Welche Rolle spielen Steuerklassen für Selbstständige?

Jeannine Klein
Jeannine Klein Juni 2020 10 Min

Inhaltsverzeichnis

Wer in Deutschland einer Beschäftigung nachgeht, muss Steuern zahlen. Bei Angestellten holt sich der Staat die Lohnsteuer über den Arbeitgeber, der den entsprechenden Betrag von Deinem Gehalt einbehält und an das Finanzamt abführt. Als Selbstständiger unterliegst Du allerdings nicht der Lohnsteuerpflicht, sondern der Einkommensteuerpflicht. Gezahlt werden muss diese aber erst dann, wenn das Einkommen abzüglich der absetzbaren Ausgaben und Vorsorgeaufwendungen den Grundfreibetrag übersteigt. Daher ist es für Selbstständige relevant, ob sie als Selbstständige ein Gewerbe betreiben oder als Freiberufler tätig und damit von der Gewerbesteuer befreit sind. Obwohl für Dich als Selbstständiger die verschiedenen Steuerklassen keine Relevanz haben, ist das Thema dennoch interessant. Beispielsweise für die Besteuerung eines Ehepartners, der sich in einem Angestelltenverhältnis befindet oder für Unternehmer, die Angestellte beschäftigen und entsprechend Lohnsteuer für ihre Mitarbeiter an das Finanzamt abführen müssen.

Was hat es mit den verschiedenen Steuerklassen auf sich?

Die Höhe, in der Dein Gehalt aus nicht selbstständiger Arbeit besteuert wird, hängt davon ab, welcher Steuerklasse Du angehörst. In Deutschland gibt es sechs verschiedene Steuerklassen. Welcher Steuerklasse ein Arbeitnehmer zugeordnet wird, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab:

  • Familienstand
  • Anzahl von Kindern
  • jeweilige Freibeträge

Wer mehrere Jobs hat, kann auch unterschiedlichen Steuerklassen zugeordnet sein.

Steuerklassen in der Übersicht: Welche Steuerklassen gibt es?

Mithilfe der Steuerklassen wird in Deutschland beispielsweise die Lohnsteuer bei Angestellten oder die Einkommensteuer bei Selbstständigen berechnet. Allen Erwerbstätigen wird entsprechend eine oder auch mehrere der insgesamt sechs unterschiedlichen Steuerklassen vom zuständigen Finanzamt zugeteilt.

Steuerklasse I

Hier finden sich Alleinstehende, also ledige und geschiedene Arbeitnehmer wieder sowie Arbeitnehmer, deren Ehepartner im Ausland wohnt oder die dauerhaft getrennt voneinander leben. Auch verwitwete Angestellte und solche, die beschränkt einkommensteuerpflichtig sind, gehören dieser Steuerklasse an. Als Teil der Steuerklasse I kannst Du keine Entlastungen für Alleinerziehende oder Kinderfreibeträge geltend machen. Grundsätzlich gibt es keine Steuerabzüge in Steuerklasse I auf Löhne und Gehälter bis zu einer Höhe von 450 Euro brutto im Monat. Hierfür wird keine Lohnsteuer abgeführt. Der Steuersatz für die Steuerklasse I liegt etwa bei 17 Prozent. Wie hoch der Satz tatsächlich ist, hängt von der Höhe des Lohnes ab.

Steuerklasse II

Wer alleinerziehend ist und mehr als 450 Euro im Monat verdient, wird in der Regel der Steuerklasse II zugeordnet. Diese Steuerklasse wird allerdings nicht automatisch zugeordnet, sondern muss beantragt werden. Dabei wird vorausgesetzt, dass die betroffene Person berechtigt ist, einen Entlastungsbetrag zu beantragen. Berechtigt sind ausschließlich Alleinerziehende, die mit ihrem Kind gemeinsam in einem Haushalt leben.

Steuerklasse III

Die Steuerklasse III ist ausschließlich Ehepaaren vorbehalten, bei denen beide Partner im Inland wohnen und nicht dauerhaft getrennt leben. Voraussetzung für die Zuteilung der Steuerklasse III ist, dass einer der Ehepartner der Steuerklasse V zugeordnet ist. In der Steuerklasse III gibt es zudem die niedrigsten Steuersätze und den doppelten Grundfreibetrag. Voraussetzung für den Eintritt in diese Steuerklasse ist zudem ein Mindestlohn von 450 Euro.

Steuerklasse IV

Diese Steuerklasse ist eine Alternative für Verheiratete, die sich nicht im Steuerklassen-Model III/V wiederfinden. Da Frauen teilweise noch immer schlechter verdienen als Männer, werden diese bei der Aufteilung in die Steuerklassen III und V oftmals mit einer höheren Steuerlast belegt. Die Steuerklasse IV dient dazu, dies zu vermeiden und eventuelle Nachzahlungen auszuschließen.

Steuerklasse IV mit Faktor

Ehepaare können zusätzlich eine Kombination aus den Steuerklassen IV und IV mit Faktor wählen. Der Faktor berücksichtigt den Splittingvorteil bereits während des Jahres. Dadurch rechnet das Finanzamt zuerst die voraussichtliche Jahreseinkommensteuerschuld des Ehepaares und teilt sie dann durch 12 geteilt, um die monatliche Lohnsteuer einzubehalten. Steuernachzahlungen werden so weitestgehend vermieden.

Steuerklasse V

Arbeitnehmer, die verheiratet sind und deren Ehepartner der Lohnsteuerklasse III angehören, kommen in die Steuerklasse V. Diese Klasse ist die ungünstige aller Steuerklassen. So gibt es in der Steuerklasse V im Vergleich mit anderen Steuerklassen hohe Abzüge und keinen jährlichen Grundfreibetrag. Erst in Kombination mit Steuerklasse III entstehen für die Betroffenen Vorteile, die die Steuerlast minimieren können.

Steuerklasse VI

Die Steuerklasse VI wird Personen zugeordnet, die einem Zweit- oder Drittjob nachgehen. Somit fällt diese Steuerklasse für jeden weiteren Job an, den Arbeitnehmer zusätzlich zum Hauptjob annehmen. Allerdings gibt es weder einen Grundfreibetrag noch eine Vorsorgepauschale oder einen Kinderfreibetrag. Dafür ist die Kombination mit anderen Steuerklassen möglich, beispielsweise mit Lohnsteuerklasse I für Ledige oder II für Alleinerziehende.

Tabelle Steuerklassen

SteuerklassenAngehörigeGrundfreibetrag
IAlleinstehende
Arbeitnehmer, deren Ehepartner im Ausland wohnt
Arbeitnehmer, die dauerhaft getrennt voneinander leben
Beschränkt Einkommensteuerpflichtige
9.168 Euro
IIAlleinerziehend mit mehr als 450 Euro im Monat9.168 Euro (zusätzlicher Entlastungsbetrag in Höhe von 1.272 Euro)
IIIEhepaare, bei denen ein Partner in Steuerklasse V ist18.336 Euro
IVEhepaare (Einzelveranlagung)9.168 Euro
VEhepaare, bei denen ein Partner in Steuerklasse III ist0 Euro
VIArbeitnehmer mit einen Zweit- oder Drittjob0 Euro

In welcher Steuerklasse bin ich?

Wenn Du nicht weißt, welche Steuerklasse Du hast, kannst Du einen Blick auf Deine Gehaltsabrechnung werfen. Alternativ findest Du sie auch auf dem Ausdruck der elektronischen Lohnsteuerbescheinigung. Diese erhältst Du einmal jährlich von Deinem Arbeitgeber. Nicht zuletzt kannst Du Dich natürlich auch beim Finanzamt melden und dort herausfinden, welche Steuerklasse Du hast.

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Steuerklassen für Verheiratete

Bei einer Eheschließung gibt es viele wichtige Entscheidungen zu treffen – die Wahl der richtigen Steuerklasse ist eine davon. Als Sozialstaat gewährt Deutschland verheirateten Paaren insbesondere mit Kindern steuerliche Vorteile und kommt ihnen so weit wie möglich entgegen. So können Ehepaare beispielsweise zwischen verschiedenen Kombinationen von Steuerklassen wählen, die ausschließlich Verheirateten zustehen.

In der Regel sind Ehepartner nach der Hochzeit automatisch der Steuerklasse IV zugeordnet. Sie können sich jedoch auch für die Kombination der Steuerklassen III und V entscheiden.

Für welche Steuerklasse sich Ehepaare entscheiden sollten, lässt sich pauschal nicht beantworten. Vielmehr hängt die richtige Wahl von der Höhe der jeweiligen Gehälter der Partner ab. Ein Gehaltsrechner bzw. Steuerklassenrechner hilft Dir, das Nettogehalt in Deiner Steuerklasse zu berechnen, und kann Dir und Deinem Partner dabei helfen, die richtige Entscheidung zu treffen.

Ein Steuerklassenwechsel muss schriftlich beim Finanzamt beantragt werden und kann einmal pro Jahr stattfinden. Bei einer Trennung ändern sich die Steuerklassen der Partner wieder: Die Kombinationen der Steuerklassen können nicht mehr genutzt werden und die Partner werden wieder in die entsprechenden Steuerklassen eingeordnet.

Steuerklassen III/V

Diese Variante lohnt sich vor allem für Ehepaare, bei denen ein Partner ein deutlich höheres Einkommen hat als der andere. Derjenige, dessen Einkommen höher ist, beantragt in diesem Fall die Lohnsteuerklasse III profitiert damit von einem deutlich höheren Freibetrag und einem geringeren Steuersatz als in Steuerklasse V. Der Steuersatz ist für beide Partner gleich hoch, wobei ein Partner 60 Prozent (Steuerklasse III) trägt. Der andere in der Steuerklasse V trägt nur 30 Prozent.

Der Partner mit dem niedrigeren Gehalt findet sich in Steuerklasse V wieder. Hier fällt der Lohnsteuerabzug etwas höher aus. Die Kombination eignet sich ebenfalls für Paare, bei denen einer der Ehegatten kein eigenes Einkommen erzielt.

Paare, die diese Variante in Anspruch nehmen, verpflichten sich zu einer gemeinsamen Steuererklärung. Im Fall von Steuerschulden haften sie gesamtschuldnerisch.

Steuerklassen IV/IV

Diese Kombination wird meist von Ehepaaren, die etwa gleich viel verdienen, gewählt. Daraus ergeben sich für beide weitere Steuervergünstigungen gegenüber der Entscheidung für die Steuerklassen III und V. Bei dieser Variante werden die vorgeschriebenen Steuersätze jeweils getrennt bezahlt.

Erwähnenswert ist auch, dass Mutterschafts- und Arbeitslosengeld in dieser Steuerklasse höher ausfallen, als bei der Kombination der Steuerklassen III und V, da die Leistungen nach dem Nettoeinkommen berechnet werden.

Sind beide Ehepartner damit einverstanden, können sie die Steuerklassen auch wechseln. Sinnvoll ist das beispielsweise, wenn sich die persönlichen Umstände des Ehepaares ändern, wie es bei Nachwuchs, Arbeitslosigkeit oder einer Gehaltserhöhung der Fall ist. Ein solcher Wechsel ist einmal pro Jahr möglich. Die Frist, um den Antrag die Steuerklassen zu wechseln beim Finanzamt einzureichen, ist der 30. November des jeweiligen Kalenderjahres. Das Formular zum ändern von Steuerklassen findest Du im Servicecenter des Bundesfinanzministeriums.

Die Steuerklassen in der Selbstständigkeit

Selbstständige unterliegen nicht der Lohnsteuerpflicht, sondern der Einkommensteuerpflicht. Sie werden keiner der Steuerklassen zugeteilt. Die Höhe der Steuern für Selbstständige richtet sich zunächst nach der Definition Deiner Tätigkeit, also danach, ob Du als Freiberufler von der Gewerbesteuer befreit bist oder Gewerbetreibender bist, ein Einzelunternehmen oder eine Personengesellschaft betreibst.

Als Selbstständiger zahlst Du die Einkommensteuer zunächst quartalsweise im Voraus. Mit Deiner Einkommensteuererklärung bekommst Du zu viel gezahlter Beträge erstattet oder musst bei zu geringen Abgaben, Steuern nachzahlen. Daher ist es enorm wichtig, Dich rechtzeitig um die sorgfältige Erstellung Deiner Steuererklärung zu kümmern. Um Fehler zu vermeiden und Freibeträge und Vorteile bestmöglich zu nutzen, kann es sich durchaus lohnen, einen Steuerberater zu kontaktieren. Um Dir und dem Steuerberater die Arbeit zu erleichtern, empfiehlt sich eine ordentliche und strukturierte Buchhaltung.

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Steuerklassen und Kinderfreibeträge

Wer Kinder hat profitiert von Steuererleichterungen: Er kann sich zwischen dem Kindergeld oder dem Kinderfreibetrag entscheiden. Das Kindergeld wird monatlich an die Eltern gezahlt und ist sozusagen ein Vorschuss auf den Kinderfreibetrag. Dieser wird Eltern mit der Steuererklärung am Jahresende zugeschrieben.

Der Kinderfreibetrag senkt auch das zu versteuernde Einkommen. Dazu wird die Einkommensteuer auf das zu versteuernde Einkommen berechnet und der Kinderfreibetrag davon abgezogen. Die Einkommensteuer wird auf das Einkommen angerechnet, das sich nach diesem Abzug ergibt.

Das Elternpaar kann aber auch für jedes Kind den vollen Kinderfreibetrag in Anspruch nehmen. Wie der Freibetrag mit Kind errechnet wird, hängt von der Steuerklasse der Eltern ab. Haben beide die Steuerklasse IV, wird der gleiche Kinderfreibetrag auf beide Elternteile aufgeteilt. Teilen sich Ehepartner in Steuerklasse III und V auf, wird der Kinderfreibetrag lediglich dem Elternteil der Steuerklasse III angerechnet.

Einfluss der Steuerklassen auf das Elterngeld

Die Höhe des Elterngeldes hängt vom Nettolohn vor der Geburt des Kindes ab. Wechselt derjenige Elternteil, der nach der Geburt zuhause bleibt und Elterngeld bezieht vor der Geburt in eine für ihn günstige Steuerklasse, kann sich das Elterngeld damit deutlich erhöhen.

Steuerklassen ändern: So geht’s

In einigen Fällen ist es notwendig, dass Du in eine andere Steuerklasse wechselst. Zum Beispiel dann, wenn Du einen neuen Job beginnst oder sich Deine Familienverhältnisse ändern.

Steuerklassen ändern sich, wenn:

  • Du heiratest
  • Du Dich von Deinem Ehepartner trennst oder scheiden lässt
  • Dein Ehepartner stirbt
  • Du alleinstehend bist und ein Kind bekommst
  • Du einen Zweitjob annimmst, für den Du eine zweite Lohnsteuerkarte benötigst

Wie kannst Du Deine Steuerklasse ändern?

Du kannst Deine Steuerklasse einmal pro Jahr durch einen schriftlichen Antrag vom Finanzamt ändern lassen. Der Wechsel ist kostenlos. Der Wechsel von Steuerklassen kann nicht online durchgeführt werden. Das notwendige Formular für den offiziellen Antrag auf Änderung der Steuerklassen wird aber online vom Bundesfinanzministerium als PDF zum Download zur Verfügung gestellt. Es enthält unter anderem folgende Angaben:

Steuerlast durch die Wahl der richtigen Steuerklassen optimieren

Als Selbstständiger bist Du nicht lohnsteuerpflichtig und somit keiner Steuerklasse zugeordnet. Die Wahl der richtigen Steuerklasse ist dennoch interessant für Selbstständige, deren Ehepartner in einem Angestelltenverhältnis beschäftigt ist.

Festzuhalten gilt, dass die Steuerklasse sich vor allem an den persönlichen Verhältnissen eines Angestellten orientiert. Zwar ist die Einordnung in die Steuerklassen I, II und VI bereits vorgegeben, doch sollten gerade Eheleute ihre Entscheidung gut durchdenken, um so die für sie beste Steuerklasse auszuwählen. Der Wechsel der Steuerklasse kann so je nach Lebenslage eine kluge Entscheidung sein.

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