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Transportunternehmen gründen: In 5 Schritten zur eigenen Spedition

Yasmin
Yasmin April 2021 10 Min

Inhaltsverzeichnis

Sie sind von unseren Straßen gar nicht mehr wegzudenken – die zahlreichen Paketdienstleister, Speditionen und Transport- und Logistikunternehmen. Kein Wunder – denn der Onlinehandel boomt. Warum also nicht ein eigenes Transportunternehmen gründen und sich einen Teil vom Kuchen abschneiden?

Die Transport- und Logistikbranche ist allerdings hart umkämpft. Gegen die großen Player wirst Du Dich nur schwer durchsetzen können. Allerdings gibt es auch Nischen, die Du erfolgreich besetzen kannst. Neben dem Verbrauchersegment gibt es zahlreiche weitere Bereiche, in denen Du Deine Leistungen anbieten kannst. Voraussetzung ist eine gründliche Analyse des Marktes und die sorgfältige Planung Deiner Gründung: angefangen bei der Idee über die Umsetzung bis hin zum Daily Business. 

Wirtschaftliche Bedeutung

Transport- und Logistikunternehmen bilden einen der wichtigsten Wirtschaftszweige in Deutschland. Zu diesen Unternehmen zählen neben Speditionen und Zustellern weitere Unternehmen aus den Bereichen Lager, Umschlag und Verpackung. Laut Bundesvereinigung Logistik (BVL) wurden 2020 branchenübergreifend rund 268 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet. Damit ist die Leistung aufgrund der Auswirkungen der Corona-Pandemie zwar um sechs Prozent zurückgegangen, allerdings wird für 2021 wieder ein Wachstum von vier Prozent erwartet. Im europäischen Vergleich ist Deutschland führend bei der Höhe des Umsatzes im Logistikmarkt. Insgesamt zählt die Branche rund 60.000 Unternehmen mit über drei Millionen Beschäftigten. In Deutschland sind neben großen Konzernen wie Deutsche Post DHL, Deutsche Bahn, Dachser und Kühne + Nagel vor allem mittelständische Unternehmen in der Transport- und Logistikbranche tätig.

1. Transportunternehmen gründen: Welche Dienstleistungen bietest Du an?

Wer ein eigenes Transportunternehmen gründen möchte, steht zunächst vor der Frage, welche Güter er transportieren möchte, in welchem Umkreis er tätig sein möchte, ob er sich auf einen bestimmten Service spezialisiert oder seinen Kunden weitere Dienstleistungen rund um Transport und Logistik anbieten möchte. Die Möglichkeiten sind vielfältig – angefangen vom Kurierdienst über die Paketzustellung bis hin zu Spezialtransporten. Denkbar sind

  • nationale oder internationale Transporte
  • LKW-Transporte
  • Luftfracht
  • Seefracht
  • Schienenverkehr
  • Stückguttransporte
  • Massenguttransporte
  • Containertransporte
  • Kühltransporte
  • Möbel- und Umzugsspedition
  • Messe- und Veranstaltungslogistik
  • Gefahrguttransporte
  • Schwer- und Sondertransporte
  • Eiltransporte

Eine grundlegende Entscheidung, von der Deine weiteren Schritte abhängen. Sie ist entscheidend dafür, welche Genehmigungen, Fahrzeuge, Lagerkapazitäten oder Fachkräfte Du benötigst, um Dein eigenes Transportunternehmen zu gründen.

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Wie willst Du Deine Zielgruppe erreichen?

Ebenso entscheidend ist die Frage, welche Zielgruppe Du ansprechen willst und wie Du Deine Kundenakquise und Deine Marketing-Strategie aufbaust. Dein Vorgehen ist abhängig davon, ob Du Endverbraucher oder Unternehmen beispielsweise als Subunternehmer ansprichst. Unabhängig von der Zielgruppe achte auf einen ausgewogenen Marketing-Mix. Nutze klassische Offline-Maßnahmen: je nachdem, in welchem Umkreis Du tätig sein möchtest, regional oder überregional. Nutze aber auch die Möglichkeiten des Onlinemarketings und Social Media: Damit kannst Du zum einen vergleichsweise kostengünstig Marketing betreiben, zum anderen durch gezielte SEO-Maßnahmen Deine Zielgruppe ohne große Streuverluste effektiv erreichen.  

Darüber hinaus eignen sich natürlich Deine Fahrzeuge als perfekte Werbefläche.

Der eigene Fuhrpark

Je nachdem für welches Geschäftsmodell Du Dich entscheidest, benötigst Du unterschiedliche Fahrzeuge. Angefangen beim Fahrrad bei einem Fahrradkurierdienst oder einem Lastenrad für kleinere Transporte, geht es weiter mit Transportern aller Größenordnungen, unterschiedlichen Arten von Lkw sowie Spezialfahrzeugen für Kühl-, Schwer- oder Gefahrenguttransporte. Hier kommen in der Anschaffung erst einmal hohe Kosten auf Dich zu, die Du gering halten kannst, indem Du Dich für den Kauf von gebrauchten Fahrzeugen entscheidest. Um das Risiko von Ausfällen und Ärger zu reduzieren, ist es ratsam, nach seriösen Händlern zu suchen, bei denen Du eine ordnungsgemäße, steuerlich absetzbare Rechnung, Gewährleistung und Service erhältst. 

Mache Dich darüber hinaus vorab damit vertraut, ob Du für bestimmte Fahrzeuge einen speziellen Führerschein oder eine Ausbildung benötigst und ob es Besonderheiten bei Anmeldung, Versicherung und Haftung zu beachten gibt. 

Eigenes Personal für Deine Transportfirma

Je größer Dein Fuhrpark, desto weniger kannst Du Dein Business ohne Angestellte betreiben. Neben Fahrern benötigst Du gegebenenfalls Mitarbeiter für Dein Lager, die Buchhaltung, die Kundenbetreuung und das Fuhrparkmanagement.

Spedition gründen: Der geeignete Standort

Auch hier ist wieder die Art Deines Geschäftsmodells entscheidend. Planst Du einen kleinen Kurierdienst, ist eine zentrale Lage von Vorteil. Planst Du ein Transportunternehmen mit Deiner eigenen Flotte an Transportern und Lkw zu gründen, benötigst Du ein größeres Gelände vorzugsweise in einem Industriegebiet, das neben der Stellfläche auch Lagerkapazitäten aufweist. Achte in diesem Fall auch darauf, dass sich eine geeignete Werkstatt oder eine Transportervermietung in der Nähe befindet. So kannst Du Aufträge mit Leihfahrzeugen durchführen, falls Deine eigenen Fahrzeuge einmal ausfallen.

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2. Zulassung zum Beruf des Kraftverkehrsunternehmers

Grundsätzlich kann in Deutschland jeder ein eigenes Transportunternehmen gründen. Generell handelt es sich um eine gewerbliche Tätigkeit, konkret um eine Gründung im Güterkraftverkehrsgewerbe. Das heißt, Du musst in jedem Fall ein Gewerbe anmelden. Zusätzlich benötigst Du eine Erlaubnis oder eine Gemeinschaftslizenz, um als Unternehmer gewerblichen Güterkraftverkehr mit Kraftfahrzeugen mit einem zulässigen Gesamtgewicht über 3,5 Tonnen einschließlich Anhänger zu betreiben. Zudem muss ein Verkehrsleiter bestellt werden.

  • Die Erlaubnis berechtigt Dich für den innerstaatlichen Güterkraftverkehr (Nah-, Fern- und Umzugsverkehr)
  • Die Gemeinschaftslizenz berechtigt Dich zum grenzüberschreitenden Güterkraftverkehr mit Staaten der Europäischen Union (EU) und den Staaten des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR)
  • Zum Verkehr mit den Staaten der Europäischen Konferenz der Verkehrsminister (eng. European Conference of Ministers of Transport, kurz ECMT; franz. Conférence Européenne des Ministres des Transports, kurz CEMT) benötigst Du die CEMT-Genehmigung. Diese erhältst Du beim Bundesamt für Güterverkehr (BAG).

Den Antrag erhältst Du bei der zuständigen Verkehrsbehörde der Stadt- oder Kreisverwaltung. Voraussetzung, um eine Erlaubnis oder die Gemeinschaftslizenz zu erhalten, ist der Sitz Deines Unternehmens in einem der Mitgliedstaat. Zudem musst Du Deine persönliche Zuverlässigkeit anhand eines Führungszeugnisses, Auszügen aus dem Zentralverkehrsregister und dem Gewerbezentralregister nachweisen. Warst Du bereits selbstständig tätig, benötigst Du zudem Nachweise vom Finanzamt, Deiner Krankenkasse und der zuständigen Berufsgenossenschaft. Zusätzlich musst Du nachweisen, dass Du über ausreichend finanzielle Mittel verfügst, um Dein Unternehmen zu finanzieren und dass Du die geforderten fachlichen Eignungen besitzt. Die allgemeine Erlaubnispflicht ist im Güterkraftverkehrsgesetz (GüKG) festgelegt. Die notwendigen Voraussetzungen für die Erteilung der Erlaubnis sind in der Berufszugangsverordnung für den Güterkraftverkehr geregelt.

3. Fachkundeprüfung Güterkraftverkehr

Mit dem Inkrafttreten der Verordnung (EG) Nr. 1071/2009 des Europäischen Parlaments gilt eine neue Berufszugangsverordnung. Die entsprechende Fachkundeprüfung wird vor der zuständigen Industrie- und Handelskammer, beispielsweise der IHK Berlin, abgelegt und besteht aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil. Insgesamt dauert die Prüfung vier Stunden und die Fragen setzen sich aus den Themengebieten Recht, kaufmännische und finanzielle Unternehmensführung, technische Normen und technischer Betrieb, Straßenverkehrssicherheit, Unfallverhütung, Umweltschutz und grenzüberschreitender Güterkraftverkehr zusammen. Die notwendigen Fach- und Sachkenntnisse für den Güterkraftverkehr findest Du in der entsprechenden Fachliteratur oder kannst Dich in privaten Kursen in Präsenzform oder über E-Learning-Plattformen vorbereiten.

Führerschein für Gefahrguttransporte

Wer Gefahrgüter wie brennbare Flüssigkeiten, giftige, radioaktive oder ätzende Stoffe auf deutschen Straßen transportiert, benötigt zusätzlich die ADR-Schulungsbescheinigung, auch Gefahrgutführerschein genannt. In Deutschland werden diese Prüfungen von der zuständigen Deutschen Industrie- und Handelskammer (IHK) abgenommen. Du selbst und alle Fahrer, die Du für Gefahrguttransporte einsetzt, müssen einen Basiskurs zu Gefahrguttransporten absolviert und die Abschlussprüfung bestanden haben.

Einen guten Überblick über die grundlegenden Zulassungsbedingungen für Güterkraftverkehrsunternehmen und die wesentlichen Regelungen im Güterkraftverkehrsgesetz findest Du beispielsweise bei der IHK Schleswig-Holstein.

4. Spedition gründen: Rechtsform, Steuern und Versicherungen

Grundsätzlich steht es Dir frei, in welcher Rechtsform Du Dein Transportunternehmen gründest. Wie bei allen Gründungen sollte die Rechtsform auf Deine jeweilige Situation angepasst sein. Heißt, gründest Du alleine, bietet sich natürlich die Gründung als Einzelunternehmer an. Bei der Gründung als GmbH beschränkst Du Dein unternehmerisches Risiko auf das Gesellschaftsvermögen und haftest nicht mit Deinem Privatvermögen. Diese Haftungsbeschränkung musst Du allerdings teuer bezahlen – in Form von Stammkapital in Höhe von mindestens 25.000 Euro, das Du auf Deinem Geschäftskonto hinterlegen musst. Alternativ kannst Du Dein Transportunternehmen auch als UG (Unternehmergesellschaft) eröffnen. In diesem Fall profitierst Du von den gleichen Haftungsbeschränkungen wie die GmbH, benötigst allerdings nur einen Euro Startkapital. Von der Wahl der Gesellschaftsform hängt es nachher auch ab, wie aufwendig sich Deine Buchhaltung gestaltet. Während für Einzelunternehmer die einfache Buchhaltung ausreichend ist, bist Du bei der GmbH und der UG zur doppelten Buchhaltung verpflichtet und unterliegst den Bilanzregeln des Handelsgesetzbuches und müssen in das Handelsregister eingetragen werden.

Relevante Steuerarten für Transportunternehmen

Neben der Gewerbeanmeldung erfolgt vor Aufnahme Deiner Tätigkeit auch die Anmeldung beim Finanzamt. Die Einnahmen aus Deinem Transportunternehmen unterliegen abhängig davon, ob Du eine Personen- oder eine Kapitalgesellschaft gründest, der Einkommensteuer bzw. der Körperschaftsteuer. Hinzu kommt die Umsatzsteuer, die auf alle angebotenen Leistungen Deiner Transportfirma erhoben wird. Während Einkommen-, Körperschaft- und Umsatzsteuer direkt an das Finanzamt gezahlt werden, ist die Gewerbesteuer eine Gemeindesteuer, die direkt von der Stadt oder Gemeinde, in der Dein Transportunternehmen seinen Sitz hat, erhoben und auch an diese abgeführt wird. 

Versicherungen für Transportunternehmen

Abgesehen von den üblichen Absicherungen gegen betriebliche Risiken wie die Betriebshaftpflichtversicherung und die Rechtsschutzversicherung bist Du gemäß § 7a des Güterkraftverkehrsgesetz (GüKG) verpflichtet, eine spezielle Haftpflichtversicherung abzuschließen, um eine Spedition gründen zu können. Diese Haftpflichtversicherung deckt die gesetzliche Haftung wegen Güter- und Verspätungsschäden während der Beförderung ab, sofern der Be- und Entladeort sich im Inland befindet. Du oder Deine Fahrer müssen bei jedem Transport einen entsprechenden Nachweis über eine gültige Versicherung mit sich führen und auf Verlangen vorzeigen. 

Zudem bist Du verpflichtet, Dein Transportunternehmen für die gesetzliche Unfallversicherung bei der Berufsgenossenschaft anzumelden. Zuständig ist die BG Verkehr.

Anmeldung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK)

Transportunternehmen sind zur Mitgliedschaft in der zuständigen Industrie- und Handelskammer verpflichtet. Sie wird bei der Gewerbeanmeldung genau wie das Finanzamt automatisch über Deine Gründung informiert.

5. Transportfirma gründen: Kosten und Finanzierung

Eine Spedition zu gründen ist meist recht kostenintensiv. Du musst zahlreichen Ausgaben für die Gründung und den laufenden Betrieb rechnen. Hier zu zählen u. a. Kosten für 

  • den Fuhrpark
  • Miete für Stellplätze und Lagerfläche
  • Genehmigungen
  • Steuern
  • Versicherungen
  • Mitgliedsbeiträge
  • Personal
  • Kraftstoff
  • Reparaturen

Hier kommt wieder die sorgfältige Planung ins Spiel. Als Teil Deines Businessplans stellt Du einen Finanzplan auf und überlegst Dir, wie Du die Kosten finanzieren willst. Neben der klassischen Finanzierung durch Banken oder Investoren gibt es weitere Möglichkeiten. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) bietet beispielsweise ein Förderprogramm im Bereich Güterverkehr und Logistik an, um Deutschland als Logistikstandort zu stärken.

Spedition gründen: Das Wichtigste in Kürze

Ein eigenes Transportunternehmen in Deutschland zu gründen und selbstständig als Spediteur zu arbeiten, ist eine gute Idee. Zwar ist die Gründung mit einem vergleichsweise großen Aufwand und hohen Kosten verbunden. Die geografische Lage macht Deutschland aber insbesondere bei europaweiten Transporten zum perfekten Standort. Es gibt einiges zu beachten, aber mit einer sorgfältigen Planung hast Du gute Chancen, mit Deiner eigenen Transportfirma in eine zukunftsfähige Branche einzusteigen. 

  • Güterkraftverkehrsgewerbe: Du benötigst vor Aufnahme Deiner Geschäftstätigkeit als Transportunternehmer eine Gewerbeanmeldung
  • Beträgt das Gesamtgewicht eines Transportfahrzeugs mehr als 3,5 Tonnen, benötigst Du zusätzlich eine Erlaubnis für den innerstaatlichen Güterkraftverkehr
  • Die allgemeine Erlaubnispflicht ist im Güterkraftverkehrsgesetz (GüKG) festgelegt.
  • Für die erlaubnispflichtige Gewerbeanmeldung musst Du Deine persönliche, fachliche und finanzielle Eignung nachweisen.
  • Die notwendigen Voraussetzungen für die Erteilung der Erlaubnis sind in der Berufszugangsverordnung für den Güterkraftverkehr geregelt.
  • Für grenzüberschreitende Transporte innerhalb der EU/EWG brauchst Du eine Gemeinschaftslizenz.
  • Eine Haftpflichtversicherung für Transportunternehmern mit einer Mindestversicherungssumme von 600.000 Euro pro Schadensfall ist Pflicht.
  • Die Mitgliedschaft in der Industrie- und Handelskammer (IHK) sowie in der Berufsgenossenschaft BG Verkehr ist Pflicht.

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