Die Gewerbeanmeldung: Der erste Schritt auf Deinem Weg zum eigenen Unternehmen

Yasmin
Yasmin Februar 2021 8 Min

Inhaltsverzeichnis

In Deutschland brauchst Du keine Erlaubnis, um ein Unternehmen zu gründen. Voraussetzung, um ein Gewerbe zu gründen, ist allerdings die Gewerbeanmeldung. Hast Du Chancen und Risiken sowie Finanzierungsmöglichkeiten in Deinem Businessplan festgehalten, führt Dich Dein erster Schritt auf dem Weg zur Gründung also zum Gewerbeamt, um einen Gewerbeschein zu beantragen. Bevor Du Dich auf den Weg machst, informiere Dich darüber, was Du beachten musst, welche Unterlagen Du zur Anmeldung benötigst und welche Kosten Du für die Gewerbeanmeldung einkalkulieren musst. 

Was ist die Gewerbesteuer?

Die Gewerbesteuer (GewSt) ist eine sogenannte Ertragssteuer, die auf den Gewinn oder Ertrag eines Unternehmens erhoben wird. Sie zählt zu den Gemeindesteuern und wird direkt an die Gemeinde, in der ein Unternehmen seinen Sitz hat, abgeführt. Die Höhe der zu zahlenden Gewerbesteuer hängt neben dem Gewinn eines Unternehmens von weiteren Faktoren wie dem kommunalen Gewerbesteuerhebesatz der jeweiligen Gemeinde, dem Gewerbesteuerfreibetrag sowie weiteren Kürzungen und Hinzuzahlungen ab. Die Zahlung erfolgt vierteljährlich als Vorauszahlung und ist immer zur Mitte eines Quartals fällig. 

Einzelunternehmen und Personengesellschaften haben Anspruch auf einen Gewerbesteuerfreibetrag in Höhe von 24.500 Euro. Liegt der Jahresgewinn unter diesem Betrag zahlen sie keine Gewerbesteuer. Liegt der Gewinn über dem Freibetrag wird der Freibetrag vom Gesamtgewinn abgezogen und die Gewerbesteuer fällt nur für den Betrag an, der den Freibetrag übersteigt. Kapitalgesellschaften haben unabhängig von der Höhe ihres Gewinns keinen Anspruch auf den Freibetrag. 

Wer muss ein Gewerbe anmelden?

Jede unternehmerische Tätigkeit, die das Ziel hat, dauerhaft, eigenverantwortlich und auf eigene Rechnung eine Tätigkeit mit der Absicht ausübt, Gewinn zu erzielen, gilt in Deutschland unabhängig von der Größe und Rechtsform eines Unternehmens sowie dem Umsatz und erwirtschaftetem Gewinn als Gewerbe. Das heißt, auch für ein Kleingewerbe sind Gewerbeanmeldung und Gewerbeschein Pflicht. Entsprechend muss ein Gewerbe noch vor Aufnahme der Geschäftstätigkeit beim Gewerbeamt angemeldet werden. Das gilt auch für ein Nebengewerbe: Es spielt steuerrechtlich keine Rolle, ob ein Gewerbe haupt- oder nebenberuflich ausgeübt wird. Die rechtliche Grundlage bildet die Gewerbeordnung (GewO).

Ausgenommen von der Pflicht zur Gewerbeanmeldung sind Freiberufler, Wissenschaftler und selbstständige Tätigkeiten in der Land- und Forstwirtschaft. Welche Tätigkeiten als freiberuflich gelten, regelt § 18 des Einkommensteuergesetzes (EStG). Hierzu zählen beispielsweise:

  • Ärzte, Zahnärzte, Heilpraktiker, Dentisten, Krankengymnasten, Tierärzte
  • Rechtsanwälte, Notare, Patentanwälte
  • Architekten
  • Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Beratende Volks- und Betriebswirte, Vereidigte Buchprüfer, Steuerbevollmächtigte
  • Journalisten, Bildberichterstatter (Fotografen), Dolmetscher, Übersetzer

Es ist allerdings nicht immer ganz eindeutig, welche künstlerischen, schriftstellerischen, unterrichtenden, erziehenden und wissenschaftlichen Tätigkeiten tatsächlich zu den sogenannten Katalogberufen oder katalogähnlichen Berufen zählen. Letztendlich entscheidet das Finanzamt darüber, ob ein Beruf die Anforderungen an die Freiberuflichkeit erfüllt. Bist Du Dir bei Deiner Tätigkeit nicht sicher, frage vor Aufnahme Deiner Geschäftstätigkeit unbedingt beim Finanzamt nach. Diese Einordnung ist so wichtig, da sie letztendlich darüber entscheidet, ob Du eine Gewerbeanmeldung benötigst und als Gewerbetreibender dazu verpflichtet bist, die Gewerbesteuer zu zahlen.

Wer mit seiner Selbstständigkeit gleichzeitig eine gewerbliche und eine freiberufliche Tätigkeit ausübt, sollte die steuerrechtliche Einordnung ebenfalls abklären. Im Zweifel bewertet das Finanzamt sonst beide Tätigkeiten als gewerbesteuerpflichtig.

Onlinebusiness

Das Internet bietet Dir zahlreiche Möglichkeiten, Geld zu verdienen. Ob als Influencer, Blogger oder mit einem Onlineshop: Verfolgst Du die Absicht, online über Social-Media-Kanäle wie Facebook, Instagram oder YouTube dauerhaft Gewinn zu erzielen – sei es durch Verkäufe oder Werbeeinnahmen – zählst Du zu den Gewerbetreibenden und musst Deine Tätigkeit beim Gewerbeamt anmelden und Deine Einkünfte versteuern.

Wo meldest Du Dein Gewerbe an?

Die Gewerbesteuer ist eine Gemeindesteuer und gilt als eine der wichtigsten Einnahmequellen der Gemeinden. Das heißt, Du führst die Gewerbesteuer nicht an das Finanzamt ab, sondern zahlst sie direkt an das Gewerbeamt. Zuständig ist das Gewerbe- oder Ordnungsamt, in dem Dein Unternehmen seinen Sitz hat. 

Wie funktioniert die Gewerbeanmeldung?

Um ein Gewerbe anzumelden, füllst Du den Fragebogen zur Gewerbeanmeldung aus. Bei Personengesellschaften wie einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR), Partnerschaftsgesellschaft, offene Handelsgesellschaft (OHG), Kommanditgesellschaft (KG) muss jeder geschäftsführende Gesellschafter ein eigenes Formular auszufüllen. Bei juristischen Personen wie einer Kapitalgesellschaft erfolgt die Anmeldung durch den Geschäftsführer gesetzlichen Vertreter. Weitere gesetzliche Vertreter werden auf entsprechenden Beiblättern ergänzt.

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Gewerbe online anmelden

Immer mehr Städte ersparen Existenzgründern den Gang zum Gewerbeamt und ermöglichen es, online ein Gewerbe anzumelden. Ob der gesamte Prozess online durchgeführt werden kann oder ob Du gegebenenfalls zusätzlich Unterlagen per Post einreichen musst, ist von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich. Informiere Dich daher vorher gründlich über den Prozess und welche Unterlagen Du einreichen musst.

Rückwirkende Gewerbeanmeldung

Grundsätzlich gilt, dass Du Dein Gewerbe vor Aufnahme Deiner Geschäftstätigkeit anmelden musst. Allerdings zeigt sich das Gewerbeamt oftmals kulant, wenn der Zeitpunkt der Gründung nicht zu weit in der Vergangenheit liegt. Gehst Du zeitnah aktiv auf das zuständige Amt zu, hat die verspätete Gewerbeanmeldung meist keine Konsequenzen. Wer der Anzeigepflicht eines Gewerbes zu spät oder gar nicht nachkommt, verstößt gegen die Gewerbeordnung und begeht eine Ordnungswidrigkeit, die gemäß § 146 der Gewerbeordnung mit einem Bußgeld in Höhe von 1.000 Euro geahndet werden kann. 

Welche Unterlagen brauchst Du für die Gewerbeanmeldung?

Für die Gewerbeanmeldung benötigst Du einen gültigen Personalausweis. Abhängig von der Branche, in der Du gründest, musst Du zusätzliche Dokumente vorweisen wie ein:

  • polizeiliches Führungszeugnis
  • Gesundheitszeugnis
  • Meisterbrief
  • Handwerkskarte
  • weitere Nachweise Deiner beruflichen Qualifikation 
  • Konzessionen für bestimmte Gewerbe
  • Handelsregisterauszug 

Gründer, die keine deutsche Staatsbürgerschaft haben, benötigen außerdem eine gültige Aufenthaltsgenehmigung sowie eine Bestätigung, dass sie eine gewerbliche Tätigkeit ausüben dürfen.

Kleiner Gewerbeschein

Die Kleinunternehmerregelung befreit Unternehmer nur von der Umsatzsteuer. Zwar profitieren Kleinunternehmer in voller Höhe von dem Gewerbesteuerfreibetrag, sind aber nicht von der Pflicht befreit, ein Gewerbe anzumelden. Daher spricht man beim Gewerbeschein für Kleinunternehmen auch vom kleinen Gewerbeschein.

Kosten für die Gewerbeanmeldung

Je nach Gemeinde kostet Dich die Gewerbeanmeldung zwischen 10 und 65 Euro. Den Gewerbeschein erhältst Du nach wenigen Tagen. Damit verfügst Du über eine formale Berechtigung ein Gewerbe zu betreiben und kannst Deine Geschäftstätigkeit aufnehmen. 

Gewerbeanmeldung: Schritt für Schritt

Mit einer guten Vorbereitung sparst Du Zeit für die eigentliche Anmeldung und kannst Deinen Gewerbeschein gleich direkt mitnehmen. Um zu vermeiden, dass Du fehlende Unterlagen nachreichen musst und sich die Ausgabe des Gewerbescheins unnötig verzögert, halte Dich an ein paar einfache Schritte:

  1. Bevor Du Dich weiter mit der Gewerbeanmeldung beschäftigst, kläre ab, ob Deine Selbstständigkeit unter die Gewerbesteuerpflicht fällt. Bist Du Freiberufler, Wissenschaftler, Land- oder Forstwirt, übst Du keine gewerbliche Tätigkeit aus und musst entsprechend auch kein Gewerbe anmelden. Kläre die Einordnung im Zweifel mit dem Finanzamt oder der zuständigen Handels- oder Handwerkskammer.
  2. Kläre, ob Du Dein Gewerbe online anmelden kannst. Achte darauf, ob Du erforderliche Unterlagen ebenfalls online einreichen kannst, sie per Post schicken oder persönliche abgeben musst.
  3. Lade Dir den Fragebogen zur Gewerbeanmeldung bei Deinem zuständigen Gewerbeamt herunter und fülle ihn aus, bevor Du Dich auf den Weg zum Gewerbeamt machst. Bei Fragen kannst Du Dich vorab telefonisch an das Gewerbeamt wenden. 
  4. Informiere Dich, welche Unterlagen Du für die Gewerbeanmeldung benötigst. Ein gültiger Personalausweis ist Pflicht. Je nach Gewerbe benötigst Du gegebenenfalls weitere Dokumente. 

Hast Du alle Schritte befolgt, gibst Du das Formular ab und gehst mit Deinem Gewerbeschein nach Hause oder bekommst ihn nach wenigen Tagen zugesendet. 

Sobald Du den Gewerbeschein in Deinen Händen hältst, kannst Du Deine Geschäftstätigkeit offiziell aufnehmen und Dich an die weiteren Schritte auf dem Weg zur Gründung Deines Unternehmens machen.

Weitere Gründungsschritte

Natürlich sind bis zur Gründung noch weitere Schritte notwendig. Das Gewerbeamt informiert automatisch das Finanzamt und die Berufsgenossenschaft über die Gewerbeanmeldung. Gründest Du eine GmbH, wird zusätzlich das zuständige Amtsgericht informiert. Du musst aber nicht auf die Weitergabe der Informationen warten, sondern kannst Dich direkt an die zuständigen Stellen wenden. Gewerbebetriebe sind zudem zur Mitgliedschaft bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) bzw. Der Handwerkskammer (HWK) verpflichtet. Auch hier erfolgt eine Meldung durch das Gewerbeamt. Informiere Dich im Vorfeld, welche Kammer für Dich zuständig ist und wie hoch die damit verbundenen Beitragszahlungen ausfallen. Die Höhe der Beiträge hängt vom Standort, der Rechtsform eines Unternehmens sowie dem Jahresumsatz ab. 

Gewerbe um- oder abmelden

Gewerbetreibende sind nicht nur zur Gewerbeanmeldung verpflichtet. Änderungen sind dem Gewerbeamt ebenfalls mitzuteilen. Zu diesen Veränderungen zählen:

  • die Verlegung des Unternehmenssitzes innerhalb einer Gemeinde
  • die Eröffnung weiterer Zweigstellen
  • ein Inhaberwechsel
  • die Änderung des Tätigkeitsbereichs
  • die Erweiterung des Angebots

In diesen Fällen musst Du Dein Gewerbe mit einem entsprechenden Formular ummelden. 

Ändert sich die Rechtsform Deines Unternehmens oder Du verlegst den Unternehmenssitz in eine andere Gemeinde, musst Du Dein Gewerbe zunächst abmelden und dann bei der neuen Gemeinde die Gewerbeanmeldung neu beantragen. Gibst Du Dein Unternehmen komplett auf, meldest Du es ebenfalls ab.

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