Ist es sinnvoll für Selbstständige, die Riester-Rente abzuschließen?

Yasmin
Yasmin Februar 2020 Content Editor 7 Min

Inhaltsverzeichnis

Die Riester-Rente wurde vor 18 Jahren als staatlich geförderte Form der Altersvorsorge in Deutschland eingeführt. Grundsätzlich kann jeder rentenversicherungspflichtige Bürger die privat finanzierte Rente in Anspruch nehmen. Allerdings zahlen 80 Prozent der rund vier Millionen Selbstständigen in Deutschland nicht in die gesetzliche Rentenkasse ein und haben auch keinen Anspruch auf eine staatliche Förderung. Es gibt jedoch Ausnahmen: Unter bestimmten Voraussetzungen, kann die Riester-Rente auch für Selbstständige eine gute Altersvorsorge sein.

Was ist die Riester-Rente?

Die Riester-Rente ist eine Versicherung zur privaten Altersvorsorge, die staatlich gefördert wird. Verträge für Riester-Renten werden meist mit Versicherungen abgeschlossen. Der Versicherungsnehmer spart mit seinen Einzahlungen ein Vermögen an, dass über die gesamte Vertragslaufzeit durch eine staatliche Zulage ergänzt wird. Die Versicherung verwaltet die eingezahlten Beiträge und legt sie gewinnbringend am Kapitalmarkt an. Die Geldanlage wird verzinst und der Anleger wird an den Zinsen beteiligt. Bei Renteneintritt wird die angesparte Summe monatlich an den Versicherungsnehmer ausgezahlt. 

Unterschiedliche Vertragsformen

Es gibt unterschiedliche Riester-Vertragsformen, für die eine staatliche Förderung in Anspruch genommen werden kann.

Die klassische Riester-Rente ist ein recht konservatives Modell, bei dem Du durch die garantierte Verzinsung schon bei Vertragsabschluss ganz genau weißt, welche Summe Dich am Ende erwartet. Die anfallenden Kosten sind im Vergleich zu anderen Riester-Formen relativ hoch. Wenn Du vorzeitig Kapital entnehmen, kündigen oder den Anbieter wechseln möchtest, rechne mit hohen Abzügen. 

Ein Wohn-Riester-Vertrag lohnt sich, wenn Du planst, eine Immobilie anzuschaffen. Du nimmst ein Darlehen auf, dass Du durch die staatliche Förderung schneller zurückzahlen kannst. Das lohnt sich besonders, wenn der Zinssatz höher ist als bei einem Darlehen ohne Förderung. Voraussetzung bei diesem Modell ist, dass Du die Immobilie selbst bewohnst. Anders als bei der klassischen Riester-Rente, bekommst Du im Alter keine monatlichen Zahlungen. Dafür wohnst Du aber quasi mietfrei. Diesen Vorteil musst Du über das sogenannte Wohnförderkonto versteuern. 

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Alternativen bei der Anschaffung einer Immobilie sind der Riester-Bausparvertrag oder der Riester-Banksparplan. Der Bausparvertrag hat den Nachteil, dass er niedriger verzinst wird als andere Sparformen. Entscheidest Du Dich später gegen den Kauf einer Immobilie, kann es sinnvoll sein, den Bausparvertrag in eine andere Riester-Variante umzuwandeln. Mit dem Banksparplan sparst Du monatlich Geld an, dass Du beim Kauf einer Immobilie als Eigenkapital für die Finanzierung verwenden kannst.

Mit einem Riester-Fondsparplan hast Du zum Renteneintritt Anspruch auf Auszahlung der Summe aller von Dir getätigten Einzahlungen. Dieses Modell verspricht die größte Chance auf hohe Renditen. Im Vergleich zu ungeförderten Fonds ist die Summe der gesparten Beiträge zum Ende der Laufzeit garantiert.

Die Förderung für diese Modelle ist gleich: Erwachsene erhalten eine Förderung in Höhe von bis zu 175 Euro im Jahr, für Kinder gibt es bis zu 300 Euro im Jahr. Die Höhe der Förderung ist von den eingezahlten Eigenbeiträgen abhängig. Die Versicherten müssen mindestens 60 Euro pro Jahr einzahlen. Wer aber weniger als vier Prozent seines Jahresbruttoeinkommens zahlt, erhält nicht den vollen Zuschuss. Der Versicherte sollte regelmäßig überprüfen, ob sein Beitrag zur Riester-Rente noch ausreicht, um sich 100 Prozent der Zulagen zu sichern. Wer eine Gehaltserhöhung bekommen hat, muss seine Einzahlung in die Riester-Rente entsprechend erhöhen. Andernfalls wird es sonst nicht die volle Höhe der Förderung erhalten.

Kurz um:

  • Die Riester-Rente unterstützt bei der privaten Altersvorsorge.
  • Es gibt verschiedene Vertragsformen: Riester-Rentenversicherungen, Wohn-Riester-Verträge oder Riester-Fonds-Sparpläne.
  • Die Förderung gilt für alle Vertragsformen: Erwachsene erhalten bis zu 175 Euro im Jahr, für Kinder gibt es bis zu 300 Euro.
  • In der Regel wird innerhalb der ersten fünf Jahre eine Gebühr für den Vertragsabschluss fällig. Ein Vertragsausstieg ist immer mit Verlusten verbunden.
  • Die Beiträge können steuerlich geltend gemacht werden.
  • Die spätere Rente muss versteuert werden und wird auf die Grundsicherung angerechnet.

Mit der Riester-Rente kann man also eine hübsche Summe als Altersvorsorge ansparen oder in ein Eigenheim finanzieren, um später mietfrei zu wohnen.

Kann ich als Selbstständiger, Freiberufler oder Freelancer von der Riester-Rente profitieren?

Ob Du als Selbstständiger, Freiberufler oder Freelancer eigentlich auch „riestern“ kannst, lässt sich mit einem klaren ja oder nein leider nicht beantworten. Noch mal zur Erinnerung: Grundsätzlich können alle Erwerbstätigen, für die eine Rentenversicherungspflicht besteht, „riestern“ und von der staatlichen Förderung profitieren. Auch wenn der Gesetzgeber Pläne hat, die Rentenversicherungspflicht für Selbstständige einzuführen, um die Rentenlücke zu schließen. Für Selbstständige ist Altersvorsorge bisher Privatsache. Für sie besteht keine Rentenversicherungspflicht. Das heißt, dass Du als Selbstständiger eigentlich gar nicht berechtigt bist, diese Form der staatlich geförderten Altersvorsorge zu nutzen.

Allerdings gibt es Ausnahmen: Wer als Freiberufler über die Künstlersozialkasse (KSK) versichert ist oder als Handwerksmeister einen eigenen Betrieb führt, gilt als rentenversicherungspflichtig. Damit zählen sie zum Kreis der unmittelbar zulageberechtigten Personen.

Die zweite Ausnahme sind Ehepaare, bei denen einer der Partner als unmittelbar Zulageberechtiger bereits einen Vertrag für die Riester-Rente abgeschlossen hat und den Mindestbeitrag von 60 Euro pro Jahr entrichtet. Der Ehepartner kann dann als mittelbar zulageberechtigte Person einen Vertrag über die Riester-Rente abschließen. Obwohl sie oder er als Selbstständige/r keine Pflichtbeiträge in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlt. Übrigens: Als mittelbar Zulageberechtigter darfst Du nur „riestern“, wenn Du mit Deinem Partner in einem Haushalt lebst.

Wer darf nicht riestern?

Selbstständige, die nicht rentenversicherungspflichtig sind und keinen Ehepartner haben, der unmittelbar förderberechtigt ist, können nicht „riestern“.

Vorteile und Nachteile für Selbstständige

Für Selbstständige, die in der Regel selbst für ihre Sozialversicherungsbeiträge aufkommen, stellt die Riester-Rente mit ihren Förderbeiträgen vor allem, wenn Kinder mit im Spiel sind, zunächst eine attraktive Möglichkeit der Altersvorsorge da. Ob es sich allerdings tatsächlich lohnt, hängt von mehreren Faktoren ab.

Die Riester-Rente ist bei einem Maximalbetrag von 2.100 Euro pro Jahr gedeckelt. Du kannst zwar höhere Beitrage einzahlen, diese sind allerdings nicht förderberechtigt. Damit ist die Riester-Rente eine vergleichsweise günstige Form der privaten Altersvorsorge. Entsprechend ist die Auszahlung am Ende aber auch relativ gering. Hinzu kommt, dass die häufig recht hohen Provisionen, Gebühren und Verwaltungskosten, die die Versicherungsgesellschaft verlangen, in keinem Verhältnis zur späteren Rentenzahlung stehen. In dem Zusammenhang solltest Du auch bedenken, dass die Auszahlung der Zusatzrente zu hundert Prozent als Einkommen versteuert wird.

Wenn Du schlecht gewirtschaftet hast und im Alter auf Grundsicherung angewiesen bist, wird Deine Riester-Rente auf diese Grundsicherung angerechnet. Bleibst Du allerdings oberhalb der Grenze zur Grundsicherung, hast viele Jahre eingezahlt und die maximale staatliche Förderung erhalten, kann Riester sich durchaus für Dich lohnen.

Mittelbar förderfähige Selbstständige, die rentenversicherungspflichtig sind, können die Riester-Beiträge in der Ansparphase bis zum Förderhöchstsatz von 2.100 Euro von der Steuer absetzen und sich damit einen Steuervorteil sichern. Das Finanzamt führt eine sogenannte Günstigerprüfung durch: Fällt die Steuerentlastung durch den Abzug Deiner Beiträge höher aus als die Summe der erhaltenen Zulagen, kommt Dir die Differenz als Rückerstattung zugute.

Beachte, dass Du als mittelbar zulageberechtigte Person Deine Beiträge und Zulagen nicht in Deiner Steuererklärung geltend machen kannst. Ausnahme: Dein Ehepartner überschreitet den maximal geförderten Höchstbetrag von derzeit 2.100 Euro nicht. Dann kannst Du selbst zumindest einen Teil Deiner Beiträge geltend machen.

Eine gute Option ist es, sich bei Rentenantritt die eingezahlten Beiträge auf einmal auszahlen zu lassen. Die Restzahlung erhältst Du als Rentenzahlung über die restliche Laufzeit verteilt. Die Summe ist allerdings zweckgebunden und für Investitionen in Wohneigentum gedacht. Kündigst Du Deinen Riester-Vertrag vorzeitig oder verwendest das Geld nicht für den Erwerb einer Immobilie, musst Du sowohl die staatliche Zulage als auch die Steuererstattung zurückzahlen.

Lohnt sich die Riester-Rente für Selbstständige?

Wer aufmerksam gelesen hat, merkt es selbst. Eine abschließende Antwort, ob sich die Riester-Rente für Dich als Selbstständigen oder Freelancer lohnt, muss jeder für sich selbst beantworten. Wäge die Vor- und Nachteile sorgfältig ab und entscheide für Dich, ob die Riester-Rente als Form der Altersvorsorge zu Dir und Deinen Plänen passt.

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