Erhalte 60€ für jedes Unternehmen, das Du für Penta wirbst.
Prämie sichern
Mehr

Ingenieurbüro gründen: Tipps für die Selbstständigkeit

Lukas Zoerner
Lukas Zoerner August 2021 16 Min

Inhaltsverzeichnis

Sich als Ingenieur selbstständig zu machen, ist eine gute Alternative zur Festanstellung. Es gibt zahlreiche interessante Themenfelder, in denen Du je nach Deiner Fachrichtung tätig werden kannst. Um Dein eigenes Ingenieurbüro zu gründen, gibt es allerdings spezielle fachliche, finanzielle und persönliche Voraussetzungen, die Du für eine erfolgreiche Gründung erfüllen musst.

Selbstständiger Ingenieur

Jede Selbstständigkeit hat ihre Vor- und Nachteile. Das gilt natürlich auch für Ingenieure, die ihr eigenes Büro gründen wollen. Abgesehen von den typischen Vorteilen wie der freien Zeiteinteilung, Unabhängigkeit von einem festen Arbeitgeber und die Möglichkeit, selbstbestimmt zu arbeiten, profitierst Du als selbstständiger Ingenieur davon, Erfahrungen in verschiedenen Bereichen sammeln zu können und Einblicke in die Prozesse und Arbeitsweisen unterschiedlicher Unternehmen zu bekommen.

Allerdings gehst Du auch ein hohes unternehmerisches Risiko ein. Du bist selbst dafür verantwortlich, Projekte zu akquirieren. Dich belasten Unsicherheiten in Bezug auf die Auftragslage oder die mögliche Projektdauer. Zudem musst Du flexibel sein: Als Ingenieur musst Du vor Ort sein. Entsprechend erwarten Deine Kunden eine hohe Bereitschaft zur Mobilität. Brennst Du für Deinen Job, werden Dich die Nachteile nicht aufhalten, Dein eigenes Ingenieurbüro zu gründen. Also, was musst Du als Ingenieur auf Deinem Weg in die Selbstständigkeit wissen und beachten?

Voraussetzungen, um ein Ingenieurbüro zu gründen

Um Dich als Ingenieur selbstständig zu machen und Dein eigenes Ingenieurbüro zu gründen, benötigst Du fachliche Qualifikationen, praktische Erfahrung, technologisches Know-how und natürlich auch kaufmännisches Verständnis. Als Ingenieur verfügst Du über ein abgeschlossenes Studium an einer Universität, Fachhochschulen (FH) oder Berufsakademie (BA) und einen entsprechenden akademischen Titel 

  • Bachelor of Science
  • Master of Science (ehemals Dipl.-Ing.)
  • B. Eng. (FH)
  • M. Eng. (FH)

Praktische Berufserfahrung wird nicht zwingend vorausgesetzt – Ausnahme ist der Bauingenieur: Hier brauchst Du mindestens zwei Jahre Berufserfahrung, um eine Bauvorlageberechtigung zu erhalten, die Dich zur Planung und Genehmigung baulicher Veränderungen oder Abrisse von Bestandsgebäuden berechtigt. Zudem hilft es Dir wie in jedem Beruf, wenn Du bereits über notwendige Kenntnisse und Kontakte in der Branche verfügst. Entsprechendes gilt für Dein technologisches Know-how. Als selbstständiger Ingenieur bist Du dafür verantwortlich, Dich weiterzubilden, um auf dem aktuellen Stand zu bleiben oder Dein Wissen in bestimmten Bereichen weiter zu vertiefen. Last but not least bist Du für die Buchhaltung, Preis- und Angebotskalkulation, Materialeinkauf, Steuern etc. zuständig. Entsprechend solltest Du betriebswirtschaftliche Kenntnisse mitbringen, die Grundlagen ordnungsgemäßer Buchhaltung kennen und über Kenntnisse im Steuerrecht verfügen. 

Einstufung als freiberufliche Tätigkeit 

Laut § 18 Einkommensteuergesetz (EStG) zählt der Ingenieur zu den sogenannten Katalogberufen. Steuerrechtlich bedeutet das, dass die Tätigkeit des Ingenieurs vom Finanzamt als freiberufliche Tätigkeit eingestuft wird. Da es sich bei dieser Einstufung häufig um Einzelfallentscheidungen handelt, für die neben Deiner beruflichen Tätigkeit weitere Kriterien ausschlaggebend sind, um Dich von einer gewerblichen Tätigkeit abzugrenzen, spricht bereits vor Deiner Gründung mit dem zuständigen Finanzamt. 

Voraussetzung für die Anerkennung als Freiberufler ist, dass die von Dir ausgeübte Tätigkeit zu den Kernaufgaben eines Ingenieurs gehört. Hierzu zählen beispielsweise Tätigkeiten in den Bereichen 

  • Forschung, Lehre und Entwicklung
  • Berechnung, Konstruktion und Gestaltung
  • Fertigung und Betrieb
  • Montage und Instandhaltung
  • Kundendienst und Vertrieb
  • technische Verwaltung und Betriebsführung
  • Beratung

Zudem musst Du Deine Kompetenz, die Du im Studium sowie Deiner Berufspraxis erworben hast, nachweisen und über neue technische Entwicklungen in der Branche informiert sein. Entsprechend musst Du für die Gründung Deines Ingenieurbüros Deine geplante Tätigkeit so exakt wie möglich definieren. 

Vorteile der freiberuflichen Tätigkeit

Erkennt Dich das Finanzamt als Freiberufler an, profitierst von einigen Vorteilen.

  1. Das Steuerrecht unterscheidet zwischen Gewerbetreibenden und Freiberuflern. Als Freiberufler bist Du von der Pflicht, die Gewerbesteuer zu bezahlen, befreit. Das spart Dir zum einen Geld, zum anderen den Weg zum Gewerbeamt. Damit verringert sich Dein Aufwand, wenn Du ein Ingenieurbüro gründen willst.
  2. Als Freiberufler bist Du nicht zur doppelten Buchführung verpflichtet. Die einfache Buchhaltung ist ausreichend. Als Nachweis für Dein Einkommen reicht dem Finanzamt zudem die vereinfachte Gewinnermittlung mithilfe der Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR).
  3. Du bist nicht zur Mitgliedschaft in der Handelskammer verpflichtet. Daher gelten für Dich nicht die Bestimmungen des Handelsgesetzbuches (HGB), sondern die Regelungen des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB). Entsprechend bist auch nicht zur Erstellung handelsrechtlicher Bilanzen für Deinen Jahresabschluss verpflichtet. 
  4. Als freiberuflicher Ingenieur bist Du nicht zur Mitgliedschaft in der Industrie und Handelskammer und der Berufsgenossenschaft verpflichtet. 

Ingenieur mit Gewerbeschein

Arbeitest Du in einem Bereich, der nicht zu den Kernbereichen eines Ingenieurs zählt, kannst Du natürlich auch Dein eigenes Ingenieurbüro gründen. Allerdings benötigst Du in diesem Fall einen Gewerbeschein, um Deine Geschäftstätigkeit aufzunehmen. Das Gewerbeamt informiert das Finanzamt, das Ordnungsamt, die zuständige Berufsgenossenschaft sowie die Industrie- und Handelskammer über Deine Gründung. Treibst Du zusätzlich Handel und verkaufst Deine Produkte, musst Du Dein Unternehmen zusätzlich im Handelsregister eintragen lassen.

Ingenieurbüro gründen: Die passende Rechtsform wählen

Grundsätzlich steht Dir die Wahl der Rechtsform für Deine Gründung frei. Deine Entscheidung, welche Rechtsform die passende ist, um ein Ingenieurbüro zu gründen, hängt von Deiner Einstufung beim Finanzamt ab. Wirst Du als Freiberufler anerkannt, bietet sich die Gründung eines Einzelunternehmens oder Rechtsformen wie die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR), die Partnergesellschaft (PartG) oder die Partnergesellschaft mit beschränkter Berufshaftung (PartG mbB) an.

Einzelunternehmen

Als Einzelunternehmer benötigst Du kein Stammkapital und bist auf keinen Partner angewiesen. Die Gründung erfordert einen geringen Aufwand. Du triffst alle Entscheidungen selbst, trägst aber auch das volle Risiko. Im Schadensfall haftest Du auch mit Deinem Privatvermögen.  

Gesellschaft bürgerlichen Rechts

Willst Du mit einem oder mehreren Partnern ein Ingenieurbüro gründen und die persönliche Haftung einschränken, bietet sich die Gründung einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR)an. Die Gesellschafter haften mit Gesellschaftsvermögen und Privatvermögen. Ein schriftlicher Gesellschaftsvertrag ist für diesen Zusammenschluss nicht zwingend notwendig, aber dennoch ratsam. Allerdings muss der Vertrag nicht notariell beglaubigt werden. Dadurch ist der Gründungsaufwand einer GbR ebenfalls vergleichsweise gering. Bei der GbR ist ebenfalls kein Stammkapital notwendig.

Partnerschaftsgesellschaft (PartG)

Willst Du mit einem oder mehreren Partnern ein Ingenieurbüro gründen, Dein Haftungsrisiko begrenzen und dabei dennoch eigenverantwortlich agieren, ist die Gründung einer Partnerschaftsgesellschaft (PartG) sinnvoll. Diese Rechtsform ist ausschließlich Freiberuflern vorbehalten. Die Gesellschaft haftet mit dem Gesellschaftsvermögen. Die einzelnen Gesellschafter haften nur bei fehlerhaftem Handeln mit Privatvermögen. Willst Du die persönliche Haftung ausschließen, bietet sich die Gründung einer Partnerschaftsgesellschaft mit beschränkter Berufshaftung (PartG mbB) an. 

Alternativ kannst Du aber auch in weiteren Rechtsformen als Personengesellschaft oder Kapitalgesellschaft gründen. 

Rechtsformen, um ein Ingenieurbüro mit Gewerbeschein zu gründen

Gründest Du als Gewerbetreibender stehen Dir außer der Partnergesellschaft sämtliche Rechtsformen offen. Die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) ist eine gute Möglichkeit, die persönliche Haftung auszuschließen. Allerdings musst Du für die Gründung Stammkapital in Höhe von mindestens 25.000 Euro aufbringen. Zudem sind die Gründungsformalitäten vergleichsweise hoch. Eine günstige Alternative, mit der Du Deine Haftung beschränken kannst und nur Stammkapital in Höhe von einem Euro benötigst, ist die Unternehmergesellschaft (UG). Beachte dabei jedoch die Ansparpflicht. Bis hier eine Summe von 25.000 Euro erreicht ist, kannst Du Gewinne nicht in voller Höhe ausschütten. Zudem musst die UG in eine GmbH umwandeln, sobald die Ansparsumme erreicht ist.

Handelst Du als Gewerbetreibender mit Deinen eigenen Produkten, bist Du verpflichtet, Dein Unternehmen im Handelsregister eintragen zu lassen. In diesem Fall eigene sich die Offene Handelsgesellschaft (OHG) oder die Kommanditgesellschaft (KG).

lastschriften

Business Banking geht auch einfach

Ingenieurbüro gründen: Vorbereitung auf die Gründung

Um Dein eigenes Ingenieurbüro zu gründen, musst Du zunächst einige Formalitäten erledigen. Bevor Du Dich an die Anmeldung bei Ämtern und Behörden und Verbänden machst, benötigst Du als selbstständiger Ingenieur zunächst einen Businessplan, musst die passende Rechtsform für Dein Unternehmen wählen, ein Geschäftskonto eröffnen, für einen ausreichenden Versicherungsschutz sorgen und die Finanzierung Deines Gründungsvorhabens sicherstellen. 

Businessplan erstellen

Ob das Finanzamt Deine Tätigkeit als freiberuflich einschätzt, ist abhängig von Deinem Geschäftsmodell. Um den Status als Freiberufler zu erhalten, ist es entscheidend, detailliert darzulegen, welche Tätigkeiten Du als Ingenieur ausüben willst. Zählen diese nicht zu den Kernaufgaben des Ingenieurs, wirst Du als Gewerbetreibender betrachtet. Dies Entscheidung hat Auswirkungen auf die notwendigen Schritte im Gründungsprozess, die Wahl Deiner Rechtsform, steuerrechtliche Fragen und die Buchhaltung in Deinem Unternehmen.

Um Dein Geschäftsmodell umfassend darzulegen, unterstützt Dich ein gut durchdachter Businessplan, in dem Du Deine Idee, das Konzept und Deinen Weg zur Umsetzung zu Papier bringst. Ein guter Businessplan sollte mindestens die folgenden Punkte beinhalten: 

  • Geschäftsmodell: Idee, Konzept, Zielgruppe und Angebot
  • Strategie und Unternehmensziele 
  • Markt- und Wettbewerbsanalyse
  • Standortanalyse
  • Rechtsform
  • Kosten
  • Finanzplan
  • Marketing- und Kommunikationsmaßnahmen

So gewinnt das Finanzamt einen umfassenden Eindruck von Deiner geplanten Geschäftstätigkeit. Zudem bietet Dir Dein Businessplan als Orientierung für die erste Zeit nach der Gründung Deines Ingenieurbüros. 

Ingenieurbüro gründen als Freiberufler

Die weiteren Schritte zur Anmeldung hängen entscheidend von der Beurteilung durch das Finanzamt ab. Unabhängig davon, ob Du Dein Ingenieurbüro als Freiberufler haupt- oder nebenberuflich gründen willst, benötigst Du lediglich eine Steuernummer vom Finanzamt. 

Anmeldung beim Finanzamt

Als Freiberufler bist Du von der Zahlung der Gewerbesteuer befreit. Du zahlst lediglich die Einkommensteuer auf Deine Einnahmen sowie die Umsatzsteuer auf Deine Lieferungen und Leistungen. Als Kleinunternehmer kannst Du Dich gemäß § 19 des Umsatzsteuergesetzes (UStG) von der Zahlung der Umsatzsteuer befreien lassen und musst die Befreiung in Deinen Rechnungen ausweisen. Um eine Steuernummer zu erhalten, füllst Du den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung aus. Nimmst Du zudem am innergemeinschaftlichen Handel teil, heißt, Du machst Geschäfte mit Unternehmen im EU-Ausland, benötigst Du zusätzlich eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (USt-IdNr.)

Gesellschaftsvertrag erstellen

Gründest Du gemeinsam mit einem oder mehreren Partnern eine Partnerschaftsgesellschaft, ist es ratsam, einen schriftlichen Gesellschaftsvertrag zu erstellen, der die rechtlichen Grundlagen der Gesellschaft und die Rechte und Pflichten der Gesellschafter festgelegt. 

Der Gesellschaftsvertrag sollte mindestens die folgenden Punkte regeln:

  • Name und Sitz der Gesellschaft
  • Zweck und Unternehmensgegenstand
  • Gesellschafter und Kapitalanteile 
  • Anzahl der Aktien, eingezahltes Grundkapital/Stammkapital (bei Kapitalgesellschaften)
  • Beschlussfassung und Stimmrecht
  • Gewinnverteilung
  • Geschäftsführung und Vertretungsbefugnisse
  • Regelung zur Übertragung von Anteilen
  • Auflösungs- und Nachfolgeregelungen 

In der Partnerschaftsgesellschaft ist es nicht notwendig, den Gesellschaftsvertrag notariell beglaubigen zu lassen. Durch die Unterschrift des Vertrags verpflichtet ihr euch zur Einhaltung der Grundlagen. Allerdings kann es ratsam sein, den Vertrag durch einen Anwalt prüfen zu lassen, um seine Rechtssicherheit zu gewährleisten. 

Finanzierung sicherstellen

Verfügst Du über ausreichend Kapital, um Dein eigenes Ingenieurbüro zu gründen, bist Du jetzt im Grunde genommen startklar und kannst Deine Geschäftstätigkeit aufnehmen. Bei Deiner Kalkulation solltest Du nicht nur einmalige Gründungskosten, sondern auch die laufenden Kosten berücksichtigen. Benötigst Du Fremdkapital, stehen Dir mehrere Möglichkeiten zur Verfügung. Welche Art der Finanzierung sich eignet, hängt zum einen von Deinem Geschäftsmodell und dem Verhältnis von Fremd- und Eigenkapital ab. Zum anderen aber auch davon, ob Du einen Partner, Miteigentümer oder Investor ins Boot holen willst oder lieber unabhängig bleibst.

Die klassische Finanzierungsart ist der Bankkredit. Allerdings erwarten Banken Sicherheiten und sind bei der Vergabe von Krediten an strenge Regeln gebunden. Für viele Gründer stellt zudem die Tilgung gerade in der Anfangsphase eine große finanzielle Belastung dar. 

Alternativ kannst Du Dich um staatliche Fördermittel bemühen. Hier erhältst Du meist günstige Zinsen, lange Laufzeiten und oft auch eine tilgungsfreie Anlaufphase. Eine Übersicht der Förderprogramme in Deutschland findest Du im Existenzgründungsportal des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BWMi).

Eine weitere gute Möglichkeit, um sich Kapital zu beschaffen, ist das Crowdfunding, das auf den Idealismus vieler Menschen setzt, die keine Gegenleistung für ihre Investition erwarten.

Schlüssiger Finanzplan 

Auf Deiner Suche nach der passenden Finanzierung unterstützt Dich ein schlüssiger Finanzplan als Teil Deines Businessplans. Er bestehtaus einem 

  • Umsatzplan
  • Kostenplan
  • Liquiditätsplan
  • Finanzierungsplan
  • Investitionsplan 
  • Rentabilitätsplan 

und enthält Angaben zu Fixkosten und Produktionskosten, Einnahmen und Ausgaben sowie zu geplanten Investitionen.

Geschäftskonto für Dein eigenes Ingenieurbüro eröffnen

Als Freiberufler bist Du nicht gesetzlich dazu verpflichtet, ein Geschäftskonto zu eröffnen. Allerdings bietet es sich für jeden Unternehmer an, private von geschäftlichen Ausgaben zu trennen. Das gilt insbesondere für Freiberufler, die als Einzelunternehmer und Gesellschafter einer GbR oder einer Partnerschaftsgesellschaft mit ihrem privaten Vermögen haften. Zudem erleichtert Dir ein digitales Geschäftskonto wie das Online Geschäftskonto von Penta mit der Integration einer Buchhaltungssoftware die Buchführung sowie die Zusammenarbeit mit Deinem Steuerberater.

Welchen Versicherungsschutz benötigst Du, um ein Ingenieurbüro zu gründen?

Freiberufliche Ingenieure müssen selbst für die Absicherung privater und beruflicher Risiken sorgen. In Deutschland jeder dazu verpflichtet, eine Krankenversicherung abzuschließen. Entsprechend musst Du Deine Selbstständigkeit bei einer Krankenkasse anmelden. Du hast die Wahl, Dich freiwillig gesetzlich zu versichern oder eine private Kranken- und Pflegeversicherung abzuschließen. Eine Rentenversicherungspflicht besteht nur für Ingenieure, die im Bereich der Lehre tätig sind. Allen anderen ist es selbst überlassen, ob sie eine private Rentenversicherung abschließen oder anderweitig für ihr Auskommen im Alter sorgen.  

Im beruflichen Bereich kann es sinnvoll sein, eine Berufshaftpflichtversicherung und eine Berufsrechtsschutzversicherung abzuschließen, um sich gegen Vermögensschäden, die im Rahmen Deiner beruflichen Tätigkeit entstanden sind, abzusichern. Während ein Ingenieur im Bereich der Lehre vermutlich auf die Versicherung verzichten kann, ist sie beispielsweise für den Bauingenieur unverzichtbar. Mit einer Inhaltsversicherung sicherst Du zudem Deine technische und kaufmännische Betriebseinrichtung gegen Schäden ab.

Gesetzliche Unfallversicherung

Als freiberuflicher Ingenieur steht es Dir frei, Dich freiwillig bei der Berufsgenossenschaft, der gesetzlichen Unfallversicherung in Deutschland, versichern zu lassen. Zuständig für Ingenieure ist die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VGB).

Netzwerken

Kontakte innerhalb der Branche sind Gold wert. Die Mitgliedschaft in Berufsverbänden ist nicht verpflichtend, allerdings ist sie durchaus hilfreich, um Erfahrungen auszutauschen, Partnerschaften zu pflegen und sich weiterzubilden. Zu den Berufsverbänden für Ingenieure zählen beispielsweise  

  • Verein Deutscher Ingenieure (VDI)
  • Zentralverband Deutscher Ingenieure e.V.
  • Verein beratender Ingenieure (VBI)
  • Bundesingenieurkammer (BIngK)
  • Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure e. V. (BDB)
  • Verband der Gebäudeenergieberater, Ingenieure, Handwerker (GIH)

Wer darf sich beratender Ingenieur nennen?

Um als beratender Ingenieur tätig zu sein, musst Du Dich einer Prüfung durch das Finanzamt unterziehen und Dich bei der zuständigen Ingenieurkammer in die Kammerliste eintragen lassen. Für die Aufnahme gelten unterschiedliche Voraussetzungen in den einzelnen Bundesländern. Die Berufsbezeichnung „beratenden Ingenieur“ ist geschützt und gilt als Qualitätssiegel.

Betriebsnummer bei der Agentur für Arbeit beantragen

Beschäftigt Dein Unternehmen eigene Angestellte, musst Du eine Betriebsnummer (BBNR) bei der Agentur für Arbeit beantragen. Mit dieser Nummer werden Unternehmen in Deutschland eindeutig identifiziert, um Meldungen zur Sozialversicherung für sozialversicherungspflichtig Beschäftigte an die Sozialversicherungsträger zu übermitteln. 

Was musst Du beachten, wenn Du als Freiberufler Personal einstellst?

Grundsätzlich kannst Du Mitarbeiter einstellen, ohne dabei Deine Status als Freiberufler zu verlieren. Unproblematisch ist die Einstellung von Hilfskräften, beispielsweise für Deine Buchhaltung. Stellst Du allerdings qualifizierte Fachkräfte ein, kann Dir das Finanzamt Deinen Status als Freiberufler absprechen, wenn Du selbst als Ingenieur nicht persönlich maßgeblich daran beteiligt ist, die einzelnen Dienstleistungen zu erbringen. Zudem musst Du die Arbeit Deiner Mitarbeitenden überwachen und verantworten. Erfüllst Du diese Voraussetzungen, ist die Anzahl der Mitarbeiter die Du beschäftigst unerheblich. Allerdings erscheint es ab einer bestimmten Betriebsgröße unrealistisch, dass Du als freiberuflicher Ingenieur selbst für alle Aufträge verantwortlich bist. In diesem Fall musst Du Dein Ingenieurbüro als Gewerbe anmelden. 

warum penta desktop

Optimales Business Banking muss nicht teuer sein

Ingenieurbüro gründen als Gewerbetreibender

Gründest Du Dein Ingenieurbüro als Gewerbe, kommen im Vergleich zu Gründung als Freiberufler weitere formale Gründungsschritte auf Dich zu. Du musst Dein Unternehmen zusätzlich beim Gewerbeamt anmelden, bei der zuständigen Industrie- und Handelskammer (IHK) sowie bei der Berufsgenossenschaft anmelden. Je nach Rechtsform wird zudem der Eintrag in das Handelsregister erforderlich. 

Gewerbe anmelden

Dein erster Schritt führt Dich zum Gewerbeamt. Im Anschuss an Deine Gewerbeanmeldung gibt das Gewerbeamt die Information über Deine Gründung an das zuständige Finanzamt, die zuständige Industrie- und Handelskammer sowie an die Berufsgenossenschaft weiter. Im nächsten Schritt erhältst Du genau wie der Freiberufler den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung, den Du ausgefüllt an das Finanzamt zurücksendest, um Deine Steuernummer zu erhalten.

Anmeldung bei der Handelskammer und der Berufsgenossenschaft

Die Anmeldung kammerpflichtiger Unternehmen bei der Handelskammer erfolgt automatisch. Die Anmeldung bei der Berufsgenossenschaft ist Pflicht. Die VBG erhält die notwendigen Gründungsinformationen vom Gewerbeamt.

Eintrag in das Handelsregister

Je nach dem in welcher Rechtsform du gründest, folgt die Eintragung in das Handelsregister. Kaufleute und Handelsgesellschaften wie die OHG müssen sich im Handelsregister eintragen lassen. Einzelunternehmer, Kleingewerbe, GbR oder stille Gesellschaften sind nicht dazu verpflichtet. Die Vorbereitung der Anmeldung übernimmt ein Notar, der auch die notwendigen Dokumente beglaubigt und den Eintrag in das Handelsregister beim Amtsgericht anstößt. Für den Eintrag benötigt der Notar den Gesellschaftsvertrag sowie einen Nachweis über das eingezahlte Stammkapital.

Ingenieurbüro gründen: Wie vermarktest Du Dein Angebot?

Die klare Darstellung Deines Angebots spielt eine wichtige Rolle bei der Anmeldung beim Finanzamt. Von ihr hängt es ab, ob Du als Freiberufler oder als Gewerbetreibender gründest. Ein fokussiertes Angebot ist aber genauso wichtig, um Dein Alleinstellungsmerkmal für die Vermarktung herauszustellen. Welche Leistungen bietest Du genau an und wie hebst Du Dich mit Deinem Angebot von Deinen Wettbewerbern ab? Zudem macht es Dir ein klarer Fokus leichter, auf die Anforderungen Deiner Zielgruppe einzugehen und ihnen eine entsprechende Lösung anzubieten. 

Deine Marketing-Strategie

Im besten Fall bringst Du aus Deiner früheren Berufstätigkeit schon Kunden mit, die Dich bei Deinem Vorhaben, ein Ingenieurbüro zu gründen, mit Aufträgen unterstützen. Andernfalls ist Deine wichtigste Aufgabe zunächst, potenzielle Kunden auf Dich aufmerksam zu machen und Aufträge und Projekte an Land zu ziehen, um Dir Deinen eigenen Kundenstamm aufzubauen. 

Zum einen kannst Du Dich ganz klassisch auf Ausschreibungen bewerben oder Messen und Veranstaltungen nutzen, um Kontakte zu knüpfen und mit potenziellen Auftraggebern ins Gespräch zu kommen. Zum anderen nutze Deine eigene Unternehmenswebsite, auf der Du Deine Kompetenzen und Leistungen darstellst, als Aushängeschild für Dein Ingenieurbüro. Nutze dabei auch Maßnahmen zur Suchmaschinenoptimierung (SEO). So kannst Du beispielsweise mithilfe von regionalem SEO Deine Bekanntheit an Deinem Unternehmensstandort stärken. Im Rahmen Deines Businessplans hast Du Dich zudem ausführlich mit Deiner Zielgruppe beschäftigt und weißt, wo Du sie am besten antriffst. Neben klassischen On- und Offline-Marketing-Maßnahmen bieten sich vielleicht auch die gängigen Social-Media-Kanäle an. 

Eröffne jetzt Dein Penta Geschäftskonto

Nach oben