Gewerbe anmelden: Alles Wichtige zur Gewerbeanmeldung

Philip
Philip Januar 2022 Content Marketing Editor 8 Min

Inhaltsverzeichnis

In Deutschland musst Du bei der Gründung eines Unternehmens ein Gewerbe anmelden. Hast Du Deine Geschäftsidee finden können sowie Chancen, Risiken und Finanzierungsmöglichkeiten in Deinem Businessplan festgehalten, führt Dich Dein erster Schritt daher zum Gewerbeamt, um einen Gewerbeschein zu beantragen.

Wann genau Du ein Gewerbe anmelden musst, welche Unterlagen Du benötigst und welche Schritte Du bei der Gewerbeanmeldung zu durchlaufen hast, erklären wir in diesem Beitrag.

Wer muss ein Gewerbe anmelden?

Grundsätzlich müssen alle, die gewerblich tätig sind und somit als Gewerbetreibende gelten, auch ein Gewerbe anmelden. Eine Ausnahme bilden Freiberufler und einige weitere Tätigkeitsformen, die von dieser Pflicht befreit sind.

Gewerbeanmeldung – Pflicht für Gewerbetreibende

Jede unternehmerische Tätigkeit, die das Ziel hat, dauerhaft, eigenverantwortlich und auf eigene Rechnung Gewinn zu erzielen, gilt in Deutschland als Gewerbe.

Entsprechend müssen Gründer ihr Gewerbe noch vor Aufnahme der Geschäftstätigkeit beim Gewerbeamt anmelden. Das gilt auch für ein Nebengewerbe: Es spielt steuerrechtlich keine Rolle, ob ein Gewerbe haupt- oder nebenberuflich ausgeübt wird. Die rechtliche Grundlage bildet die Gewerbeordnung (GewO).

Unser Hinweis: Wenn Du ein Kleingewerbe anmelden möchtest, gelten andere Regelungen, die Du beachten solltest.

Grundsätzlich gilt, dass Du Dein Gewerbe vor Aufnahme Deiner Geschäftstätigkeit anmelden musst. Allerdings zeigt sich das Gewerbeamt oftmals kulant, wenn der Zeitpunkt der Gründung nicht zu weit in der Vergangenheit liegt. Gehst Du zeitnah aktiv auf das zuständige Amt zu, hat die verspätete Gewerbeanmeldung meist keine Konsequenzen.

Wer der Anzeigepflicht eines Gewerbes zu spät oder gar nicht nachkommt, verstößt gegen die Gewerbeordnung und begeht eine Ordnungswidrigkeit, die gemäß § 146 der Gewerbeordnung mit einem Bußgeld in Höhe von 1.000 € geahndet werden kann.

Gewerbenameldung – Ausnahme für Freiberufler

Ausgenommen von der Pflicht zur Gewerbeanmeldung sind Freiberufler, Wissenschaftler und selbstständige Tätigkeiten in der Land- und Forstwirtschaft. Welche Tätigkeiten als freiberuflich gelten, regelt § 18 EStG. Hierzu zählen beispielsweise:

  • Ärzte, Zahnärzte, Heilpraktiker, Dentisten, Krankengymnasten, Tierärzte
  • Rechtsanwälte, Notare, Patentanwälte
  • Architekten
  • Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, beratende Volks- und Betriebswirte, vereidigte Buchprüfer, Steuerbevollmächtigte
  • Journalisten, Bildberichterstatter (Fotografen), Dolmetscher, Übersetzer

Letztendlich entscheidet jedoch das Finanzamt darüber, ob ein Beruf die Anforderungen an die Freiberuflichkeit erfüllt. Bist Du Dir bei Deiner Tätigkeit nicht sicher, frage vor Aufnahme Deiner Geschäftstätigkeit unbedingt beim Finanzamt nach. Diese Einordnung ist wichtig, da sie letztendlich entscheidet, ob Du ein Gewerbe anmelden und Gewerbesteuer zahlen musst.

Wo kann man ein Gewerbe anmelden?

Die Gewerbeanmeldung findet bei dem für Dich zuständigen Gewerbeamt statt. Eine Anmeldung ist oft sowohl persönlich als auch online möglich.

Immer mehr Städte ersparen Existenzgründern den Gang zum Gewerbeamt und die Online-Anmeldung ist stetig auf dem Vormarsch.

Ob der gesamte Prozess online durchgeführt werden kann oder ob Du gegebenenfalls zusätzlich Unterlagen per Post einreichen musst, ist von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich. Informiere Dich daher vorher gründlich über den Prozess und darüber, welche Unterlagen Du einreichen musst.

Welche Unterlagen sind zur Gewerbeanmeldung nötig?

Um ein Gewerbe anzumelden, füllst Du den Fragebogen zur Gewerbeanmeldung aus.

Bei Personengesellschaften wie einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR), Partnerschaftsgesellschaft, offene Handelsgesellschaft (OHG), Kommanditgesellschaft (KG) füllt jeder geschäftsführende Gesellschafter ein eigenes Formular aus.

Bei juristischen Personen wie einer Kapitalgesellschaft erfolgt die Anmeldung durch den Geschäftsführer als gesetzlicher Vertreter. Weitere gesetzliche Vertreter werden auf entsprechenden Beiblättern ergänzt.

Darüber hinaus benötigen Gewerbeämter die folgenden Unterlagen:

  • Personalausweis oder Reisepass
  • bei Bevollmächtigung eine schriftliche Vollmacht und den Personalausweis oder Reisepass des Vollmachtgebers
  • Registerauszug bei im Handels-, Vereins- oder Genossenschaftsregister eingetragenen Firmen

Je nach Branche kann das Gewerbeamt auch ein polizeiliches Führungszeugnis, Gesundheitszeugnis, Deinen Meisterbrief oder Deine Handwerkskarte verlangen. Du kannst Dich auch bei der zuständigen Industrie- und Handelskammer bzw. Der Handwerkskammer informieren.

Gründer, die keine deutsche Staatsbürgerschaft haben, benötigen außerdem eine gültige Aufenthaltsgenehmigung sowie eine Bestätigung, dass sie eine gewerbliche Tätigkeit ausüben dürfen.

Kleiner Gewerbeschein

Die Kleinunternehmerregelung befreit Unternehmer nur von der Umsatzsteuer, nicht von der Gewerbesteuer. Zwar profitieren Kleinunternehmer in voller Höhe von dem Gewerbesteuerfreibetrag, sind aber nicht von der Pflicht befreit, ein Gewerbe anzumelden. Man spricht beim Gewerbeschein für Kleinunternehmen auch vom kleinen Gewerbeschein.

Vorbereitung auf die Gewerbeanmeldung

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Musst Du für Deine Gründung ein Gewerbe anmelden, sparst Du mit einer guten Vorbereitung Zeit für die eigentliche Anmeldung und kannst Deinen Gewerbeschein gleich direkt mitnehmen oder bekommst in innerhalb weniger Tage per Post zugeschickt.

Um bestens für die Gewerbeanmeldung vorbereitet zu sein, solltest Du vorher die folgenden To-Dos abhaken:

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Gewerbe anmelden in 6 Schritten

Wenn Du die nötigen Vorbereitungen getroffen hast, kannst Du Dein Gewerbe anmelden. Dieser Prozess besteht in der Regel aus sechs Schritten.

  1. Informationen und Unterlagen sammeln
  2. Fragebogen zur Gewerbeanmeldung ausfüllen
  3. Steuernummer für Dein Gewerbe beantragen
  4. Anmeldung bei der gesetzlichen Unfallversicherun
  5. Anmeldung bei IHK und HWK
  6. Unternehmen bei der Agentur für Arbeit anmelden

Schritt 1: Informationen und Unterlagen sammeln

Um zu vermeiden, dass bei der Gewerbeanmeldung etwas schief läuft, Du fehlende Unterlagen nachreichen musst und sich die Ausgabe des Gewerbescheins unnötig verzögert, solltest Du einige Informationen über den Anmeldeprozess Deines Gewerbeamts einholen und alle nötigen Dokumente beisammen haben.

Kläre, ob Du Dein Gewerbe online anmelden kannst. Achte darauf, ob der Prozess komplett digital erfolgt und Du alle erforderlichen Unterlagen ebenfalls online einreichen kannst oder ob Du sie per Post schicken oder sogar persönliche abgeben musst.

Schritt 2: Fragebogen zur Gewerbeanmeldung ausfüllen

Hast Du alle offenen Fragen geklärt und alle notwendigen Dokumente besorgt, lade Dir den Fragebogen zur Gewerbeanmeldung bei Deinem zuständigen Gewerbeamt herunter und fülle ihn aus, bevor Du Dich auf den Weg zum Gewerbeamt machst. Bei Fragen kannst Du Dich vorab telefonisch an das Gewerbeamt wenden. 

Schritt 3: Steuernummer für Dein Gewerbe beantragen

Um Dein Gewerbe beim Finanzamt anzumelden, erhältst Du den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung, den Du ausgefüllt an das Finanzamt zurücksendest. Nach einer kurzen Prüfung erhältst Du eine Steuernummer für Dein Unternehmen, die Du bei sämtlichen steuerlichen Belangen angeben und in Deiner Rechnung aufführen musst.

Treibst Du mit Deinem Gewerbe grenzüberschreitenden Handel, benötigst Du zusätzlich zu Deiner Steuernummer auch ein Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (USt-IdNr.).

Schritt 4: Anmeldung bei der gesetzlichen Unfallversicherung

Die Anmeldung bei der Berufsgenossenschaft, der gesetzlichen Unfallversicherung in Deutschland, ist Pflicht. Die Anmeldung erfolgt bei der Berufsgenossenschaft, die für Deinen Beruf zuständig ist. Arbeitest Du in einem Bereich, der keiner BG zugeordnet werden kann, ist die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) für Dich zuständig. 

Schritt 5: Anmeldung bei IHK und HWK

Gewerbetreibende sind zur Mitgliedschaft in der Industrie- und Handelskammer (IHK) verpflichtet. Gibt das Gewerbeamt die Gründungsinformationen an die zuständige IHK weiter, werden kammerpflichtige Unternehmen automatisch Mitglied. Handwerker melden sich entsprechend bei der zuständigen Handwerkskammer (HWK) an. 

Schritt 6: Unternehmen bei der Agentur für Arbeit anmelden

Beschäftigt Dein Unternehmen eigene Angestellte, musst Du bei der Agentur für Arbeit eine Betriebsnummer (BBNR) beantragen. Mit dieser Nummer werden Unternehmen in Deutschland eindeutig identifiziert, um Meldungen zur Sozialversicherung für sozialversicherungspflichtig Beschäftigte an die Sozialversicherungsträger zu übermitteln. 

Was kostet eine Gewerbeanmeldung?

Je nach Gemeinde liegen die Kosten für den Gewerbeschein zwischen 10 und 65 €. Den Gewerbeschein erhältst Du nach wenigen Tagen. Damit verfügst Du über eine formale Berechtigung, ein Gewerbe zu betreiben und kannst Deine Geschäftstätigkeit aufnehmen.

Gewerbesteuer – das solltest Du wissen

Wer eine Gewerbe anmeldet gilt laut Definition als Gewerbetreibender und ist somit zur Zahlung der Gewerbesteuer verpflichtet.

Die Gewerbesteuer ist eine Gemeindesteuer und gilt als eine der wichtigsten Einnahmequellen der Gemeinden. Das heißt, Du führst die Gewerbesteuer nicht an das Finanzamt ab, sondern zahlst sie direkt an die Gemeinde. Zuständig ist das Gewerbe- oder Ordnungsamt, in dem Dein Unternehmen seinen Sitz hat.

Gute Nachrichten: Auch bei der Gewerbesteuer gilt ein einheitlicher Steuerfreibetrag, den sich besonders junge und kleinere Unternehmen zunutze machen können. Einzelunternehmen und Personengesellschaften haben Anspruch auf einen Gewerbesteuerfreibetrag in Höhe von jährlich 24.500 €. Liegt der Jahresgewinn unter diesem Betrag zahlen sie keine Gewerbesteuer.

Liegt der Gewinn aber über dem Freibetrag, wird der Freibetrag vom Gesamtgewinn abgezogen und die Gewerbesteuer fällt nur für den Betrag an, der den Freibetrag übersteigt.

Kapitalgesellschaften haben unabhängig von der Höhe ihres Gewinns keinen Anspruch auf den Freibetrag.

In unserem Wiki erklären wir Dir genau, wie die Berechnung der Gewerbesteuer abläuft.

Gewerbe um- oder abmelden

Gewerbetreibende sind nicht nur zur Gewerbeanmeldung verpflichtet. Änderungen sind dem Gewerbeamt ebenfalls mitzuteilen. Zu diesen Veränderungen zählen:

  • die Verlegung des Unternehmenssitzes innerhalb einer Gemeinde
  • die Eröffnung weiterer Zweigstellen
  • ein Inhaberwechsel
  • die Änderung des Tätigkeitsbereichs
  • die Erweiterung des Angebots

In diesen Fällen musst Du Dein Gewerbe mit einem entsprechenden Formular ummelden.

Ändert sich die Rechtsform Deines Unternehmens oder Du verlegst den Unternehmenssitz in eine andere Gemeinde, musst Du Dein Gewerbe zunächst abmelden und dann bei der neuen Gemeinde die Gewerbeanmeldung neu beantragen. Gibst Du Dein Unternehmen komplett auf, meldest Du es ebenfalls ab.

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