Mehrwertsteuersenkung: Was Du als Unternehmer beachten solltest

Yasmin Juni 2020 5 Min

Am 12. Juni hat die Bundesregierung die vorübergehende Senkung der Mehrwertsteuer beschlossen. Ab dem 1. Juli 2020 wird der reguläre Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent auf 16 Prozent gesenkt. Der ermäßigte Mehrwertsteuersatz wird von 7 auf 5 Prozent gesenkt. Als Teil eines Konjunkturpakets, das die Folgen der Corona-Pandemie mildern soll, bleibt die Mehrwertsteuersenkung zunächst bis Ende des Jahres in Kraft.

Wer profitiert von der Mehrwertsteuersenkung?

Von der Mehrwertsteuersenkung sollen Verbraucher und Unternehmer gleichermaßen profitieren. Als Unternehmer kannst Du Dir die gezahlte Umsatzsteuer auf eingekaufte Waren über die Vorsteuer vom Finanzamt zurückholen. Voraussetzung ist, dass Dein Unternehmen vorsteuerabzugsberechtigt ist. Im Gegensatz dazu müssen private Endverbraucher die Mehrwertsteuer – der umgangssprachliche Begriff für Umsatz- und Vorsteuer – grundsätzlich immer bezahlen und können keine Abzüge beim Finanzamt geltend machen. Die Mehrwertsteuersenkung ist also überwiegend für Unternehmen relevant, die an Privatkunden verkaufen. Für Geschäftskunden untereinander ist die Mehrwertsteuer ein durchlaufender Posten, der keinen unmittelbaren Einfluss auf den Gewinn hat.

Die Idee hinter der Mehrwertsteuersenkung ist, dass die Unternehmen die gesenkte Mehrwertsteuer über Preissenkungen eins zu eins an Privatkunden weitergeben. Erhöht sich dadurch die Nachfrage nach den vergünstigten Produkten und Dienstleistungen, führt dies zu höheren Umsätzen und Unternehmensgewinnen und könnte viele Unternehmen vor der Pleite retten.

Kritiker befürchten allerdings, dass die Mehrwertsteuersenkung gar nicht beim Kunden ankommt. Unternehmen sind nicht dazu verpflichtet, die gesparte Umsatzsteuer an ihre Kunden weiterzugeben. Als Unternehmer kannst Du die gesenkten Mehrwertsteuersätze tatsächlich

  • vollständig an Deine Kunden weitergeben,
  • nur teilweise an Deine Kunden weitergeben
  • oder gar nicht an Deine Kunden weitergeben.

Unternehmen, die ihre Preise nicht ändern und trotzdem weniger Umsatzsteuer an das Finanzamt abführen, können die Mehrwertsteuersenkung dazu nutzen, ihre Gewinnspanne zu erhöhen. Aber selbst wenn die Senkungen beim Kunden ankommen, sind die Reduzierungen sehr gering. Um Unternehmen dauerhaft zu entlasten, wären Erleichterungen bei den sogenannten Ertragssteuern wie der Einkommen-, Körperschaft- oder Gewerbesteuern ihrer Meinung nach wirksamer. Hinzu kommt, dass die recht kurzfristige Umstellung viele Unternehmen vor große Herausforderungen stellt. Neben dem Zeitdruck, die Umstellungen in nur drei Wochen umzusetzen, entstehen den Unternehmen auch Kosten – einmal zur Senkung im Juli und ein zweites Mal im Dezember, wenn es gilt, wieder auf die regulären Mehrwertsteuersätze umzustellen.

Auswirkungen der Mehrwertsteuersenkung auf Unternehmen

Unternehmen stehen vor der Herausforderung, ihre Kassen, Abrechnungs- und Buchhaltungssysteme auf die gesenkten Mehrwertsteuersätze anpassen zu müssen. Software muss konfiguriert werden, Stammdaten und Verträge sowie Einzugsermächtigungen bedürfen mehrerer Anpassungen. Kleinen Unternehmen fehlt hierbei häufig die Erfahrung, was schnell zur Überforderung durch die diversen Umstellungen führt. Wer eine Buchhaltungssoftware nutzt, erhält häufig Unterstützung von den Anbietern. Viele Umstellungen werden hier bereits systemseitig vorgenommen, um die Unternehmen zu entlasten.

Auswirkungen der Mehrwertsteuersenkung auf die unterschiedlichen Branchen

Insbesondere der Handel gerät unter Zeitdruck. Neben der technischen Umstellung muss die Ware in den Verkaufsräumen umetikettiert werden. Preise an Regalen, in Katalogen und Onlineshops müssen ebenfalls angepasst werden. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie bietet Händlern und Dienstleistern mit pauschalen Rabatten, eine gute Möglichkeit, die Mehrwertsteuer möglichst kostengünstig und unbürokratisch an ihre Kunden weiterzugeben. Diese Ausnahmeregelung beruht auf § 9 Absatz 2 der Preisangabenverordnung (PAngV). Demnach sind Händler berechtigt, ihren Kunden Rabatte direkt an der Kasse zu gewähren, ohne die Preisauszeichnung an sämtlichen Produkten oder Regalen in der Nacht zum 1. Juli 2020 vornehmen zu müssen.

Sonderfall Gastronomie

In der Gastronomie wird der gesenkte Mehrwertsteuersatz von 5 Prozent bereits heute bei Speisen, die außer Haus verzehrt werden, gewährt. Ab Juli gilt er dann auch für Speisen, die im Restaurant verzehrt werden. Getränke sind jedoch vom ermäßigten Steuersatz ausgenommen – für sie gilt ab Juli der Mehrwertsteuersatz von 16 Prozent.

Was musst Du als Unternehmer beachten?

Für die Angabe des korrekten Mehrwertsteuersatzes ist der Zeitpunkt, zu dem die Umsatzsteuer entsteht, relevant. Das Umsatzsteuergesetz unterscheidet hier zwei Arten von Leistungen und Lieferungen:

  1. Leistungen, für die die Umsatzsteuer mit Ablauf des Monats, in dem sie ausgeführt wurde, fällig wird.
  2. Lieferungen, für die die Umsatzsteuer mit Ausstellung der Rechnung fällig wird. Darunter fallen beispielsweise Bauleistungen oder Reinigungsleistungen.

Diesen Zeitpunkt musst Du entsprechend beachten, wenn Du Gutscheine an Deine Kunden verkaufst. Hier wird zwischen Einzweck- und Mehrzweckgutscheinen unterschieden. Bei Einzweckgutscheinen wird gemäß § 3 Abs. 14 UStG bereits beim Kauf des Gutscheins die Mehrwertsteuer von derzeit 19 Prozent fällig. Wird der Gutschein aber erst zwischen Juli und Dezember eingelöst, wird die Leistung oder Ware an sich auf der Rechnung mit 16 Prozent versteuert. Entsprechend musst Du hier eine Umsatzsteuerberichtigung vornehmen. Diesen erhöhten Aufwand kannst Du vermeiden, in dem Du Mehrzweckgutscheine verkaufst. Diese werden gemäß § 3 Abs. 15 UStG erst beim Einlösen versteuert.

Bei Anzahlungen unterscheidet das Umsatzsteuergesetz zwischen geleisteten und gezahlten Anzahlungen. Ein Beispiel: Du hast vor dem 1. Juli 2020 eine Anzahlung geleistet und dafür eine Vorsteuererstattung von 19 Prozent erhalten. Die Leistung bekommst Du aber erst nach dem 1. Juli 2020. Entsprechend weist die Rechnung nur 16 Prozent Umsatzsteuer aus. In diesem Fall musst Du die zu viel erhaltene Vorsteuererstattung an das Finanzamt zurückzahlen. Hast Du vor dem 1. Juli eine Anzahlung erhalten und entsprechend 19 Prozent Umsatzsteuer an das Finanzamt für eine Leistung abgeführt, die aber erst nach dem 1. Juli ausgeführt wird, bekommst Du die zu viel gezahlte Umsatzsteuer vom Finanzamt erstattet. In beiden Fällen musst Du entsprechend eine Berichtigung bei der Umsatzsteuer oder beim Vorsteuerabzug vornehmen. Im Unterschied zu Anzahlungen führen Teilleistungen zu einer endgültigen Erstellung der Umsatzsteuer.

Vermeide den unrichtigen oder unberechtigten Mehrwertsteuerausweis

Es wird sich zeigen, ob die Mehrwertsteuersenkungen den gewünschten wirtschaftlichen Aufschwung bringen wird. Fest steht, dass die Umstellung für Unternehmer, die Geschäfte mit Privatkunden machen, mit einigem Aufwand verbunden ist und es bei der Auftrags-, Vertrags- und Rechnungserstellung sowie der Buchhaltung einiges zu beachten gibt, um eine falsche Ausweisung der Umsatzsteuer und Vorsteuer zu vermeiden. Achte daher bei der Rechnungsstellung oder bei Erhalt einer Rechnung genau auf den Zeitpunkt der Lieferung beziehungsweise den Zeitpunkt, zu dem eine Leistung erbracht wird. Langfristige Verträge solltest Du auf jeden Fall gründlich überprüfen. Gegebenenfalls werden hier Anpassungen notwendig.

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