Selbstständigkeit Verwaltungstipps

Steuertermine für Selbstständige, Freiberufler und Freelancer im Überblick

Was haben Geburtstage, Jahrestage und Weihnachten mit Steuerterminen gemeinsam? Sie finden jedes Jahr am gleichen Tag statt. Dennoch sind wir jedes Jahr aufs Neue überrascht, wenn es wieder so weit ist. Je nach Steuerart gibt es für ihre Voranmeldung und Zahlung festgelegte und festgeschriebene Stichtage mit Fristen, die Du als Unternehmer im Auge behalten musst. Wer Termine und Fristen nicht einhält, muss mit Sanktionen rechnen. Das Steuergesetz verpflichtet Unternehmen zur Zahlung der Umsatzsteuer, Gewerbesteuer, Einkommensteuer, Körperschaftsteuer und Lohnsteuer. Welche Steuerarten für Selbstständige tatsächlich relevant sind, hängt davon ab, ob sie als Freiberufler tätig sind oder ein Gewerbe betreiben, die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen und ob sie Mitarbeiter beschäftigen.

Die Gewerbesteuer

Bei der Gewerbesteuer (GewSt) handelt es sich um eine Ertragssteuer, die von allen Gewerbetreibenden gezahlt werden muss. Freiberufler sowie Forst- und Landwirtschaftsbetriebe sind komplett von der Zahlung der Gewerbesteuer befreit. Die Gewerbesteuererklärung muss einmal im Jahr abgegeben werden. Stichtag ist der 31. Juli. Die Zahlung erfolgt quartalsweise in Form von Vorauszahlungen. In 2020 wird die Gewerbesteuer also zum 17. Februar, 15. Mai, 17. August und 16. November fällig.

Die Höhe der Gewerbesteuer richtet sich nach dem Jahreseinkommen bzw. dem Gewinn eines Unternehmens in einem Kalenderjahr. Der Gewerbesteuersatz liegt bundesweit einheitlich bei 3,5 Prozent des zu versteuernden Einkommens. Während Kapitalgesellschaften das volle Einkommen versteuern müssen, können Personengesellschaften einen Freibetrag in Höhe von 24.500 Euro geltend machen. Die Gewerbesteuer ist eine Gemeindesteuer und wird im Gewerbesteuergesetz (GewStG) geregelt. Der Gewerbesteuer-Hebesatz, ein Faktor zur Berechnung der Gewerbesteuerlast, wird von jeder Gemeinde individuell festgelegt. Das gesetzliche Minimum liegt bei 200 Prozent, der Bundesdurchschnitt lag 2019 bei 436 Prozent.

Bei Gründung eines Unternehmens legt das Finanzamt auf Basis des Jahresabschlusses die Höhe der zu zahlenden Gewerbesteuer mithilfe des Gewerbesteuermessbescheids fest. Nach dieser Festlegung muss ein Unternehmen im folgenden Wirtschaftsjahr quartalsweise seine Vorauszahlungen leisten.

Die Umsatzsteuer

Die Umsatzsteuer (USt) wird auf den Verkauf bzw. Austausch von Produkten und Dienstleistungen von Unternehmen erhoben. Grundsätzlich sind alle Unternehmen, also auch Selbstständige, Freiberufler und Freelancer, verpflichtet, die Umsatzsteuer an das zuständige Finanzamt abzuführen. Der Regelsteuersatz beträgt gemäß § 12 des Umsatzsteuergesetzes (UStG) 19 Prozent. Produkte und Leistungen, die zum Grundbedarf gehören, werden mit einem ermäßigten Satz von 7 Prozent besteuert. Hierzu zählen beispielsweise Lebensmittel, Fahrkarten im öffentlichen Nahverkehr, Hotelübernachtungen oder urheberrechtlich geschützte Produkte.

Als Unternehmer musst Du auf Deinen Ausgangsrechnungen den Nettopreis für Waren und Dienstleistungen gesondert ausweisen und darfst auch nur diesen Betrag einbehalten. Die Umsatzsteuer weist Du ebenfalls gesondert auf und leitest diese direkt an das Finanzamt weiter. Sie wird daher als durchlaufender Posten bezeichnet und ist für Unternehmen gewinn- bzw. verlustneutral. Gleichzeitig kannst Du als Unternehmer die Umsatzsteuer, die Dein Unternehmen anderen Unternehmen auf eingekaufte Waren oder Dienstleistungen zahlt, beim Finanzamt als Vorsteuer im Rahmen der Umsatzsteuervoranmeldung geltend machen. Die Umsatzsteuer, die ein Unternehmen beim Verkauf in ihren Ausgangsrechnungen erhebt, ist damit gleichzeitig die Vorsteuer, die ein anderes Unternehmen beim Einkauf in ihren Eingangsrechnungen als Vorsteuer beim Finanzamt geltend macht.

Die Höhe der Umsatzsteuer ist abhängig von der Zahlung, die Du laut Steuerbescheid im vorangegangenen Kalenderjahr geleistet hast. Bei Gründern, denen noch kein Steuerbescheid vorliegt, wird die Höhe auf Basis der voraussichtlich zu erwartenden Umsätze geschätzt. Die Umsatzsteuerschuld von Unternehmen wird durch die Umsatzsteuervoranmeldung (UStVa) aufgeteilt.

Abhängig von der Höhe Deiner Steuerlast musst Du entweder monatlich oder quartalsweise eine Umsatzsteuervoranmeldung abgeben.

  • Liegt Dein monatlicher Umsatz zwischen 1.000 und 7.500 Euro, gibst Du Deine UStVa quartalsweise jeweils zum 10. des Folgemonats, in 2020 also zum 10. April, 10. Juli, 12. Oktober und 11. Januar 2021 ab.
  • Liegt Dein monatlicher Umsatz über 7.500 Euro, gibst Du Deine UStVa monatlich jeweils zum 10. des Folgemonats ab.

Gründer sind in den ersten zwei Jahren unabhängig von der Höhe ihres Umsatzes verpflichtet, die Umsatzsteuer monatlich anzumelden und zu bezahlen. Unternehmen, deren monatlicher Umsatz unter 1.000 Euro liegt, sind grundsätzlich von der Umsatzsteuervoranmeldung befreit.

Das Finanzamt gewährt Dir zwar eine Kulanzfrist von drei Tagen. Da die Termine zur Anmeldung und zur Zahlung identisch sind, empfiehlt sich aber die Anmeldung über das Steuerportal ELSTER in Kombination mit der Erteilung eines SEPA-Lastschriftmandats an Dein zuständiges Finanzamt. Die Abbuchung erfolgt dann automatisch mit Anmeldung.

Befreiung von der Umsatzsteuerpflicht: Die Kleinunternehmerregelung

Selbstständige, Freiberufler und Freelancer, deren Jahresumsatz im vergangenen Kalenderjahr unter 22.000 Euro lag, können sich vom Finanzamt gemäß § 19 UStG von der Umsatzsteuerpflicht befreien lassen. Wer die sogenannte Kleinunternehmerregelung in Anspruch nimmt, ist fünf Jahre an diese Regelung gebunden und kann in dieser Zeit entsprechend auch keine Vorsteuer geltend machen. Das kann sich insbesondere bei größeren Anschaffungen negativ auswirken und sollte daher gut überlegt werden.

Mit der Kleinunternehmerregelung entfallen die monatlichen oder quartalsweisen Vorauszahlungen. Du musst dann nur bis zum 31. Juli des Folgejahres zusammen mit Deiner Einkommensteuererklärung eine Einnahmen-Überschussrechnung (EÜR) abgeben.

Die Einkommensteuer

Bei Angestellten wird die Lohnsteuer, die auf ihr Einkommen aus nicht selbstständiger Arbeit anfällt, monatlich an das Finanzamt abgeführt. Gemäß § 2 Absatz 1 Satz 1 Nummer 3 des Einkommensteuergesetz (EStG) sind auch Selbstständige, Freiberufler und Freelancer verpflichtet, Einkünfte aus ihrer selbstständigen Arbeit im Rahmen der Einkommensteuererklärung zu versteuern. Die Einkommensteuer ist eine Jahressteuer, die spätestens zum 31. Juli des Folgejahres eines Steuerjahres gezahlt werden muss. Wer seine Einkommensteuererklärung von einem Steuerberater machen lässt, hat Zeit bis zum 31. Dezember. Im Vergleich zu Angestellten leisten Selbstständige bei der Einkommensteuer vierteljährliche Vorauszahlungen. Die Höhe dieser Zahlungen hängt in der Regel von der Höhe der Steuerlast aus dem Vorjahr ab. Die Vorauszahlung werden jeweils zum 10. Kalendertag im März, Juni, September und Dezember fällig.

Bei verpassten Abgabeterminen ist das Finanzamt berechtigt, einen Verspätungszuschlag zu verlangen. Seit 2019 wird dieser Zuschlag festgesetzt, wenn Du nicht innerhalb von 14 Monaten nach Ablauf des Steuerjahres Deine Steuererklärung abgibst. Der Zuschlag beträgt 0,25 Prozent der festgesetzten Steuer für jeden angefangenen Monat. Die Höhe von 25.000 Euro darf dieser Zuschlag allerdings nicht überschreiten. Darüber hinaus darf das Finanzamt auch noch ein sogenanntes Zwangsgeld erheben. Gibst Du dann immer noch keine Steuererklärung ab, kann das Finanzamt als letztes Mittel Deine Einkünfte schätzen. Du erhältst dann einen sogenannten Schätzbescheid, der meist großzügig zugunsten des Finanzamts ausfällt.

Unter Angabe triftiger Gründe kannst Du eine Fristverlängerung bei Deinem zuständigen Finanzamt beantragen.

Die Körperschaftsteuer

Die Körperschaftsteuer (KSt) wird gemäß des Körperschaftsteuergesetztes (KStG) vom Bund auf das Einkommen von juristischen Personen erhoben. Dazu zählen beispielsweise Kapitalgesellschaften wie Aktiengesellschaften (AG) oder die GmbH. Diese Steuer entspricht der Einkommensteuer bei natürlichen Personen. Die Körperschaftsteuer ist eine Jahressteuer, die spätestens zum 31. Juli des Folgejahres eines Steuerjahres gezahlt werden muss. Wie bei der Einkommensteuer musst Du auch hier quartalsweise Vorauszahlungen leisten. Die Fristen dafür sind der 10. März, der 10. Juni, der 10. September und der 10. Dezember.

Die Lohnsteuer

Wer Angestellte beschäftigt, ist verpflichtet, monatlich die Lohnsteuer für ihre Gehälter an das Finanzamt abzuführen. Die Lohnsteuer gilt als Vorauszahlung für die Einkommensteuer. Als Frist gilt hier jeweils der 10. des Folgemonats. Die pünktliche Zahlung an das Finanzamt ist zwingend erforderlich, da andernfalls automatisch Säumniszuschläge in Höhe von 1 Prozent pro angebrochenen Monat über der Fälligkeit entstehen. Es gibt sogenannte Schonfristen, die sich allerdings nur auf den Zahlungsvorgang, nicht auf die Anmeldung beziehen. Um Säumniszuschläge zu vermeiden, bieten die Finanzämter hier ebenfalls die Teilnahme am SEPA-Lastschriftverfahren an.

Zahlungen zur Sozialversicherung

Als Arbeitgeber sind die Fristen zur Anmeldung und Zahlung der Sozialversicherungsbeiträge für Deine Angestellten ebenfalls relevant. Die Krankenkassen ziehen den Gesamtbetrag ein. Sie behalten den Anteil an der Kranken- und Pflegeversicherung ein und leiten die Beiträge für die Renten-, Arbeitslosen- und Unfallversicherung an die zuständigen Stellen weiter.

Die Frist zur Zahlung ist unabhängig von der Lohnzahlung: Während Du den Lohn für den Monat April im Mai auszahlst, musst Du die Sozialversicherungsbeiträge bereits im April anmelden und abführen. Der Fälligkeitstag ist jeweils der drittletzte Bankarbeitstag eines Monats.

Die Steuertermine 2020 im Überblick

Behalte Deine Termine im Auge!

Nicht alle Steuerarten sind für alle Selbstständigen relevant. Freiberufler zahlen beispielsweise keine Gewerbesteuer. Hast Du die Kleinunternehmerregelung in Anspruch genommen, zahlst Du keine Umsatzsteuer und bauchst die Termine für die Umsatzsteuervoranmeldung nicht beachten. Die Körperschaftsteuer ist nur relevant, wenn Du Dein Unternehmen als Kapitalgesellschaft gegründet hast. Für Personengesellschaften, also für Soloselbstständige, Freiberufler und Freelancer ist die Einkommensteuer relevant. Wer Mitarbeiter beschäftigt, muss die Lohnsteuer für seine Angestellten entrichten und zusätzlich die Termine und Fristen zur Anmeldung und Zahlung der Sozialversicherungsbeiträge im Blick behalten. 

Mach Dir eine Übersicht der für Dich relevanten Termine: So behältst Du die Fristen im Auge, zahlst pünktlich und vermeidest so unnötige Säumniszuschläge.