Warum eine Riester-Rente für Selbstständige sinnvoll ist

Yasmin
Yasmin August 2022 Content Editor 9 Min

Inhaltsverzeichnis

Die Riester-Rente wurde vor 18 Jahren als staatlich geförderte Form der Altersvorsorge in Deutschland eingeführt. Grundsätzlich kann jeder rentenversicherungspflichtige Bürger die privat finanzierte Rente in Anspruch nehmen. Allerdings zahlen 80 % der rund vier Millionen Selbstständigen in Deutschland nicht in die gesetzliche Rentenkasse ein und haben auch keinen Anspruch auf eine staatliche Förderung.

Es gibt jedoch Ausnahmen: Unter bestimmten Voraussetzungen kann die Riester-Rente für Selbstständige ebenfalls eine gute Altersvorsorge sein. Welche das sind, erfährst Du in diesem Artikel.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Die Riester-Rente unterstützt bei der privaten Altersvorsorge.
  • Es gibt verschiedene Vertragsformen: Riester-Rentenversicherungen, Wohn-Riester-Verträge oder Riester-Fonds-Sparpläne.
  • Die Förderung gilt für alle Vertragsformen: Erwachsene erhalten bis zu 175 € im Jahr, für Kinder gibt es bis zu 300 €.
  • In der Regel wird innerhalb der ersten fünf Jahre eine Gebühr für den Vertragsabschluss fällig. Ein Vertragsausstieg ist immer mit Verlusten verbunden.
  • Die Beiträge können steuerlich geltend gemacht werden.
  • Die spätere Rente muss versteuert werden und wird auf die Grundsicherung angerechnet.

Was ist die Riester-Rente?

Die Riester-Rente ist eine Versicherung zur privaten Altersvorsorge, die staatlich gefördert wird. Verträge für Riester-Renten werden meist mit Versicherungen abgeschlossen.

Der Versicherungsnehmer spart mit seinen Einzahlungen ein Vermögen an, dass über die gesamte Vertragslaufzeit durch eine staatliche Zulage ergänzt wird. Die Versicherung verwaltet die eingezahlten Beiträge und legt sie gewinnbringend am Kapitalmarkt an.

Die Geldanlage wird verzinst und der Anleger an den Zinsen beteiligt. Bei Renteneintritt wird die angesparte Summe monatlich an den Versicherungsnehmer ausgezahlt. 

Welche Vertragsformen der Riester-Rente gibt es?

Es gibt unterschiedliche Riester-Vertragsformen, für die eine staatliche Förderung in Anspruch genommen werden kann:

Die Förderung für die verschiedenen Modelle ist gleich: Erwachsene erhalten eine Förderung in Höhe von bis zu 175 € im Jahr, für Kinder gibt es bis zu 300 € im Jahr.

Die Höhe der Förderung ist von den eingezahlten Eigenbeiträgen abhängig. Die Versicherten müssen einen Sockelbetrag von mindestens 60 € pro Jahr einzahlen. Wer aber weniger als 4 % seines Jahresbruttoeinkommens zahlt, erhält nicht den vollen Zuschuss. 

Als Versicherter solltest Du regelmäßig überprüfen, ob Dein Beitrag zur Riester-Rente noch ausreicht, um Dir 100 % der Zulagen zu sichern. Hast Du eine Gehaltserhöhung bekommen, musst Du Deine Einzahlung in die Riester-Rente entsprechend erhöhen. Andernfalls erhältst Du nicht die volle Höhe der Förderung.

Der Riester-Klassiker

Die klassische Riester-Rente ist ein recht konservatives Modell, bei dem Du durch die garantierte Verzinsung schon bei Vertragsabschluss ganz genau weißt, welche Summe Dich am Ende erwartet. Die anfallenden Kosten sind im Vergleich zu anderen Riester-Formen relativ hoch.

Wenn Du vorzeitig Kapital entnehmen, kündigen oder den Anbieter wechseln möchtest, rechne mit hohen Abzügen. 

Wohn-Riester

Ein Wohn-Riester-Vertrag lohnt sich, wenn Du planst, eine Immobilie anzuschaffen. Du nimmst ein Darlehen auf, dass Du durch die staatliche Förderung schneller zurückzahlen kannst. Das lohnt sich besonders, wenn der Zinssatz höher ist als bei einem Darlehen ohne Förderung. Voraussetzung bei diesem Modell ist, dass Du die Immobilie selbst bewohnst.

Anders als bei der klassischen Riester-Rente bekommst Du im Alter keine monatlichen Zahlungen. Dafür wohnst Du aber quasi mietfrei. Diesen Vorteil musst Du über das sogenannte Wohnförderkonto versteuern. 

Riester Bausparvertrag und Banksparplan

Alternativen bei der Anschaffung einer Immobilie sind der Riester-Bausparvertrag oder der Riester-Banksparplan. Der Bausparvertrag hat den Nachteil, dass er niedriger verzinst wird als andere Sparformen.

Entscheidest Du Dich später gegen den Kauf einer Immobilie, kann es sinnvoll sein, den Bausparvertrag in eine andere Riester-Variante umzuwandeln. Mit dem Banksparplan sparst Du monatlich Geld an, dass Du beim Kauf einer Immobilie als Eigenkapital für die Finanzierung verwenden kannst.

Riester Fondsparplan

Mit einem Riester-Fondsparplan hast Du zum Renteneintritt Anspruch auf Auszahlung der Summe aller von Dir getätigten Einzahlungen. Dieses Modell verspricht die größte Chance auf hohe Renditen. Im Vergleich zu ungeförderten Fonds ist die Summe der gesparten Beiträge zum Ende der Laufzeit garantiert.

Dürfen Selbstständige eine Riester-Rente haben?

Ob Selbstständige auch „riestern“ können, lässt sich nicht mit einem klaren ja oder nein beantworten. Grundsätzlich können nur Erwerbstätigen, für die eine Rentenversicherungspflicht besteht, mit der Riester-Rente von der staatlichen Förderung profitieren. 

Um die Rentenlücke zu schließen, hat der Gesetzgeber zwar Pläne, die Rentenversicherungspflicht auch für Selbstständige einzuführen. Bisher ist die Altersvorsorge für Selbstständige aber nach wie vor Privatsache. Entsprechend bist Du als Selbstständiger eigentlich nicht berechtigt, diese Form der staatlich geförderten Altersvorsorge in Anspruch zu nehmen.

Wer darf nicht riestern?

Selbstständige, die nicht rentenversicherungspflichtig sind und keinen Ehepartner haben, der unmittelbar förderberechtigt ist, können nicht „riestern“.

Von dieser Regel gibt es allerdings auch Ausnahmen: 

1. Wer als Freiberufler über die Künstlersozialkasse (KSK) versichert ist oder als Handwerksmeister einen eigenen Betrieb führt, gilt als rentenversicherungspflichtig. Damit zählen diese Selbstständigen zum Kreis der unmittelbar zulageberechtigten Personen.

2. Die zweite Ausnahme sind Ehepaare, die in einem gemeinsamen Haushalt leben und bei denen einer der Partner als unmittelbar Zulageberechtiger bereits einen Vertrag für die Riester-Rente abgeschlossen hat und den Mindestbeitrag von 60 € pro Jahr entrichtet. Der Ehepartner kann dann als mittelbar zulageberechtigte Person einen Vertrag über die Riester-Rente abschließen, ohne selbst Pflichtbeiträge in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen zu müssen.

Ist eine Riester-Rente für Selbstständige sinnvoll?

Für Selbstständige, die mittelbar oder unmittelbar förderberechtigt sind, kann die Riester-Rente mit ihren Förderbeiträgen vor allem, wenn Kinder mit im Spiel sind, eine attraktive Möglichkeit der Altersvorsorge sein. Die Riester-Rente ist allerdings auf einen Maximalbetrag von 2.100 € pro Jahr gedeckelt. Du kannst zwar höhere Beitrage einzahlen, diese sind allerdings nicht förderberechtigt.

Damit ist die Riester-Rente eine vergleichsweise günstige Form der privaten Altersvorsorge. Entsprechend ist die Auszahlung am Ende aber auch relativ gering, sodass allein mit der Riester-Rente vermutlich nicht auskommen wirst. Zudem musst Du die Auszahlung der Zusatzrente zu 100 % als Einkommen versteuern.

Bist Du weder mittelbar noch unmittelbar förderberechtigt, hast Du die Möglichkeit, einen Riester-Vertrag ohne staatliche Förderung abzuschließen. Obwohl Du keine Zulage erhältst, kann diese Art der Altersvorsorge durchaus sinnvoll sein. So wird bspw. während der Ansparphase keine Abgeltungssteuer auf Riester-Fondsparpläne erhoben.

Im Vergleich zu einem klassischen Fondssparplan profitierst Du so maximal vom Zinses-Zins-Effekt vorausgesetzt, Du hältst sehr lange an dem Riester-Fondssparplan fest. Gleichzeitig erhältst Du die Garantie, dass Du Deine eingezahlten Beiträge in jedem Fall zurückbekommst. Zudem kannst Du Dir unter bestimmten Voraussetzungen bei einem ungeförderten Riester-Vertrag Dein Erspartes auf einmal auszahlen lassen.

Bei geförderten Riester-Renten ist dies in der Regel nicht möglich. Außerdem werden ungeförderte Renten, die monatlich ausgezahlt werden, nicht komplett, sondern nur anteilig versteuert.  

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Was kostet die Riester-Rente für Selbstständige?

Um die volle Riester-Förderung zu erhalten, musst Du einen Mindesteigenbeitrag in Höhe von 4 % Deines Jahresbruttoverdienstes in die Riester-Rente einzahlen. Um die Höhe Deines Beitrages zu berechnen, nimmst Du also 4 % Deines Vorjahresbruttos. Von dieser Summe ziehst Du die Zulagen, die Du in Form der staatlichen Förderung erhältst, ab, um auf Deinen persönlichen Mindesteigenbeitrag zu kommen. 

Der Mindestbeitrag lässt vermuten, dass Du auch mehr als 4 % einzahlen kannst. Hierzu musst Du allerdings wissen, dass die Förderung auf einen Maximalbetrag von 2.100 € pro Jahr beschränkt ist. 

Um Anspruch auf die Zulagen und Förderungen zu haben, musst Du mindestens 60 € pro Jahr in Deinen Riester-Vertrag einzahlen. Die 60 € werden als sogenannter Sockelbetrag bezeichnet. Ist Dein Jahresbrutto so gering, dass Du bei 4 % unter 60 € kommen würdest, musst Du dennoch mindestens den Sockelbetrag aufbringen, um die volle Förderung zu erhalten. Bleiben Deine Beitragszahlungen unter 60 € pro Jahr, musst Du damit rechnen, dass die staatliche Förderung zurückgefordert wird. 

Zudem musst Du bei Abschluss eines Riester-Vertrags mit Provisionen, Gebühren und Verwaltungskosten rechnen. Wie hoch diese ausfallen, hängt vom jeweiligen Anbieter ab.

Wie schließe ich als Selbstständiger eine Riester-Rente ab?

Willst Du einen Riester-Vertrag abschließen, musst Du Dich zunächst für eine Vertragsform entscheiden. Je nachdem wofür Du Dich entscheidest, wendest Du Dich an unterschiedliche Vertragspartner.

Die klassische Riester-Rente, einen Fondssparplan oder Banksparplan bekommst Du bei Banken oder Versicherungen. Alternativ kannst Du Dich auch an einen Vermittler wenden. Einen Wohn-Riester-Vertrag schließt Du bei einer Bausparkasse ab.

Der Markt ist voll von Angeboten: Entsprechend lohnt es sich, die verschiedenen Angebote sorgfältig zu prüfen und miteinander zu vergleichen, um einen Riester-Vertrag zu finden, der optimal zu Deinen Plänen für Deine Altersvorsorge passt.

Die Rürup-Rente als Alternative?

Für Selbstständige, die weder unmittelbar noch mittelbar förderberechtigt sind, wurde die Rürup-Rente als Alternative zum riestern ins Leben gerufen.

Bei der Rürup-Rente erhältst Du keine staatliche Förderung. Dafür kannst Du jedoch deutlich höhere Summen von der Steuer absetzen. Während Du beim Riestern maximal 2.100 € pro Jahr steuerlich geltend machen kannst, sind es bei der Rürup-Rente bis zu 25.639 €. Von diesem Betrag werden aktuell 94 % berücksichtigt. Ab 2025 werden die Beiträge bis zum Höchstbetrag in voller Höhe (100 %) absetzbar sein.

Kommt es zur Auszahlung der Rürup-Rente, werden Steuern fällig. Die monatlichen Rentenzahlungen werden mit Deinem persönlichen Einkommensteuersatz verrechnet. Während Du aktuell auf nur 82 % Deiner Rürup-Rente Steuern zahlen musst, werden ab 2040 die gesamte Auszahlung versteuert werden.

Fazit: Lohnt sich die Riester-Rente für Selbstständige?

Wer aufmerksam gelesen hat, merkt es selbst. Eine abschließende Antwort, ob die Riester-Rente für Selbstständige sinnvoll ist, muss jeder für sich selbst beantworten. Wäge die Vor- und Nachteile sorgfältig ab und entscheide für Dich, ob die Riester-Rente als Form der Altersvorsorge zu Dir und Deinen Plänen passt.

Alternativ kannst Du Dich auch für die Rürup-Rente entscheiden. Bei dieser Form der Altersvorsorge gibt es zwar keine Förderung, dafür bietet sie aber steuerliche Vorteile.

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Häufig gestellte Fragen zur Riester-Rente für Selbstständige

Die Riester-Rente ist eine staatlich geförderte Versicherung zur privaten Altersvorsorge, die rentenversicherungspflichtige Erwerbstätige zusätzlich zu gesetzlichen Rentenversicherung abschließen können. Der Abschluss eines Riester-Vertrags ist freiwillig. 

  • Die Riester-Rente ist eine vergleichsweise günstige Form der privaten Altersvorsorge.
  • Du kannst Geld als Altersvorsorge ansparen oder in ein Eigenheim finanzieren, um später mietfrei zu wohnen.
  • Du kannst bis zu 2.100 € pro Jahr als Sonderausgaben in der Steuer geltend machen.
  • Im Vergleich zu ungeförderten Fonds ist die Summe der gesparten Beiträge bei einem Riester-Fondssparplan zum Ende der Laufzeit garantiert.
  • Bei Rentenantritt kannst Du Dir die eingezahlten Beiträge auf einmal auszahlen zu lassen. Die Restzahlung erhältst Du als Rentenzahlung über die restliche Laufzeit verteilt.

  • Nicht alle Selbstständigen sind förderberechtigt.
  • Die Auszahlung der Rente am Ende ist relativ gering.
  • Die Versicherungsgesellschaften verlangen häufig recht hohe Provisionen, Gebühren und Verwaltungskosten, die in keinem Verhältnis zur späteren Rentenzahlung stehen.
  • Die Rentenzahlungen gelten als Einkommen und müssen zu 100 % versteuert werden.
  • Hast Du schlecht gewirtschaftet und bist im Alter auf Grundsicherung angewiesen, wird Deine Riester-Rente auf diese Grundsicherung angerechnet.
  • Die volle Förderung bekommst Du nur, wenn Du den Mindesteigenbeitrag leistest.
  • Kannst Du den Sockelbetrag nicht zahlen, verlierst Du den Anspruch auf Förderung und musst die Zulagen und den Steuervorteil zurückzahlen.
  • Lässt Du Dir bei Eintritt in das Rentenalter Deine Einlagen in einer Summe auszahlen, ist dieses Geld zweckgebunden und für Investitionen in Wohneigentum gedacht. Verwendest das Geld nicht für den Erwerb einer Immobilie, musst Du sowohl die staatliche Zulage als auch die Steuererstattung zurückzahlen.
  • Die vorzeitige Beendigung eines Riester-Vertrags durch Kündigung oder Tod ist mit hohen Verlusten verbunden.

Der Mindesteigenbetrag um die volle Förderung für einen Riester-Vertrag zu erhalten, liegt bei 4 % des Jahresbruttos abzüglich etwaiger Zulagen, jedoch mindestens bei 60 € pro Jahr (Sockelbetrag).

Laut dem Rentenversicherungsbericht 2021 des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) beläuft sich die Höhe der Auszahlung der Riester-Rente aktuell auf 131 € im Monat. Bis zum Jahr 2035 wird von einer monatlichen Auszahlung von 348 € ausgegangen. Voraussetzung für die Berechnung ist, dass mindestens 45 Jahre lang den Mindesteigenbeitrag in Höhe von 4 % eingezahlt hast.

Sofern Du die Rückzahlung Deiner Riester-Beiträge nicht in eine Immobilie oder in einen neuen Riester-Vertrag investierst, musst Du bei der vorzeitigen Kündigung eines Riester-Vertrags sämtliche Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen. Du bekommst lediglich den Rückkaufswert. Dieser wird aus Deinen Einlagen abzüglich der erhaltenen Zulagen und Steuervorteile berechnet. Damit erhältst Du immer weniger, als Du eingezahlt hast.

Stirbt ein Versicherter vor Eintritt in das Rentenalter, wird die Riester-Rente an die Erben ausgezahlt. Die Auszahlung im Todesfall gilt genau wie die vorzeitige Kündigung als förderschädlich. Das bedeutet, die Erben müssen die Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen. Von dieser Regel gibt es allerdings zwei Ausnahmen: 1. Bei dem Begünstigten handelt es sich um den Ehepartner oder eingetragenen Lebenspartner oder 2. Das Riester-Kapital des Verstorbenen wird in abzugsfrei in den eigenen Riester-Vertrag des Begünstigten übertragen.

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