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Lohnt sich die Befreiung von der gesetzlichen Rentenversicherungspflicht für Selbstständige und Freiberufler?

Yasmin
Yasmin April 2020 9 Min

Inhaltsverzeichnis

Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind mit Aufnahme ihrer Berufstätigkeit grundsätzlich in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert. Bestimmte Berufsgruppen wie Minijobber aber auch Selbstständige können sich unter bestimmten Voraussetzungen von der gesetzlichen Rentenversicherungspflicht befreien lassen.

Was bedeutet die gesetzliche Rentenversicherungspflicht?

Die gesetzliche Rentenversicherung ist ein Zweig der gesetzlichen Sozialversicherung, der die Grundsicherung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern im Alter gewährleistet. Darüber hinaus sichert sie mit der Rente wegen verminderter Erwerbstätigkeit Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ab, die aus gesundheitlichen Gründen nur noch wenige Stunden am Tag arbeiten können. Sie leistet im Falle des Todes Ersatz für den fehlenden Unterhalt in Form von Hinterbliebenenrenten und gewährt Leistungen zur medizinischen und beruflichen Rehabilitation, wenn die Erwerbsfähigkeit aus gesundheitlichen Gründen gefährdet oder bereits beeinträchtigt ist. Die gesetzliche Rentenversicherung wird bundesweit vom Deutschen Rentenversicherung Bund mit Sitz in Berlin getragen.

Wer ist rentenversicherungspflichtig?

Grundsätzlich besteht für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die gesetzliche Rentenversicherungspflicht. Für Auszubildende sind ebenfalls bereits pflichtversichert. Diese Rentenversicherungspflicht betrifft aber auch bestimmte Gruppen von Selbstständigen, Minijobber sowie weitere Personenkreise. Eine Übersicht der Versicherungspflichtigen sowie alle weiteren Regelungen zur gesetzlichen Rentenversicherung findest Du im Sechsten Buch Sozialgesetzbuch (SGB VI).

Als rentenversicherungspflichtiges Einkommen oder rentenversicherungspflichtige Einnahmen bezeichnet man das jährliche Bruttoeinkommen bis zur Beitragsbemessungsgrenze von 82.800 Euro in den alten Bundesländern und 77.400 Euro in den neuen Bundesländern (2020).

Die Rentenansprüche hängen davon ab, ob und in welcher Höhe Beiträge in die Rentenkasse eingezahlt wurden. Sobald alle Voraussetzungen für den Rentenbezug erfüllt sind, wird dieser Anspruch mit Renteneintritt zum Monatsersten geleistet.

Wer nicht der Rentenversicherungspflicht unterliegt, kann trotzdem freiwillig in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen. Die Voraussetzungen dafür sind, dass die Beitragszahler mindestens 16 Jahre alt sind und in Deutschland leben oder sich als Deutsche im Ausland aufhalten.

Besteht für Dich als Selbstständiger die Rentenversicherungspflicht?

Als Existenzgründer, Selbstständiger und Freiberufler bist Du weitestgehend von der Rentenversicherungspflicht befreit und brauchst keine Beiträge in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen. Voraussetzung für die Befreiung ist, dass Du nicht ausschließlich für einen Auftraggeber arbeitest und keine eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigst.

Ausgenommen von der Möglichkeit, sich von der Rentenversicherungspflicht befreien zu lassen, sind Selbstständige und Freiberufler, die eine der folgenden Tätigkeiten ausüben:

  • Lehrer und Erzieher,
  • Künstler und Publizisten, die Mitglieder in der Künstlersozialkasse sind,
  • Handwerker, die in die Handwerkerrolle eingetragen sind. Welche Handwerke zulassungspflichtig und welche zulassungsfrei oder handwerksähnlich sind, regelt die Handwerksordnung.
  • Pflegepersonal, Hebammen und Entbindungspfleger,
  • Hausgewerbetreibende sowie
  • Seelotsen und Küstenschiffer und Küstenfischer, die zur Besatzung ihres eigenen Boots gehören, als Küstenfischer ohne Boot fischen und nicht mehr als vier versicherungspflichtige Arbeitnehmer beschäftigen.

Rentenversicherungspflicht bei Minijobbern

Wer als Unternehmer Minijobber mit einem Gehalt bis zu 450 Euro im Monat beschäftigt, muss wissen, dass er als Arbeitgeber einen pauschalen Rentenversicherungsbeitrag von aktuell 15 Prozent auf das monatliche Gehalt zahlen muss. Hat der Minijobber sich nicht von seiner Rentenversicherungspflicht befreien lassen, werden zusätzlich 3,6 Prozent seines Gehalts für die Rentenkasse einbehalten.

Was sind Pflichtbeitragszeiten?

Pflichtbeitragszeiten sind die Zeiträume, in denen im Rahmen der Rentenversicherungspflicht gemäß § 55 SGB VI Pflichtbeiträge in die Rentenkasse eingezahlt wurden. Diese ergeben sich aus Arbeitnehmerverhältnissen oder aus versicherungspflichtigen selbstständig erbrachten Tätigkeiten. Bei den Pflichtbeiträgen unterscheidet das Rentengesetz zwischen tatsächlich oder fiktiv gezahlten Beiträgen. Bei den fiktiven Beiträgen handelt es sich beispielsweise um Kindererziehungszeiten, für die einem Elternteil aus Gründen der Gleichstellung der Pflichtbeitrag angerechnet wird. Oder um Pflegezeiten, bei denen ein pflegebedürftiges Familienmitglied mindestens 14 Stunden wöchentlich nicht erwerbsmäßig in seinem Zuhause gepflegt. Den Pflichtbeitragszeiten gegenüber stehen die Zeiten, in denen freiwillig Beiträge gezahlt wurden. Lohnersatzleistungen wie Krankengeld, Arbeitslosengeld, Arbeitslosengeld II (Hartz IV) oder Übergangsgeld werden ebenfalls auf die Pflichtbeitragszeiten angerechnet.

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Wer kann sich von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen?

Wer als Selbstständiger laut Gesetz rentenversicherungspflichtig ist, kann sich unter bestimmten Umständen dennoch per Antrag bei der Deutschen Rentenversicherung von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen.

1. Um Dich als Existenzgründer finanziell in den ersten drei Jahren Deiner selbstständigen Tätigkeit zu entlasten, kannst Du einen Antrag auf Befreiung von der Rentenversicherungspflicht stellen. Nach Ablauf der drei Jahre kommt es darauf an, ob Du als Selbstständiger eine Tätigkeit ausübst, die als rentenversicherungspflichtig gilt. Ist das der Fall, bist Du wieder verpflichtet, in die gesetzliche Rentenkasse einzuzahlen. Dieser erneuten Versicherungspflicht kannst Du entgehen, wenn es Dir gelungen ist, weitere Auftraggeber zu gewinnen und Du nicht mehr hauptsächlich für nur einen Auftraggeber tätig bist. Die zweite Möglichkeit, sich von der Rentenversicherungspflicht befreien zu lassen, besteht darin, versicherungspflichtige Angestellte zu beschäftigen. Um die Versicherungsfreiheit zu erlangen, muss das monatliche Bruttogehalt Deiner Angestellten mindestens über der Geringfügigkeitsgrenze von aktuell 450,01 Euro liegen. Dieses Gehalt kannst Du sowohl an einen einzigen sozialversicherungspflichtigen Angestellten als auch aufgeteilt an mehrere Minijobber zahlen. Da Minijobber maximal 450 Euro im Monat steuer- und sozialversicherungsfrei verdienen dürfen, musst Du mindestens zwei Minijobber beschäftigen, um die Geringfügigkeitsgrenze zu überschreiten. Trifft einer dieser Umständen auf Dich zu, erfüllst Du nicht mehr die Voraussetzungen eines arbeitnehmerähnlichen Selbstständigen und bist von der Rentenversicherungspflicht befreit.

2. Nach einem Urteil des Bundessozialgerichts zählst Du als geschäftsführender Gesellschafter einer GmbH ebenfalls zum Personenkreis der arbeitnehmerähnlichen Angestellten. Du hast einen Dienstvertrag mit nur einem Auftraggeber – der GmbH – geschlossen und Du selbst beschäftigst auch keine Angestellten. Um die gesetzliche Rentenversicherungspflicht zu umgehen, kannst Du als Geschäftsführer selbst einen oder mehrere sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer einstellen und sie im Anschluss der GmbH im Rahmen eines Dienstverschaffungsvertrages überlassen. Hier musst Du allerdings darauf achten, nicht gegen die Regelungen der Arbeitnehmerüberlassung zu verstoßen. Wenn Du neben der GmbH noch für weitere Auftraggeber tätig bist und mindestens ein Sechstel Deiner Einkünfte daraus beziehst, entfällt die Rentenversicherungspflicht ebenfalls. In diesem Fall muss in Deinem Dienstvertrag allerdings geregelt sein, dass Du eine Nebentätigkeit ausüben darfst und Du nicht gegen ein eventuelles Wettbewerbsverbot verstößt.

3. Berufsgruppen und Freiberufler, die in Berufskammern organisiert sind, können in der Regel durch die berufsständigen Versorgungswerke eine eigene Altersvorsorge in Anspruch nehmen und sind damit von der Rentenversicherungspflicht befreit. Zu diesen Kammerberufen zählen u. a. Rechtsanwälte, Architekten, Notare, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Ärzte oder Apotheker. Für diese Berufe ist die Zugehörigkeit zu den Berufskammern sowie die Einzahlung in die kammereigene Rentenversicherung auch für Selbstständige verpflichtend. Damit sie nicht doppelt zahlen, können Angehörige der Kammern sich von der Rentenversicherungspflicht der gesetzlichen Rentenkassen befreien lassen.

4. Hast Du bereits das 58. Lebensjahr vollendet und willst zum ersten Mal in Deinem Leben als arbeitnehmerähnlicher Selbstständiger arbeiten, bist Du als ruhestandsnaher Selbstständiger vollständig von der Rentenversicherungspflicht befreit.

5. Handwerker, die in die Handwerksrolle eingetragen und somit gesetzlich rentenversichert sind, haben grundsätzlich auch das Recht, sich von der gesetzlichen Rentenversicherungspflicht befreien zu lassen. Voraussetzung für die Genehmigung des Antrags ist allerdings, dass sie mindestens 18 Jahre, was der Zahlung der Pflichtbeiträge von 216 Kalendermonaten entspricht, Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung geleistet haben.

6. Für Handelsvertreter gelten Sonderregelungen bei der Rentenversicherungspflicht. Ein Handelsvertreter vermittelt als selbständiger Gewerbetreibender Geschäfte für einen anderen Unternehmer oder ein Unternehmen oder schließt Geschäfte in deren Namen ab. Kannst Du Dir dabei Deine Zeit frei einteilen und Deine Arbeitsweise im wesentlichen selbst bestimmen, giltst Du als selbstständig und unterliegst nicht der Rentenversicherungspflicht. Sind diese Voraussetzungen nicht erfüllt, unterliegt auch ein Handelsvertreter als Selbstständiger der Rentenversicherungspflicht. Anhaltspunkte für diese Art der Scheinselbstständigkeit sind Umsatzvorgaben eines Auftraggebers, vorgegebene Pflichttermine bei Kunden, Urlaubsabstimmung mit dem Auftraggeber oder ein Verbot, Angestellte einzustellen.

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Auswirkungen: Ist die Befreiung von der Rentenversicherungspflicht für Selbstständige sinnvoll?

Selbstständige und Freiberufler unterliegen im Gegensatz zu versicherungspflichtigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern nur unter bestimmten Voraussetzungen der Rentenversicherungspflicht. Du musst also selbst Vorsorge für Dein Rentenalter treffen. Hier gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, um Dich für Deinen Ruhestand abzusichern.

Wer von der Rentenversicherungspflicht befreit ist, kann sich trotzdem auch freiwillig in der gesetzlichen Rentenversicherung versichern lassen. Diese freiwillige Beitragszahlung sichert Dich nicht nur im Alter, sondern auch im Fall einer Erwerbsunfähigkeit ab. Während die Beitragshöhe bei Angestellten von ihrem Bruttogehalt abhängig ist, kannst Du als freiwillig Versicherter flexibel die Höhe Deines Beitrages wählen. Der Höchstbetrag zur freiwilligen Versicherung liegt in den alten und neuen Bundesländern aktuell 1283,40 Euro im Monat. Der Mindestbeitrag zur freiwilligen Versicherung in der gesetzlichen Rentenversicherung beträgt 83,70 Euro monatlich. Zusätzlich hast Du die Wahl, ob Du Deine Beiträge monatlich oder einmal im Jahr bezahlen möchtest. Auf Basis Deiner Einzahlungen erwirbst Du einen Anspruch auf Rentenleistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Um den Anspruch nicht zu verlieren, musst Du Deine Beiträge regelmäßig leisten und darfst keine Lücken entstehen lassen. Darüber hinaus kannst Du die freiwillige Versicherung jederzeit unterbrechen oder beenden, indem Du Dich von der Rentenversicherungspflicht befreien lässt.

Die private Rentenversicherung als Alternative zur Rentenversicherungspflicht

Die Regierung denkt darüber nach, die Rentenversicherungspflicht für Selbstständige gesetzlich festzuschreiben. Ob es dazu kommt, ist noch unklar. Bis dahin entscheidest Du allein, wie Du für Deine Alter vorsorgen möchtest.

Du hast dabei die Wahl, ob Du freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlst, eine private Rentenversicherung abschließt oder Dich für eine Kombination entscheidest.

Für Selbstständige und Freiberufler, die von der Rentenversicherungspflichtbefreit sind, bietet es sich an, die Altersvorsorge auf mehrere Säulen zu verteilen.

  • Die staatliche Rente ist nur eine Grundsicherung und kann Deinen Lebensstandard, den Du Dir mit Deiner Selbstständigkeit erarbeitet hast, vermutlich nicht halten. Dafür sind die Zahlungen aber durch den Staat garantiert.
  • Selbstständige und Freiberufler dürfen in der Regel nicht „riestern“, dafür unterstützt Dich der Staat alternativ mit der Rürup-Rente.
  • Immobilien oder Aktiensparpläne sind ebenfalls eine gute Möglichkeit, Dein Alter zu finanzieren. Allerdings sind diese Rücklagen nicht insolvenzsicher.
  • Die private Rentenversicherung kannst Du ergänzend zur gesetzlichen Rentenversicherung oder auch als alleinige Alterssicherung in Anspruch nehmen. Hier profitierst Du von einer hohen Flexibilität und von möglichen hohen Renditen.

Unabhängig davon, ob Du von der Rentenversicherungspflicht befreit bist oder für welche Variante Du Dich entscheidest, solltest Du das Thema Altersvorsorge auf gar keinen Fall vernachlässigen, um nicht bis in das hohe Rentenalter arbeiten zu müssen.

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