Nebenjob: Lohnt sich der Nebenverdienst auch für Selbstständige?

Yasmin
Yasmin Februar 2021 8 Min

Inhaltsverzeichnis

Nebenjobs sind eine gute Möglichkeit, nebenbei Geld zu verdienen. Sie sind aber auch eine gute Möglichkeit, Schritt für Schritt in die Selbstständigkeit zu starten. Der Vorteil: Du bist über Deinen Hauptberuf sozialversichert und kannst Dich hier auf ein geregeltes Einkommen verlassen. Rein rechtlich gesehen spricht nichts gegen einen Nebenjob – solange Du Dich an geltendes Arbeitsrecht hältst. Um Ärger mit Deinem Hauptarbeitgeber und dem Finanzamt zu vermeiden, solltest Du bei der Auswahl Deines Nebenjobs und der Ausführung einige Aspekte beachten. 

Definition Nebenjob

Jede weitere Tätigkeit, die ein abhängig beschäftigter Arbeitnehmer neben seinem Hauptberuf ausübt, gilt als Nebenjob. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Nebenjob bezahlt wird oder unentgeltlich ausgeführt wird. Entsprechend gelten auch ehrenamtliche Tätigkeiten rechtlich betrachtet als Nebenbeschäftigung. Es spielt ebenfalls keine Rolle, ob Du einen Nebenjob in einem Angestelltenverhältnis oder selbstständig ausübst. Der gesetzliche Mindestlohn von aktuell 9,50 Euro brutto ist für den Nebenjob ebenso wie für eine Hauptbeschäftigung verbindlich.

Der Trend geht zum Zweitjob

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) meldete 2020 über vier Millionen Arbeitnehmer mit einer Mehrfachbeschäftigung. Diese Zahl entspricht einem Anteil von 9,7 Prozent aller Beschäftigten. Dabei ist der Anteil der Frauen, die einem Nebenjob nachgehen, mit über 10 Prozent höher als der Anteil der Männer von knapp 9 Prozent. Damit hat sich die Zahl der Mehrfachbeschäftigten laut IAB in den letzten 20 Jahre mehr als verdoppelt. Neben sozialversicherungspflichtig Beschäftigten umfasst diese Statistik auch Beamte und Selbstständige. 

Die wohl häufigste Form der Mehrfachbeschäftigung ist die Kombination einer sozialversicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung mit einem Minijob als Nebenbeschäftigung. Oftmals ist die finanzielle Situation der Grund für eine Nebenbeschäftigung. Bei vielen Arbeitnehmern reicht da Gehalt nicht mehr aus. Oder sie wollen sich einen ganz besonderen Wunsch mithilfe des zusätzlichen Verdienstes erfüllen. 

Welche Tätigkeiten eignen sich als Nebenjob?

Zu den Klassikern untern den Nebenjobs zählen beispielsweise Jobs: 

  • im Einzelhandel
  • in der Gastronomie
  • im Call-Centern
  • in der Gebäudereinigung
  • in der Kinderbetreuung
  • in der Altenpflege
  • im Objektschutz
  • als Fahrer eines Lieferservice

Im Zeitalter der Digitalisierung zählen aber auch Nebenjobs dazu, die Du remote von zu Hause im Homeoffice erledigen kannst wie Buchhaltung, Datenverarbeitung, virtuelle Assistenten, Blogger, Webdesigner, Texter oder Blogger. Grundsätzlich sind Dir bei der Art der Tätigkeit als Nebenjob kaum Grenzen gesetzt. 

Welche Arten von Nebenjobs gibt es?

Der finanzielle Aspekt steht nicht immer im Vordergrund. Immer mehr Menschen nutzen den Zweitjob auch, um sich in anderen Bereiche weiter zu qualifizieren. Der Nebenjob hat sich aber auch bei Selbstständigen etabliert: Entweder, um mit dem Hauptjob als finanzieller Sicherheit im Rücken Schritt für Schritt das eigene Business aufzubauen. Oder um in auftragsschwache Zeiten das knappe Einkommen mit einem Zusatzverdienst aufzustocken. 

Zu den unterschiedlichen Arten von Nebenjobs zählen hauptsächlich:

  • Minijobs (450-Euro-Jobs)
  • Saison- oder Aushilfstätigkeiten
  • Teilzeitjobs mit einem Bruttoeinkommen ab 450 Euro (Midijobs)
  • selbstständige nebenberufliche Tätigkeit
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Was ist erlaubt?

Mittlerweile ist es gängige Praxis Klauseln in Arbeitsverträgen einzubauen, die den Arbeitnehmer verpflichten, seinen Arbeitgeber über einen Zweitjob zu informieren, sich eine Genehmigung einholen zu müssen oder eine Nebentätigkeit sogar verbieten. Generell kann ein Arbeitgeber seinen Arbeitnehmern aber nicht verbieten, neben ihrem Hauptjob einen Zweitjob anzunehmen. Voraussetzung ist, dass eine Nebentätigkeit den Hauptjob nicht behindert und Arbeitnehmer sich an geltendes Arbeitsrecht halten.

Gibt es eine Meldepflicht?

Sofern Dein Arbeitsvertrag keine Meldeklausel enthält, besteht keine generelle Pflicht, eine Nebentätigkeit anzumelden. Im Sinne einer vertrauensvollen Zusammenarbeit solltest Du Deinen Chef aber dennoch informieren. Enthält Dein Arbeitsvertrag eine Klausel, die Dich verpflichtet, Deinen Arbeitgeber über einen Nebenjob zu informieren oder sogar seine Genehmigung einzuholen, riskierst Du eine Abmahnung, im schlimmsten Fall sogar eine außerordentliche Kündigung, wenn Du Deinen Nebenjob verschweigst. Unabhängig von der Meldepflicht bist Du auf der sicheren Seite, wenn Du Dir die Genehmigung einer Nebentätigkeit schriftlich von Deinem Hauptarbeitgeber geben lässt. Ein formloses Schreiben ist ausreichend. Allerdings sollte es neben formalen Angaben mindestens Informationen über die Art der Nebentätigkeit, Ausübungsbeginn oder -zeitraum sowie den zeitlichen Umfang enthalten.

Wöchentliche Arbeitszeit

Gemäß § 3 des Arbeitszeitgesetzes (ArbZG) darf die maximale werktägliche Wochenarbeitszeit nicht mehr als 48 Stunden betragen. Arbeitest Du in Deinem Hauptjob 40 Stunden pro Woche  bleiben theoretisch noch acht Stunden über, in denen Du einem Nebenjob nachgehen kannst. Theoretisch. Denn praktisch musst Du zwischen den Arbeitstagen eine Ruhepause von mindestens elf Stunden berücksichtigen. Das heißt, Du musst Deine Stundenzahl für Deinen Nebenjob so flexibel legen können, dass Du die vorgeschriebenen Ruhezeiten einhalten kannst. 

Beeinträchtigung Deiner Hauptbeschäftigung

Zusätzlich musst Du sicherstellen, dass Deine Hauptbeschäftigung durch Deinen Nebenjob nicht beeinträchtigt wird. Diese Beeinträchtigung gilt nicht nur im Hinblick auf die Arbeitszeit, sondern auch in marktwirtschaftlicher und unternehmerischer Sicht. Das heißt, Dein Arbeitgeber kann Dir verbieten, bei einem Konkurrenzunternehmen zu arbeiten. Das Thema Konkurrenz ist insbesondere für Nebenjobs, die Du selbstständig ausübst, von großer Bedeutung. Arbeitest Du beispielsweise hauptberuflich als Webdesigner und bietest Deine Leistungen direkten Konkurrenten Deines Hauptarbeitgebers an oder wirbst sogar Kunden ab, verstößt Du gegen das Konkurrenzverbot und riskierst damit eine Kündigung. 

Krank ist krank

Grundsätzlich ist es Deine Verantwortung, Deine Gesundheit durch einen Nebenjob nicht zu gefährden. Darüber hinaus ist es ein absolutes No-Go, Dich im Hauptjob krankzumelden, um dann Deinem Nebenjob nachzugehen. Bist Du krankgeschrieben, bist Du verpflichtet, Dich so zu verhalten, dass Deine Arbeitskraft Deinem Hauptarbeitgeber schnellstmöglich wieder zur Verfügung steht.

Urlaubsanspruch beim Nebenjob

Bei einem Nebenjob stehen Dir laut Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) ebenfalls 24 Werktage bezahlter Urlaub zu. Allerdings musst Du dabei bedenken, dass sich Deine Nebentätigkeit nicht mit Deiner hauptberuflichen Tätigkeit überschneiden darf. Das heißt, Du hast nicht 48 Tage Urlaub, sondern nimmst Deinen Urlaub in beiden Jobs zeitgleich.

Elterngeld und Kindergeld

Wer in Elternzeit ist, darf nicht mehr als 30 Stunden pro Woche arbeiten. Ein Nebenjob, der diese Stundenzahl nicht überschreitet, ist also erlaubt. Allerdings muss der Nebenverdienst der Elterngeldstelle gemeldet werden und wird auf das Elterngeld angerechnet. Ob Dein Zuverdienst aus einem Nebenjob auf das Kindergeld angerechnet wird, hängt von der Höhe Deiner Einkünfte aus dem Nebenjob ab. 

Wie wird das Einkommen aus einem Nebenjob versteuert?

Dem Finanzamt ist es am Ende des Tages egal, ob ein Einkommen aus einer hauptberuflichen Tätigkeit oder einem Nebenjob stammt. Für Deinen Nebenjob weist Dir das Finanzamt die Steuerklasse VI zu. Für Deine Einkommensteuererklärung werden sämtliche Einnahmen eines Kalenderjahres zusammen versteuert. Da die Einkommensteuer mit der Höhe Deiner Einnahmen steigt, erhöht der Nebenverdienst als Deine Steuerlast. Ob sich ein lukrativer Nebenjob dann finanziell lohnt, kommt immer auf den Einzelfall an.

Beträgt Dein Einkommen aus einem Nebenjob über 450 Euro werden neben Steuern auch Sozialabgaben auf Dein zusätzliches Einkommen fällig. Anders sieht es bei einem Minijob, auch 450-Euro-Job genannt, aus. Bis zu dieser Grenze ist der Nebenjob bzw. ein Nebenverdienst steuerfrei und unterliegt nicht der Sozialversicherungspflicht. Mit Ausnahmen eines Anteils von 3,6 Prozent Deines Gehalts, das für die Rentenversicherung einbehalten wird, übernimmt der Arbeitgeber sämtliche Beiträge zur Sozialversicherung. Du kannst Dich allerdings auch von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen. Das hat aber natürlich Auswirkungen auf Deinen späteren Rentenanspruch. Grundsätzlich darfst Du auch zwei oder mehrere Nebenjobs ausüben. In diesem Fall werden die Einnahmen addiert. Übersteigen sie dadurch die 450-Euro-Grenze, werden ebenfalls Sozialabgaben fällig.

Midijobs

Der Midijob ist ein Teilzeitjob mit einem monatlichen Verdienst bis maximal 1.300 Euro. Im Gegensatz zum Minijob ist der Midijob sozialversicherungspflichtig. Allerdings zahlst Du lediglich reduzierte Beiträge zu Kranken-, Renten- und Arbeitslosenversicherung.

Wer im Nebenjob selbstständig ist, muss gegebenenfalls neben der Einkommensteuer auch die Umsatzsteuer und die Gewerbesteuer einplanen. 

  • Mit Ausnahmen der Freiberufler gelten alle Selbstständigen als Gewerbetreibende und sind somit gewerbesteuerpflichtig. 
  • Die Umsatzsteuer wird von allen Unternehmen auf den Umsatz, den er mit Lieferungen und Leistungen im Inland erzielt, erhoben und an das Finanzamt weitergeleitet. Auch hier gibt es eine Ausnahme von der Regel: Wer die Voraussetzungen erfüllt, um die Kleinunternehmerregelung in Anspruch zu nehmen, kann sich vom Finanzamt von der Zahlung der Umsatzsteuer befreien lassen. 

Lohnt sich ein Nebenjob für Selbstständige?

Ein Nebenjob ist eine gute Möglichkeit für Selbstständige, sich etwas dazuzuverdienen. Ob es sich steuerlich lohnt, kommt auf die Höhe des Nebenverdienstes an. Bleibst Du monatlich unter 450 Euro ist der Nebenjob steuer- und sozialversicherungsfrei. 

Umgekehrt eignet sich ein Nebenjob auch, um Dir Schritt für Schritt Dein eigenes Business aufzubauen. Du profitierst von der Sozialversicherung durch Deinen Hauptjob sowie von einem geregelten Einkommen. Allerdings musst Du bedenken, dass Du bei diesem Szenario gegebenenfalls Gewerbe- und Umsatzsteuern zahlen musst.

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