Frauen in Fintechs – Status Quo 2022 und wie sie Unternehmen voranbringen können

Philip
Philip März 2022 Content Marketing Editor 6 Min

Inhaltsverzeichnis

Die Finanztechnologie (kurz: Fintech) hat sich in 2022 zu einer der innovativsten und zukunftsorientiertesten Branchen gemausert und besonders in Deutschland zeigt sich weiterhin ein hohes Wachstumspotenzial: Bereits in 2016 prognostizierte eine Studie des Bundesfinanzministeriums einen Anstieg des Marktvolumens auf 97 Milliarden €, was einem Wachstum von 167 % entspricht.

Gerade von einem Wirtschaftsbereich, der mit einem solch starken Fokus in die Zukunft blickt und es sich zum Ziel setzt, mit traditionellen Strukturen zu brechen, sollte man erwarten, dass das Thema der Geschlechtergleichheit kein großes Problem darstellt. Doch gerade in Deutschland liegen Fintechs bspw. im Bezug auf Frauen in Führungspositionen immer noch zurück.

Anlässlich des heutigen Weltfrauentags werden wir diese Woche dem diesjährigen Motto #BreakTheBias widmen und mit Vorteilen gegenüber Frauen in der Fintech-Branche brechen. Zu diesem Zweck führen wir Interviews mit Gründerinnen und Finanzexpertinnen sowie Pentonians, die ihre Meinung über Gleichberechtigung in der Finanz- und Technologiebranche mit uns teilen.

In diesem Beitrag möchten wir untersuchen, wie der Status Quo für Frauen in der Fintech-Branche genau aussieht, was Unternehmen tun können, um den Problemfeldern entgegenzuwirken und wie sie nachgewiesenermaßen von Frauen profitieren können.

Traditionelle Banken als (nicht ganz so) gutes Beispiel?

Fintechs sehen sich selbst als das neue Banking der Zukunft – was im Hinblick auf innovative Funktionen und Vorteile für Nutzerinnen und Nutzer auch stimmen mag.

Trotzdem zeigte die Studie “Women in Financial Services 2020” der Strategieberatung Oliver Wyman, dass der Anteil weiblicher Führungskräfte auf Geschäftsführungsebene lediglich bei 14 % lag. Traditionelle Banken wiesen hier hingegen einen Frauenanteil von 23 % auf.

Auch wenn traditionelle Banken die Nase leicht vorne haben, sind sie ebenfalls weit davon entfernt, ein gutes Beispiel für Fintechs zu sein. Und trotz der technischen Überlegenheit von Fintechs müssen diese dennoch überdenken, wie sie das Thema der Geschlechtergleichheit und Emanzipation am Arbeitsplatz effektiv angehen können.

Diana Biggs, Global Head of Innovation

“In den letzten Jahren wurde viel über Frauen in der Finanztechnologie gesprochen. Es handelt sich um ein komplexes Thema, und den wenigen Veränderungen nach zu urteilen, die wir erlebt haben, muss noch mehr getan werden, um den Status Quo zu ändern.” (Quelle: oliverwyman.com)

Mangel an der Spitze

Wie sich im vorherigen Abschnitt bereits abgezeichnet hat, sind Frauen in der Geschäftsführung von Fintechs auch in 2022 noch vergleichsweise selten.

Das Fintech Diversity Radar von Findexable konnte hierfür klare Fakten liefern: 11 % der Vorstandsmitglieder sind weiblich und betrachtet man die CEOs in Fintechs, besetzt nur in 5,6 % der Fälle eine Frau diese Position.

Auch bei der Besetzung für den Chief Innovation Officer (CIO) oder Chief Technology Officer (CTO), die besonders im innovationsgeprägten Feld der Finanztechnologie unabdingbar sind, finden sich weniger als 4 % Frauen.

Unterschiede bei der Gründung

Diese Diskrepanzen treten allerdings nicht nur im Angestelltenverhältnis bestehender Unternehmen auf. Das Fintech Diversity Radar konnte aufzeigen, dass nur 1,5 % der Fintechs weltweit ausschließlich von Frauen gegründet wurden. Zudem erhalten diese nur etwa 1 % der gesamten globalen Fintech-Finanzierung.

Interessant ist ebenfalls, dass weltweit lediglich acht Unternehmen, die von Frauen gegründet wurden, mehr als 1.000 Mitarbeitende haben – fünf in Asien, zwei in Europa und eins in Lateinamerika.

Rekorde aus den USA

Laut einem Bericht von PitchBook hat die Finanzierung von Unternehmen, die von Frauen gegründet wurden, in den ersten drei Quartalen 2021 40,4 Milliarden Dollar erreicht und damit den Rekord von 23,7 Milliarden Dollar aus 2019 weit übertroffen. (Quelle: protocol.com)

Deutschland als Nachzügler

Studien und statistische Erhebungen zeigen, dass Deutschland hinsichtlich Geschlechtergleichheit in der Fintech-Branche nicht gerade glänzt – im Gegenteil.

Tatsächlich hängt Deutschland beim Thema Gender Diversity stark hinterher: Bei einem Vergleich des Frauenanteils in den Entscheidungsgremien der größten börsennotierten Unternehmen in Europa lag Deutschland im Jahr 2020 auf dem viertletzten Platz und damit deutlich unter dem Durchschnitt aller 27 EU-Länder.

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Wie Frauen Fintechs vorantreiben können

Diverse Studien konnten belegen, wie eine höhere Gender Diversity einen erheblich positiven Einfluss auf Fintechs und ihren wirtschaftlichen Erfolg haben können. Im Folgenden möchten wir uns einige Vorteile für Unternehmen näher ansehen.

Bessere und diversere Produkte

Die mangelnde Vertretung von Frauen in der Branche wirkt sich auf die Qualität und Vielfalt der Produkte der Branche aus und schadet ihr direkt am Fundament.

Fintechs entgeht durch die oft einseitige Produktperspektive eine große Chance, wie auch Joanne Bradford, Präsidentin des US-amerikanischen Fintechs Honey, im Rahmen der “Women in Financial Services 2020”-Studie kommentiert:

„Wenn man sich den Prozentsatz der Frauen vor Augen führen, die die finanziellen Entscheidungen im Haushalt treffen, und wenn man dann betrachtet, wie viel des verfügbaren Einkommens weltweit von Frauen kontrolliert wird, dann werden Sie das ungenutzte Potenzial unserer Wirtschaftskraft verstehen. Es gibt Fintechs, die gut abschneiden, aber sie würden noch viel besser dastehen, wenn sie die Bedürfnisse von Frauen in ihren Produkten und in ihrer Belegschaft berücksichtigen würden.”

Bessere Kennzahlen durch Gender Diversity

Eine Reihe von Untersuchungen, die bereits 2014 im Global Gender Gap Index des World Economic Forums zusammengefasst wurden, zeigten, dass Teams mit einer erhöhten Diversität in höherem Maße ihre Ziele erreichen und zudem kreativere Lösungen finden.

Eine weitere Untersuchung von McKinsey fand außerdem heraus, dass Gender Diversity im Schnitt zu 15 % höheren Renditen führte. Inwieweit andere Faktoren hier einflussgebend waren, ist unklar. Dennoch kamen auch andere Studien zu ähnlichen Erkenntnissen.

Talent zieht Talent an

Das Harvard Business Review (HBR) veröffentlichte 2019 einen Research-Artikel, der belegen konnte, dass eine vielfältige Personalstruktur ein attraktives Arbeitsumfeld für neue Talente signalisiert und diese demnach in ausgeprägteren Maße anzieht. 67 % der Arbeitssuchenden achten bei der Bewertung eines Angebots auf die Vielfalt der Belegschaft.

Vor allem Spitzenkandidatinnen legen Wert auf ein ausgewogenes Arbeitsumfeld. Eine Umfrage des HBR ergab, dass 61 % der Frauen bei der Entscheidung für einen Arbeitsplatz auf die Geschlechtervielfalt im Führungsteam des Arbeitgebers achten.

Das sichert nicht nur einen konstanten Fluss an neuen, talentierten Mitarbeitenden für den zukünftigen Erfolg des Unternehmens, sondern entlastet letztendlich auch das Recruiting Team und spart somit Kosten.

Was können Unternehmen besser machen?

Mittlerweile finden sich Inklusion und Vielfalt in der Einstellungs- und Unternehmenspolitik einiger etablierter Finanzinstitute wieder. Fintechs können hier ihre Zukunftsorientierung unter Beweis stellen, darauf aufbauen und den Wandel in der Finanzbranche vorantreiben.

Besonders in kleinen und schnell wachsenden Startups ist es entscheidend, dass diese Thematik priorisiert und nicht dem guten Willen überlassen oder, schlimmer noch, nur im Nachhinein in Betracht gezogen wird.

Auch Networking kann Frauen die Möglichkeit geben, Chancen zu erkennen und sich über Erfahrungen auszutauschen. Das Netzwerk Fintech Ladies bietet bspw. sowohl Expertinnen als auch Einsteigerinnen genau das – unter dem Motto “shape the future of finance”.

Auch innerbetrieblich kann solch ein Austausch von Vorteil sein. So etablierte Penta bspw. den Slack Channel #penta-women.

Fazit

Obwohl dieser Beitrag nur einen groben Überblick über den aktuellen Stand der Geschlechtergleichheit in Fintechs bietet und in 2022 mehr Frauen in Fintechs tätig sind als je zuvor, konnte er dennoch aufzeigen, dass Unternehmen noch einen langen Weg vor sich haben, um die Präsenz und den Einfluss von Frauen in unserem Sektor zu verbessern.

Unsere Content-Serie zum Weltfrauentag geht am Mittwoch weiter. Hier erzählt uns Babett Mahnert, Gründerin von Goldfrau, wie Gründerinnen mit mehr Selbstvertrauen in ihre Selbstständigkeit starten können.

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