Opportunitätskosten: Alles, was Du als Unternehmer wissen musst

Dorothea
Dorothea Januar 2022 Content Marketing Editor 8 Min

Inhaltsverzeichnis

Den Begriff „Opportunität“ kennt man in erster Linie durch das englische „opportunity“. Doch wann wird aus einer bloßen Möglichkeit ein Kostenpunkt? Mit dem Begriff Opportunitätskosten geben wir Dir einen Einblick.

Opportunitätskosten –Definition und Beispiel

Während das Konzept der Opportunitätskosten sowohl in der VWL als auch in der BWL existiert, haben wir uns hier der Einfachheit halber auf den betriebswirtschaftlichen Teil beschränkt.

Das Prinzip der Opportunitätskosten basiert auf der Grundlage, dass jegliche Ressource begrenzt ist. Du kannst sie zur gleichen Zeit also nur einmal verwenden. Außerdem besagt es, dass Du immer eine Wahl darüber triffst, wie Du Deine Mittel einsetzt – ob aktiv oder passiv. Belässt Du überschüssiges Kapital also ohne weitere Überlegungen einfach auf Deinem Konto, ist das eine Entscheidung – gegen andere Investitionsmöglichkeiten.

Zur Veranschaulichung der Opportunitätskosten wollen wir diese zunächst an einem (stark vereinfachten) Beispiel betrachten. Eine genaue Berechnung erfolgt weiter unten im Artikel.

Option A: Du schaffst für Dein Business einen High-Tech-Rechner für 5.000 Euro an. 

Option B: Du legst die 5.000 Euro stattdessen zu einem Zinssatz von 5,0 Prozent an.

Wenn wir nun also den Zeitraum eines Jahres betrachten, entgehen Dir bei der Wahl von Option A 250 Euro an Zinsen (da 5.000 Euro x 0,05= 250 Euro). Diese 250 Euro an Opportunitätskosten führen dazu, dass der PC Dich nach dieser Betrachtung 5.250 Euro kostet.

Natürlich spielen andere Aspekte, wie die steuerliche Absetzbarkeit der Ausgabe und ein eventueller Vorteil bei der Produktivität, bei der Entscheidung ebenfalls eine Rolle. Es sollte also im Hinterkopf behalten werden, dass auch die Opportunitätskosten immer nur einen Teil der Situation abbilden und nicht alleine betrachtet werden sollten – dann kann deren Berücksichtigung jedoch durchaus sinnvoll sein.  

Du siehst: Bei den Opportunitätskosten handelt es sich nicht um eine konkrete Zahl, die auf Deinem Kontoauszug erscheint. Sie sind dementsprechend nicht in der Buchhaltung vermerkt und lediglich Teil des internen Rechnungswesens.

Indem Du Dich für A entscheidest, entgeht Dir der Gewinn, den Du – in der gleichen Zeit, mit den gleichen Ressourcen – durch B hättest erwirtschaften können. Daher nennt man Opportunitätskosten auch Verzichtskosten oder Schattenkosten. In der Regel vergleicht man dabei nur mit der nächstbesten Alternative.

Du verfügst über eine beschränkte Ressource: Zeit, Geld oder Arbeitskraft. Wie willst Du diese einsetzen? Zur Auswahl hast Du in jedem Fall zwei oder mehr Optionen. Indem Du Deine Entscheidung für einen Weg triffst, verzichtest Du auf die Potentiale aller anderen. Den Gewinn, der bei der nächstbesten Alternative entstanden wäre, Dir aber nun entgeht, nennt man Opportunitätskosten.

Opportunitätskosten: Eine Frage begrenzter Ressourcen

Es ist ein Freitagabend (vor Corona) und Du hast die berühmte Qual der Wahl: Gehst Du auf die Geburtstagsparty eines Freundes oder holst Du Deinen dringend benötigten Schlaf nach? Da die Ressource “Zeit” begrenzt ist, musst Du Dich für eines der beiden entscheiden. Wählst Du A, verlierst Du B, und andersherum. Ein typischer Fall von FOMO, Fear Of Missing Out.

Genau wie im Privatleben, musst Du auch unternehmerisch Entscheidungen für und gegen etwas treffen. Das Potential, welches Du bei B verlierst, sind Opportunitätskosten. Da sie bei allen Entscheidungen unvermeidlich sind, ist das erst einmal nichts Schlimmes – Du kannst schließlich nicht auf jeder Party tanzen.

Die Hauptsache ist, dass Du schon im Voraus genau abschätzt, was Dir voraussichtlich entgeht. So kannst Du die Option wählen, bei welcher Du am wenigsten verpasst, also bei der die Opportunitätskosten am niedrigsten sind.

Damit Du bei Deinen Finanzen nicht in FOMO verfällst, erfährst Du hier alles was Du wissen musst, um Opportunitätskosten – als kalkulatorische Kosten – in Deine Finanzplanung mit einzubeziehen. Sie sind ein Hilfsmittel, das es Dir erleichtern kann, begrenzte Ressourcen bestmöglich einzusetzen.

Inputbezogene & outputbezogene Opportunitätskosten

Wir vergleichen also stets zwei Optionen miteinander. Nur logisch, dass es dann auch zwei Wege gibt, das Ganze zu betrachten:

Outputbezogen – Wenn Du Dich für A entscheidest, was entgeht Dir dann an Output? 

Beispiel: Innerhalb des betrachteten Zeitraums hättest Du 5,0 Prozent, also 250 Euro, an Zinsen für Dein Geld bekommen. 

Inputbezogen – Wenn Du Dich gegen A (und damit für B) entscheidest, was entgeht Dir dann an Input? 

Beispiel: Du hast am Ende des Jahres zwar 250 Euro mehr auf dem Konto, aber dafür ein Jahr lang keinen neuen Rechner.

Was sind kalkulatorische Kosten?

Kalkulatorische Kosten

Kalkulatorische Kosten sind ein Überbegriff für eine Vielzahl an Kosten, denen in der Buchhaltung kein, oder kein gleich hoher, Aufwand entgegensteht. Dennoch sollten sie bei einer sauberen Kalkulation berücksichtigt werden.

Beides gilt auch für die Opportunitätskosten. Diese fallen in der Buchhaltung gar nicht an und gehören damit als Teilgebiet zu den kalkulatorischen Kosten.

Ein bekanntes Beispiel ist der kalkulatorische Unternehmerlohn in Einzelunternehmen oder Personengesellschaften. Der Geschäftsführer darf seinen Lohn hier nicht als Personalaufwand verbuchen. Stattdessen muss er den Umweg über die Privatentnahme gehen. Um die Kosten für seine Arbeit dennoch bei der Preiskalkulation für das angebotene Produkt oder die Dienstleistung zu berücksichtigen, sollte er einen kalkulatorischen Unternehmerlohn im internen Rechnungswesen berücksichtigen.  

Fälschlicherweise werden die Begriffe „Opportunitätskosten“ und „kalkulatorische Kosten“ teilweise deckungsgleich verwendet. Es gilt: Nicht alle kalkulatorischen Kosten sind Opportunitätskosten, aber alle Opportunitätskosten sind kalkulatorische Kosten.

Die Berechnung des kalkulatorischen Zinses

Der wohl wichtigste Anwendungsbereich der Opportunitätskosten liegt in der Investitionsrechung. Das Ausgangsproblem: Indem Du Kapital bindest, kannst Du es zeitgleich nicht mehr anderweitig verwenden. Mithilfe der Opportunitätskosten kannst Du im Vorfeld die monetären Vor- und Nachteile Deiner verschiedenen Investitionsoptionen abwägen. Diese Betrachtungsweise kann hilfreich sein, um Dich für den profitabelsten Weg zu entscheiden.

Der kalkulatorische Zins

Beim kalkulatorischen Zins handelt es sich also um Opportunitätskosten, die den entgangenen Gewinn aus einer fiktiven Anlage beschreiben.

Betrachten wir hierzu noch einmal das Beispiel von oben:

Option A: Du schaffst für Dein Business einen High-Tech-Rechner für 5.000 Euro an. 

Option B: Du legst die 5.000 Euro stattdessen zu einem Zinssatz von 5,0 Prozent an.

Die allgemeine Formel für die Betrachtung des kalkulatorischen Zinses lautet: 

(Anschaffungskosten + Restbuchwert) / 2 x Zins = kalkulatorischer Zins.

Zur korrekten Berechnung des kalkulatorischen Zinses, und damit der Opportunitätskosten, benötigen wir zusätzlich noch die Nutzungsdauer. Diese sei hier mit 5 Jahren angegeben. 

Während der Anschaffungswert bei 5.000 Euro liegt, beträgt der Restbuchwert nach Abschreibungen im letzten Jahr demnach also 1.000 Euro. 

Das heißt: Durchschnittlich sind durch den Kauf des PC über den gesamten Zeitraum von 5 Jahren hinweg (5.000 Euro + 1.000 Euro) / 2 = 3.000 Euro an Kapital gebunden.

Durch die Entscheidung für A entgehen Dir demnach Zinsen in Höhe von 3.000 Euro x 0,05 = 150 Euro.

Schlussfolgerung: Über einen Zeitraum von 5 Jahren fallen bei Kauf des PC 150 Euro an Opportunitätskosten an. Indem Dir 150 Euro an potentiellen Gewinn entgangen sind, hat er Dich also faktisch 5.150 Euro gekostet. 

Der kalkulatorische Unternehmerlohn und die kalkulatorische Miete

Ein weiteres Anwendungsbeispiel ist der kalkulatorische Unternehmerlohn, dessen Herkunft wir oben bereits geklärt haben. Um den kalkulatorischen Unternehmerlohn zu berechnen, kannst Du auch hier das Prinzip der Opportunitätskosten berücksichtigen. 

Ein Beispiel: Um Deine Business-Idee weiter zu verfolgen, müsstest Du Deine Vollzeit-Tätigkeit als Produktentwickler bei einem hippen Start-Up aufgeben. Die 4.000 Euro brutto, die Du dort verdienst, würden Dir fortan entgehen – das wären also Deine Opportunitätskosten. Das solltest Du also, unter anderem, dann berücksichtigen, wenn es darum geht, Deinen kalkulatorischen Unternehmerlohn festzusetzen. 

Nach einem ähnlichen Prinzip kannst Du auch die kalkulatorische Miete berechnen. Dies kommt zum Beispiel dann in Frage, wenn Dein Unternehmen auch Eigentümer des eigenen Büros ist und somit keine Miete dafür gezahlt wird. Die nächstbeste Alternative: Würdest Du Deine Mitarbeiter stattdessen von Zuhause aus arbeiten lassen, könntest Du einen Betrag X für die Vermietung des Büros erwirtschaften. Beim entgangenen Betrag X handelt es sich um die kalkulatorische Miete. Er bezeichnet die Opportunitätskosten dafür, dass Du Präsenz-Arbeitsplätze beibehältst. 

Das Instrument der Opportunitätskosten kannst Du auch nutzen, um Produktionsentscheidungen zu fällen. Dies ist dann der Fall, wenn Du Dich aufgrund begrenzter Kapazitäten entscheiden musst, welchen von zwei Aufträgen Du annimmst. Durch die Berechnung der Opportunitätskosten kannst Du bei Deinem Entscheidungsprozess einbeziehen, welcher Gewinn Dir bei welcher Variante jeweils entginge. 

Fazit zu den Opportunitätskosten

Auch wenn sie auf den ersten Blick schwerer zu greifen scheinen, kann sich das Betrachten der Opportunitätskosten auf alle Fälle lohnen. Als Unternehmer kann es für Dich ein Anhaltspunkt beim Treffen von Entscheidungen sein. Gerade was die Entscheidung für oder gegen eine Investition angeht, ist die Berücksichtigung der Opportunitätskosten ein relevantes Tool.

Zumindest bei der Wahl des richtigen Geschäftskontos musst Du Dir fortan keine Gedanken mehr um potentiell entgangenen Nutzen machen. Wir von Penta haben für Dich nämlich ein digitales Geschäftskonto entwickelt, welches Dir zahlreiche Zusatzfunktionen bietet und Dir als Unternehmer das Leben somit leichter macht. So kannst Du Dich ganz beruhigt auf die unternehmensrelevanten Prozesse konzentrieren.

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