Wie unterscheiden sich Selbstständige, Freiberufler und Freelancer?

Jeannine Klein
Jeannine Klein Januar 2020 8 Min

Die Arbeitswelt befindet sich im Wandel. Die Zeiten, in denen man vom Ausbildungsbetrieb übernommen wird und dort sein gesamtes Arbeitsleben verbringt, sind vorbei. Stattdessen überlegen sich viele Absolventen erst nach Abschluss ihres Studiums, in welche Richtung sie beruflich gehen wollen. Einige verbringen zunächst auch erst einmal einige Zeit im Ausland. Viele junge Menschen möchten heute flexibler arbeiten. Sie wollen weder an das Angestelltenverhältnis noch an feste Arbeitszeiten gebunden sein. Der Schritt in die Selbstständigkeit oder Freiberuflichkeit gewinnt für sie zunehmend an Beliebtheit. Selbstständigkeit ist aber nicht gleich Selbstständigkeit. Bezeichnungen wie Selbstständige, Freiberufler und Freelancer werden häufig synonym verwendet. Sie unterscheiden sich aber in ihrer Rechtsform und unterliegen unterschiedlichen Regelungen.

Definition Selbstständige

Die Definition des Begriffes Selbstständigkeit lautet, dass eine Person unabhängig von einem Arbeitgeber seine Tätigkeit ausführt. Entsprechend handelt er auch auf eigene Verantwortung. In der Gruppe von Selbstständigen unterscheidet das Gesetz zwischen Gewerbetreibenden und Freiberuflern. Die Rechtsform eines Unternehmens spielt hier zunächst keine Rolle. Ebenso ist es nicht relevant, ob Du Mitarbeiter beschäftigst. Ein Selbstständiger ist nicht automatisch ein Einzelunternehmer. Allerdings sind Angestellte bei Freiberuflern und Freelancer eher unüblich.

Unterschied Gewerbetreibender und Freiberufler

Ein Gewerbetreibender ist zunächst jeder Selbstständige, der ein Gewerbe ausführt. Als Gewerbe wird jede wirtschaftliche Tätigkeit bezeichnet, die auf eigene Rechnung und eigene Verantwortung ausgeführt wird. Die ausgeführte Tätigkeit dient der Absicht, auf Dauer mit dem Gewerbe Gewinne zu erzielen. In welchem Beruf Du Dein Gewerbe ausübst, spielt hierbei zunächst keine Rolle. Als Gewerbetreibender musst Du Dein Gewerbe vor Aufnahme Deiner Tätigkeit beim zuständigen Gewerbeamt anmelden, um einen Gewerbeschein zu erhalten. Du unterliegst der Pflicht, Gewerbesteuer zu zahlen und musst Dein Unternehmen auch beim Finanzamt anmelden. Rechtsgrundlage ist die Gewerbeordnung (GewO).

Im Gegensatz dazu legt § 18 Einkommensteuergesetz (EStG) genau fest, welche Tätigkeiten zu den freien Berufen zählen. Zu diesen sogenannten Katalogberufen zählen selbstständig ausgeübte wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeiten. Der Definition zufolge ist für die Zuordnung zu dieser Kategorie eine besondere Qualifikation nötig und die ausgeübte Tätigkeit trägt zum Wohl der Allgemeinheit bei. Der Freiberufler zeichnet sich dadurch aus, dass er weder etwas herstellt noch verkauft und somit kein Warenaustausch stattfindet.

Zur Gruppe der Freiberufler zählen

  • Ärzte, Apotheker sowie Therapeuten, Heilpraktiker und Krankengymnasten,
  • Architekten, Ingenieure, Handelschemiker, Handwerker und Informatiker,
  • Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Buchprüfer, beratenden Volks- und Betriebswirte, Anwälte und Notare,
  • Journalisten, Bildberichterstatter, Autoren und Übersetzer,
  • freie Lehrer oder Erzieher sowie
  • Lotsen.

Als Freiberufler musst Du Deine Beschäftigung aus steuerrechtlichen Gründen ebenfalls beim Finanzamt anmelden und eine Steuer-ID-Nummer beantragen. Im Vergleich zur Selbstständigkeit als Gewerbetreibender genießt Du als Freiberufler aber das Privileg, kein Gewerbe anmelden und somit auch keine Gewerbesteuer zahlen zu müssen. Auf der anderen Seite gibt es für viele dieser Berufsgruppen bestimmte Kammern wie die Rechtsanwaltskammer für Anwälte, in denen sie sich verpflichtend anmelden müssen, um ihren Beruf ausüben zu dürfen. Hier werden entsprechende Zahlungen fällig.

Es ist nicht immer ganz eindeutig, welche Berufe als freie Berufe vom Finanzamt anerkannt werden. Insbesondere katalogähnliche Berufe sind nicht immer explizit aufgeführt, was immer wieder zu Spekulationen und Unklarheiten führt. Ob Du als Freiberufler anerkannt wirst, kann letztendlich nur das Finanzamt feststellen. Wenn Du Dir unsicher bist, ob Deine Tätigkeit tatsächlich zu den freien Berufen zählt, spricht vorab unbedingt mit Deinem Finanzamt. Bedenke, dass Du andernfalls als Gewerbetreibender eingestuft wirst und vor Aufnahme Deiner Tätigkeit zunächst ein Gewerbe anmelden musst.

Wie unterscheiden sich Selbstständige, Freiberufler und Freelancer?

Angestellt und freiberuflich

Du hast die Möglichkeit, neben einer Beschäftigung im Angestelltenverhältnis auch als Freiberufler tätig zu sein. Allerdings musst Du Deinen Arbeitgeber über Deinen Plan der Freiberuflichkeit informieren. Du benötigst seine Zustimmung, da er natürlich sicherstellen möchte, dass Deine freiberufliche Tätigkeit Deine Arbeit als Angestellter nicht negativ beeinflusst. Für den Segen Deines Chefs ist es entscheidend, dass Du dem Unternehmen, in dem Du angestellt bist, als Freiberufler keine Konkurrenz machst.

Diese Option bietet Dir insbesondere in der Gründungsphase mehr Sicherheit. Du bist zum einen über Deinen Arbeitgeber durch die gesetzliche Sozialversicherung abgesichert. Zum anderen bietet Dir Dein Einkommen aus dem Angestelltenverhältnis eine gewisse finanzielle Sicherheit, solltest Du mit der Freiberuflichkeit scheitern.

In Deiner Einkommensteuererklärung musst Du die Einkünfte aus den verschiedenen Tätigkeiten klar voneinander abgrenzen. Überwiegt der Anteil Deiner Einkünfte aus der freiberuflichen Tätigkeit, kann es passieren, dass Du Deinen Anspruch auf die anteilige Zahlung Deiner Sozialversicherungsbeiträge durch den Arbeitgeber verlierst. In dem Fall musst Du Dich dann selbst versichern.

Was ist ein Freelancer?

Eine weitere Kategorie, die häufig mit der Freiberuflichkeit oder Selbstständigkeit synonym verwendet wird, sind Freelancer. Der Begriff stammt aus dem Englischen und meint übersetzt freier Mitarbeiter oder freier Angestellter. Im Gegensatz zu Gewerbetreibenden und Freiberuflern ist der Begriff Freelancer nicht ganz klar definiert. Freelancer sind in der Regel für verschiedene Unternehmen tätig. Sie arbeiten häufig projektbezogen und sind entsprechend für einen fest definierten Zeitraum für ein Unternehmen tätig. Sie agieren unabhängig und selbstverantwortlich und gelten daher Selbstständige.

Während die Tätigkeiten von Freiberuflern stark begrenzt sind, sind Freelancer nahezu überall zu finden. Besonders beliebte Bereiche für Freelancer sind beispielsweise:

  • Informationstechnik, Programmierung, Software-Entwicklung,
  • Grafik, Gestaltung, Medienerstellung,
  • Social Media,
  • Suchmaschinenoptimierung,
  • Marketing,
  • Beratung und Coaching,
  • Lektorat, Korrektorat oder
  • Musik und Kunst.

Unternehmen, die Selbstständige als Freelancer beschäftigen, profitieren von einem vergleichsweise niedrigen administrativen Aufwand. Ein weiterer Vorteil ist, dass sie für freie Mitarbeiter keine Lohnnebenkosten zahlen müssen. Die Anstellung und der genaue Umfang sowie die Vergütung der Tätigkeit werden in einem Werk- oder Dienstvertrag festgehalten.

Scheinselbstständigkeit

Um als Freelancer nicht in den Verdacht der Scheinselbstständigkeit zu geraten, dürfen Selbstständige nicht mehr als 83 Prozent ihres Einkommens mit nur einem einzigen Unternehmen oder Auftraggeber verdienen. Zusätzlich ist es zu Deiner eigenen finanziellen Sicherheit von Vorteil, Dich als Selbstständiger nicht ausschließlich von einem Auftraggeber abhängig zu machen.

Freie Mitarbeiter werden häufig auch als Honorarkräfte bezeichnet. Bei ihnen kann es sich abhängig davon, welchen Beruf sie ausüben, sowohl um Gewerbetreibende als auch um Freiberufler handeln. Ein Angestellter kann zusätzlich auch als Freelancer arbeiten. Hierbei handelt es sich in der Regel um einen kleinen Nebenverdienst, der genau wie bei einer freiberuflichen Nebentätigkeit mit dem Arbeitgeber abgestimmt werden muss.

Welche Rolle spielen die Unterschiede zwischen Gewerbetreibenden, Freiberuflern und Freelancern?

Die Unterscheidung bei Selbstständigen zwischen Gewerbetreibenden, Freiberuflern und Freelancer ist in erster Linie steuerrechtlich relevant.

Gewerbesteuer

Selbstständige, die ein Gewerbe betreiben, unterliegen der Pflicht, ihr Gewerbe beim Gewerbeamt anzumelden und Gewerbesteuern an das Finanzamt zu zahlen. Selbstständige, die einen Freien Beruf ausüben, unterliegen nicht der Pflicht zur Gewerbeanmeldung und zahlen folglich auch keine Gewerbesteuer. Bei Freelancer kommt es darauf an, ob sie ein Gewerbe ausüben oder als Freiberufler gelten.

Doppelte Buchführung

Freiberufler sind von der Pflicht zur doppelten Buchführung befreit. Eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) reicht dem Finanzamt für die Steuererklärung. Gewerbetreibende, die nicht unter die Kleinunternehmerregelung fallen, sind zur doppelten Buchführung verpflichtet. Beim Freelancer kommt es auch hier wieder auf die Art der ausgeübten Tätigkeit an.

Umsatzsteuer

Die sogenannte Kleinunternehmerregelung, die Dich von der Zahlung der Umsatzsteuer befreit, kann sowohl von Gewerbetreibenden und Freiberuflern als auch von Freelancer in Anspruch genommen werden. Voraussetzung ist, dass der Umsatz im Vorjahr unter 22.000 Euro lag und der erwartete Umsatz die Grenze von 50.000 Euro im laufenden Geschäftsjahr nicht übersteigen wird.

Für Selbstständige ist es unerlässlich, stets einen guten Überblick über die Finanzen zu behalten und sauber zu kalkulieren. Als Selbstständiger bist Du komplett eigenständig für Deine finanzielle Absicherung verantwortlich. Kalkuliere alle anfallenden Steuern rechtzeitig ein und unterschätze dabei nicht die Steuervorauszahlungen, die Du zu leisten hast. Besser, Du kalkulierst großzügig, um hohe Nachzahlungen zu vermeiden.

Wie unterscheiden sich Selbstständige, Freiberufler und Freelancer?

Behalte Deine Finanzen im Blick!

Unbefristete Arbeitsverträge sind mittlerweile keine Selbstverständlichkeit mehr. Entsprechend stellt die Selbstständigkeit eine gute Alternative dar und wird in Deutschland immer beliebter.

Bei der Selbstständigkeit unterscheidet das Gesetz zwischen Gewerbetreibenden, Freiberuflern und Freelancern. Den Status Freiberufler erlangst Du nur, wenn Du nach dem Einkommenssteuergesetz unter die Gruppe der Freien Berufe fällst. Die Unterschiede mögen zunächst klein erscheinen, sind jedoch insbesondere in steuerrechtlicher Hinsicht äußerst wichtig.

Entsprechend ist eine ordentliche Buchführung existenziell. Daher solltest Du als Selbstständiger auf jeden Fall private und geschäftliche Ausgaben strikt voneinander trennen. Ein geschäftliches Konto ist für alle Unternehmer ein Muss. Hierfür eignet sich beispielsweise das Online Geschäftskonto von Penta, mit dem Du alle geschäftlichen Vorfälle erfassen kannst. Mithilfe zahlreicher Filterfunktion behältst Du jederzeit den Überblick. Belege kannst Du einfach scannen. Zettelwirtschaft ist damit kein Thema mehr. Anbindungen an Rechnungsprogramme erleichtern Dir die Buchhaltung und helfen Dir somit, eine Menge Zeit zu sparen.

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Das smarte Geschäftskonto für Freiberufler