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Was Arbeitgeber beim Praktikumsvertrag beachten müssen

Yasmin
Yasmin Mai 2020 9 Min

Inhaltsverzeichnis

Wenn Du als Unternehmer es richtig anstellst, wird die Vergabe von Praktikumsplätzen zur echten Win-Win-Situation. Praktikanten sammeln erste Erfahrungen und haben gute Möglichkeiten, sich für ihre berufliche Zukunft zu orientieren. Als Unternehmer profitierst Du von motivierten Arbeitskräften und hast es in der Hand, Dir Deinen eigenen Nachwuchs heranzuziehen. Praktikantenstellen bringen aber auch eine große Verantwortung mit sich. Neben dem Ausbildungsaspekt gibt es je nach Art des Praktikums einiges zu beachten. Bevor Du einen Praktikanten einstellst, mach Dich mit den gesetzlichen Regelungen, ihren Rechten und Pflichten, den unterschiedlichen Praktikumsarten sowie dem Praktikumsvertrag vertraut.

Worauf Praktikanten Wert legen

Die Zeiten sind vorbei, in denen Praktikanten als billige Arbeitskräfte galten. Eine der wichtigsten Veränderungen für das Praktikum war die Einführung des gesetzlichen Mindestlohnes im Jahr 2015, der auch für die Vergütung von Praktikanten gilt und damit Schluss mit dem unbezahlten bzw. unentgeltlichen Praktikum macht. Aber nicht nur die finanzielle Situation hat sich geändert. Auch die Erwartungen der Praktikanten an die Unternehmen sind gestiegen. Unternehmen, die heute attraktiv für Bewerber und Mitarbeiter sein wollen, müssen sich von alten Traditionen, Geschichte und bewährten Verhaltensregeln und Prozessen lösen. Stattdessen sind heute Nachhaltigkeit, verantwortungsbewusstes Verhalten oder Klimaschutz die Themen, die den Nachwuchs beschäftigen. Sie wollen in eigenen Projekten Verantwortung übernehmen und sinnvolle Arbeit statt Fleißarbeit leisten. Sie hinterfragen Prozesse, statt sie einfach hinzunehmen.

Die Situation am Arbeitsmarkt macht es ihnen möglich, ihre Ansprüche bei Unternehmen durchzusetzen. Mittlerweile gibt es deutlich weniger Bewerber als Stellen. Bewerber sind sich durchaus bewusst, dass sie sich ihren Arbeitgeber mittlerweile nach ihren eigenen Vorstellungen aussuchen können und nicht umgekehrt. Und dieses Privileg nutzen sie auch: Unternehmen ohne ökologische Ausrichtung und wertstiftende Arbeit haben bei ihnen keine Chance.

Gute Gründe, Praktikanten einzustellen

Es gibt viele gute Gründe für Gründer eines Start-ups oder Kleinunternehmer, Praktikantenstellen zu vergeben. Zum einen stammen junge Gründer aus der gleichen Generation wie die Praktikanten: Das Alter der Praktikanten liegt heute überwiegend in den 20ern. Sie sind genau wie Du: Sie sind motiviert, wollen etwas lernen, Erfahrungen sammeln und sind auch bereit, dafür mehr als die üblichen 40 Stunden pro Woche zu arbeiten. Hinzu kommt, dass Start-ups meist genau die Erwartungen an eine innovative Geschäftsidee und eine gute Gründungsstory erfüllen.

Klar, Praktikanten sind nur eine begrenzte Zeit bei Dir und Du fragst Dich, ob sich lohnt, immer wieder neue Mitarbeiter einzuarbeiten. Wenn Du es richtig anstellst, macht sich dieser Aufwand sowohl für Dich als auch für Deine Praktikanten bezahlt.

  • Setze Praktikanten flexibel in unterschiedlichen Projekten ein und profitiere von ihrer Sicht der Dinge. Möglicherweise ist ihre Perspektive eine gute Alternative zu eingefahrenen Prozessen.
  • Nutze ihre Aufgeschlossenheit, um Ideen zu hinterfragen, aufzufrischen oder zu ergänzen.
  • Erhalte ein ehrliches Bild von Dir als Arbeitgeber und nutze es für Dein Recruiting.
  • Überzeuge Praktikanten von Dir als attraktiven Arbeitgeber, ziehe Dir Deine eigenen Nachwuchs heran und nutze ihre Begeisterung für Weiterempfehlungen.
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Pflicht oder Kür: Was sind die Unterschiede?

Grundsätzlich sollen Praktika unabhängig davon, ob sie freiwillig oder als Pflichtpraktikum absolviert werden, der Weiterbildung und der beruflichen Orientierung beispielsweise als Praktikum vor der Ausbildung dienen. Dennoch gibt es hier Unterschiede in Bezug auf die Rechte und Pflichten zu beachten. Darüber hinaus gelten unterschiedliche Rahmenbedingungen in Bezug auf Dauer, Gehalt und Urlaub.

Pflichtpraktika sind ein fester Bestandteil einer Ausbildung. Sie werden durch die Schule, im Rahmen eines Studiums oder einer Ausbildung vorgegeben. Sie dienen dem Ausbildungszweck und sind in der Regel mit Vorgaben über Dauer, Arbeitszeit und Aufgabenbereich verbunden. Häufig ist ein Praktikum auch Voraussetzung für die Zulassung zu einem Studiengang oder im Rahmen eines Praxissemesters in der Studienordnung oder als Schülerpraktikum vorgeschrieben.

Freiwillige Praktika fallen unter das Berufsbildungsgesetz (BBiG) und dienen dazu, die theoretischen Kenntnisse aus dem Studium durch praktische Erfahrungen zu ergänzen. Studenten nutzen häufig die Semesterferien oder die Zeit zwischen dem Bachelor- und dem Masterstudium für ihre freiwillige Weiterbildung. Entsprechend gelten hier keine Vorschriften in Bezug auf Dauer, Arbeitszeit und Aufgabenbereich.

Die Dauer eines Pflichtpraktikums im Studium liegt zwischen drei und sechs Monaten. Dieser Zeitraum ist durchaus dazu geeignet, Praktikanten die Verantwortung für ein eigenes kleines Projekt zu übertragen. Sie bringen ihr theoretisches Wissen ein, packen mit an und steuern einen echten Mehrwert zum Projekt bei.

Ausländische Studenten

Für ausländische Studenten, die aus den Mitgliedstaaten der Europäischen Union und des Europäischen Wirtschaftsraumes stammen, gelten die gleichen Regelungen wie für deutsche Studenten. Auch hier ist die Unterscheidung zwischen freiwilligen und Pflichtpraktika entscheidend. Nicht-EU-Ausländer benötigen eine studentische Arbeitserlaubnis von der zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) sowie ein Visum.

Bei Schülern liegt die Dauer des Praktikums in der Regel bei drei Wochen. Anders als bei Studenten, wird Dir ein Schülerpraktikant eher über die Schulter gucken und kleinere Aufgaben erledigen. Es entsteht kein wirklicher wirtschaftlicher Nutzen für Dein Unternehmen. Das Schülerpraktikum dient eher einer ersten Orientierung in der Berufswelt. Trotzdem kannst Du auch hier profitieren: Vielleicht ist ein geeigneter Kandidat für eine Berufsausbildung in Deinem Unternehmen dabei?

Anspruch auf Praktikumsvergütung

Nach dem Gesetz zur Regelung eines allgemeinen Mindestlohns (Mindestlohngesetz) erhalten auch Praktikanten den gesetzlichen Mindestlohn in Höhe von aktuell 9,35 Euro brutto pro Stunde. Praktikanten, die über die Dauer von mehr als drei Monaten beschäftigt werden, steht der Mindestlohn gesetzlich zu. Pflichtpraktika sind unabhängig von ihrer Dauer von dieser Regelung ausgenommen. Das gleiche gilt für freiwillige Praktika, die über einen Zeitraum unter drei Monaten absolviert werden.

Obwohl keine Vergütungspflicht besteht, ist es gängige Praxis, eine angemessene Entlohnung als Zeichen der Wertschätzung für die Arbeit von Praktikanten zu zahlen. Schließlich müssen Praktikanten auch ihren Lebensunterhalt finanzieren. Wie hoch die Praktikumsvergütung im Einzelfall ist, ist Verhandlungssache und wird im Praktikumsvertrag festgesetzt. Zusätzlich zur Praktikumsvergütung kannst Du weitere Leistungen wie einen Fahrtkosten- oder Essensgeldzuschuss anbieten. Gründe, Praktikanten zu beschäftigen, sind Mitarbeitergewinnung und Nachwuchsförderung. Mach Dir Gedanken, was es Dir Wert ist, Dir mit einer attraktiven Bezahlung einen Vorteil gegenüber Deinen Wettbewerbern zu sichern, bevor Du ein Praktikum ohne Vergütung ausschreibst.

Übrigens: Wird das Praktikum mit mehr als 450 Euro im Monat vergütet, fällt es unter die Sozialversicherungspflicht. Das gilt auch für Pflichtpraktikanten. Grundsätzlich gilt, dass Praktikanten unfallversichert sein müssen. Sofern sie bei Minderjährigen nicht über ihre Eltern, oder über die Schule oder das Studium versichert sind, musst Du sie bei der zuständigen Berufsgenossenschaft anmelden.

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Der Praktikumsvertrag

Anders als bei Auszubildenden gibt es keine Voraussetzung wie eine Ausbildereignungsprüfung oder einen Meisterbrief, um Praktikanten zu beschäftigen. Dennoch gibt es Regeln und Pflichten in Bezug auf die Arbeitszeit im Praktikum, Meldepflicht und Versicherungsschutz, die Du als Arbeitgeber beachten musst. Freiwillige Praktika, die länger als drei Monate dauern, fallen unter das Mindestlohngesetz und müssen schriftlich im Praktikantenvertrag geregelt werden. Bei einem Pflichtpraktikum oder einem freiwilligen, bis zu dreimonatigen Praktikum ist ein Vertrag gesetzlich nicht vorgeschrieben. Ein Praktikumsvertrag ist dennoch sinnvoll, um klare Rahmenbedingungen für beide Seiten festzulegen.

Neben Angaben zu Name und Anschrift der Vertragsparteien, Beginn und Dauer, Arbeitsort sowie Ausbildungs- und Lernziele des Praktikums, kannst Du weitere Vereinbarungen über Vergütung, Arbeitszeiten, Probezeiten und Kündigungsfristen, Urlaubsanspruch sowie falls notwendig Vereinbarungen zur Geheimhaltung von unternehmensinternen Informationen schriftlich im Praktikumsvertrag festhalten. Vorlagen oder Muster für einen formlosen Praktikumsvertrag findest Du online.

Bei der Vereinbarung von Probezeiten und Kündigungsfristen wird wieder zwischen freiwilligen und Pflichtpraktika unterschieden:

  • Bei freiwilligen Praktika ist laut BBiG eine ein- bis viermonatige Probezeit vorgesehen, die auch verkürzt werden kann, um sie an die Gesamtdauer des Praktikums anzupassen. Während der Probezeit können beide Seiten das Praktikum ohne Einhaltung von Kündigungsfristen beenden. Nach der Probezeit dürfen Praktikanten von einem ordentlichen Kündigungsrecht Gebrauch machen. Die Kündigungsfrist beträgt vier Wochen. Als Arbeitgeber darfst Du ein Praktikum nur aus wichtigem Grund außerordentlich kündigen. Die Dauer des Praktikums ist ja bereits begrenzt.
  • Bei Pflichtpraktikanten gibt es keine gesetzlichen Regelungen zur Probezeit und auch keine Regelung zu Kündigungsfristen.

Praktikumsvertrag: Vereinbarungen zur Arbeitszeit

Laut Arbeitsrecht orientiert sich die Arbeitszeit im Praktikum bei volljährigen Praktikanten an der Arbeitszeit eines Festangestellten und liegt bei 8 Stunden pro Tag und 40 Stunden pro Woche. Nach 6 Stunden Arbeit besteht ein Anspruch auf 30 Minuten Pause. Die Pause kann in mehrere Blöcke aufgeteilt werden. Ein Block muss jeweils mindestens 15 Minuten lang sein. In Ausnahmefällen kann die tägliche Arbeitszeit bis zu 10 Stunden betragen. Voraussetzung dafür ist, dass die Stundenzahl an andere Stelle ausgeglichen wird und die Wochenarbeitszeit nicht überschritten wird. Ab 9 Stunden stehen Praktikanten 45 Minuten Pause zu. Mehr als 10 Stunden pro Tag sind grundsätzlich nicht erlaubt. In diesem Rahmen können aber auch individuelle Arbeitszeiten im Praktikumsvertrag vereinbart werden.

Praktikumsvertrag: Regelungen zu Urlaub und Krankheit

Wer freiwillig ein Praktikum oder ein Pflichtpraktikum absolviert, hat genau wie festangestellte Mitarbeiter einen Anspruch auf bezahlten Urlaub. Die Höhe des Anspruchs ist von der Dauer des Praktikums abhängig. Gemäß Bundesurlaubsgesetz stehen ihnen pro Jahr mindestens 24 Urlaubstage bzw. zwei Tage pro Monat zu. Minderjährige haben einen höheren Urlaubsanspruch: Praktikanten unter 16 Jahren stehen 30 Tage pro Jahr zu, 16-jährigen stehen 27 Tage und 17-jährigen 25 Tage zu. Wer ein Pflichtpraktikum absolviert, hat keinen gesetzlichen Anspruch auf Urlaub. Wie bei der Vergütung kannst Du ihnen aber freiwillig ein paar Tage einräumen und diesen Anspruch im Praktikumsvertrag festhalten. .

Bei Krankheit haben Praktikanten das Recht, sich krank zu melden und zu Hause zu bleiben. Wann und wie die Krankmeldung zu erfolgen hat, und ob eine Krankschreiben vom Arzt nötig ist, bestimmst Du im Praktikumsvertrag. Bei Pflichtpraktika müssen Fehlzeiten gegebenenfalls nachgeholt werden.

Anspruch auf Praktikumszeugnis und Praktikumsbescheinigung

Freiwillige Praktikanten haben unabhängig von der Dauer ihres Praktikums einen Anspruch auf ein qualifiziertes Arbeitszeugnis. Pflichtpraktikanten reicht eine Praktikumsbescheinigung für die Hochschule, aus der Dauer und Art des Praktikums hervorgehen. Vorlagen oder Muster als Praktikumsnachweis findest Du im Internet. Als Zeichen Deiner Wertschätzung für die geleistete Arbeit steht es Dir frei, ihnen dennoch ein Arbeitszeugnis auszustellen, das sie ihrer Bewerbungsmappe beifügen können.

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