister sein. Auf Factoring spezialisierte Anbieter gibt es genügend auf dem Markt, beispielsweise Fundflow oder Billie. Eine komplette Liste aller in Deutschland zugelassenen Factoring-Institute findest Du bei der BaFin.

Factoring Erklärung: So läuft der Prozess ab

Grundvoraussetzung ist eine bereits erbrachte Leistung oder ein geliefertes Produkt, für die Du eine Rechnung an Deinen Kunden gestellt hast. Dabei legst Du als Unternehmer prinzipiell selber fest, welchen Zeitraum Du Deinen Kunden oder Geschäftspartnern zur Zahlung offener Forderungen gewährst. Du kannst die gesetzlich vorgeschriebene Zahlungsfrist von dreissig Tagen nutzen oder individuelle Fristen mit Deinen Kunden vereinbaren. Laut des Zahlungsmoralbarometers von Atradius (2018) liegt das durchschnittliche Zahlungsziel bei zwanzig Tagen. In der Praxis reizen Kunden die Fristen zur Zahlung von Rechnungen häufig aus. Innerhalb dieser Frist kannst Du als Unternehmer aber nur abwarten. Das Geld, das Du erwartest, steht Dir so lange nicht für weitere Investitionen zur Verfügung.

Bei Neugründungen oder in kleinen und mittelständischen Unternehmen entstehen durch diese ausstehenden Zahlungen häufig Liquiditätsengpässe. Um kurzfristig finanzielle Engpässe auszugleichen, beantragen Unternehmen häufig Firmenkredite. Bis das Geld ihnen tatsächlich zur Verfügung steht, kann allerdings einige Zeit vergehen. Banken prüfen zunächst die Bonität der Antragsteller. Bei Neugründungen ersetzt der Businessplan die Prüfung. Eine Alternative, um schnell und kurzfristig die Liquidität Deines Unternehmens zu erhöhen, ist das Factoring. 

Im Einzelnen läuft der Prozess des Factorings wie folgt ab:

  • Dein Unternehmen liefert eine Ware/Dienstleistung und stellt dem Kunden dafür eine Rechnung.
  • Um schneller an Dein Geld zu kommen, beauftragt Dein Unternehmen eine Factoring-Gesellschaft, den sogenannten Factor.
  • Der Factor prüft, ob Dein Kunde zahlungsfähig ist (Bonitätsprüfung).
  • Bei erfolgreicher Prüfung verkauft Dein Unternehmen die Forderung an den Factor (Forderungsverkauf).
  • Der Factor überweist Dir dafür einen Großteil der Rechnungssumme (meist achtzig bis neunzig Prozent) innerhalb von einem oder zwei Werktagen.
  • Dein Kunde zahlt die Rechnung, also die offene Forderung, jetzt direkt an den Factor.
  • Nach Erhalt des Geldes überweist der Factor Dir den Rest der Rechnungssumme, behält aber einen kleinen Teil als Provision ein. Diese liegt meist zwischen einem halben bis fünf Prozent.

Arten des Factoring

Es gibt verschiedene Arten des Factoring. Je nach Modell übernehmen die Factoring-Gesellschaften unterschiedliche Aufgaben. Hier drei Beispiele:

Full-Service-Factoring

Wenn Du Dich für das Full-Service-Factoring entscheidest, erhält Du das Rundum-sorglos-Paket: Der Factor übernimmt die Haftung für den Eingang der Forderung (Delkredereschutz), die Forderungsfinanzierung sowie Dein komplettes Forderungsmanagement. Deine Vorteile: Dein gesamter Umsatz wird vorfinanziert und Du sparst Personalkosten in der Buchhaltung ein. Diesen Service lassen sich die Factoring-Gesellschaften aber auch entsprechend bezahlen.

Einzel-Factoring

Du entscheidest, welche Rechnungen Du dem Factor verkaufst – ganz nach Deinem Bedarf. Das Einzel-Factoring ist eine gute Möglichkeit, hohe Forderungen mit langen Zahlungszielen abzutreten.

Inhouse Factoring

Diese Variante ist vergleichsweise günstig und damit besonders interessant für Gründer und Start-ups: Die Debitorenbuchhaltung, das Mahn- und Inkassowesen verbleiben in Deinem Unternehmen, wodurch sich die von der Factoring-Gesellschaft erhobene Gebühr verringert.

Für welche Variante Du Dich auch entscheidest: Erkundige Dich genau bei den möglichen Anbietern, über den Prozess und welche Leistungen Du erhältst. 

Kosten und Risiken: das erwartet Dich beim Factoring

Factoring-Gesellschaften verlangen eine Gebühr für ihren Service. Diese orientiert sich an der Höhe der Rechnung: Wenn Du beispielsweise Forderungen in Höhe von zehntausend Euro verkaufst, erhältst Du zunächst je nach Vereinbarung achtzig bis neunzig Prozent der Rechnungssumme. Die Restzahlung erhältst Du, sobald Dein Kunde die Rechnung beim Factor bezahlt hat. Ein Großteil der Factoring-Anbieter behält zwischen einem halben und fünf Prozent der noch ausstehenden Zahlung als Service-Gebühr ein. Du musst für dieses Beispiel also mit einer Gebühr von fünfzig bis einhundert Euro rechnen.

Kein Risiko

Factoring-Gesellschaften werden von Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) überwacht. Du musst Dir also keine Sorgen machen, dass Du die ausstehende Restzahlung nicht wiederbekommst.

Um Dein Risiko bei Zahlungsfällen zu verringern, kannst Du Dich für eine Factoring-Art entscheiden, die den Delkredereschutz beinhaltet. Dann übernimmt der Factor das Risiko für Zahlungsausfälle. Heißt: Wenn ein Kunde nicht rechtzeitig zahlt, bekommst Du dennoch Dein Geld und es ist Aufgabe des Factors, einen Mahnbescheid zu erstellen sowie gegebenenfalls notwendige Inkasso-Maßnahmen einzuleiten.

Factoring: das Wichtigste im Überblick 

Diese Art der Finanzierung ist vor allem dann zu empfehlen, wenn Du als Unternehmer darauf angewiesen bist, jederzeit flüssig zu bleiben, um frische Investitionen für neue Aufträge zu tätigen. Je nach Art des Factorings sparst Du Kosten und kannst sogar mehr Geld verdienen, obwohl Du Gebühren an den Factor zahlst. Eine spannende Alternative, vor allem für Gründer und kleinere Unternehmen, die kurzfristig Geld benötigen.

Was ist Factoring?

Der Verkauf von Forderungen an einen Finanzdienstleister.

Welche Vorteile bringt mir das?

Du erhältst dein Geld schneller und trittst das Zahlungsrisiko ab (im Normalfall).

Welche Kosten entstehen?

In der Regel verlangt der Factor eine Gebühr in Höhe von einem halben bis fünf Prozent der Rechnungssumme.

Wer bietet Factoring?

Online findest Du jede Menge Finanzdienstleister, die sich darauf spezialisiert haben. Zum Beispiel: Fundflow, Billie, afinyo oder rechnung.de.

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