Insolvenz anmelden: Das solltest Du als Unternehmer beachten

Yasmin
Yasmin Mai 2022 Content Editor 8 Min

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Übersteigen Deine Ausgaben die Einnahmen Deines Unternehmens, kannst Du Deinen finanziellen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen. Bei einer akuten oder drohenden Zahlungsunfähigkeit spricht man von Insolvenz. Während Kapitalgesellschaften wie die AG oder eine GmbH innerhalb bestimmter Fristen Insolvenz anmelden müssen, besteht für Einzelunternehmen, Personengesellschaften oder Privatpersonen keine gesetzliche Frist. Was Du als Unternehmer darüber hinaus über den Insolvenzantrag wissen musst, verraten wir Dir in diesem Beitrag.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Juristische Personen melden die Firmen- oder Regelinsolvenz an.
  • Für Kapitalgesellschaften gelten gesetzliche Fristen für den Insolvenzantrag.
  • Natürliche Personen melden Privat- oder Verbraucherinsolvenz an.

Wer kann Insolvenz anmelden?

Die Insolvenz kann grundsätzlich von Unternehmen, aber auch von Privatpersonen angemeldet werden. Bei Unternehmen spricht man von der Firmen- oder Regelinsolvenz. Bei Privatpersonen von der Verbraucher- oder Privatinsolvenz. Die Privatinsolvenz kann nur dann eingereicht werden, wenn der Schuldner zuvor bereits versucht hat, sich außergerichtlich mit seinen Gläubigern zu einigen. Ist dieser Versuch gescheitert, steht ihm der Insolvenzantrag offen.

Die Regelinsolvenz kann von jedem Vertreter des Unternehmens bzw. jedem persönlich haftende Gesellschafter angemeldet werden. Voraussetzung, um die Regelinsolvenz einzuleiten, sind mindestens 19 Gläubiger, die Forderungen an ein Unternehmen stellen sowie offene Verpflichtungen aus Arbeitsverhältnissen wie nicht gezahlte Löhne, Sozialabgaben und Steuern.

Sie kann aber nicht nur vom verschuldeten Unternehmen, sondern auch von seinen Gläubigern beantragt werden. Voraussetzung für den sogenannten Fremdantrag ist, dass ein rechtliches Interesse an einer Insolvenzeröffnung vorliegt und sie ihre Forderung sowie den Eröffnungsgrund glaubhaft nachweisen können.

Gründe, um Firmeninsolvenz anzumelden

Das Insolvenzrecht unterscheidet zwischen drei Gründen für die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens:

  • Überschuldung: Deckt das Vermögen eines Unternehmens bestehende Geldforderungen nicht länger ab, gilt es als überschuldet.
  • Akute Zahlungsunfähigkeit: Ein Unternehmen ist nicht mehr in der Lage, seinen fälligen finanziellen Verpflichtungen nachzukommen.
  • Drohende Zahlungsunfähigkeit: Gehen die Aufträge eines Unternehmens zurück und es gelingt nicht, neue Kunden zu akquirieren und neue Aufträge abzuschließen, ist absehbar, dass einem Unternehmen die Zahlungsunfähigkeit droht.

Ziel des Insolvenzverfahrens

Sowohl die Regelinsolvenz als auch die Privatinsolvenz verfolgen den Zweck, im Rahmen des Insolvenzverfahrens für die geordnete Bereinigung der Schulden der Betroffenen zu sorgen. Ziel ist es, sie durch den geregelten Schuldenabbau von ihren Schulden zu befreien und Gläubigern ihr Geld zu beschaffen. Geführt wird das Verfahren von Insolvenzgerichten. Grundlage für das Insolvenzverfahren bildet die Insolvenzordnung (InsO).

Wann muss man Insolvenz anmelden?

Bei den Fristen für die Insolvenzanmeldung wird zwischen Kapitalgesellschaften wie der Aktiengesellschaft (AG) oder einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) sowie Einzelunternehmern, Personengesellschaften und Privatpersonen unterschieden. Man könnte auch sagen, das Insolvenzrecht unterscheidet zwischen juristischen und natürlichen Personen.

Gesetzliche Fristen für juristische Personen

Gemäß § 15a InsO sind juristische Personen spätestens drei Wochen nach Eintritt der Zahlungsunfähigkeit und sechs Wochen nach Eintritt der Überschuldung dazu verpflichtet, einen Insolvenzantrag zu stellen. Innerhalb diese Fristen bleibt ihnen die Möglichkeit, die Insolvenz abzuwenden

Abhängig von den Gläubigern und der Höhe der Schulden können Unternehmen zur Abwendung der Insolvenz einen kompletten oder teilweisen Schuldenerlass anstreben. Dies kann durch Bürgschaften von anderen Unternehmen, absenken fälliger Kreditraten oder der Stundung von Verbindlichkeiten erreicht werden, um die Zahlungsfähigkeit des Schuldners wieder herzustellen.

Gelingt es der Geschäftsführung innerhalb dieser Frist nicht, ist sie gesetzlich dazu verpflichtet, unverzüglich einen Insolvenzantrag zu stellen. Wer dieser Pflicht nicht nachkommt, erweckt den Straftatbestand einer Insolvenzverschleppung und muss mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren rechnen.

Aussetzung der Insolvenzantragspflicht

Im Zuge der Corona-Pandemie hat die Bundesregierung Anfang März 2020 die dreiwöchige Insolvenzantragspflicht ausgesetzt. Aus organisatorischen und administrativen Gründen ist nicht sichergestellt, dass Hilfe für Unternehmen, die aufgrund der Auswirkungen der Corona-Epidemie in Zahlungsschwierigkeiten geraten sind, innerhalb der Frist von drei Wochen bei ihnen ankommen. Die Aussetzung der Antragspflicht bleibt bis zum 30. September 2020 in Kraft, um zu vermeiden, dass Insolvenzanträge gestellt werden müssen, weil die Bearbeitung von Anträgen auf öffentliche Hilfen bzw. Finanzierungs- oder Sanierungsverhandlungen nicht rechtzeitig abgeschlossen werden können.

Fristen für natürliche Personen

Die gesetzliche Antragspflicht gilt nicht für natürliche Personen. Hier liegt es im eigenen Ermessen, wann ein Antrag auf Insolvenz gestellt wird. In der Regel sollten die offenen Forderungen die vorhandenen Mittel nicht um mehr als 10 % übersteigen. Ist der Anteil höher, ist ein Unternehmen nicht mehr in der Lage, seinen finanziellen Verpflichtungen nachzukommen und sollte entsprechend Insolvenz anmelden. 

Regelinsolvenz anmelden: Wie geht man vor?

Die Regelinsolvenz greift sowohl bei Unternehmen als auch bei Freiberuflern oder Einzelunternehmern.

Bei juristischen Personen durchläuft die Insolvenz sechs Schritte:

  1. Insolvenzantrag stellen
  2. Insolvenzmasse sichern
  3. Insolvenzverwalter einsetzen
  4. Art des Insolvenzverfahrens definieren
  5. Insolvenzplan ausführen
  6. Verbindlichkeiten begleichen

Einzelunternehmer, Freiberufler, Freelancer und Solo-Selbstständige zählen zu den natürlichen Personen. Bei ihnen schließt sich mit der Wohlverhaltensperiode ein siebter Schritt an.

Insolvenzantrag stellen

Der Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens wird beim Insolvenzgericht eingereicht.

Hat ein Unternehmen die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beim Insolvenzgericht beantragt, wird diese Information online im Insolvenzregister bekanntgemacht.

Offiziell gilt ein Unternehmen erst dann als insolvent, wenn das Insolvenzverfahren eingeleitet wurde.

Insolvenzmasse sichern

Bis einem Insolvenzantrag stattgegeben wird und das Verfahren vor Gericht eröffnet wird, können mehrere Wochen vergehen. Daher kann das Insolvenzgericht ein vorläufiges Insolvenzverfahren eröffnen und einen vorläufigen Insolvenzverwalter einsetzen, der die Schuldenlast des Unternehmens ermittelt und die Insolvenzmasse sichert. Diese umfasst alle Zahlungsmittel, die einem Schuldner noch zur Verfügung stehen. Dazu zählen auch eventuell eingebrachtes Eigenkapital sowie Vermögen, das während des Insolvenzverfahrens erzielt wurde.

Insolvenzverwalter einsetzen

Wird das Insolvenzverfahren eröffnet, bestimmt das Gericht einen unabhängigen Insolvenzverwalter. Ihm wird die Leitung des Unternehmens während des Verfahrens übertragen. 

Hier wird zwischen einem starken und einem schwachen Insolvenzverwalter unterschieden. Ein starker Insolvenzverwalter übernimmt die Kommunikation mit den Gläubigern und entbindet die Geschäftsführung komplett von ihren Aufgaben. Ein schwacher Insolvenzverwalter schränkt nur die Befugnisse der Geschäftsführung ein und kontrolliert sie. 

Darüber hinaus erstellt er die Insolvenztabelle, ein Verzeichnis aller angemeldeten und von ihm geprüften Forderungen der Insolvenzgläubiger.

Art des Insolvenzverfahrens festlegen

Bei drohender Verschuldung kann das Schutzschirmverfahren beantragt werden. Stimmt das Gericht zu, muss der Schuldner innerhalb von drei Monaten einen Insolvenzplan erstellen. Ziel des Insolvenzplanes ist die Erhaltung und Fortführung des Unternehmens durch eine schnelle Entschuldung, Übertragung oder Liquidation mit einem Teilzahlungsvergleich.

Um das unternehmerische Know-how bestmöglich für die Sanierung eines Unternehmens zu nutzen, kann die Insolvenz in Eigenverwaltung angeordnet werden. In diesem Fall behält der Schuldner die Verwaltungs- und Verfügungsbefugnis über sein Unternehmen.

Insolvenzplan ausführen

Wird das Insolvenzverfahren eröffnet, wird in der Gläubigerversammlung die wirtschaftliche Situation des Unternehmens offengelegt. Das Gericht beschließt bei diesem Termin, ob ein Unternehmen abgewickelt wird oder ob die Chance besteht, es erfolgreich zu sanieren. Als Grundlage dient der Insolvenzplan, der vom Gericht geprüft wird. Damit der Plan rechtskräftig wird, muss die Gläubigerversammlung ihn zudem bestätigen. Erst dann sind die darin festgelegten Regelungen für alle Vertragsparteien verbindlich. Besteht keine gute Prognose zur Erhaltung eines Unternehmens, wird es nach Verteilung der Insolvenzmasse aufgelöst.

Verbindlichkeiten begleichen

Wird das Unternehmen abgewickelt bzw. liquidiert, werden alle offenen Außenstände eingezogen, um die Verbindlichkeiten des Unternehmens zu begleichen. Das Gericht muss die Verwendung des Vermögens bewilligen. Die Kosten des Verfahrens haben hier Vorrang vor der Befriedung der Gläubiger. Ist das gesamte Vermögen verteilt, wird das Unternehmen vollständig liquidiert und aus dem Handelsregister gestrichen. Im Anschluss an die Verteilung wird das Verfahren vom Insolvenzgericht wieder aufgehoben.

Wohlverhaltensperiode

Bei natürlichen Personen schließt sich bei der Regelinsolvenz die Wohlverhaltensperiode mit dem Ziel der sogenannten Restschuldbefreiung an. Unabhängig von der Höhe der Schulden sorgt sie dafür, dass Unternehmen, Freiberufler oder Selbstständige nach Ablauf einer gewissen Zeit wieder schuldenfrei sind und nicht dauerhaft unter der Insolvenz leiden.

Privatinsolvenz anmelden: Wie geht man vor?

Im Unterschied zur Regelinsolvenz müssen Schuldner bei der Privatinsolvenz zunächst versuchen, eine außergerichtliche Einigung mit ihren Gläubigern zu erzielen. Dazu benötigen sie einen Schuldenbereinigungsplan, der aufzeigt, wie sie ihre Schulden begleichen wollen. Dieser Einigungsversuch muss von einer anerkannten Schuldnerberatungsstelle oder einem Rechtsanwalt bestätigt werden. Erst wenn dieser Einigungsversuch scheitert, darf die Privatinsolvenz angemeldet werden. 

Bevor das Gericht dem Insolvenzverfahren zustimmt, wird im Rahmen eines vorläufigen Verfahrens noch einmal überprüft, ob sich Schuldner und Gläubiger außergerichtlich einigen können. Kommt dabei heraus,  dass ein erneuter Einigungsversuch vermutlich auch zum Scheitern verurteilt ist oder stimmen die Gläubiger nicht zu, wird das Insolvenzverfahren eröffnet. Um ihr Geld zu bekommen, müssen Gläubiger ihre Forderungen beim Treuhänder anmelden.

Nach dem gerichtlichen Schuldenbereinigungsverfahren und dem Insolvenzverfahren mit anschließender Wohlverhaltensperiode folgt die Restschuldbefreiung und das Verfahren wird wieder aufgehoben.

Wie oft kann man Insolvenz anmelden?

Unternehmen und Privatpersonen können mehrfach Insolvenz anmelden. Allerdings gilt es hier bestimmte Fristen zu beachten (vgl. § 287a InsO). 

Der Antrag auf ein erneutes Insolvenzverfahren ist erst nach Ablauf von zehn Jahren wieder möglich, sofern bereits eine Restschuldbefreiung gewährt wurde. Wurde einem Antragsteller die Restschuldbefreiung aufgrund einer Insolvenzstraftat verwehrt, muss er fünf Jahre warten. Wurde die Restschuldbefreiung aus anderen Gründen verweigert, beträgt die Frist nur drei Jahre. 

Fazit: Insolvenz anmelden als Chance für Deine weitere unternehmerische Zukunft

Wer in die Selbstständigkeit startet, wird sich natürlich nicht als erstes mit dem möglichen Scheitern seines Unternehmens beschäftigen. Die Selbstständigkeit birgt aber Risiken, sodass Du Dich auf jeden Fall mit der Insolvenzantragspflicht und dem Insolvenzverfahren auseinandersetzen solltest. Wer den Antrag auf Insolvenz so weit wie möglich hinauszögert, verliert beim Versuch, das Problem selbst zu lösen, oft kostbare Zeit, seine verbleibende Liquidität und das Vertrauen von Kunden, Lieferanten, Mitarbeitenden und Geldgebern.

Je früher Du Dich mit dem Thema auseinandersetzt, desto besser stehen die Chancen, eine drohende Insolvenz noch abzuwenden oder Dein Unternehmen mithilfe eines Insolvenzplans erfolgreich zu sanieren.

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