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Geldwerter Vorteil: Stärke Deine Arbeitgebermarke mit zum Teil steuerfreien Sachbezügen

Yasmin
Yasmin November 2020 8 Min

Inhaltsverzeichnis

Der Arbeitsmarkt hat sich gewandelt: Bewerber erwarten heute mehr von ihrem Arbeitgeber als die vertraglich vereinbarte Vergütung für ihre Arbeit. Diese Erwartungen erfüllen viele Unternehmen mit dem geldwerten Vorteil. Ein geldwerter Vorteil ist ein Sachbezug oder eine Sachleistung, die über den reinen Lohn hinausgehen, aber nicht in Geld ausbezahlt werden.

Als Unternehmer hast Du so zahlreiche Möglichkeiten, Dein Unternehmen bei potenziellen Bewerbern als attraktiven Arbeitgeber zu positionieren. Zu diesen kostenlosen oder zumindest günstigeren Leistungen zählen beispielsweise ein Firmenwagen, Laptop und Smartphone, die auch privat genutzt werden dürfen, Personalrabatte oder das kostenlose Essen in der Kantine. Bis zu 44 Euro im Monat sind Sachbezüge grundsätzlich steuerfrei. Darüber hinaus gibt es Dienst- und Sachleistungen, die Angestellte über ihre Lohnabrechnung versteuern müssen.

Definition geldwerter Vorteil

Ein einfaches Beispiel: Als Unternehmer schließt Du einen Vertrag mit einem Fitnessstudio, sodass Deine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dort kostenlos oder zu einem vergünstigten Preis trainieren können. Als Arbeitgeber zahlst Du die gesamten Kosten bzw. die Differenz, die Deine Angestellten tatsächlich für ihre Mitgliedschaft investieren müssten, wenn sie diese selbst finanzieren würden. In diesem Fall entsteht ihnen der sogenannte geldwerte Vorteil: Vom Arbeitnehmer bezahlt, kommt er Arbeitnehmern auch privat zu Gute. Der Betrag wird ihnen zwar nicht bar ausgezahlt, sie sparen ihn aber an anderer Stelle ein. Diese zusätzliche Leistung gilt laut § 8 Absatz 2 des Einkommensteuergesetzes (EStG) als Einnahme und somit als steuer- und sozialversicherungspflichtiges Einkommen. Übersteigen diese Einnahmen den Freibetrag des geldwerten Vorteils in Höhe von 44 Euro pro Monat, müssen diese entsprechend von Deinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern versteuert werden.

Der geldwerte Vorteil als Argument im Employer Branding

Sowohl die Unternehmen als auch seine Angestellten profitieren von geldwerten Vorteilen. Aus Arbeitgeber Sicht erhöhen sie ab einer Höhe von monatlich 44 Euro zwar die Lohnnebenkosten. Gleichzeitig stellen die Sachbezüge aber ein gutes Argument dar, das viele im Rahmen ihres Employer Branding nutzen. Und für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind sie ein willkommener Zusatz zum Gehalt. Obwohl die unterschiedlichen Sachbezüge unterschiedliche besteuert werden, verursachen sie wenig Aufwand für Unternehmen. Die entsprechenden Prozesse laufen meist digitalisiert ab. Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern entsteht ebenfalls kein Aufwand, da die Versteuerung des geldwerten Vorteils automatisch mit der Lohnabrechnung erfolgt.

Was sind Sachbezüge bzw. was gilt als geldwerter Vorteil?

Zu den typischen Sachbezüge oder Sachleistungen, die als geldwerter Vorteil gelten, zählen beispielsweise:

  • Firmenwagen
  • Tankgutscheine
  • Jobtickets für den Nahverkehr
  • Bonusmeilen
  • Firmenlaptop und Firmenhandy
  • berufliche Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen
  • Umzugskosten
  • Zuschuss für Erstausstattung
  • Mitarbeiterrabatte und Warengutscheine
  • Arbeitskleidung
  • gesundheitliche Vorsorge
  • Reise- und Verpflegungskosten
  • Kosten für die Kinderbetreuung

Geldwerter Vorteil: steuerfreie Sachbezüge und -leistungen

Grundsätzlich gilt, dass der geldwerte Vorteil als zusätzliche Einahme zum Einkommen versteuert werden muss. Allerdings gibt es hier auch Ausnahmen von der Regel. Ein geldwerter Vorteil ist immer dann steuerfrei, wenn die Sachleistung bevorzugt den Interessen des Unternehmens dient. Gemäß § 3 des Einkommensteuergesetzes (EStG) gelten beispielsweise folgende Sachbezüge oder -leistungen, die zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn geleistet werden, als steuerfrei.

  • Zuschüsse des Arbeitgebers in Form eines Jobtickets für Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln im Linienverkehr sowie im öffentlichen Personennahverkehr zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte und des Arbeitnehmers.
  • Weiterbildungsleistungen des Arbeitgebers für Maßnahmen nach § 82 Absatz 1 und 2 des Dritten Buches Sozialgesetzbuch sowie Weiterbildungsleistungen des Arbeitgebers, die der Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit des Arbeitnehmers dienen.
  • Typische Berufskleidung wie Uniformen oder Sicherheitsschuhe, die der Arbeitgeber seinem Arbeitnehmer unentgeltlich oder vergünstigt überlässt.
  • Unterbringung und Betreuung von nicht schulpflichtigen Kindern in Kindergärten oder vergleichbaren Einrichtungen. Dazu zählen beispielsweise betriebseigene und außerbetriebliche Kindergärten, Kindertagesstätten sowie die Unterbringung bei einer Tagesmutter. Steuerfrei sind nur Unterkunft, Betreuung und Verpflegung der Kinder. Umfassen die Arbeitgeberleistungen auch den Unterricht des Kindes, ist diese nicht steuerfrei.
  • Geldwerter Vorteil Hybrid- und Elektroauto: Aufladenan einer ortsfesten betrieblichen Einrichtung des Arbeitgebers oder eines verbundenen Unternehmens sowie eine zur privaten Nutzung überlassene betriebliche Ladevorrichtung.

Geldwerten Vorteil berechnen und versteuern

Ob sich der geldwerte Vorteil trotz Steuer lohnt, obwohl er versteuert wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Bei der Berechnung des geldwerten Vorteils bzw. bei der Versteuerung des geldwerten Vorteils musst Du beachten, dass die unterschiedlichen Sachbezüge und -leistungen unterschiedlich versteuert werden.

Freigrenze bis 44 Euro/Monat

Arbeitgeber können ihren Arbeitnehmern zusätzlich zum Arbeitslohn Sachbezüge von insgesamt 44 Euro pro Kalendermonat lohnsteuer- und sozialversicherungsfrei gewähren. Zu diesen Sachbezügen zählen zum Beispiel Tankgutscheine oder Warengutscheine. Übersteigen die Einnahmen in Form von Sachbezügen diese Grenze, wird der volle Betrag steuer- und sozialversicherungspflichtig. Das Hochrechnen der Monatsbeträge in einen Jahresbetrag ist nicht zulässig.

Geldwerter Vorteil Firmenwagen

Das Auto ist des Deutschen liebsten Kind. Entsprechend hat Firmenwagen bei Arbeitnehmern nach wie vor einen hohen Stellenwert. Wer seinen Angestellten ein Auto als geldwerten Vorteil überlässt, verschafft ihnen ein zusätzliches Einkommen, das der Arbeitnehmer verteuern muss. Um den geldwerten Vorteil eines Dienstwagens, der auch privat genutzt wird, zu berechnen, gibt es zwei Möglichkeiten:

  • 1-Prozent-Regelung
  • Fahrtenbuch

Wer die 1-Prozent-Regelung anwendet, versteuert pro Monat ein Prozent des Brutto-Inlandslistenpreises des Kfz. Zusätzlich werden monatlich 0,03 Prozent des Brutto-Inlandslistenpreises pro Kilometer Wegstrecke zwischen Wohnort und Arbeitsplatz versteuert.

Beispielrechnung:

Bruttoinlandspreis des Fahrzeugs = 35.842,04 Euro

1 % des Bruttoinlandspreis = 358,42 Euro

+ 0,03 % pro Entfernungskilometer (20 km) = 215,05 Euro

Der geldwerte Vorteil, den der Arbeitnehmer versteuern muss, beträgt 573,47 Euro pro Monat.

Die pauschale Versteuerung spart im Vergleich zum Fahrtenbuch zwar Zeit, kann aber zu einer höheren Versteuerung führen. Zumal auch bei Gebrauchtwagen der Bruttoinlandslistenpreis als Besteuerungsgrundlage verwendet wird. Damit das Finanzamt das Fahrtenbuch anerkennt, muss dieses stets aktuell und lückenlos gepflegt werden. Bei privaten Fahrten werden lediglich die gefahrenen Kilometer angegeben. Bei dienstlichen Fahrten müssen zusätzliche Angaben festgehalten werden:

  • Datum
  • Fahrer
  • Zweck der Fahrt
  • Name und Anschrift des besuchten Kunden
  • Abfahrtsort und Kilometerstand sowie Ankunftsort
  • Kilometerstand

Ob sich ein Dienstwagen als geldwerter Vorteil tatsächlich lohnt oder ob der eigene Pkw günstiger ist, kannst Du den geldwerten Vorteil mit zahlreichen Rechnern im Internet ermitteln.

Geldwerter Vorteil Fahrrad

Unternehmen können ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch Fahrräder mit steuerlicher Förderung zur dienstlichen Nutzung Verfügung stellen. Da die Jobräder auch privat genutzt werden, entsteht wie beim Dienstwagen ebenfalls ein geldwerter Vorteil.

Ob das Jobrad versteuert werden muss, kommt darauf an, ob der Arbeitgeber es per Gehaltsumwandlung oder als Gehaltsextra zur Verfügung stellt:

  • Das Jobrad per Gehaltsumwandlung wird mit 0,25 % der unverbindlichen Preisempfehlung (UVP) des Rads versteuert.
  • Das Jobrad als Gehaltsextra ist seit 2019 komplett steuerfrei.

Geldwerter Vorteil bei Kantinenessen oder Essensgutscheinen

Essensgutscheine sowie vom Unternehmen subventioniertes Mittagessen in der eigenen Kantine gilt als geldwerter Vorteil und muss entsprechend versteuert werden. Die Besonderheit: Der Wert darf bis zu 3,10 Euro höher sein als der steuerrechtlich festgelegte Betrag von 3,23 Euro. Die 3,10 Euro sind für den Arbeitnehmer steuerfrei. Der Differenzbetrag von 3,23 Euro muss versteuert werden. Alternativ können Unternehmen Essensgutscheine und vergünstigtes Kantinenessen gemäß § 40 des Einkommensteuergesetzes (EStG) auch pauschal mit 25 Prozent versteuern.

Geldwerter Vorteil in Form von Personalrabatt

Mit Belegschafts- oder Personalrabatten überlassen Unternehmen ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ihre Waren oder Dienstleistungen kostenlos oder zu einem vergünstigten Preis. Bis zu einem Freibetrag von 1.080 Euro pro Kalenderjahr ist dieser Preisvorteil für Arbeitnehmer steuerfrei. Als Bemessungsgrundlage gilt der um vier Prozent geminderte Endpreis einschließlich der Umsatzsteuer, zu dem das Unternehmen seine Produkte oder Dienstleistung auch seinen Kunden anbietet. Der geldwerte Vorteil errechnet sich aus der Differenz zwischen dem verminderten Endpreis und dem vom Arbeitnehmer tatsächlich gezahlten Preis. Rabatte, die ein Unternehmen auch seinen Kunden einräumt, gelten nicht als geldwerter Vorteil.

Übersteigt der geldwerte Vorteil den Freibetrag in Höhe von 1.080 Euro, muss der Arbeitnehmer die Differenz versteuern.

Geldwerter Vorteil bei gesundheitsfördernden Maßnahmen

Maßnahmen im Rahmen des Gesundheitsmanagements eines Unternehmens zur Verhinderung und Verminderung von Krankheitsrisiken und zur Förderung der Gesundheit in Unternehmen sind Zuschüsse in Höhe von 600 Euro pro Mitarbeiter im Kalenderjahr steuerfrei. Voraussetzung ist, dass die Maßnahmen im Hinblick auf Qualität, Zweck, Ziel und Zertifizierung den Anforderungen der betrieblichen Gesundheitsförderung gemäß der §§ 20 und 20b des Fünften Buches Sozialgesetzbuch genügen.

Lohnt sich der geldwerte Vorteil wirklich?

Der geldwerte Vorteil wird als zusätzliches Einkommen zum ohnehin vereinbarten Gehalt angesehen. Als Arbeitgeber kannst Du damit Gehaltserhöhungen und damit verbundene steigende Lohnnebenkosten vermeiden und gleichzeitig Deine Arbeitgebermarke mit zahlreichen Benefits stärken und die Bindung und Loyalität Deiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhöhen. Allerdings entgehen ihnen dabei im Vergleich zur Lohnerhöhung zusätzliche Beiträge für die Rentenkasse.

Bis zu einem Freibetrag von monatlich 44 Euro sind die zusätzlichen Sachbezüge für Deine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter steuerfrei. Beträge, die darüber hinaus gehen, müssen sie über ihre Lohnabrechnung versteuern. Insbesondere bei größeren Leistungen wie einem Dienstwagen ist es daher für Arbeitnehmer ratsam, genau zu berechnen, welcher Vorteil am Ende abzüglich Steuern und Freibeträgen tatsächlich bleibt.

Trotz der Steuerpflicht kann sich der geldwerte Vorteil dennoch lohnen. Dies gilt insbesondere für Mini-Jobber oder Teilzeitkräfte, da für sie die gleichen Freibeträge gelten wie für Vollzeitkräfte. Darüber hinaus gestattet der Gesetzgeber Dir, zahlreiche Sachbezüge und -leistungen steuerfrei anzubieten. Dies gilt insbesondere für Sachleistung, die zwar bevorzugt den Interessen des Unternehmens dienen, Deinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aber ebenfalls einen persönlichen oder beruflichen Nutzen bringen.

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