Nebenberuflich selbstständig: Was Du bei Deiner Krankenkasse beachten musst

Oliver
Oliver Februar 2020 10 Min

Wer angestellt ist, sich aber gleichzeitig nebenberuflich selbstständig machen möchte, muss sich mit zahlreichen Rechten und Pflichten auseinandersetzen. Die Krankenkasse ist dabei einer der Themenbereiche, die Du beim Schritt in die Selbstständigkeit beachten solltest. Das Gute: Wer als Arbeitnehmer angestellt ist, muss auf die Gewinne seiner selbstständigen Tätigkeit keine zusätzlichen Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge zahlen. Dank Deiner Festeinstellung bist Du bereits bei möglichen Krankheitsfolgen versichert. Doch spätestens, wenn Dein Business nach Einschätzung der Krankenkasse nicht mehr einer nebenberuflichen Tätigkeit entspricht, sondern hauptberufliche Züge annimmt, musst Du Dich mit einer freiwilligen gesetzlichen Krankenversicherung oder einer privaten Krankenversicherung beschäftigen.

Einschätzung der Krankenkasse: haupt- oder nebenberuflich?

Um sicherzugehen, dass Du über Dein Angestelltenverhältnis krankenversichert bist und keine zusätzlichen Beiträge an die Krankenkasse für Deine nebenberufliche selbstständige Tätigkeit zahlen musst, solltest Du Dir sicher sein, dass Du tatsächlich einer nebenberuflichen Tätigkeit nachgehst. Stuft Deine Krankenkasse Deine Selbstständigkeit jedoch als hauptberuflich ein, bist Du dazu verpflichtet, Dich entweder freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung oder privat zu versichern. Als nebenberuflich gilt Dein Business dann, wenn

  • Du als Arbeitnehmer angestellt bist und nebenher selbstständig tätig bist. Wie hoch das Angestelltengehalt ist, spielt dabei keine Rolle.
  • Das Einkommen aus Deiner selbstständigen Tätigkeit nur eine untergeordnete wirtschaftliche Bedeutung hat.
  • Du keine Angestellten oder maximal einen Minijobber beschäftigst.
  • Du keinen Gründerzuschuss von der Agentur für Arbeit beziehst.
  • Du weniger als 20 Stunden pro Woche selbstständig arbeitest und dabei nicht mehr als 75 Prozent der monatlichen Bezugsgröße verdienst.

Die Fälle lassen sich nicht immer verallgemeinern. Auch hier sind die Umstände des jeweiligen Einzelfalls ausschlaggebend. Aus Sicht der Sozialversicherungsträger ist eine Erwerbstätigkeit immer dann hauptberuflich, wenn sie von der wirtschaftlichen Bedeutung sowie vom zeitlichen Aufwand die übrigen Erwerbstätigkeiten zusammengenommen deutlich übersteigt. Im Zweifelsfall überprüft Deine Krankenkasse, welche Deiner Tätigkeiten die anderen bezüglich des Einkommens und der Arbeitszeit deutlich überschreitet.

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Sprich mit Deiner Krankenkasse

Als einer der ersten Schritte auf dem Weg in die nebenberufliche Selbstständigkeit informiere Deine Krankenkasse über Dein Vorhaben und lass eine Einstufung vornehmen, ob Deine Beschäftigung als neben- oder hauptberuflich gilt. Dabei spielt vor allem auch Dein Einkommen eine wichtige Rolle – als Gründer musst Du also Deinen Gewinn prognostizieren. Hilfreich ist es, wenn Du dazu Deinen Businessplan zurate ziehst, der bereits wichtige Angaben zum voraussichtlichen Gewinn enthalten sollte.

Neben Deinem Einkommen spielt die monatliche Bezugsgröße eine wichtige Rolle bei der Einstufung. Dabei handelt es sich um einen Maßstab für die allgemeine Einkommensentwicklung. So kann Deine Selbstständigkeit in einigen Fällen auch noch als nebenberuflich eingestuft werden, wenn Du 30 Stunden wöchentlich arbeitest, Dein Einkommen jedoch unter der Hälfte der monatlichen Bezugsgröße liegt.

Schätzt die Krankenkasse Deine Tätigkeit als nebenberuflich selbstständig ein, bleibst Du weiterhin über Deinen Arbeitgeber versichert und sparst Dir zusätzliche Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung. Anders sieht es aus, wenn Deine Tätigkeit als hauptberuflich gewertet wird. Mit diesem Urteil endet Deine gesetzliche Pflichtversicherung, sodass Du Dich freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung oder privat versichern musst. Bist Du darüber hinaus noch angestellt, gilt dieses Arbeitsverhältnis nun wiederum als nebenberuflich und die Kranken- und Pflegeversicherung über Deinen Arbeitgeber fällt weg.

Entscheidest Du Dich für eine private Krankenversicherung, musst Du die gesetzliche Versicherung innerhalb von zwei Wochen kündigen. Bist Du zurzeit gesetzlich pflichtversichert, möchtest Dich aber freiwillig versichern, wechselst Du beim Wegfall der Versicherungspflicht automatisch in die freiwillige Versicherung.

Bist Du nicht pflichtversichert und möchtest Dich freiwillig versichern, gelten bestimmte Vorversicherungszeiten. Diese besagen, dass Du entweder in den letzten fünf Jahren zwei Jahre lang oder unmittelbar vor Ende der Versicherungspflicht ein Jahr lang in einer gesetzlichen Versicherung gewesen sein musst. Damit kannst Du innerhalb von drei Monaten nach Deiner Gründung den Eintritt in die freiwillige Versicherung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) schriftlich beantragen.

Nebenberuflich selbstständig: das sagt die Krankenkasse

Beitragseinstufung in der freiwilligen Krankenversicherung

Wie viel Du letztendlich in die freiwillige Kranken- und Pflegeversicherung der GKV zahlst, hängt von Deinem Gesamteinkommen ab. Dabei wird Dein Einkommen aus dem Angestelltenverhältnis mit dem Gewinn Deiner selbstständigen Tätigkeit und eventuellen anderen Einnahmen addiert. Der Arbeitgeber trägt seinen Anteil für den Beitrag, der durch das Einkommen aus Deinem Arbeitsverhältnis entsteht. Die restlichen Kosten übernimmst Du.

Der Krankenversicherungsbeitrag berechnet sich vom Gesamteinkommen mit 14,6 Prozent (mit Krankengeldanspruch) oder 14 Prozent (ohne Krankengeldanspruch). Hinzu kommen der Beitrag zur Pflegeversicherung sowie der individuelle Zusatzbeitrag der Krankenkassen. Die Beitragsbemessungsgrenze stellt die Obergrenze für das Einkommen dar, das der Berechnung dient. Jeder Cent, der darüber liegt, ist beitragsfrei. Als Mindest-Berechnungsgrundlage dient das fiktive Mindesteinkommen, wodurch die Beiträge nach unten hin begrenzt werden. Die Mindestgrenze hat sich mit Beginn dieses Jahres von monatlichen 2.284 Euro auf 1.142 Euro halbiert.

Ändern sich Deine Einkommensverhältnisse, solltest Du Deine Krankenkasse rechtzeitig darüber informieren. Insbesondere, wenn sich Dein Verdienst zugunsten des Nebenberufes ändert, solltest Du auf Nummer sicher gehen und mit Deiner Krankenkasse sprechen. Sie entscheidet dann über die weitere Versicherungspflicht. Bist Du mit der Entscheidung nicht einverstanden, kannst Du Klage einreichen. Gibst Du Deine Einkünfte oder Veränderungen Deiner Verhältnisse gar nicht erst an, machst Du Dich strafbar und musst gegebenenfalls mit hohen Nachzahlungen rechnen.

Die Sozialversicherung spielt auch eine Rolle

Hierzulande dient neben der gesetzlichen Krankenversicherung auch die gesetzliche Sozialversicherung dazu, Leistungen wie Rente und Arbeitslosengeld zu finanzieren. Bist Du nebenberuflich selbstständig, musst Du in der Regel keine zusätzlichen Sozialversicherungsbeiträge zahlen, da diese bereits über den Hauptberuf abgeführt werden. Informiere aber auch hier Deine Krankenkasse, sobald sich Dein Status ändert. Wechselt dieser von der nebenberuflichen zur hauptberuflichen Selbstständigkeit, wirkt sich das nicht nur auf die Krankenversicherungspflicht, sondern auch die Sozialversicherungspflicht aus. Die Sozialversicherungspflicht entfällt für Selbstständige, die nicht in einem Hauptberuf angestellt sind – Du musst dann keine Beiträge in die Arbeitslosen- und Rentenversicherung einzahlen. Dennoch solltest Du die private Altersvorsorge nicht vernachlässigen. In der Regel sind diese Kosten im Falle der Selbstständigkeit sogar fast komplett steuerlich abzugsfähig.

Wann lohnt sich der Eintritt in die private Krankenversicherung?

Wirst Du von Deiner Krankenkasse nicht als nebenberuflich selbstständig eingestuft, hast Du die Option, Dich privat versichern zu lassen. Da es sich dabei um einen großen Schritt handelt, solltest Du zunächst Vorteile und Nachteile einer privaten Krankenversicherung (PKV) im Vergleich zur freiwilligen gesetzlichen Krankenversicherung sorgfältig gegeneinander abwiegen.

Zu den Vorteilen der PKV gehören

  • bessere medizinische Versorgung dank umfangreicherer Leistungen,
  • günstige Beiträge für junge, gesunde Menschen,
  • einkommensunabhängige Beitragsberechnung,
  • preiswerte Tarife für bestimmte Berufsgruppen,
  • kürzere Wartezeiten und schnellere Terminvergaben bei Ärzten,
  • Beiträge lassen sich durch Selbstbeteiligung senken.

Folgende Punkte können in der privaten Krankenversicherung eher nachteilig sein:

  • Vorerkrankungen führen zu höheren Beitragskosten.
  • Beiträge steigen mit dem Alter.
  • Keine kostenfreie Mitversicherung von Kindern.
  • Rückkehr in die GKV ist nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich.
  • Kein Anspruch auf die günstige Krankenversicherung für Rentner.

Arbeitslosigkeit: Krankenversicherung über die Agentur für Arbeit

Beziehst Du Arbeitslosengeld I oder II kannst Du bis zu einer bestimmten Einkommensgrenze nebenberuflich selbstständig arbeiten. In dem Fall bist Du über die Arbeitsagentur oder das Jobcenter krankenversichert. Ob Du wirklich als nebenberuflich eingestuft wirst, hängt von Deiner Arbeitszeit ab. Diese darf die Höchstgrenze von 15 Stunden pro Woche nicht überschreiten. Andernfalls musst Du Dich freiwillig in der GKV oder privat versichern. Da sich die tatsächlich aufgewendete Zeit bei Selbstständigen nur schwer einschätzen lässt, spielt Dein Einkommen ebenfalls eine Rolle.

Beim ALG I gibt es zudem einen monatlichen Freibetrag von 165 Euro, der nicht auf Dein Arbeitslosengeld angerechnet wird. Beim ALG II sieht es etwas anders aus: Hier werden Freibeträge gestaffelt und hängen von der Größe der Bedarfsgemeinschaft ab.

Darüber hinaus solltest Du wissen, dass Du als nebenberuflich Selbstständiger weder den Gründungszuschuss noch das Einstiegsgeld von der Agentur für Arbeit bekommst. Auf diese Leistungen hast Du erst Anspruch, wenn Deine Selbstständigkeit zu Deinem Hauptberuf wird. Für die Beantragung benötigst Du zudem einen Businessplan. Um den Gründungszuschuss zu erhalten, musst Du noch mindestens 150 Tage Anspruch auf ALG I haben. Damit erhältst Du für weitere sechs Monate das Arbeitslosengeld plus zusätzlich 300 Euro. Diese Pauschale kannst Du im Anschluss für weitere neun Monate beantragen. ALG-II-Empfänger erhalten das Einstiegsgeld. Dies wird individuell berechnet und steht Dir maximal 24 Monate zusätzlich zum ALG II zu.

nebenberuflich selbstständig: das sagt die Krankenkasse

Nebenberuflich selbstständig: Sonderfälle bei der Krankenkasse

Neben der Versicherung über die Arbeitsagentur gibt es weitere wichtige Sonderfälle. Du kannst beispielsweise familienversichert bleiben, wenn Du nicht mehr als 18 Stunden pro Woche arbeitest und höchstens 435 Euro im Monat verdienst. Wichtig ist, dass kein weiteres Merkmal einer Hauptberuflichkeit gegeben ist.

Wer in Elternzeit ist, für den gelten die gleichen Bedingungen wie für Arbeitnehmer. Damit Du Elterngeld beziehen kannst, und der Gewinn auf dieses angerechnet wird, darfst Du allerdings nicht mehr als 30 Stunden pro Woche erwerbstätig sein.

Eine günstige Versicherung für Rentner bietet die Krankenversicherung der Rentner (KVdR). Rentner sind hier nur mit dem halben Beitrag versichert. Wer zusätzlich selbstständig tätig ist, muss die Versicherung darüber informieren. Stuft diese Deine Tätigkeit als nebenberuflich ein, kannst Du weiterhin die Leistungen der Krankenversicherung für Rentner in Anspruch nehmen. Anders sieht es aus, wenn Du hauptberuflich selbstständig bist. Dann ist wieder eine freiwillige Versicherung nötig, bei der Du für Teile des Einkommens den gesamten Beitrag allein trägst.

Nebenberuflich selbstständig? Das solltest Du beachten

Wer seine Möglichkeiten kennt, ist klar im Vorteil. Achte darüber hinaus bei Deinem Schritt in die Selbstständigkeit auf die folgenden weiteren Punkte:

  • Melde Deine Tätigkeit richtig an: Bei der Gründung Deines Business musst Du verschiedene Behörden und Institutionen darüber informieren. Dazu gehört das Finanzamt und im Fall von Gewerbetreibenden auch das kommunale Gewerbeamt.
  • Informiere Deinen Arbeitgeber: Dieser sollte im besten Fall über Deine Nebentätigkeit Bescheid wissen. Noch wichtiger ist, dass Du Deinen Hauptjob aufgrund Deiner Selbstständigkeit nicht vernachlässigst oder Deinem Arbeitgeber Konkurrenz machst.
  • Überprüfe Deine Rentenversicherungspflicht: Künstler, Publizisten sowie andere Berufsgruppen sind auch in der Rentenversicherung versicherungspflichtig – darunter fallen beispielsweise Lehrer, Erzieher oder Hebammen.
  • Versicherungspflicht in der Künstlersozialkasse: Wer bestimmte künstlerische und publizistische Berufe ausübt, ist ab einem bestimmten Mindesteinkommen über die Künstlersozialkasse pflichtversichert.
  • Achte auf Deine steuerlichen Pflichten: Nebenberuflich Selbstständige müssen sich an bestimmte Aufzeichnungspflichten halten und zusätzliche Steuererklärungen angeben. Hierbei empfehlen sich verschiedene Tools, um die eigenen Finanzen stets im Blick zu behalten.
  • Unter bestimmten Voraussetzungen kannst Du von der Kleinunternehmerregelung Gebrauch machen, Dich von der Umsatzsteuerpflicht befreien lassen und damit Deinen Verwaltungsaufwand erheblich reduzieren.

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Hauptberuflich selbstständig und nebenbei angestellt

Bisher haben wir hauptsächlich darüber gesprochen, wie es aussieht, wenn Du in einem Angestelltenverhältnis stehst und Dich nebenbei selbstständig machst. Doch wie sieht es aus, wenn Du Dein Haupteinkommen mit einem eigenen Business verdienst, Dein Gehalt aber mit einem Nebenjob aufbesserst? Generell ist das möglich, ohne, dass es sich auf die freiwillige Mitgliedschaft in der GKV auswirkt.

Nimmst Du eine solche Nebentätigkeit auf, musst Du Deine Krankenkasse darüber in Kenntnis setzen. Schließlich basieren Deine Abgaben auf dem gesamten Einkommen. Was Du in Deinem Nebenjob dazuverdienst, ist für die Berechnung also ebenfalls relevant. Die Berechnung erfolgt meist auf Grundlage des aktuellen Steuerbescheids. Diesen benötigt die Krankenkasse als Nachweis für Deine Einkommenshöhe. Dort werden Nebeneinkünfte aus Deiner nicht selbstständigen Tätigkeit automatisch aufgelistet und berücksichtigt.

Nebenberufliche Selbstständigkeit – halte Dich an Deine Pflichten gegenüber der Krankenkasse

Wer sich neben dem Hauptjob nebenberuflich selbstständig machen möchte, kann dies im Normalfall problemlos tun. Dabei solltest Du allerdings darauf achten, dass Deine Krankenkasse Deine Tätigkeit als Nebenberuf anerkennt.

Inwiefern Deine Beschäftigung Auswirkung auf Deine Krankenversicherung hat, hängt davon ab, ob Du wirklich nebenberuflich selbstständig bist. Informiere Dich vorab bei Deiner Krankenkasse und informiere diese umgehend über Veränderungen – so bist Du stets auf der sicheren Seite.

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