Corporate Giving: Steuerliche Besonderheiten bei Unternehmensspenden

Yasmin
Yasmin Februar 2021 6 Min

Inhaltsverzeichnis

Unternehmen sind sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst. Neben nachhaltigem und ressourcenschonenden Handeln sind Unternehmensspenden (engl. Corporate Giving) ein beliebtes Mittel von Unternehmen, gemeinnützige Organisationen zu unterstützen. Von der Entscheidung zu spenden, profitieren aber nicht nur sozial benachteiligte oder in Not geratenen Menschen, sondern auch die Unternehmen selbst. Sie fördern die Gesellschaft und erlangen so eine positive Wahrnehmung bei in der Region, bei ihren Kunden und Mitarbeitenden. Darüber hinaus bieten Unternehmensspenden in Deutschland steuerliche Anreize. Welche steuerlichen Vergünstigungen Du bei Unternehmensspenden in Anspruch nehmen und steuerlich geltend machen kannst, hängt von der Rechtsform Deines Unternehmens sowie der Art der Spende ab. 

Unternehmensspenden: Geben, ohne zu nehmen

In Abgrenzung zum Sponsoring, bei dem Unternehmen eine Gegenleistung für ihre finanzielle Unterstützung oder Sachbezüge und Dienstleistungen erwarten, handelt es sich bei Unternehmensspenden um komplett freiwillige Gaben, für die Unternehmen keinen Gegenwert fordern. Trotzdem lohnen sich Spenden für Unternehmen in finanzieller und gesellschaftlicher Hinsicht. Viele Unternehmen unterstützen bevorzugt regionale Organisationen oder Projekte. Der Schutz des Waldes vor der eigenen Tür wird daher häufig dem Schutz des Regenwaldes vorgezogen. Eine Ansicht, die Verbraucher und somit potenzielle Kunden nicht selten teilen. Unternehmen sorgen so für eine stärkere Kundenbindung. Im besten Fall verschaffen regionale Unternehmensspenden ihnen Aufmerksamkeit und damit zusätzlich weitere treue Kunden.

Das Gleiche Prinzip steht hinter Unternehmensspenden in Projekte, die einen Bezug zur eigenen Geschäftstätigkeit haben. Die Förderung themennaher Bildungs- oder Forschungsprojekte verschafft Unternehmen im besten Fall Zugang zu qualifizierten Nachwuchskräften

Verantwortung von Unternehmen

Verantwortungsvolles Handeln, das über die eigentliche Geschäftstätigkeit eines Unternehmens hinaus geht und dabei das Wohl der Zivilgesellschaft im Auge hat, wird als Corporate Citizenship (CC) bezeichnet. Der Begriff wird häufig synonym zur Corporate Social Responsibility (CSR), der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen, und nachhaltiger Unternehmensführung verwendet. Hierzu zählen auch Unternehmensspenden (Corporate Giving) sowie der freiwillige Arbeitseinsatz oder das Bereitstellen von Arbeitskräften (Corporate Volunteering).

Formen von Unternehmensspenden: Geldspenden, Sachspenden, Lebensmittelspenden

Neben Geldspenden erfolgen Unternehmensspenden auch in Form von Sachspenden, Lebensmittelspenden oder dem Bereitstellen von Dienstleistungen zur Unterstützung und Umsetzung von Projekten. Aber nicht jede Spende ist steuerlich absetzbar. Gemäß der Abgabenordnung (A) §§ 52 bis 54 sowie dem Einkommensteuergesetz (EStG) erkennt das Finanzamt nur Unternehmensspenden an, die einem gemeinnützigen, mildtätigen oder kirchlichen Zweck dienen. Hierzu zählen beispielsweise die Förderung von: 

  • politisch, rassistisch oder religiös Verfolgten
  • Gleichberechtigung von Männern und Frauen
  • Wissenschaft und Forschung
  • Kunst und Kultur
  • Naturschutz
  • Tierschutz
  • Sport 

Zudem muss es sich um uneigennützige Gaben handeln, für die keine Gegenleistung erbracht wird. Darüber hinaus darf ein Unternehmen in keiner wirtschaftlichen Beziehung zum Spendenempfänger stehen. Behördlich angeordnete Spenden gelten nicht als freigiebig und werden daher unabhängig von ihrem Zweck steuerlich nicht anerkannt. 

Steuerliche Besonderheiten bei Geldspenden 

Ob Du Unternehmensspenden als Betriebsausgabe geltend machen darfst oder sie als Sonderausgabe in Deiner Einkommensteuererklärung angeben musst, hängt von der Rechtsform Deines Unternehmens ab. Bei Kapitalgesellschaften wie Aktiengesellschaften (AG) oder der GmbH erkennt das Finanzamt Spenden als Betriebsausgaben an. Die Spendengelder mindern den körperschaftlichen Gewinn sowie den Gewerbeertrag. Entsprechend zahlen AG und GmbH weniger Körperschaftssteuer und weniger Gewerbesteuer. 

Deckelung abzugsfähiger Spenden

Unabhängig von der Rechtsform dürfen Unternehmen jährlich Spenden in Höhe von maximal 20 Prozent des Gesamtbetrags ihrer Einnahmen steuerlich geltend machen. Alternativ gilt die Grenze von vier Promille des Jahresumsatzes zuzüglich der Löhne und Gehälter. Übersteigt die Spendensumme diesen Betrag, kann das Unternehmen den Restbetrag im Folgejahr von der Steuer absetzen.

Anders sieht es bei Einzelunternehmen oder Personengesellschaften wie GbR, OHG oder KG aus. Sie sind nicht berechtigt, Ausgaben für Unternehmensspenden von ihrem Gewinn abzuziehen. Hier gelten Spenden steuerrechtlich in der Regel als private Ausgaben beziehungsweise Entnahmen und können als Sonderausgaben in der Einkommensteuererklärung geltend gemacht werden.

Obwohl Personengesellschaften und Einzelunternehmer Unternehmensspenden nicht als Betriebsausgabe geltend machen dürfen, reduzieren sie gemäß § 9 Nr. 5 des Gewerbesteuergesetzes (GewStG) unter bestimmten Voraussetzungen dennoch den Gewerbeertrag um die Höhe der geleisteten Spende:

  • Die Spende wurde aus betriebseigenen Vermögen geleistet.
  • Die Spende wurde zur Förderung steuerbegünstigter Zwecke geleistet.

Spenden an politische Parteien hingegen mindern nicht den Gewerbeertrag. Sie gelten Sonderausgaben, die in der Einkommensteuererklärung angegeben werden. 

Spendenbescheinigung nicht vergessen

Ob Personen- oder Kapitalgesellschaft: Voraussetzung, um Unternehmensspenden von der Steuer abzusetzen, ist eine Spendenbescheinigung. Spenden bis zu einer Höhe von 200 Euro kannst Du anhand eines Kontoauszugs Deines Geschäftskontos belegen, der Angaben wie den Empfängernamen, seine Kontonummer, die Spendensumme, den Spendenzweck und den Buchungstag enthalten muss. Bei Spendenbeträgen, die darüber hinaus gehen, musst Du dem Finanzamt einen amtlich anerkannten Spendennachweis, der Deinen Namen und die Höhe Deiner Spende belegt, vorlegen. Die Spendenbescheinigungen oder auch Zuwendungsbestätigungen werden in der Regel von den Spendenempfängern bis Ende Februar des Folgejahres automatisch verschickt. Zusätzlich sind die Spendenempfänger verpflichtet, ihren gemeinnützigen, mildtätigen oder kirchlichen Zweck nachzuweisen. 

Aufbewahrungsfrist für Spendenbescheinigungen

Du bist nicht verpflichtet, die Spendenbescheinigung Deiner Steuererklärung beizufügen, musst diese aber auf Verlangen des Finanzamtes vorlegen. Um auf Nummer sicher zu gehen, bewahre die Bescheinigungen daher mindestens für ein Jahr nach Bekanntgabe Deines Steuerbescheides sorgfältig auf.

penta blog

Mit Penta hast Du mehr Zeit für Dein Business

Was müssen Unternehmen bei Sachspenden beachten?

Um Sachspenden als Unternehmensspenden steuerlich geltend zu machen, gelten prinzipiell dieselben Voraussetzungen und Regelungen wie für Geldspenden. Darüber hinaus musst Du bei der Spendenbescheinigung darauf achten, dass der genaue Gegenstand sowie sein geschätzter Marktwert angegeben werden. Hierbei sind Neupreis, Alter sowie der Zustand eines Gegenstandes relevant. 

Umsatzsteuer berücksichtigen

Spendest Du Gegenstände aus Deinem Betriebsvermögen wie Computer, Büromöbel, Maschinen oder Werkzeug musst Du in jedem Fall die Umsatzsteuer mitberücksichtigen. Die Entnahme von Sachspenden aus dem Betriebsvermögen kann wahlweise zum tatsächlichen Wert, dem Teilwert, oder als Buchwert erfolgen. Bei Gegenständen, die bereits abgeschrieben sind und einen Erinnerungswert ausweisen, beträgt der Wert der Entnahme einen Euro. Ohne Erinnerungswert beträgt der Wert null Euro. Die Bemessungsgrundlage für die Umsatzsteuer ist laut § 10 des Umsatzsteuergesetzes (UStG) der Wiederbeschaffungswert des Gegenstandes zum Zeitpunkt der Entnahme, das heißt dem Wert, zu dem Du den Gegenstand noch verkaufen könntest. Die Umsatzsteuer für eine Sachspende, die bis auf den Erinnerungswert von einem Euro abgeschrieben ist und deren Wiederbeschaffungswert bei 100 Euro liegt, wird die Umsatzsteuer auf 100 Euro berechnet. Bei 100 Euro x 19 Prozent beträgt sie also 19 Euro.

Die Umsatzsteuer wird nicht als Betriebsausgabe, sondern als Sonderausgabe geltend gemacht. Auf der Spendenbescheinigung werden der Entnahmewert sowie die Umsatzsteuer ausgewiesen. Das heißt, es muss ein Betrag von 20 Euro bestätigt werden.

Bei Sachspenden aus dem Privatbesitz eines Unternehmers fällt keine Umsatzsteuer an.

Umsatzsteuer bei Lebensmittelspenden

Spendest Du Lebensmittel kann auf die Erhebung der Mehrwertsteuer verzichtet werden, wenn die Nahrungsmittel kurz vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums stehen beziehungsweise Du sie nicht mehr als frische Ware verkaufen kannst. Allerdings darfst Du Dir in diesem Fall keine Spendenbescheinigung geben lassen. Entsprechend kannst Du Lebensmittelspenden auch nicht steuerlich geltend machen.

Unternehmensspenden: Tue Gutes und spare Steuern

Der Gesellschaft etwas zurückgeben und gleichzeitig Steuern sparen – besser gehts doch eigentlich gar nicht. Corporate Giving kann aber noch viel mehr: Sie ist Ausdruck Deiner unternehmerischen Verantwortung und verschafft Dir damit ein positives Image bei Angestellten, Kunden und weiteren Stakeholdern. Unternehmensspenden an regionale Organisationen stärken darüber hinaus das wirtschaftliche Umfeld und steigern so die Attraktivität Deines Unternehmensstandorts. Wähle sorgfältig aus, welche Organisationen oder Projekte zu Dir und Deinem Unternehmen passen: So ziehen Spender und Spendenempfänger gleichzeitig einen hohen Nutzen.  

lastschriften

Starte noch heute mit Business Banking von Penta

Nach oben