Privatinsolvenz: Alles über die Verbraucherinsolvenz

Yasmin
Yasmin Juni 2022 Content Editor 10 Min

Inhaltsverzeichnis

Die Privatinsolvenz greift bei Privatpersonen, die ihre Schulden nicht zurückzahlen können. Im Rahmen eines geregelten Schuldenabbaus werden sie nach drei Jahren von der Restschuld befreit. Unter bestimmten Voraussetzungen kannst Du auch als Unternehmer Privatinsolvenz anmelden. 

Privatinsolvenz im Überblick

  • Die Privatinsolvenz hat das Ziel, Privatpersonen von ihren Schulden zu befreien.
  • Unter bestimmten Umständen können auch Unternehmer Privatinsolvenz beantragen.
  • Schuldner müssen zunächst versuchen, sich außergerichtlich mit ihren Gläubigern zu einigen.
  • Kommt es zum Insolvenzverfahren, läuft dies in vier festgelegten Schritten ab.

Was ist die Privatinsolvenz bzw. Verbraucherinsolvenz?

Die Privatinsolvenz ist ein vereinfachtes Insolvenzverfahren, das bei natürlichen Personen greift, die keine selbstständige Tätigkeit ausüben. Dazu zählen Arbeitnehmer, Arbeitslose oder auch Rentner, die ihre Rechnungen, Miete oder Kreditraten nicht mehr zahlen können.

Unabhängig von der Höhe ihrer Schulden ist die Privatinsolvenz, auch Verbraucherinsolvenz genannt, die Basis für einen schuldenfreien Neuanfang für Privatpersonen. Rechtsgrundlage bilden die §§ 304 – 311 der Insolvenzordnung (InsO). Wird das Insolvenzverfahren vom Insolvenzgericht eröffnet, wird dem Schuldner ein Treuhänder zur Seite gestellt.

Unter der Voraussetzung, dass es weniger als zwanzig Schuldner gibt und keine Forderungen aus Arbeitsverhältnissen bestehen, können selbstständige Unternehmer unter Umständen ebenfalls das Privatinsolvenzverfahren nutzen, statt Antrag auf Regelinsolvenz zu stellen.

Neuregelung des Insolvenzrechts

Ab dem 1. Oktober 2020 dauert das Restschuldbefreiungsverfahren für Privatpersonen, die einen Antrag auf Privatinsolvenz stellen, nur noch drei Jahre statt wie bisher sechs Jahre. Vorerst gilt die Verkürzung für Privatverbraucher bis zum 30. Juni 2025. Wer erneut Privatinsolvenz beantragt, muss nach der Neuregelung eine elfjährige Sperrfrist beachten. Die Dauer der zweiten Privatinsolvenz beträgt in diesem Fall fünf statt drei Jahre.

Neben der Befreiung von der Restschuld sorgt der Antrag auf Privatinsolvenz für den Schutz des Schuldners vor Pfändungen. Sobald das Verfahren eröffnet wurde, tritt der sogenannte Pfändungsschutz ein. Das heißt, gegen den Schuldner darf nicht länger vollstreckt werden. Mahnungen oder anderen Schreiben seiner Gläubiger muss der Schuldner dann keine Beachtung mehr schenken.

Zudem muss er auch Aufforderungen, eine eidesstattliche Versicherung seiner Zahlungsunfähigkeit abzugeben, nicht länger nachkommen. Dieses Vorgehen bedeutet eine enorme Erleichterung für den Schuldner.

Zusätzlich wird ihm ein Treuhänder zur Seite gestellt, der Arbeitgeber, Vermieter, Banken oder Register darüber informiert, dass sich ein Schuldner in einer Privatinsolvenz befindet und kümmert sich um die Rückzahlung der Schulden an die Gläubiger.

Wo liegen die Unterschiede zur Regelinsolvenz?

Kann ein Unternehmen seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen, sind seine gesetzlichen Vertreter innerhalb einer Frist von drei Wochen gesetzlich dazu verpflichtet, Insolvenz anzumelden. Bei Unternehmen spricht man von der Regelinsolvenz. 

Juristische Personen durchlaufen drei Schritte auf dem Weg zur Restschuldbefreiung: Einleitung, Durchführung und Aufhebung des Insolvenzverfahrens. Bei den natürlichen Personen schließt sich wie bei der Privatinsolvenz noch die Wohlverhaltensperiode an.

Sowohl die Regelinsolvenz als auch die Privatinsolvenz haben das Ziel, Unternehmen und Privatpersonen von ihren Schulden zu befreien und ihnen einen Neuanfang zu ermöglichen. Dennoch gibt es entscheidende Unterschiede. 

PrivatinsolvenzRegelinsolvenz
Wer?Privatpersonen, wenn sie außer Stande sind, ihre Schulden zu bezahlenUnternehmen nach einer Frist von 3 Wochen, wenn sie zahlungsunfähig sind
Wann?Nach gescheiterter außergerichtlicher EinigungNach mindestens 19 Gläubigern und weiteren offene Forderungen
Unterstützung?Treuhänder Unabhängiger Insolvenzverwalter
Wohlverhaltensphase?Ja Nur bei natürlichen Personen
Wie lange?Vorläufig bis zum 30. Juni 2025 von 6 auf 3 Jahre verkürztVerkürzung gilt für Regelinsolvenz unbeschränkt

Was sind Vorteile der Privatinsolvenz?

Der wohl größte Vorteil der Privatinsolvenz ist, dass Du nach drei Jahren wieder schuldenfrei bist. Zudem sind Lohn- und Kontopfändungen durch Gläubiger oder Gerichtsvollzieher nach Eröffnung eines Insolvenzverfahrens nicht mehr möglich, der Pfändungsschutz sichert Dir zumindest ein Existenzminimum und Dein Mieter darf Dir Deine Wohnung nicht kündigen.

Ein weiterer Vorteil ist, dass Dir ein Treuhänder zur Seite steht und die Kommunikation mit den Gläubigern übernimmt. Hältst Du Dich an alle Vereinbarungen und Verpflichtungen bist Du im besten Fall nach drei Jahren schuldenfrei und kannst einen Neuanfang wagen.

Was sind die Nachteile der Privatinsolvenz?

Allerdings musst Du damit leben, dass Deine Insolvenz öffentlich gemacht wird. Neben der Bekanntmachung der Privatinsolvenz durch das Gericht informiert der Treuhänder Deinen Arbeitgeber, Deinen Mieter, Deine Bank.

Zudem erhältst Du einen negativen Schufa-Eintrag. Zwar sichert Dir die Pfändungstabelle ein Existenzminimum, Du musst Dich aber mindestens drei, im schlimmsten Fall sechs Jahre sehr einschränken.

Trotz Privatinsolvenz einen Kredit zu bekommen, ist schwierig, aber nicht unmöglich. Allerdings musst Du aufpassen, nicht gegen Deine Mitwirkungspflicht zu verstoßen. Idealerweise behältst Du in dieser Zeit Deine Ausgaben und Einnahmen immer im Blick. Dabei hilft Dir ein Online-Geschäftskonto mit integrierter Buchhaltungssoftware.

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Wie ist der Ablauf der Privatinsolvenz?

Die Privatinsolvenz folgt in Deutschland einem festgelegten Plan, in dem der Schuldner folgende Schritte durchläuft:

  1. Außergerichtlicher Einigungsversuch
  2. Anmeldung der Privatinsolvenz 
  3. Gerichtliches Schuldenbereinigungsverfahren
  4. Insolvenzverfahren mit anschließender Wohlverhaltensperiode
  5. Restschuldbefreiung

1. Außergerichtliches Schulden­bereinigungs­verfahren

Bevor ein Schuldner Privatinsolvenz anmelden darf, ist er dazu verpflichtet zu versuchen, sich außergerichtlich mit seinen Gläubigern zu einigen. Da das Prinzip der Restschuldbefreiung auf der Annahme beruht, dass ein Schuldner nicht in der Lage ist, allen geschuldeten Forderungen nachzukommen, sind Gläubiger in der Regel nicht abgeneigt, eine Einigung ohne Eröffnung eines Insolvenzverfahrens zu erzielen. 

Für den außergerichtlichen Einigungsversuch benötigt der Schuldner einen Schuldenbereinigungsplan. Dieser Plan gibt seinen Gläubigern detailliert Auskunft darüber, wie und in welchem Umfang die Schulden zurückgezahlt werden sollen. Diesem Schuldenplan müssen alle Gläubiger zustimmen. Ist nur einer der Gläubiger nicht einverstanden, gilt der Einigungsversuch als gescheitert. Daher ist es ratsam, sich Unterstützung bei einer anerkannten Schuldnerberatungsstelle beim Erstellen des Plans zu holen.

Alternativ kann ein Anwalt, Notar, Wirtschaftsprüfer oder Steuerberater den Schuldenbereinigungsplan erstellen.

2. Gerichtliches Schulden­bereinigungs­verfahren

Scheitert der außergerichtliche Einigungsversuch, darf die Privatinsolvenz beantragt werden. Für den Antrag muss der Schuldenbereinigungsplan sowie ein Nachweis über den gescheiterten Einigungsversuch ausgestellt von einem Anwalt oder einer anerkannten Schuldnerberatungsstelle vorgelegt werden. 

Bevor es zur Eröffnung des eigentlichen Insolvenzverfahrens kommt, prüft das Gericht im Rahmen des gerichtlichen Schulden­bereinigungs­verfahren, ob es doch noch möglich ist, sich außergerichtlich mit den Gläubigern zu einigen.

Ergibt das sogenannte vorläufige Insolvenzverfahren, dass ein erneuter Einigungsversuch vermutlich auch scheitern wird, oder stimmen die Gläubiger nicht zu, kommt es zum Insolvenzverfahren. 

3. Gerichtliches Insolvenzverfahren 

Um Privatinsolvenz beim zuständigen Insolvenzgericht zu beantragen, sind folgende Unterlagen notwendig:

  • eine Bescheinigung über das Scheitern der außergerichtlichen Einigung
  • ein Antrag auf Erteilung der Restschuldbefreiung
  • die Vermögensaufstellung des Schuldners
  • ein Verzeichnis sämtlicher Gläubiger sowie deren Forderungen
  • der Schuldenbereinigungsplan

In dieser Phase prüft das Gericht, ob die Insolvenzmasse ausreicht, um die Verfahrenskosten der Privatinsolvenz zu decken. Reicht sie nicht aus, muss der Schuldner noch die Stundung der Verfahrenskosten beantragen. Damit erhält er einen Zahlungsaufschub der Verfahrenskosten und muss diese erst nach der Restschuldbefreiung begleichen. 

Die Formulare zur Anmeldung der Privatinsolvenz erhältst Du von der Schuldnerberatung oder Deinem Anwalt sowie online beim Insolvenzgericht. Allerdings kannst Du die Privatinsolvenz nicht online beantragen.

Hast Du den Antrag gestellt, erfolgt die Bekanntmachung der Privatinsolvenz durch das Insolvenzgericht. Das Register über Insolvenzbekanntmachungen ist öffentlich einsehbar und sowohl Unternehmen als auch Privatpersonen können über die Suche gefunden werden.

Wird das gerichtliche Insolvenzverfahren eröffnet, wird ein Treuhänder eingesetzt, der die Rückzahlung der Schulden aus der Insolvenzmasse übernimmt. Damit die Gläubiger ihr Geld bekommen, müssen sie ihre Forderungen beim Treuhänder anmelden. Nach der Verteilung erläutert er den Gläubigern im Rahmen des Schlusstermins die Schlussrechnung, der die Gläubiger zustimmen müssen. Werden keine Einwände erhoben und die Schlussverteilung beendet, wird das Insolvenzverfahren vom Insolvenzgericht offiziell aufgehoben. 

4. Wohlverhaltensphase

Im Rahmen der Wohlverhaltensphase muss der Schuldner dazu beitragen, zumindest einen Teil seiner Schulden im vereinbarten Zeitraum von drei, fünf oder sechs Jahren zurückzuzahlen. 

Dauer der Wohlverhaltensperiode

In der Regel dauert die Privatinsolvenz sechs Jahre. Hat der Schuldner bereits mindestens 35 Prozent seiner Schulden sowie die Verfahrenskosten bezahlt, kann sich diese Zeit auf drei Jahre verkürzen. Zahlt der Schuldner wenigstens die Verfahrenskosten, kann die Wohlverhaltensperiode auf fünf Jahre verkürzt werden.

Dazu überwacht der Treuhänder das pfändbare Vermögen des Schuldners und begleicht damit die Verfahrenskosten. Die Forderungen der Gläubiger zahlt er einmal im Jahr aus. 

Der Schuldner muss während der Wohlverhaltensphase der Privatinsolvenz einer Erwerbstätigkeit nachkommen oder zumindest ernsthaft versuchen, Arbeit zu finden. Liegt ein Einkommen vor, muss er den pfändbaren Teil an den Treuhänder zahlen.

Die Höhe des pfändbaren Einkommens hängt von der Höhe des Nettogehalts ab. Den sogenannten Selbstbehalt bei einer Privatinsolvenz, also wie viel von Deinem Einkommen gepfändet werden darf, kannst Du der Pfändungstabelle entnehmen. Der aktuelle Freibetrag liegt bei monatlich 1259,99 €, sofern ein Schuldner nicht unterhaltspflichtig ist. 

Der Schuldner hat Mitwirkungs- und Auskunftspflichten und muss jede Änderung seiner Vermögensverhältnisse durch eine Gehaltserhöhung, Nebeneinkünfte, Jobwechsel oder Kündigung melden. Bei einer Erbschaft bspw. ist der Schuldner verpflichtet, dem Treuhänder die Hälfte seines Erbes zu übergeben. Verletzt er seine Pflichten, riskiert er, dass das Insolvenzgericht ihm die Restschuldbefreiung verweigert.

Erklärt Dich das Insolvenzgericht nach Ablauf der Wohlverhaltensphase als schuldenfrei, kann es die Restschuldbefreiung auch nach Abschluss des Insolvenzverfahrens rückwirkend widerrufen, sofern es Dir eine Pflichtverletzung nachweisen kann, die erheblichen Einfluss auf die Erfüllung der Forderungen Deiner Gläubiger hatte.

Insolvenzplanverfahren

Ändern sich während der Wohlverhaltensphase die Vermögensverhältnisse des Schuldners, kann er erneut versuchen, sich außergerichtlich zu einigen. Stimmen die Gläubiger zu, kann das Insolvenzverfahren vorzeitig beendet werden.

5. Rest­schuld­befreiung

Drei Jahre nach Eröffnung des gerichtlichen Insolvenzverfahrens entscheidet das Gericht über die Restschuldbefreiung. Ausgenommen von dieser Befreiung sind

  • Unterhaltszahlungen
  • Geldstrafen
  • Bußgelder
  • Ordnungs- und Zwangsgelder
  • Steuerschulden
  • Verbindlichkeiten aus zinslosen Darlehen, Steuerstraftaten oder vorsätzlichen unerlaubten Handlungen

Im Rahmen der Restschuldbefreiung werden die Schulden gelöscht, ohne vollständig beglichen zu werden. Entsprechend hat die Privatinsolvenz auch nach der Restschuldbefreiung Einfluss auf die Kreditwürdigkeit. Zudem speichert die SCHUFA die Einträge zur Restschuldbefreiung für weitere drei Jahre nach Aufhebung des Insolvenzverfahrens. 

Was kostet eine Verbraucherinsolvenz?

Ziel der Privatinsolvenz ist, überschuldete Personen von der finanziellen Last zu befreien. Um dieses Ziel zu erreichen, fallen aber zunächst Kosten für Beratung, Betreuung sowie Verfahrenskosten an. Wie hoch die Kosten tatsächlich ausfallen, hängt vom Einzelfall ab.

Wer sich für die Beratung und den Versuch der außergerichtlichen Einigung an eine staatliche oder gemeinnützige Schuldnerberatungsstelle wendet, erhält hier meist kostenlose Hilfe. Wird die Aufgabe einem Anwalt übertragen, fallen Anwaltskosten an. Zudem muss der Treuhänder bezahlt werden. Ebenso wie die Gerichtskosten, die sich nach der Höhe der Insolvenzmasse richten. 

Diese Kosten werden nicht von der Restschuldbefreiung erfasst und müssen vom Schuldner gezahlt werden. Wer nicht in der Lage ist, diese Kosten zutragen, kann einen Zahlungsaufschub, die Stundung der Verfahrenskosten, beim zuständigen Insolvenzgericht beantragen. Wird dem Antrag stattgegeben, zahlt der Schuldner erst nach Erteilung der Restschuldbefreiung.

Für die Rückzahlung legt das Insolvenzgericht einen Ratenzahlungsplan fest. Die Kosten werden über einen maximalen Zeitraum von 48 Monaten zurückgezahlt. Ändern sich während der Privatinsolvenz die Einkommensverhältnisse des Schuldners, ist er verpflichtet, dies dem Gericht mitzuteilen. Die Höhe der Raten wird dann entsprechend angepasst. 

Fazit: Schuldenfrei in drei Jahren dank Privatinsolvenz

Ob privat oder beruflich: Scheitern gehört zum Leben. Dank der Möglichkeit, Privatinsolvenz anzumelden, belasten Schulden Dich aber nicht ein Leben lang. Die Restschuldbefreiung verhilft Dir zu einem schuldenfreien Neuanfang. Bis dahin musst Du Dich natürlich einschränken und zahlreiche Auflagen beachten. Und selbst nach der Restschuldbefreiung wirst Du vermutlich noch einige Zeit mit einer schlechten Kreditwürdigkeit rechnen müssen. Dennoch kannst Du Deine Schulden hinter Dir lassen und nach drei Jahren neu durchstarten!

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