Grundsicherung für Selbstständige: Wie wird sie berechnet?

Oliver
Oliver November 2020 Fintech Content Editor 6 Min

Inhaltsverzeichnis

Der Schritt in die Selbstständigkeit erfordert viel Mut. Plötzlich trägst Du eine Menge Verantwortung und das Thema finanzielle Sicherheit erhält für Dich eine vollkommen neue Dimension. Wer da in Ausnahmesituationen, wie der aktuellen Corona-Pandemie, ins Straucheln gerät, ist zum Glück nicht allein. Auch Unternehmer haben unter bestimmten Umständen Anspruch auf Grundsicherung für Selbstständige.

Allgemein gilt: Gerätst Du in eine finanzielle Notsituation, kannst Du Dich hierzulande an den Staat wenden. In der Regel unterstützt Dich dieser mithilfe festgelegter Instrumente. Genau diese wurden im Zuge der Corona-Krise jedoch zusätzlich um ein vorübergehendes Sozialschutzpaket ergänzt. Unter anderem wurden darin die Anforderungen zum Bezug von Grundsicherung vereinfacht. Im Bedarfsfall soll diese damit schnell und unbürokratisch zugänglich sein.

Von der Bundesregierung wurde die Maßnahme nochmalig bis zum 31. Dezember 2020 verlängert. Was Du als Selbstständiger daher wissen solltest, wenn Dein Einkommen vorläufig nicht zum Leben reicht, erfährst Du hier.

Was ist die Grundsicherung?

Die Grundsicherung, auch Arbeitslosengeld II, Sozialhilfe oder Hartz IV genannt, fußt gesetzlich auf dem Sozialgesetzbuch (SGB II). Demnach handelt es sich um eine Leistung zur Sicherung des Lebensunterhalts. Wer nicht in der Lage ist, diesen für sich, sowie die Angehörigen seiner Bedarfsgemeinschaft, zu bestreiten, kann vom Jobcenter durch Grundsicherung unterstützt werden.

Achtung – die Verantwortung innerhalb der Bedarfsgemeinschaft gilt in beide Richtungen: So werden zum Beispiel zusammen lebende Paare vom Jobcenter gemeinsam veranschlagt. Verdient einer der beiden ausreichend Geld, um den gemeinsamen Lebensunterhalt zu bestreiten, kann ein Anspruch auf Grundsicherung für Selbstständige unter Umständen entfallen.

Wie hoch ist die Grundsicherung und wer hat Anspruch darauf? 

Um Grundsicherung zu beantragen, musst Du Dich weder arbeitslos melden, noch Deine Selbstständigkeit aufgeben. Hauptkriterium ist, dass Du die erforderlichen finanziellen Mittel zur Sicherung des Lebensunterhalts nicht aufbringen kannst. Die Leistung unterstützt Dich sowohl bei der Bestreitung der Lebenshaltungskosten als auch der Wohnungskosten. 

Den Bedarf für Lebenshaltungskosten setzt das Jobcenter für Alleinstehende im Regelfall auf 432 Euro fest. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat hierzu genaue Informationen in Abhängigkeit von Alter und Lebensumständen sowie Rechenbeispiele zusammengetragen.

Der Bedarf an Wohnungskosten umfasst die Kosten für Unterkunft und Heizung. Anhand ortsabhängiger Sätze wird entschieden, welche Höhe dafür angemessen ist. Gehen Deine Kosten darüber hinaus, musst Du als Empfänger von Grundsicherung die Differenz selbst tragen. Durch die derzeitige Sonderregelung kommt das Jobcenter jedoch noch bis 31. Dezember 2020 für die tatsächlichen Wohnungskosten auf.

Wird Dir zwischen dem 1. März 2020 bis einschließlich 31. Dezember 2020 Grundsicherung gewährt, musst Du Dein Vermögen außerdem nicht aufbrauchen, um Anspruch auf die Leistung zu haben. Dies gilt, solange die Grenze zum “erheblichen Vermögen” (60.000 Euro für das erste, sowie 40.000 Euro für jedes weitere Mitglied der Bedarfsgemeinschaft) nicht überschritten wird.

Was ist nicht in der Grundsicherung enthalten?

Für Selbstständige gilt zu beachten, dass es sich bei der Grundsicherung um die Absicherung des persönlichen Lebensunterhalts handelt. Damit fallen Kosten wie Mieten für Büros und Gehälter nicht darunter.

Diese Kosten werden allerdings mit Deinem Einkommen verrechnet. Verringert sich dieses, kann Anspruch auf Grundsicherung für Selbstständige entstehen.

Welche Alternativen zur Grundsicherung habe ich als Selbstständiger?

Auch kleine Unternehmen, Solo-Selbstständige und Freiberufler fallen unter die staatlichen Zuschussprogramme in Folge der Corona-Krise. Nachdem die Corona-Soforthilfen und die Überbrückungshilfe I ausgelaufen sind, können ab sofort und bis zum 31. Dezember 2020 Anträge für die Überbrückungshilfe II gestellt werden. Sofern der Zuschuss rechtmäßig beantragt und entsprechend der Vorgaben verwendet wird, muss dieser nicht zurückgezahlt werden.

Darüber hinaus bietet die KfW für Selbstständige und Freiberufler Kredite zu verbesserten Konditionen an, welche zur Überbrückung wirtschaftlicher Engpässe in Folge der Corona-Pandemie dienen sollen.

Weiterführende Informationen zur Deckung laufender Kosten findest Du auf den Seiten des Bundeswirtschaftsministeriums und des Bundesfinanzministeriums.

Die Grundsicherung deckt zwar nur das Minimum an Lebenshaltungskosten ab, kann Dir in finanziellen Ausnahmesituationen aber eine wertvolle Hilfe sein. Vom momentan vereinfachten Zugang durch die Corona-Maßnahmen profitieren dabei auch Selbstständige. 

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Wie kann ich Grundsicherung für Selbstständige beantragen?

In drei Schritten kannst Du online die Grundsicherung beantragen:

  1. Fülle den vereinfachten Antrag der Bundesagentur für Arbeit aus. Dieser ist in der Form nur für die Zeit der Corona-Ausnahmeregelung gültig.
  2. Füge als Selbstständiger zusätzlich noch die entsprechende Anlage bei.
  3. Falls Du möchtest, und die Belege zu den beiden Formularen (wie z.B. Deinen Mietvertrag) zur Hand hast, ist es hier schon möglich, diese beizufügen. Andernfalls kannst Du die Belege auch später nachreichen.

Hast Du alle benötigten Formulare fertig ausgefüllt?

Perfekt! Stelle Deinen Antrag auf der Seite der Bundesagentur für Arbeit, indem Du die erforderlichen Dokumente hochlädst.

Tipp zur Grundsicherung

Gezahlt wird die Grundsicherung maximal rückwirkend zum Anfang des laufenden Monats der Antragstellung. Um die Frist zu wahren, reicht zunächst auch ein formloser Antrag.

Dies kann persönlich, telefonisch oder schriftlich beim zuständigen Jobcenter erfolgen. Für den formlosen Antrag musst Du lediglich Deinen vollständigen Namen, Geburtsdatum, Anschrift und eine kurze, eindeutige Formulierung Deines Anliegens nennen.

Wie viel darf man beim Empfang von Grundsicherung dazu verdienen?

Auch wenn die Vermögensprüfung vorläufig ausgesetzt ist, wird das Einkommen selbstverständlich weiterhin in die Berechnung mit einbezogen. Was Du parallel zur Grundsicherung erwirtschaftest, wird also auf diese angerechnet.

Laut Bundesministerium für Arbeit und Soziales gelten die ersten 100 Euro eines zusätzlichen Einkommens automatisch als Freibetrag. Somit werden sie nicht auf die Grundsicherung angerechnet. Ab da wird der Anteil, welcher zum Freibetrag zählt, gestaffelt: Bei einem Bruttoeinkommen zwischen 100 und 1.000 Euro bleiben weitere 20 Prozent übrig. Verdienst Du zwischen 1.000 und 1.200 Euro (bzw. 1.500 Euro mit einem minderjährigen Kind), werden weitere 10 Prozent angerechnet.

Beispielrechnung Grundsicherung

Du beziehst Grundsicherung und verdienst parallel 700 Euro pro Monat mit Deiner Selbstständigkeit. Dir werden also 100 Euro plus 120 Euro (20 Prozent von 600 Euro), d.h. insgesamt 220 Euro als Freibetrag bewilligt. Am Ende des Monats bleiben Dir demnach die Leistungen für Lebensunterhalt und Wohnung plus 220 Euro.

Fazit zur Grundsicherung für Selbstständige

In der derzeitigen Sondersituation gibt es aber auch andere, speziell auf Selbstständige zugeschnittene, Optionen auf Unterstützung. Daher solltest Du zunächst Deinen Anspruch auf Überbrückungshilfe II oder auf einen Kredit zu verbesserten Konditionen durch die KfW prüfen. Wenn alle Stricke reißen, hast Du immer die Möglichkeit, einen Antrag auf Grundsicherung zu stellen.

Als Selbstständiger solltest Du also zunächst versuchen, die derzeit verfügbaren Sonderleistungen in Anspruch zu nehmen. Sind diese Möglichkeiten ausgeschöpft, kannst Du auf die Grundsicherung zugreifen.

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