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Freiwillige Arbeitslosenversicherung: So sicherst Du Dich ab

Yasmin
Yasmin August 2021 9 Min

Inhaltsverzeichnis

Selbstständige sind von der Pflicht, in die gesetzliche Sozialversicherung einzuzahlen, befreit und müssen selbst für ihre Grundsicherung sorgen. Bei der Wahl ihrer Kranken-, Pflege und Rentenversicherung haben sie die Wahl, sich privat zu versichern oder als freiwilliges Mitglied in die gesetzliche Krankenkasse und Rentenkasse einzuzahlen. Das Gleiche gilt für die Absicherung im Fall von Arbeitslosigkeit. Scheitern sie mit ihrer Selbstständigkeit, können Selbstständige, Soloselbstständige, Freiberufler und Freelancer unter bestimmten Voraussetzungen die freiwillige Arbeitslosenversicherung in Anspruch nehmen.

Versicherungspflichtverhältnis in der Arbeitslosenversicherung

Selbstständige sind nicht arbeitslosenversicherungspflichtig, haben aber grundsätzlich die Möglichkeit, die sogenannte Versicherungspflichtverhältnis auf Antrag, die freiwillige Arbeitslosenversicherung, in Anspruch zu nehmen. Wer selbstständig und freiwillig in der gesetzlichen Arbeitslosenversicherung versichert ist, muss allerdings bestimmte Voraussetzungen erfüllen, um Anspruch auf Arbeitslosengeld zu haben. 

  1. Du warst innerhalb der letzten 30 Monate vor Eintritt der Arbeitslosigkeit mindesten für 12 Monate entweder freiwillig oder im Rahmen eines Angestelltenverhältnisses pflichtversichert. Bei den 12 Monaten muss es sich nicht um einen zusammenhängenden Zeitraum handeln. Du kannst einzelne Beschäftigungsabschnitte zusammenrechnen. 
  2. Du hast Dich als Selbstständiger arbeitslos gemeldet.
  3. Arbeitest Du weiterhin in Deiner selbstständigen Tätigkeit, darf die wöchentliche Arbeitszeit maximal 15 Stunden betragen.  

Arbeitslos und selbstständig

Die Regelungen, wer unter welchen Voraussetzungen den Antrag auf das Versicherungspflichtverhältnis begründen kann, findest Du in §28a des Sozialgesetzbuchs (SGB) Drittes Buch (III). Den Antrag für das Versicherungspflichtverhältnis kannst Du bei der Agentur für Arbeit herunterladen.

Wann und wo kannst Du den Antrag auf die freiwillige Arbeitslosenversicherung stellen?

Dein Antrag auf das Versicherungspflichtverhältnis muss spätestens innerhalb von drei Monaten nach Aufnahme Deiner selbstständigen Tätigkeit gestellt werden. Später ist die Antragstellung und sie freiwillige Arbeitslosenversicherung nicht mehr möglich. Du kannst den Antrag entweder online oder bei der zuständigen Agentur für Arbeit abgeben. Als Nachweis musst Du beispielsweise einen Gewerbeschein oder andere Belege vorweisen, aus denen zweifelsfrei hervorgeht, dass Du einer selbstständigen Tätigkeit nachgehst. Darüber hinaus musst Du für die freiwillige Arbeitslosenversicherung nachweisen, dass Deine wöchentliche Arbeitszeit als Selbstständiger mehr als 15 Stunden beträgt. 

Wird Dein Antrag bewilligt, wirst Du von der Agentur für Arbeit über die Zahlungsmodalitäten informiert. Du kannst Deine Beiträge für die freiwillige Arbeitslosenversicherung für Selbstständige entweder monatlich zahlen oder den Jahresbeitrag in einer Zahlung entrichten. Die Beitragszahlung ist jeweils zum Monatsersten fällig. Um keine Zahlung zu versäumen, kannst Du am SEPA-Lastschriftverfahren teilnehmen. Das Muster für die Einzugsermächtigung für die freiwillige Arbeitslosenversicherung findest Du online bei der Agentur für Arbeit. Am Ende des Jahres erhältst Du einen Nachweis über die gezahlten Beiträge. Im Falle der Arbeitslosigkeit musst Du diese Nachweise Deinem Antrag auf Arbeitslosengeld für Selbstständige beifügen. 

Erneute freiwillige Versicherung gegen Arbeitslosigkeit

Wer in die freiwillige Arbeitslosenversicherung für Selbstständige einzahlt und zum ersten Mal Arbeitslosengeld erhält, kann sich, sobald er dieselbe selbstständige Tätigkeit wieder aufgenommen hat, erneut freiwillig gegen Arbeitslosigkeit bei der Agentur für Arbeit absichern. Bist Du selbstständig, wirst dann wieder arbeitslos und erhältst zum zweiten Mal Arbeitslosengeld, ist die Weiterversicherung über die freiwillige Arbeitslosenversicherung nur dann möglich, wenn Du zuvor für den zweiten Arbeitslosengeldbezug einen entsprechenden Anspruch erworben hast. Diesen Anspruch erwirbst Du, wenn Du zwischen dem ersten und dem zweiten Arbeitslosengeldbezug mindesten 12 Monate lang in die freiwillige Arbeitslosenversicherung eingezahlt hast. Liegen zwischen dem ersten und dem zweiten Bezug von Arbeitslosengeld weniger als 12 Monate, heißt das im Umkehrschluss, dass eine erneute Absicherung über die freiwillige Arbeitslosenversicherung nicht mehr möglich ist. 

Freiwillige Arbeitslosenversicherung kündigen

Die freiwillige Arbeitslosenversicherung für Selbstständige kann frühestens nach fünf Jahren gekündigt werden. Die Kündigungsfrist beträgt drei Monate zum Ende eines Kalendermonats und muss schriftlich bei der Agentur für Arbeit eingereicht werden. Das Versicherungsverhältnis endet automatisch, wenn Du mit Deinem Beitrag für die freiwillige Arbeitslosenversicherung länger als drei Monate in Verzug bist.

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Wie viel Arbeitslosengeld erhältst Du als Selbstständiger?

Arbeitslose, die aus einem Angestelltenverhältnis kommen, erhalten mit Kind 67 Prozent des letzten Nettolohns und ohne Kinder 60 Prozent ihres zuletzt verdienten Nettolohns. Die Höhe des Arbeitslosengeldes für Selbstständige hingegen richtet sich nach einem fiktiven Arbeitsentgelt. Zur Berechnung wird angenommen, dass Du in den letzten zwei Jahren vor Beginn der Arbeitslosigkeit für mindestens 150 Tage Arbeitsentgelt aus einer versicherungspflichtigen Beschäftigung erzielt hast. Darüber hinaus ist die Höhe des Arbeitslosengelds von Deiner Qualifikation, also Deiner Ausbildung in Deiner selbstständigen Tätigkeit, abhängig. Hier unterscheidet die Agentur für Arbeit nach vier Qualifikationsgruppen (Q-Gruppen).

Als Richtwert für die freiwillige Arbeitslosenversicherung ergibt sich nach Angaben der Agentur für Arbeit die Höhe des Arbeitslosengeldes für das Jahr 2020 bei Steuerklasse III ohne Kind wie folgt: 

  • Q-Gruppe 1 (Hoch-/Fachhochschule): 1624,50 Euro
  • Q-Gruppe 2 (Fachschule/Meister): 1405,50 Euro
  • Q-Gruppe 3 (abgeschlossener Ausbildungsberuf): 1177,50 Euro
  • Q-Gruppe 4 (keine Ausbildung): 917,40 Euro

Die Dauer des Anspruchs auf Arbeitslosengeld ist dabei abhängig vom Umfang Deiner Versicherungszeiten der letzten fünf Jahren vor Eintritt Deiner Arbeitslosigkeit sowie von Deinem Alter. So hast Du beispielsweise bei einem Versicherungspflichtverhältnis von 30 Monaten mit Vollendung des 50. Lebensjahres 15 Monate Anspruch auf den Erhalt des Arbeitslosengelds I (ALG I). 

Wie hoch sind die Beiträge für die freiwillige Arbeitslosenversicherung für Selbstständige?

Der Beitragssatz für die freiwillige Arbeitslosenversicherung für das Jahr 2020 liegt bei 2,4 Prozent. Die Bezugsgröße ist aber nicht Dein tatsächliches Einkommen, sondern das Durchschnittseinkommen in der gesetzlichen Rentenversicherung. Auf Basis dieser Bezugsgrößen von 3.185 Euro in den alten Bundesländern und 3.010 Euro in den neuen Bundesländern liegt der Beitrag für die freiwillige Arbeitslosenversicherung für Selbstständige bei 76,44 Euro bzw. 72,24 Euro pro Monat.

Sonderregelungen für Gründer

Gründerinnen und Gründer zahlen ab dem Zeitpunkt der Gründung im Gründungsjahr plus dem folgenden Kalenderjahr pro Monat nur die Hälfte der Beiträge. In den alten Bundesländern führen sie 38,22 Euro pro Monat an die Agentur für Arbeit ab, in den neuen Bundesländern monatlich 36,12 Euro.

Rechte und Pflichten beim Bezug der freiwilligen Arbeitslosenversicherung

Als Selbstständiger in der freiwilligen Arbeitslosenversicherung bist Du genau wie ein Angestellter in der Pflicht, eigene Maßnahmen zu ergreifen, um wieder aus der Beschäftigungslosigkeit heraus zukommen. Das heißt, Du musst Dich aktiv um neuen Kunden und Aufträge bemühen oder Dich alternativ auf Jobs im Angestelltenverhältnis bewerben. Darüber hinaus musst Du dem Arbeitsmarkt während des Bezugs des Arbeitslosengeldes zur Verfügung stehen und zumutbare Jobs, die die Arbeitsagentur Dir vermittelt, auch annehmen. 

Auf der anderen Seite hast Du das Recht, Deine selbstständige Tätigkeit für 15 Stunden pro Woche fortzuführen. Einnahmen in Höhe bis zu 165 Euro pro Monat werden nicht auf die freiwillige Arbeitslosenversicherung angerechnet. Diese Zeit kannst Du als Selbstständiger beispielsweise gut für die Kundenakquise nutzen, um aus eigener Kraft wieder Aufträge und damit Umsatz zu generieren. 

Freiwillige Arbeitslosenversicherung: Vorübergehende Sonderregelungen aufgrund Corona-Krise

Für Zahlungsverzugs bei den Beiträgen für die freiwillige Arbeitslosenversicherung 2020 sowie für den Abschluss einer erneuten freiwilligen Arbeitslosenversicherung gelten aktuell aufgrund der Corona-Pandemie Sonderregelungen

Zahlungsaufschub: Wer seine Beiträge für die freiwillige Arbeitslosenversicherung nicht zahlen kann, bleibt trotzdem weiterhin versichert und erhält einen Aufschub bis zum Juli 2021. Danach musst Du die Beitragszahlung wieder aufnehmen und kannst für die Nachzahlung mit der Agentur für Arbeit Ratenzahlung vereinbaren. Die Mindestrate beträgt 20 Euro pro Monat. 

Erneute freiwillige Arbeitslosenversicherung: Im Zeitraum von 30. März 2020 bis 30. Juni 2021 kannst Du Dich nach der Wiederaufnahme Deiner selbstständigen Tätigkeit erneut freiwillig absichern, unabhängig davon, ob Du seit der letzten Arbeitslosigkeit einen neuen Anspruch auf Arbeitslosengeld erworben hast oder nicht.

Nimmst Du nach der Arbeitslosigkeit wieder eine selbstständige Tätigkeit auf, setzt sich Deine freiwillige Arbeitslosenversicherung aber nicht automatisch fort, sondern muss erneut beantragt werden. 

Kein Anspruch auf Arbeitslosengeld als Selbstständiger

Selbstständige, die keinen Anspruch auf die freiwillige Arbeitslosenversicherung nach dem SGB III haben oder bei denen die Höhe des Arbeitslosengeldes nicht ausreicht, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, können zur Grundsicherung Arbeitslosengeld II beantragen. Darüber hinaus kannst Du weitere finanzielle Hilfen für Selbstständige beantragen wie Sozialhilfe oder Wohngeld. Eine Übersicht der unterschiedlichen Sozialleistungen erhältst Du in der Broschüre Soziale Sicherung im Überblick des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales.

Außerdem wurde der Zugang zu Finanzhilfen in Form von Darlehen und Zuschüssen insbesondere für Soloselbstständige erleichtert. Informationen hierzu findest Du beispielsweise beim Bundeswirtschaftsministerium und dem Bundesfinanzministerium.

Freiwillige Arbeitslosenversicherung: Alternativen für Selbstständige

Anders als im Bereich der Krankenversicherung sowie der Rentenversicherung gibt es keine Angebote vonseiten der Versicherer, als Selbstständiger eine private Arbeitslosenversicherung abzuschließen. Hier musst Du selbst dafür sorgen, dass Du im Fall der Erwerbslosigkeit abgesichert bist. Eine gute Alternative für die freiwillige Arbeitslosenversicherung, um Zeiten ohne Aufträge und Einkommen zu überbrücken, ist es, Rücklagen zu bilden. Bei vielen Selbstständigen, Soloselbstständigen, Freiberuflern oder Freelancern reichen die Einnahmen allerdings meist nicht aus, um entsprechend vorzusorgen. Was Dir bleibt, ist Dich möglichst gut gegen die verschiedenen Risiken, die zu Verdienstausfällen führen können, abzusichern. Beispielsweise kannst Du dich mit einer zusätzlichen Krankentagegeldversicherung, einer Unfallversicherung oder einer Berufsunfähigkeitsversicherung gegen längere krankheitsbedingte Ausfälle finanziell absichern.

Lohnt sich die freiwillige Arbeitslosenversicherung für Selbstständige?

Trotz eines soliden Businessplans kannst Du als Gründer nie sicher sein, ob Du mit Deiner Selbstständigkeit Erfolg haben wirst. Die freiwillige Arbeitslosenversicherung kann aufgrund der halbierten Beitragssätze während der Gründungsphase gerade für Jungunternehmer durchaus attraktiv sein. Allerdings hängt es auch vom Grad Deiner Qualifikation ab. Die Beitragshöhe, die Selbstständige, Soloselbstständige, Freiberufler und Freelancer für die freiwillige Arbeitslosenversicherung zahlen müssen, ist unabhängig von ihrer Qualifikation für alle gleich. Allerdings unterscheidet sich die Höhe der Bezüge. Ohne Ausbildung erhältst Du nicht einmal 1.000 Euro im Monat. Hier kann es sich gegebenenfalls eher rechnen, die Grundsicherung in Anspruch zu nehmen. Die so gesparten Beiträge zur freiwilligen Arbeitslosenversicherung kannst Du alternativ nutzen, um Rücklagen zu bilden.  

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