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Selbstständigkeit und Kinderbetreuung miteinander vereinbaren

Yasmin
Yasmin August 2020 17 Min

Inhaltsverzeichnis

Bei einem Job im Angestelltenverhältnis haben Eltern bei der Gründung einer Familie das Recht auf Elternzeit und damit die Möglichkeit, in den ersten Monaten nach der Geburt voll und ganz für ihren Nachwuchs da zu sein. Mit dem Elterngeld erhalten sie zusätzlich auch ein Stück finanzielle Sicherheit. Eltern, die selbstständig tätig sind, steht natürlich auch Elterngeld zu. Ein Anspruch auf Elternzeit jedoch nicht. Ihre Einnahmen sind meist ausschließlich von ihrem beruflichen Engagement abhängig. Zeit, die der Kinderbetreuung gewidmet wird, führt zu finanziellen Verlusten – sowohl bei ihrem Einkommen als auch später bei der Berechnung ihres Rentenanspruchs.

Gleichzeitig birgt Zeit, die der Kinderbetreuung gewidmet wird, das Risiko, Kunden zu vernachlässigen und sie an die Konkurrenz zu verlieren. Nur wenige können es sich daher leisten, eine Auszeit zu nehmen. Dieser Nachteil kann aber zugleich ein Vorteil sein. Während es für Angestellte nach der Elternzeit meist nicht einfach ist, wieder in den Job zu finden, waren Selbstständige meist gar nicht erst „raus“. Darüber hinaus können Selbstständige, Freelancer und Freiberufler sich ihre Zeit flexibler einteilen. Dennoch bleibt es eine große Herausforderung, Selbstständigkeit und Kinderbetreuung unter einen Hut zu bringen – aber es ist nicht unmöglich!

Selbstständigkeit und Kinderbetreuung: Strategische Planung und Selbstmanagement

Um den Spagat zwischen Selbstständigkeit und Kinderbetreuung zu meistern, brauchst Du einen guten Plan und viel Disziplin. Überlege Dir im Vorfeld ganz genau, welche Aufgaben Du im Job beispielsweise an Deine Angestellten oder Deine Partner abgeben kannst. Das verschafft Dir Luft, Dich um die wirklich wichtigen Aufgaben und Projekte zu kümmern und Zeit, um Deine Stammkunden nicht zu vernachlässigen. Viele Aufgaben kannst Du möglicherweise auch an einen externen Dienstleister outsourcen. Voraussetzung ist natürlich, dass Du Dir diese Art der Entlastung finanziell auch leisten kannst – der Dienstleister will schließlich auch noch bezahlt werden.

Du wirst wohl nicht darum herum kommen, Deine Arbeitszeit zu reduzieren. Viele Selbstständige erledigen einen Teil ihrer Arbeit, wenn die Kinder schlafen. Im schlimmsten Fall musst Du Nachtschichten einlegen, um Deine Arbeit zu schaffen. Um zu verhindern, dass die Qualität Deiner Arbeit, aber auch die Betreuung der Kinder auf Dauer leiden, überlege Dir gut, was in der zur Verfügung stehenden Zeit tatsächlich machbar ist. Neue Projekte musst Du gegebenenfalls zugunsten von Kunden, die einen großen Anteil Deiner Einnahmen sichern, erst einmal ablehnen. Deine Priorität sollte darin liegen, sicherzustellen, dass die Zusammenarbeit mit Deinen wertvollsten Kunden, weiterhin reibungslos läuft. Im Idealfall zeigt Dein Kunde Bereitschaft, sich auf die neue Situation einzustellen. Diese Bereitschaft kannst Du steigern, in dem Du Termine und Fristen so gestaltest, dass es zu keinen Absagen, geplatzten Treffen oder gerissenen Deadlines kommt. Gib ihm keinen Grund zur Beschwerde, dann wird er Dir sicher gerne entgegenkommen.

Vertretungslösungen

Wer eine Vertretung einstellt, um seine Selbstständigkeit während der Kinderbetreuung am Laufen zu halten, muss bedenken, dass Einkünfte, die mit dieser Vertretung erwirtschaftet werden, auf das Elterngeld angerechnet werden. Kannst Du nicht alle Kunden selbst betreuen, dann beginne zu priorisieren. Um die wertvollsten Kunden kümmerst Du Dich weiterhin persönlich. Anderen zeigst Du Deine Wertschätzung und Dein Interesse an einer weiteren Zusammenarbeit, in dem Du ihnen für den Übergang einen zuverlässigen Kontakt aus Deinem Netzwerk empfiehlst. Klar, musst Du damit rechnen, den Kunden zu verlieren. Allerdings kannst Du Dir zugutehalten, ihn in gute Hände übergeben zu haben und dass er Dich nicht aus Unzufriedenheit verlassen hat.

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Selbstständigkeit und Kinderbetreuung: Vorteile und Nachteile

Der wohl größte Vorteil der Selbstständigkeit liegt in der freien Zeiteinteilung. Als Dein eigener Chef bestimmst Du, wann und wo Du welche Arbeiten erledigst. Klar, gibt es Fristen und vereinbarte Deadlines, die Du einhalten musst. Du bist aber an keine festen Bürozeiten gebunden. Du kannst, wenn es sein muss auch einmal eine Nachtschicht einlegen oder das Wochenende nutzen, um aufzuarbeiten, was liegen geblieben ist. Dieser Vorteil macht sich für werdende Mütter sowohl in der Schwangerschaft als auch nach der Geburt bezahlt. Du teilst Dir Deine Zeit flexibel ein, kannst Arzttermine und Vorbereitungen für das Baby mit Deinen beruflichen Terminen abgleichen, sodass nichts zu kurz kommt. Das Gleiche gilt natürlich auch für selbstständige werdende Väter, die optimal bei den vielen Aufgaben unterstützen können.

Ist das Kind auf der Welt, arbeitest Du im Homeoffice und passt Deine Arbeitszeit an den Rhythmus Deines Babys an. Oder Du nimmst es mit in Dein Büro. So oder so, wird die Zeit mit Sicherheit eine große Herausforderung – als Selbstständiger bist Du es jedoch gewohnt, Dich um alles selbst zu kümmern, Dir Deine Zeit effektiv einzuteilen und auch unter Druck zu funktionieren. 

Wird ein Kind krank, müssen sich Eltern, die ihr Kind in die Kita oder eine andere Art der Kindertagespflege geben, selbst kümmern. Kranke Kinder müssen zuhause bleiben. Eltern, die ihr Geld mit nicht selbstständiger Arbeit verdienen, stehen bei mehr als zwei Kindern zwar maximal 25 freie Tage im Jahr pro Elternteil bei Krankheit ihres Kindes zu. Bei Alleinerziehenden sind es 20 Tage pro Jahr und pro Kind. Diese Tage sind aber auch schnell verbraucht. Als Selbstständiger hast Du den Vorteil, auch zuhause arbeiten zu können und Dich dabei gleichzeitig um Dein krankes Kind zu kümmern.

Selbstständigkeit und Kinderbetreuung: Was sind die Nachteile?

Arbeiten als Selbstständiger mit Kind hat natürlich auch seine Nachteile. Du kannst zwar im Homeoffice arbeiten, um für Deine Kinder da zu sein und gleichzeitig Deine Arbeit nicht zu vernachlässigen. In der Realität sieht es aber meist so aus, dass eine Tätigkeit im Homeoffice von der Familie, insbesondere von Kindern häufig falsch wahrgenommen wird. Obwohl Du zuhause bist, bist Du in der Zeit nicht verfügbar. Bis sich alle an diese Tatsache gewöhnt haben und Du in Ruhe arbeiten kannst, kann es eine Weile dauern.

Freelancer, Freiberufler und Selbstständige arbeiten in der Regel länger als Angestellte. Klar, wer alles alleine regeln muss, und keine Möglichkeit, hat Aufgaben  abzugeben oder Mitarbeiter einzustellen, kommt mit Nine-to-Five nicht besonders weit. Hier musst Du aufpassen, dass Du neben der Kinderbetreuung nicht ständig arbeitest, nicht zu viele Nachtschichten einlegst und Dir auch mal freie Tage gönnst. Auf Dauer wird die Qualität Deiner Arbeit sonst unter dem hohen Pensum leiden.

Ebenso können Selbstständige gerade in der Gründungsphase von freien Abenden und Wochenenden oder bezahltem Urlaub nur träumen. Als Selbstständiger verdienst Du eben nur Geld, wenn Du auch arbeitest. Gerade mit Kindern entsteht Dir schnell ein Nachteil, wenn freie Zeiten zugunsten des Jobs ausfallen oder jedes Mal hart erkämpft werden müssen.

Alternative Formen der Kinderbetreuung

Seit 2013 haben Eltern einen Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz, um ihren Nachwuchs unterzubringen und so Beruf und Familie zu vereinbaren. Die Realität sieht meist allerdings ganz anders aus. Aufgrund höherer Geburtenzahlen und Zuwanderung steigt die Zahl der Kinder. Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) fehlten 2018  daher 273.000 Kitaplätze in Deutschland – insbesondere in den alten Bundesländern.

Hinzu kommt, dass die Betreuungszeiten in Kitas häufig eingeschränkt sind. Nach Angaben des Ländermonitors öffnen die Kitas bundesweit zwischen 7:00 und 7:30 Uhr und schließen zwischen 16:30 und 18:00 Uhr (Stand März 2018). Im Vergleich mit den alten Bundesländern kommen die Öffnungszeiten der Kitas im Osten Deutschlands den Eltern mehr entgegen: Knapp 80 Prozent öffnen bereits vor 7:00 Uhr, und 90 Prozent schließen zwischen 16:30 Uhr und 18:00 Uhr. In Westdeutschland musst Du Dein Kind häufig sogar noch vor 16:30 Uhr wieder abholen. Wer einen Termin am späten Nachmittag oder abends wahrnehmen muss, braucht hier also eine Alternative, die mehr Flexibilität bietet. Das gleiche gilt im Krankheitsfall: Ist Dein Kind krank, darf es nicht in die Kita und Du musst die Betreuung selbst übernehmen.

Selbstständige haben häufig einen anderen, vor allem flexibleren Bedarf an Betreuungsangeboten. Freunde und Familie springen sicherlich gerne einmal ein, um Deinem Job gerecht zu werden und für Deine Kunden da zu sein, brauchst Du aber eine zuverlässige Form der Kinderbetreuung. Hier gibt es zahlreiche Möglichkeiten, die es Dir ermöglichen Job und Kind unter einen Hut zu kriegen.

Kindertagespflege

Wenn es mit der Unterbringung in einer Kita nicht klappt oder Du keine Kita findest, deren Öffnungszeiten zu Deinem Terminkalender passen, kannst Du Dein Kind alternativ in der Kindertagespflege unterbringen. Laut Tagesbetreuungsausbaugesetz gilt die Kindertagespflege, die von einer Tagesmutter oder einem Tagesvater geleistet wird, als gleichwertige Form der Kindertagesbetreuung in der Kita. Entsprechend besteht auch hier ein rechtlicher Anspruch. Im Gegensatz zur Kita bietet Dir diese Form der Unterbringung deutlich mehr Flexibilität. Gleichzeitig erfährt Dein Kind in einer Gruppe von maximal fünf Kindern eine individuellere Förderung in einem meist familiären Umfeld. Tagespflegepersonen benötigen eine fachliche Qualifikation, eine Pflegeerlaubnis und müssen dem Jugendamt gegenüber geeignete Räumlichkeiten nachweisen. Dein Kind ist also in den besten Händen.

Babysitter

Der Babysitter eignet sich insbesondere für die stundenweise, flexible Betreuung. Idealerweise baust Du Dir ein Netz auf, damit Du mehrer Optionen hast. Eine pädagogische Qualifikation darfst Du hier natürlich nicht erwarten. Bei Babysittern handelt es sich in der Regel um Schülerinnen und Schüler oder Studentinnen und Studenten, die sich etwas dazu verdienen möchten.

Nanny oder Haushälter

Mit einer Nanny oder einem Haushälter oder Haushälterin schlägst Du zwei Fliegen mit einer Klappe: Dein Kind wird individuell in vertrautem Umfeld bei Dir zuhause betreut. Dadurch sparst Du wertvolle Zeit und Deine Kinder werden sich über die extra Stunde Schlaf sicher auch freuen. Gleichzeitig übernimmt die Nanny weitere, leichte Aufgaben im Haushalt, um Dich zu entlasten. Das können beispielsweise Einkäufe, Aufräumen der Kinderzimmer oder Fahrdienste für die Kinder sein. Ein weiterer Vorteil ist, dass sie Deine Kinder im Gegensatz zur Kita und der Kindertagespflege auch im Krankheitsfall betreut. Diesen Service lässt sie sich natürlich entsprechend vergüten. Bei einer 40-Stunden-Woche verdient sie im Durchschnitt zwischen 1.500 und 2.500 Euro netto im Monat. Das Gehalt variiert je nach Qualifikation, Erfahrung und Anzahl der zu betreuenden Kinder.

Au Pair

Ebenfalls individuell, fachlich aber häufig wenig qualifiziert und zeitlich begrenzt, dafür ein wenig preiswerter ist ein Au Pair, das Dich und Deine Familie im Alltag unterstützt. Zu den Aufgaben zählt überwiegend die Betreuung der Kinder sowie ebenfalls leichte Haushaltsaufgaben. In Deutschland ist der Umfang der Unterstützung auf maximal 30 Stunden pro Woche und sechs Stunden am Tag begrenzt. Darüber hinaus musst Du bei einem Au Pair 1,5 zusammenhängende freie Tag pro Woche und vier Wochen Urlaub im Jahr einplanen.

Kinderbetreuung von der Steuer absetzen

Die Kosten für die Betreuung von Kindern bis 14 Jahre kannst Du bis maximal 4.000 Euro als Betreuungskosten von der Steuer absetzen. Das gilt sowohl für Kita-Gebühren als auch für die Versorgung in der Kindertagespflege, durch Nannies, Au Pairs oder Babysitter.

Coworking Spaces

Angestellte in einem Bürojob können in immer mehr Unternehmen auf Eltern-Kind-Büros zurückgreifen. Das kannst Du als Selbstständiger leider nicht. Alternativ kannst Du Dir aber einen Coworking Space suchen, der eine Kinderbetreuung mit anbietet. Hier gibt es deutschlandweit die unterschiedlichsten, pädagogische Ansätze. Die einen bieten einen Babysitter, der Dich stundenweise entlastet. Andere bieten die Ganztagesbetreuung durch eine Tagesmutter oder einen Tagesvater oder auch staatlich geprüfte Erzieher an. Hier sparst Du Dir auf dem Weg ins Büro einen Umweg, um Deinen Nachwuchs bei der Kinderbetreuung abzugeben. Außerdem ist er immer in Deiner Nähe: So kannst Du beispielsweise Deine Mittagspause gemeinsam mit Deinem Kind verbringen. Gleichzeitig hast Du die Ruhe zum arbeiten und kannst Dir ein Netzwerk mit anderen Eltern aufbauen.

Hieraus ergeben sich nicht selten weitere Möglichkeiten der Kinderbetreuung. Es entstehen immer häufiger Elterninitiativen, in denen sich selbstständige Väter und Mütter gegenseitig unterstützen und zum Beispiel reihum die Betreuung der Kinder übernehmen.

Businessmodell „eigene Kita“ oder Tagesmutter/Tagesvater

Als Elternteil weißt Du genau, wie wichtig die zuverlässige Betreuung von Kindern ist. Du weißt aber auch, dass das für Selbstständige nicht immer ganz einfach ist. Wenn Du eigene Kinder hast und überlegst, Dich selbstständig zu machen statt nach der Elternzeit in Dein Angestelltenverhältnis zurückzukehren, bietet sich hier die perfekte Gelegenheit. Der Bedarf ist definitiv da. Zudem Du bist als Elternteil ja quasi bereits qualifiziert. Ein bisschen mehr gehört natürlich schon dazu. Die Finanzierung muss stehen, Du benötigst eine Betriebserlaubnis, musst Kontakt zur Sozialbehörde herstellen, die passenden Räume finden, fertigstellen und einrichten oder neu bauen, Deine pädagogischen Kenntnisse nachweisen und Deine Kita entsprechend vermarkten.

Sich als Tagesmutter oder Tagesvater selbstständig zu machen ist vergleichsweise weniger komplex. Nichtsdestotrotz gibt es hier aber ebenfalls einiges zu beachten. Nach dem Tagesbetreuungsausbaugesetz müssen alle Personen, die als Tagesmutter tätig sein möchten, eine entsprechende pädagogische Qualifizierung nachweisen, die sowohl einen Nachweis erzieherischer Kenntnisse und Fähigkeiten wie auch einen Erste-Hilfe-Kurs am Kind umfasst. Zusätzlich benötigst Du eine Pflegeerlaubnis vom Jugendamt. Zu dem für einen Antrag notwendigen Dokumente zählen ein polizeiliches Führungszeugnis, ein Gesundheitsnachweis vom Arzt, eine Unfall- und Haftpflichtversicherung sowie einen Nachweis über einen Erste-Hilfe-Kurs.

Selbstständigkeit und Kinderbetreuung: Gut versorgt mit der richtigen Krankenversicherung

Werdende Mütter sind in Deutschland über das Mutterschutzgesetz abgesichert. Dieses sieht vor, dass Frauen, die in den letzten sechs Wochen vor der Entbindung nur mit Einwilligung und bis zum Ablauf von acht Wochen nach der Entbindung gar nicht beschäftigt werden dürfen. Arbeitnehmerinnen genießen während der Schwangerschaft einen gesetzlichen Kündigungsschutz und profitieren von einem finanziellen Ausgleich von ihrem Arbeitgeber. Mütter, die selbstständig tätig sind, erhalten keinen entsprechenden Ausgleich und müssen genau abwägen, ob und wie lange sie es sich leisten können, nicht zu arbeiten.

Mit Ausnahme von Frauen, die als Selbstständige freiwillig gesetzlich krankenversichert sind und Anspruch auf Krankengeld haben, haben Mütter, die ihr Geld mit selbstständiger Arbeit verdienen im Vergleich zu Frauen im Angestelltenverhältnis, in der Regel keinen Anspruch auf Mutterschaftsgeld. Hier lohnt es sich gegebenenfalls, höhere Beiträge in Deine Krankenversicherung zu investieren, um auch während der Kinderbetreuungszeiten optimal abgesichert zu sein. Im Gegensatz dazu steht das Elterngeld allen Eltern zu – unabhängig davon, ob sie ihr Geld mit selbstständiger oder nicht selbstständiger Arbeit verdienen.

Anspruch auf Elterngeld als Selbstständiger

Um den Verdienstausfall eines Elternteils auszugleichen, der nach der Geburt eines Kindes seine Erwerbstätigkeit unterbricht oder nur eingeschränkt einer Beschäftigung nachgeht, ist das Elterngeld eine wichtige Einkommensersatzleistung. Dauer, Höhe und Anspruch sind im Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (BEEG) geregelt, das unter anderem Bestimmungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf enthält. Elterngeld gibt es in den drei Varianten Basiselterngeld, ElterngeldPlus und dem Partnerschaftsbonus.

Die wesentlichen Voraussetzungen für einen Anspruch auf Elterngeld sind, dass Eltern mit ihrem Kind in einem Haushalt leben, es selbst betreuen und erziehen, ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland haben und nicht mehr als 30 Stunden pro Woche arbeiten.

Um als Selbstständiger Elterngeld zu beantragen, benötigst Du neben dem Antrag auf Elterngeld, Deinem Personalausweis sowie der Geburtsbescheinigung Deines Babys und Unterlagen, die Dein Einkommen im letzten Wirtschaftsjahr nachweisen. Dein Einkommen weist Du mit Deinem letzten Steuerbescheid sowie einer Erklärung über Deine bisherigen Arbeitszeiten und Deinen geplanten Arbeitszeiten, während des Elterngeldbezugs, nach. Liegt Dir noch kein Steuerbescheid vor, weil Du Dein Unternehmen gerade erst gegründet hast, kannst Du auch eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR), einen Steuervorauszahlungsbescheid oder eine Bilanz einreichen.

Die Höhe des Elterngeldes hängt von Deinem Einkommen vor der Geburt Deines Kindes ab. Als Bemessungsgrundlage dienen Deine Gewinneinkünfte abzüglich der Steuern und Sozialabgaben im letzten Wirtschaftsjahr. Elterngeld ist weder steuer- noch sozialabgabenpflichtig, unterliegt aber dem Progressionsvorbehalt. Bei Deiner Steuererklärung wird es zu Deinem zu versteuernden Einkommen hinzugerechnet und Dein Steuersatz auf Basis der erhöhten Einkommensteuer ermittelt.

Als einzige Einkommensquelle reicht das Elterngeld allein meist nicht aus. Da der Gewinn aus Deiner selbstständigen Tätigkeit mit dem Elterngeld verrechnet wird, kannst Du allerdings nur maximal 30 Stunden pro Woche arbeiten, ohne Abzüge in Kauf nehmen zu müssen.

Gestaltungsspielraum dank Zuflussprinzip

Wer als Selbstständiger nicht der Bilanzierungspflicht unterliegt, kann mit dem sogenannten Zuflussprinzip von einem gewissen Gestaltungsspielraum profitieren. Sie können die Rechnungsstellung und die damit verbundenen Zahlungseingänge mit legalen Mitteln stark beeinflussen. Die Elterngeldstelle rechnet den Gewinn, nicht Deinen Umsatz an. Halten sich Einnahmen und Ausgaben die Waage, liegt Dein Gewinn im besten Fall bei 0 Euro und mindert somit nicht die Höhe des Anspruchs auf Elterngeld.

Dein Rentenanspruch durch Kindererziehungs- und betreuungszeiten

Als Selbstständiger, Freiberufler oder Freelancer bist Du selbst für die Sicherung Deiner Altersrente verantwortlich. Für Dich besteht im Gegensatz zu angestellten Arbeitnehmern aber keine Pflicht, Dich in der gesetzlichen Rentenkasse anzumelden. Du hast die Wahl, Dich privat zu versichern oder freiwillig in die gesetzliche Rentenkasse einzuzahlen. Zur Absicherung der Altersrente sammelst Du nicht nur mit Deiner Arbeit Punkte für Dein Rentenkonto. Kindererziehungs- und Betreuungszeiten werden ebenfalls angerechnet. Der Gesetzgeber spricht hier von unbezahlter Arbeit mit einem hohen sozialen Wert. Eltern, die ihren Nachwuchs aufziehen und in dieser Zeit keiner bezahlten Arbeit nachgehen, erwerben Rentenansprüche, ohne eigene Beiträge zu zahlen. Diese Zeiten werden nur dem Elternteil zugeschrieben, der tatsächlich zuhause bleibt. Mittlerweile teilen sich immer mehr Eltern die Kinderbetreuung. Dennoch hat die Mutter in der Regel Anspruch auf die Erziehungszeit. Soll sie dem Vater angerechnet werden, müssen die Eltern dies gemeinsam der Rentenversicherung erklären.

Rentenpunkte pro Kind

Für Kinder, die ab 1992 zur Welt gekommen sind, werden Vater oder Mutter bei der Deutschen Rentenversicherung drei Jahre als Pflichtbeitragszeiten angerechnet. Bei Kindern, die vor 1992 geboren wurden, sind es zwei Jahre. Bei Zwillingen werden die Zeiten addiert.

Maximal kann ein Elternteil drei Rentenpunkte pro Kind sammeln. Ein Verdienstpunkt entspricht den Beiträgen in Höhe eines jeweiligen Durchschnittsverdienstes eines Jahres. Mutter oder Vater erhalten so für die Erziehung eines Kindes so viel Rente, als hätten sie drei Jahre lang einen durchschnittlichen Verdienst erzielt. Gezahlt werden die Beiträge vom Bund.

Beitragsbemessungsgrenze: Vorsicht bei zu hohem Einkommen

Nach deutschem Rentenrecht darfst Du jährlich nur eine bestimmte Zahl an Entgeltpunktezahl erreichen. Ist diese Bemessungsgrenze erreicht, das heißt Du erreichst diese Grenze mit Deinem eigenen durchschnittlichen Einkommen, werden Dir keine weiteren Rentenpunkte gutgeschrieben, obwohl Du ein Kind erziehst. Ist das der Fall, lohnt sich bei Paaren, bei denen einer selbstständig tätig ist, die Überlegung die Punkte auf den Partner zu übertragen.

Selbstständigkeit und Kinderbetreuung: Ein guter Zeitpunkt zum Gründen?

Warum eigentlich nicht? Wer schon lange davon geträumt hat, sich selbstständig zu machen, dem bietet die Geburt eines Kindes vielleicht die perfekte Möglichkeit, den Sprung zu wagen. Dein Nachwuchs wird Dein gesamtes Leben auf den Kopf stellen und nahezu alles verändern. Was nützt es da, weiter an alten beruflichen Mustern festzuhalten?

Klar, Du verzichtest auf finanzielle Sicherheit, feste Arbeitszeiten, bezahlten Urlaub und die soziale Absicherung. Auf der anderen Seite gewinnst Du mehr Freiheiten, Flexibilität und die Möglichkeit, neue Chancen zu nutzen. 

Die Vorteile der Selbstständigkeit und Kinderbetreuung im Überblick

  • Zeitliche Flexibilität und ortsunabhängiges arbeiten.
  • Die Kosten für die zahlreichen, unterschiedlichen Möglichkeiten zur Kinderbetreuung kannst Du von der Steuer absetzen.
  • Bei Krankheit kannst Du Dein krankes Kind selbst betreuen.
  • Dir steht Elterngeld und mit der entsprechenden Krankenversicherung auch Mutterschaftsgeld zu.
  • Du kannst erst einmal nebenberuflich gründen – Du darfst bis zu 30 Stunden pro Woche arbeiten, ohne den Anspruch auf Elterngeld zu verlieren.

Ein Unternehmen zu gründen bringt viel Arbeit mit sich. Planung und Umsetzung kosten viel Zeit. Zeit, die Du vielleicht lieber Deinem Nachwuchs widmen würdest. Es muss ja aber auch nicht gleich eine Aktiengesellschaft sein. Statt voll durchzustarten, kannst Du alternativ auch erst einmal nebenberuflich gründen. Teste langsam aus, ob Deine Idee überhaupt einen Markt hat und entscheide später, ob Du noch weitere Kapazitäten hast, um Selbstständigkeit und Kinderbetreuung miteinander zu vereinbaren.

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