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Rundum abgesichert: Welche Versicherungen Selbstständige brauchen

Yasmin
Yasmin Februar 2021 9 Min

Inhaltsverzeichnis

Es gibt mittlerweile kaum noch ein Risiko, gegen das Du Dich nicht absichern kannst. Kurios: Es gibt einen Londoner Versicherer, der angeblich sogar eine Versicherung gegen die Entführung durch Aliens anbietet. Es gibt viele Arten von Versicherungen. Aber nicht alle sind unbedingt notwendig. Als Unternehmer musst Du natürlich auch an Dein privates Risiko denken und Dich entsprechend absichern. Hier gibt es ein paar Versicherungen, die Selbstständige auf jeden Fall haben müssen. Dazu zählen die Kranken- und Pflegeversicherung oder eine private Haftpflichtversicherung. Ob und wie Du Dich als Selbstständiger darüber hinaus versicherst, liegt in Deiner eigenen Verantwortung. Das Gleiche gilt für die Absicherung Deines betrieblichen Risikos. Welche Versicherungen für Selbstständige sinnvoll sind, hängt von der Art Deiner Tätigkeit ab.

Keine Sozialversicherungspflicht für Selbstständige

Anders als Angestellte tragen Selbstständige die alleinige Verantwortung für ihre soziale Absicherung. Selbstständige unterliegen nicht der Sozialversicherungspflicht und müssen selbst dafür sorgen, sich bei Krankheit oder einem Unfall finanziell abzusichern. Das Gleiche gilt bei Arbeitslosigkeit oder für die Rente. Selbstständige haben aber die Möglichkeit, als freiwilliges Mitglied der gesetzlichen Kranken- und Rentenversicherung beizutreten. Unter bestimmten Umständen können sie sogar die freiwillige Arbeitslosenversicherung in Anspruch nehmen. Ob es sich lohnt, sich freiwillig gesetzlich versichern zu lassen oder ob Selbstständige mit einer privaten Kranken- und Rentenversicherung besser abgesichert sind, hängt immer vom Einzelfall ab. 

Krankenversicherungen für Selbstständige: privat oder gesetzlich?

Die Kranken- und Pflegeversicherung zählt unabhängig davon, ob Du Dein Geld mit einer selbstständigen Tätigkeit oder als Angestellter verdienst, zu den Pflichtversicherungen in Deutschland. Im Gegensatz zu Angestellten haben Selbstständige bei diesen Versicherungen aber die Wahl und können sich entweder freiwillig in der gesetzlichen Krankenkasse (GKV) oder bei einer privaten Krankenkasse (PKV) versichern lassen. Einer der Vorteile bei der freiwilligen gesetzlichen Krankenversicherung ist, dass Mitglieder automatisch pflegeversichert sind. Selbstständige, die sich privat absichern, benötigen eine zusätzlich private Pflegeversicherung.

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Wie wird der Beitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung für Selbstständige berechnet?

Die Höhe des Beitrags zur gesetzlichen Krankenversicherung wird auf Basis des Bruttoeinkommens des Versicherten berechnet. Bei Selbstständigen gilt das Betriebsergebnis vor Steuern als Bruttoeinkommen. Da Selbstständige keinen Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall haben, ist es sinnvoll, eine Zusatzversicherung für das Krankentagegeld abzuschließen. Auf diese Weise sichern Selbstständige sich gegen krankheitsbedingte Ausfälle ab. Wie hoch die Kosten für die Zusatzversicherung ausfallen, hängt von der jeweiligen Krankenkasse ab. 

Wie wird der Beitrag zur privaten Krankenversicherung für Selbstständige berechnet?

Die Leistungen, die Du in der gesetzlichen Krankenversicherung erhältst, sind unabhängig von der Versicherungsgesellschaft recht ähnlich. Große Unterschiede gibt es hier meist nicht. Anders sieht es in der privaten Krankenkasse auch. Hier erhalten Selbstständige ein individuelles Angebot, das auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist. Entsprechend bemisst sich der Beitrag zur privaten Krankenversicherung nicht am Einkommen des Versicherten, sondern an seinem Alter, seinem Gesundheitszustand und dem Leistungsumfang der Krankenversicherung. Der Nachteil ist, dass Versicherte mit zunehmendem Alter und einer Verschlechterung ihres Gesundheitszustands mit entsprechend hohen Beiträgen rechnen müssen. Ein Wechsel in die gesetzliche Krankenkasse ist ab einem Alter von 55 Jahren nicht mehr möglich. Ein weiterer Nachteil ist, dass Familienmitglieder nicht mitversichert sind. Auf der anderen Seite profitieren Versicherte von kurzen Wartezeiten bei Ärzten und in jungen Jahren sowie bei guter Gesundheit von einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis.

Selbstständig, aber sozialversicherungspflichtig

Selbstständige oder Freiberufler, die bestimmte Tätigkeiten ausüben, sind nicht von der Sozialversicherungspflicht befreit. Künstler und Publizisten, freiberufliche Lehrer oder Handwerker beispielsweise sind ebenso gesetzlich pflichtversichert. Diese Versicherungspflicht schließt sowohl die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung sowie die gesetzliche Rentenversicherung ein. Selbstständige, die mehr als einen Auftraggeber haben und keine eigenen Mitarbeiter beschäftigen, können sich allerdings von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen. Die Krankenversicherungspflicht bleibt aber bestehen. Je nachdem, welchen Beruf ein Freiberufler ausübt, erhält er über die Künstlersozialkasse Zugang zur gesetzlichen Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung und zahlt nur die Hälfte der Versicherungsbeiträge.

Rentenversicherungen für Selbstständige: privat oder gesetzlich?

Anders als bei der Krankenversicherung besteht für Selbstständige keine Pflicht, eine Rentenversicherung abzuschließen. Ob Du freiwillig der gesetzlichen Rentenversicherung beitrittst, eine private Rentenversicherung abschließt, zusätzlich zur gesetzlichen Rente private Vorsorge triffst oder gar nicht für das Rentenalter vorsorgst, ist Dir selbst überlassen.

Entscheidest Du Dich für die freiwillige Mitgliedschaft in der gesetzlichen Rentenversicherung erhältst Du nicht nur eine Rente, sondern hast auch Anspruch bei Erwerbsunfähigkeit. Voraussetzung für die Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung ist, dass der Beitrag regelmäßig und lückenlos eingezahlt wird. Selbstständige haben die Wahl, die Versicherungsbeiträge monatlich oder jährlich zu leisten. Zudem können sie auch die Höhe der Beiträge innerhalb von Beitragsgrenzen selbst wählen: Der Mindestbeitrag liegt bei monatlich 83,70 Euro, der Höchstbetrag bei 1.320,60 Euro pro Monat. Die Mitgliedschaft in der gesetzlichen Rentenkasse kannst Du jederzeit beenden und Dich privat versichern. 

Da die Höhe der zu erwartenden gesetzlichen Rente in der Regel gerade mal die Grundversorgung abdeckt, lohnen sich weitere Maßnahmen zur zusätzlichen Rentenvorsorge, um später den gewohnten Lebensstandard halten zu können. Unter bestimmten Voraussetzungen kannst Du als Selbstständiger von einer staatlichen Förderung profitieren und die Riester-Rente als zusätzliche Altersvorsorge nutzen. Oder Du nutzt die Steuervorteile der Rürup- oder auch Basisrente, um Deinen Ruhestand abzusichern. Alternativ haben Selbstständige die Option, statt Versicherungen abzuschließen, in Immobilien zu investieren. Allerdings sind Immobilien im Gegensatz zu Rentenzahlungen im Fall einer Insolvenz pfändbar. Unabhängig davon, welche Art der privaten Altersvorsorge Du wählst, achte darauf, dass Du sie flexibel an Deine private und berufliche Situation anpassen kannst.

Selbstständige, die nicht gesetzlich rentenversichert sind, sollten sich mit weiteren Versicherungen für den Fall der Erwerbs- und Berufsunfähigkeit absichern, falls sie in die Lage geraten, ihr Unternehmen durch einen Unfall oder aufgrund einer Erkrankung nicht weiterführen zu können. 

Erwerbs- und Berufsunfähigkeit

Der Unterschied zwischen der Erwerbsunfähigkeit und Berufsunfähigkeit ist entscheidend: Wer aus gesundheitlichen Gründen gar nicht mehr am Berufsleben teilnehmen kann, gilt als erwerbsunfähig. Kannst Du zwar nicht mehr in Deinem Beruf arbeiten, aber noch in einem anderen Bereich eingesetzt werden, bist Du berufsunfähig. Hier spielt bei Deiner Versicherung das sogenannte Verweisungsrecht eine entscheidende Rolle: Wurde dieses Recht nicht ausdrücklich vereinbart, bist Du verpflichtet andere zumutbare Tätigkeiten auszuüben, bevor Du Anspruch auf die vertraglich vereinbarten Leistungen hast.

Unfallversicherungen für Selbstständige: privat oder gesetzlich?

Unfälle stellen ein hohes unternehmerisches und finanzielles Risiko dar. Entsprechend sollten sich Selbstständige mit einer Unfallversicherung gegen dieses Risiko absichern. Ob gesetzlich oder privat kommt auf die Art Deiner Tätigkeit an. Gewerbetreibende sind zur Mitgliedschaft in der Berufsgenossenschaft, der gesetzlichen Unfallversicherung, verpflichtet. Für Freiberufler hingegen besteht keine Pflicht. Sie haben die Wahl, eine freiwillige Mitgliedschaft abzuschließen oder sich alternativ privat gegen Unfälle zu versichern. Trotz Mitgliedschaft in der Berufsgenossenschaft macht eine zusätzliche Unfallversicherung, die Deine privaten Risiken abdeckt, Sinn – die gesetzliche Unfallversicherung kommt nur für Arbeitsunfälle sowie berufsbedingte Krankheiten auf. Für Selbstständige, die nicht freiwillig in der Berufsgenossenschaft versichert sind, kommt die Krankenversicherung im Falle eines Unfalls auf. Die Leistungen der Krankenkasse beschränken sich allerdings meist auf das Minimum.

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Wirksamer Schutz vor betrieb­lichen Risiken

Neben der privaten Vorsorge, sichern Selbstständige sich mit weiteren Versicherungen zusätzlich gegen betriebliche Risiken ab. Ein Schadensfall kann insbesondere für junge Unternehmen und Gründer schnell das Aus bedeuten. Selbst wenn Du als Unternehmer sorgfältig abwägst, liegen betriebliche Risiken nicht immer in Deiner Hand. Beschäftigst Du beispielsweise Mitarbeiter, bist Du als Unternehmer auch für Schäden, die von Deinen Angestellten verursacht wurden, verantwortlich. Gegen welche betrieblichen Risiken Du Dich absichern musst, hängt von der Art Deines Unternehmens und Deiner Tätigkeit ab. 

Betriebshaftpflicht, Vermögensschadenhaftpflicht, Berufshaftpflicht

Zu den betrieblichen Versicherungen, die jeder Selbstständige abschließen sollte, zählt die Betriebshaftpflichtversicherung. Mit dieser Versicherung sicherst Du Dich gegen Schadenersatzansprüche Dritter wie Kunden, Lieferanten, Besuchern und Mitarbeitern ab. Während bei Kapitalgesellschaften die Haftung auf das Gesellschaftsvermögen beschränkt ist, haften Einzelunternehmer und Personengesellschaften auch mit dem Privatvermögen. Entsprechend solltest Du Dich gegen mögliche Fehler, die von Dir selbst oder einem Deinen Mitarbeitern begangen wurden, mit der Betriebshaftpflicht absichern. 

Im Unterschied zur Betriebshaftpflicht deckt die Vermögensschadenhaftpflichtversicherung ausschließlich Schäden ab, die durch Deine eigenen Fehler entstanden sind. 

Der Versicherer prüft die Schadenersatzansprüche Dritter, begleicht berechtigte Forderungen geschädigter Parteien und wehrt unberechtigte Forderungen ab.

Während die Betriebshaftpflicht und die Vermögensschadenhaftpflichtversicherung freiwillig abgeschlossen werden, gibt es bestimmte Berufsgruppen, die aufgrund gesetzlicher Bestimmungen oder auf Anordnung der zuständigen Berufskammer ihren Beruf nicht ohne eine Berufshaftpflichtversicherung ausüben dürfen. Zu diesen Berufen gehören beispielsweise Architekten, Ärzte und Apotheker, Ingenieure, Notare, Anwälte, Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer.

Rechtsschutz

In der Überprüfung von Ansprüchen gleichen Betriebshaftpflicht, Vermögensschadenhaftpflicht und Berufshaftpflichtt zwar der Rechtsschutzversicherung. Der Rechtsschutz deckt jedoch weitere Ausgaben wie Gerichts-, Anwalts- und Gutachterkosten ab.

Sach- und Ertragsausfallversicherung 

Insbesondere im produzierenden Gewerbe macht es Sinn, die Betriebseinrichtung und den Warenbestand gegen Schäden durch Feuer, Einbruchdiebstahl, Leitungswasser, Glasbruch, Sturm-, Hagel- und Elementarschäden abzusichern. Die Sach- und Ertragsausfallversicherung kommt für den entgangenen Gewinn sowie für fortlaufenden Kosten auf. Wähle die Höhe der Deckungssumme so, dass Du im Schadensfall den Warenbestand sowie die kaufmännische und technische Einrichtung zum Neuwert wiederbeschaffen kannst. Hast Du Maschinen oder elektronische Ausrüstung, musst Du die Sachversicherung darauf ausweiten.

Betrieblich genutzte Fahrzeuge über die Kfz-Haftpflichtversicherung abgedeckt. Je nach Alter, Wert und Einsatzgebiet eines Fahrzeugs kannst Du den Versicherungsschutz um weitere Leistungen ergänzen.

Weitere betriebliche Versicherungen für Selbstständige

Die genannten betrieblichen Versicherungen sind nur einige Beispiele. Natürlich kannst Du ja nach Art Deiner Geschäftstätigkeit weitere Risiken abdecken. Zu diesen weiteren Versicherungen für Selbstständige zählen beispielsweise:

  • Die Betriebs-Unterbrechungsversicherung ersetzt laufende Kosten für Mieten oder Gehälter
  • Die Umwelthaftpflichtversicherung deckt Schäden, die Boden, Wasser oder Luft verunreinigen
  • Versicherung für Mitarbeiter wie Unfallversicherungen oder betriebliche Altersversicherung
  • Vertrauensschadenversicherung für Schäden, die durch Unterschlagung, Veruntreuung, Diebstahl, Fälschung, Betrug und andere Vermögensdelikte entstanden sind

Der perfekte Versicherungsschutz für Selbständige

Um den Abschluss einer Kranken- und Pflegeversicherung kommt in Deutschland niemand herum. In bestimmten Berufsgruppen besteht zudem die Pflicht, sich in der gesetzlichen Unfallversicherung – der Berufsgenossenschaft – zu versichern oder eine Berufshaftpflichtversicherung abzuschließen, um bestimmte Berufe ausüben zu dürfen. Der Abschluss weiterer Versicherungen für Selbstständige, die das private und betriebliche Risiko abdecken, ist optional. Letztendlich bist Du als Selbstständiger selbst dafür verantwortlich, Dich ausreichend abzusichern. Betriebs- und Berufshaftpflicht sowie eine Rechtsschutzversicherung und die Sach- und Ertragsausfallversicherung bieten einen guten Schutz gegenüber betrieblichen Risiken. Die persönlichen Risiken decken Deine Kranken-, Berufsunfähigkeits- oder Privathaftpflichtversicherung ab.

Eine allgemeingültige Antwort auf die Frage, welche Versicherungen für Selbstständige notwendig sind, gibt es nicht. Welcher Versicherungsschutz für Unternehmer tatsächlich sinnvoll ist, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab und muss daher individuell betrachtet werden. 

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