Liquiditätsplanung im Unternehmen: So sicherst Du Dir Deine Zahlungsfähigkeit

Yasmin
Yasmin Juni 2021 9 Min

Inhaltsverzeichnis

Mit der Liquidität in einem Unternehmen ist es so eine Sache. Zum einen musst Du sicherstellen, dass Du über ausreichend Liquiditätsreserven verfügst, um Deinen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Zum anderen schadest Du dem Unternehmen, wenn Du zu hohe Reserven aufbaust, statt Gelder zu investieren. Du vermeidest dadurch quasi die Möglichkeit, zu wachsen. Du musst also einen Weg finden, flüssig zu bleiben, ohne dabei nachteilige Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit Deines Unternehmens zu riskieren. Experten raten dazu, eine Liquiditätsreserve aufzubauen, die für mindestens drei Monate reichen muss. Wie viele liquide Mittel Du tatsächlich benötigst, verrät Dir die Liquiditätsplanung. Sie hilft Dir dabei, den Geldfluss in Deinem Unternehmen bedarfsgerecht zu steuern.

Was ist ein Liquiditätsplan?

Als Bestandteil der Finanzplanung stellt der Liquiditätsplan sämtliche Einnahmen und Ausgaben eines Unternehmens innerhalb eines festgelegten Planungszeitraums gegenüber. Dabei werden nicht nur Zahlungen berücksichtigt, die bereits eingegangen sind oder bereits getätigt wurden. Der Plan berücksichtigt auch Einzahlungen und Auszahlungen, die innerhalb dieser Periode erwartet werden. Auftragseingänge zählen dabei als Indikator für spätere Einnahmen, Bestellungen als Indikator für spätere Ausgaben. Neben der Höhe der Zahlungen spielt also auch der Zeitpunkt der Verbuchung eine wichtige Rolle bei der Liquiditätsplanung. 

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Wozu brauchst Du die Liquiditätsplanung?

Insbesondere in der Gründungsphase brauchte Du einen guten Überblick über Deine Finanzen. Gerätst Du in dieser Phase bereits in einen Liquiditätsengpass, wird es schwer, Dein Unternehmen erfolgreich aufzubauen. Mithilfe der Liquiditätsplanung kannst Du einschätzen, wie sich die Zahlungsfähigkeit Deines Unternehmens über einen bestimmten Zeitraum entwickeln wird. Stellst Du fest, dass in den vor Dir liegenden Wochen und Monaten ein Liquiditätsdefizit droht, kannst Du rechtzeitig entsprechende Gegenmaßnahmen ergreifen, um die drohende Zahlungsunfähigkeit abzuwenden. Ergibt Deine Liquiditätsplanung einen Liquiditätsüberschuss, gilt das Gleiche: Auch hier kannst Du rechtzeitig planen, wie Du die überschüssigen Gelder gewinnbringend investieren kannst, um Dein Unternehmen weiter voranzubringen.

Welcher Zeitraum ist sinnvoll für die Betrachtung?

Die Liquiditätsplanung kann für eine Woche oder auch für ein Jahr aufgestellt werden. Ein zu kurzer Zeitraum lässt Dir kaum Raum, um Liquiditätsengpässe oder -überschüsse zu erkennen und ihnen wirksam gegenzusteuern. Ein zu langer Planungszeitraum kann ebenfalls problematisch werden. Du arbeitest mit erwarteten Einzahlungen und Auszahlungen in einem festgelegten Zeitraum. Treten die Erwartungen nicht ein, weil Du beispielsweise einen Auftrag, mit dem Du fest gerechnet hast, doch nicht bekommst, musst Du Deine Liquiditätsplanung anpassen. Welcher Planungszeitraum tatsächlich sinnvoll ist, hängt von Deinen Plänen ab. Eine realistische Prognose ist über einen kürzeren Zeitraum sicher einfacher. Bei großen Investitionen beispielsweise in einen neuen Unternehmensstandort oder dem Ausbau einer Produktionsstätte kann eine langfristige Betrachtung durchaus auch sinnvoll sein.

Tipp: Plan-/ und IST-Vergleich

Um bestmöglich planen zu können, gleiche Deine Planzahlungen regelmäßig mit den tatsächlichen Zahlen ab. Weichen sie stark von Deiner Planung ab, stelle fest, woran es liegt, ob Du gegebenenfalls Deine Planung anpassen musst und wie Du Abweichungen vermeiden kannst, um künftig noch genauer zu planen.

Experten empfehlen hier die sogenannte rollierende Planung. Das bedeutet, dass Du am Ende einer Planungsphase Deinen Bestand der liquiden Mittel als Anfangsbestand für den Start der nächsten Planungsphase übernimmst. Betrachtest Du beispielsweise einen Zeitraum von jeweils drei Monaten, kannst Du so Deine erwarteten Einnahmen und Ausgaben durch tatsächliche Angaben ersetzen, um so ein genaueres Bild über die liquiden Mittel in Deinem Unternehmen zu bekommen.

Wie wird die Liquiditätsplanung aufgebaut?

Der Aufbau eines Liquiditätsplans folgt einem einfachen Schema: Die Ein- und Auszahlungen werden mit ihren entsprechenden Fälligkeitsterminen gegenübergestellt. Bei der Gegenüberstellung entsteht ein Saldo, der vom Anfangssaldo abgezogen wird, um die zur Verfügung stehenden liquiden Mittel zu erhalten. 

Auf der Seite der Zahlungseingänge stehen:

  • Debitorenbestände, also Eingänge aus dem Kunden fakturierten, aber noch nicht bezahlte Lieferungen und Leistungen 
  • Planumsätze, also die Summe Produktumsätze, mit denen Du in einer bestimmten Periode planst

Auf der Seite der Zahlungsausgänge stehen:

  • Forderungen aus Lieferungen und Leistungen
  • zukünftiger Aufwendungen 
  • liquiditätswirksame Geschäftsvorfälle (Privatentnahmen, Tilgungsraten, Investitionen, etc.)

Vereinfacht gesagt, berechnest Du Deine verfügbaren Mittel und ziehst Deine Ausgaben von ihnen ab. Auf diese Weise erhältst Du die liquiden Mittel, die Deinem Unternehmen in einem bestimmten Zeitraum zur Verfügung stehen. 

Wertverlust von Anschaffungen

Abschreibungen sind nicht zahlungswirksam und damit für die Liquiditätsplanung nicht relevant.

Welche Einzahlungs- und Auszahlungspositionen betrachtet die Liquiditätsplanung?

Was für den Planungszeitraum gilt, trifft auch auf die möglichen Positionen Deiner Liquiditätsplanung zu. Welche Einzahlungs- und Auszahlungspositionen für die Liquiditätsplanung notwendig sind, hängt vom jeweiligen Unternehmen ab. Ob Du einen vereinfachten Plan erstellst oder die Positionen möglicher Einnahmen und Ausgaben detailliert darstellst, liegt in Deinem Ermessen. Entscheidend ist, dass Du sämtliche Ein- und Auszahlungen erfasst. 

Mögliche Geldmittelzuflüsse und Geldmittelabflüsse 

Hier einmal ein Beispiel für die Liquiditätsplanung, wie Du die möglichen Geldmittelzuflüsse und Geldmittelabflüsse in Deinem Unternehmen über einen Zeitraum von drei Monaten genauer betrachten könntest.

PositionenErläuterungenQ1


Anfangssaldo (vorhandene Mittel)








Einnahmen



Forderungen aus Lieferungen und LeistungenHierzu zählen die Brutto-Einnahmen aus Rechnungen, die Du Deinen Kunden bereits gestellt hast, die aber noch nicht bezahlt wurden. Achte bei diesem Posten unbedingt auf das Zahlungsziel.


Barverkäufe



Anzahlungen Brutto-Einnahmen, die Du vor einer Lieferung oder Leistungen von Deinen Kunden erhältst.


RatenzahlungenEinnahmen aus offenen Forderungen, für die Du die Zahlung in Raten mit Deinen Kunden vereinbart hast.


KrediteTrage ein, wann Du welche Summe von der Bank erhältst.


ZinserträgeGegebenenfalls erhältst Du Zinsen aus einer Kapitalanlage.


FördermittelTrage ein, zu welchem Zeitpunkt Du Fördermittel in welcher Höhe bekommst.


EigenkapitalAufstockung des Kapitals durch eine Eigenkapitaleinlage.


Veräußerung von Vermögenswerten (Desinvestitionen)Kapitalfreisetzung durch die Veräußerung von Vermögensgegenständen, also die Umwandlung von Sach- oder Finanzwerten in liquide Mittel.


Verkauf von AnlagevermögenHierzu zählen Einnahmen, die Du durch den Verkauf von gebrauchten Maschinen oder Fahrzeugen bekommst


SteuererstattungenErstattungen aus Deiner Steuererklärung (Einkommensteuer bzw. Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer)


VorsteuerTrage hier monatlich oder vierteljährlich die Umsatzsteuer ein, die Du an andere Unternehmen gezahlt hast. 


Sonstige Einnahmen








Summe verfügbare Mittel








Ausgaben



Investitionen



Grundstücke, Immobilien, Aus- und Umbau



Maschinen, technische Geräte, Fuhrpark



Büroausstattung








betriebliche Kosten



Miete inkl. Nebenkosten



Kommunikation (Telefon, Internet, Mobilfunk)



Software-Lizenzen



Leasingraten (Autos und Maschinen)



Wartung und Reparatur



Ware, Material, Rohstoffe



KfZ-Kosten (Benzin, Wartung, Pflege)



Marketing und AkquiseAusgaben, um Dein Unternehmen bekannt zu machen und neue Kunden zu gewinnen (on- und offline Maßnahmen)


ReisekostenFlüge, Bahntickets, öffentlicher Nahverkehr, Hotels.


Fremdleistungen und DienstleisterAufgaben, die Du an externe Dienstleister abgegeben hast (Reinigungsfirma, Buchhalter) sowie Kosten für Deinen Steuerberater und Deinen Anwalt.


PersonalkostenHierzu zählen Löhne und Gehälter, Lohnnebenkosten wie der Arbeitgeberbeitrag zur Sozialversicherung und Beiträge zur Berufsgenossenschaft, vermögenswirksame Leistungen und Weiterbildungskosten.


MitgliedsbeiträgePflichtbeiträge für die Mitgliedschaft in der Industrie- und Handelskammer (IHK) oder der Handwerkskammer (HWK), Berufskammern oder Verbänden.


Betriebliche VersicherungenBetriebshaftpflicht, Rechtsschutz, Inhaltsversicherung, Sach- und Ertragsausfallversicherung etc..


Abgaben und Gebühren



Anzahlungen 



Zinsen und TilgungsratenZinszahlungen für Bankkredite sowie die fälligen raten zur Tilgung und Zinsen für Kontokorrentkredite.


Betriebliche SteuernEinkommen- bzw. Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer, Umsatzsteuer, Grundsteuer etc.


Kapitalentnahmen (Privatentnahmen, Lebenshaltungskosten)Als Unternehmer zahlst Du Dir ein eigenes Gehalt.







Summe Ausgaben



Liquiditätsüberschuss / Liquiditätsdefizit



Schritt für Schritt einen Liquiditätsplan erstellen

Einnahmen und Ausgaben gegenüberstellen klingt zunächst eigentlich ganz einfach. Die Herausforderung bei der Liquiditätsplanung ist allerdings, dass es sich bei den einzelnen Positionen sowohl um fixe Kosten als auch um die Schätzung von Einnahmen und Ausgaben handelt. Während Du Positionen wie Mietzahlungen, Deine Kommunikationskosten oder auch Dein Marketing- oder Personal-Budget genau kennst, kannst Du bei Deinem Umsatz oder Kosten für Reparaturen, Waren oder Rohstoffe nur schätzen. 

Darüber hinaus ist der Liquiditätsplan als Teil Deiner Finanzplanung eng mit anderen Plänen wie dem Umsatzplan, dem Kostenplan, dem Finanzierungsplan, dem Investitionsplan und dem Rentabilitätsplan verbunden, die sich gegenseitig beeinflussen. 

Damit es am Ende keine böse Überraschung gibt, ist im ersten Schritt die Gesamtbetrachtung sinnvoll. 

Branchenbetrachtung und Marktforschung

Liegen Dir zu Beginn Deiner Geschäftstätigkeit noch keine Zahlen vor, kannst Du Dich alternativ an Vergleichszahlen aus Deiner Branche orientieren. Vergleichbar mit der Erstellung Deines Businessplans kannst Du Deine Annahmen zudem mit einer eigenen Marktforschung untermauern.

Der nächste Schritt bringt Dich zum Ausgangspunkt Deiner Liquiditätsplanung: Deine vorhandenen Mittel bilden den Anfangssaldo, den Du mit Deinen erwarteten Einnahmen addierst. Anschließend ziehst Du Deine erwarteten Ausgaben ab und erhält so den Überblick über Deine liquiden Mittel über einen bestimmten Zeitraum. 

Um ein möglichst genaues Ergebnis zu erhalten, kontrollierst Du Deine Angaben regelmäßig, ersetzt Prognosen durch tatsächliche Werte und kannst dadurch Defizite rechtzeitig erkennen und ihnen wirksam entgegenwirken. 

Ist der Planungszeitraum abgeschlossen, übernimmst Du den Abschlusssaldo als neuen Anfangssaldo für den nächsten Planungsabschnitt.

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Tools für die Liquiditätsplanung

Für Deine Liquiditätsplanung kannst Du eine Excel-Datei nutzen. Vorlagen zur Erstellung von Liquiditätsplänen findest Du im Internet. Alternativ kannst Du auch eine Software für die Liquiditätsplanung beispielsweise von DATEV nutzen, um Deine liquiden Mittel zu berechnen.

Wofür Du Dich auch entscheidest: Hilfreich ist ein digitales Geschäftskonto, das mit einer integrierten Software für die Buchhaltung und nützlichen Statistiken für einen guten Überblick über Deine Einnahmen und Ausgaben sorgt.

Wie kannst Du Liquiditätsengpässe vermeiden?

Stellst Du fest, dass Dir die liquiden Mittel ausgehen, kann das die unterschiedlichsten Ursachen haben. Nicht immer halten Deine Kunden sich an ein vereinbartes Zahlungsziel. Einnahmen, mit denen Du fest gerechnet hast, lassen dann auf sich warten. Ein weiterer Grund für einen Liquiditätsengpass kann die Verteuerung von Rohstoffen für Deine Produktion sein. Entsprechend kannst Du weniger herstellen und verkaufen. Oder die Geschäfte gehen so gut, dass Du ungeplant Personal einstellen musst, dass Du so in Deinem Budget nicht geplant hast. Du kannst zwar einen Puffer für Reparaturkosten einrechnen, treten unvorhersehbare Ereignisse ein, ist der Puffer schnell verbraucht. Es gibt aber durchaus Maßnahmen, die Du jetzt ergreifen kannst, um die Liquidität in Deinem Unternehmen zu sichern.

  • Richte ein aktives Forderungsmanagement ein, um schneller an Gelder von säumigen Kunden zu gelangen.
  • Verkürze das Zahlungsziel in Deinen Rechnungen und biete Deinen Kunden als Anreiz für die schnelle Zahlung Skonto an.
  • Trete offene Forderungen an Factoring-Gesellschaften ab. 
  • Senke Deine eigenen Kosten: Wo kannst Du Gelder einsparen? Mit welchen Lieferanten kannst Du bessere Preise verhandeln? Mengenrabatte sind verlockend, binden aber Geldmittel und gefährden dadurch Deine Liquidität.
  • Bilde Rücklagen, mit denen Du gegebenenfalls Steuernachzahlungen nachkommen kannst.
  • Teure Investitionen, die nicht zwingend notwendig sind, solltest Du vorerst verschieben.
  • Erhöhe die Liquidität durch eine Eigenkapital-Einlage, einen Bankkredit durch Investoren oder den Verkauf von Anlagevermögen.
  • Sprich mit Deiner Bank über die Erhöhung Deines Kontokorrentkredits oder die Senkung der Höhe Deiner Kreditraten.

Nachhaltiger Erfolg dank Liquiditätsplanung

Der Liquiditätsplan leistet einen wertvollen Beitrag, um die Existenz Deines Unternehmens langfristig zu sichern. Er basiert auf der Gegenüberstellung Deiner Ausgaben und Einnahmen und gibt Aufschluss über drohende Zahlungsengpässe. Behältst Du Deine Liquidität im Auge, bleibt Dir ausreichend Zeit, Maßnahmen einzuleiten, um Dir bei Bedarf zusätzliche liquide Mittel zu beschaffen oder freie Mittel gewinnbringend zu investieren.

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