So unterschiedlich gehen Banken mit Negativzinsen um

Alina
Alina März 2021 6 Min

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Langfristig betrachtet kommt niemand so einfach um das Thema Negativzinsen herum – vor allem als Unternehmer oder Selbstständiger. Dennoch gibt es kein einheitliches Vorgehen bei Banken, mit Negativzins umzugehen. Das heißt, wer sich einen Überblick über Banken und Sparkassen mit Negativzins verschafft, kann Negativzinsen zumindest vorübergehend vermeiden. Laut dem Vergleichsportal biallo.de verlangen mittlerweile knapp 322 der rund 1.700 deutschen Banken und Sparkassen Negativzinsen von Privatkunden. Geschäftskunden werden bei 379 Instituten mit Negativzinsen belegt (Stand: Februar 2021) – Tendenz steigend. Es gibt sie also noch – die Banken, die den Strafzins bisher noch nicht eingeführt haben oder bei denen die Freigrenze so hoch ist, dass der Negativzins nur sehr hohe Bankguthaben betrifft. Trotzdem ist ein Wechsel der Bank nicht zwingend die richtige Strategie, um Negativzinsen zu vermeiden.

Kein einheitliches Vorgehen der Banken mit Negativzinsen

Mal davon abgesehen, dass die Einführung von Negativzinsen für Verträge mit Bestandskunden rechtlich schwierig ist, gibt es keine einheitlichen Regelungen oder Vorgehensweisen, wie Banken und Sparkassen mit der Einführung von negativen Zinsen umgehen müssen. Entsprechend verfolgen die unterschiedlichen Geldinstitute ihre ganz eigenen Strategien. Die einen verlangen den Strafzins zunächst nur von Geschäftskunden. Privatkunden bleiben erst einmal verschont. Die Höhe der Zinsen variiert ebenfalls. Während die einen den gesamten negativen EZB-Einlagensatz  in Höhe von -0,5 Prozent pro Jahr an ihre Kunden weitergeben, berechnen andere ihren Kunden weniger. Mit -0,12 bis -0,5 Prozent macht die Volksbank Baden-Baden Rastatt die Höhe der Negativzinsen vom Verhältnis der Einlagen zum Gesamtvolumen eines Kunden abhängig. Banken wie die Sparkasse Bamberg, die Volksbank Gescher oder die VR-Banken Bamberg-Forchheim, Bayreuth-Hof und Erlangen-Höchstadt-Herzogenaurach verlangen sogar -0,6 Prozent. 

Andere vermeiden es, Negativzinsen als solche auszuweisen. Stattdessen erheben sie seit neuerem Gebühren für Tagesgeldkonten, um ihre Kosten zu decken. Durch diese Gebühren entsteht ein faktischer Negativzins, der jeden Kunden unabhängig von der Höhe seiner Einlagen betrifft.

Freigrenzen für Negativzinsen

Die meisten Banken, die Negativzinsen von ihren Kunden verlangen, räumen ihnen zumindest eine Freigrenze ein. Damit wird nur auf das Guthaben, das diese Grenze übersteigt, der Negativzins erhoben. Bei der Freigrenze ist es wie mit der Höhe des Zinssatzes: Angefangen bei 1.000 Euro reicht sie bei der Sparkasse Rotenburg-Osterholz, der Volksbank Dresden-Bautzen, der VR-Bank Ellwangen und der VR-Bank Ostalb bis zu einer Million Euro. Betrachtet man die Freigrenzen bei den deutschen Banken und Sparkassen, sind zwischen 100.000 und 250.000 Euro üblich. Es gibt aber auch Banken, die Negativzinsen bereits ab dem ersten Euro erheben. 

Freigrenze ist aber auch nicht gleich Freigrenze: Als Kunde musst Du zusätzlich darauf achten, wie Banken oder Sparkassen das Limit berechnet. Bei Penta gilt die Freigrenze von 100.000 Euro für ein Geschäftskonto inklusive Unterkonten. Die Comdirect Bank hingegen berechnet die Zinsen täglich auf Basis der Salden sämtlicher Konten einer Kundenverbindung nach Abzug des Freibetrags. Hierzu zählen neben dem Girokonto auch Tagesgeld-, Verrechnungs- und Wertpapierkreditkonten.

Geschäftskonto mit transparenten Preisen

Unterschiedliche Optionen für Neu- und Bestandskunden

Planst Du ein Unternehmen zu gründen und bist noch auf der Suche nach einem Geschäftskonto, hast Du den Vorteil, Dich für einen Anbieter zu entscheiden, der aktuell noch keine Negativzinsen verlangt. 

Konditionen sorgfältig prüfen

Nicht alle Banken weisen das Verwahrentgelt in ihren Entgeltinformationen aus. Tatsächlich steht es auch nicht auf der von der BaFin veröffentlichten Liste der repräsentativsten mit einem Zahlungskonto verbundenen Dienste gemäß § 47 Zahlungskontengesetz (ZKG).

Alternativ kannst Du Dich auch für eine Bank entscheiden, die zwar ein Verwahrentgelt verlangt, Dir aber eine angemessene Freigrenze einräumt. Du musst allerdings trotzdem damit rechnen, dass sich diese Konditionen jederzeit ändern können. Während Banken und Sparkassen bei Neuverträgen ohne Weiteres entsprechende Konditionen festlegen können, benötigen sie bei Bestandskunden zwar eine einvernehmliche Regelung, um Negativzinsen oder Verwahrentgelte zu berechnen. Eine einfache Anpassung der AGB ist rechtlich nicht ausreichend. 

Als Bestandskunde musst Du einer solchen Änderung also ausdrücklich zustimmen. Weigerst Du Dich, haben Banken aber das Recht, Dir zu kündigen. Ende 2020 drohte beispielsweise die Sparkasse Düsseldorf laut Berichten der Rheinischen Post Online selbst langjährigen Kunden, die sich weigerten, Negativzinsen zu akzeptieren, mit der Kündigung. Verhandlungen zu Sonderkonditionen in Bezug auf die Freigrenze oder die Höhe der Negativzinsen sind natürlich grundsätzlich möglich. 

Unzulässige Gebühren bei Banken mit Negativzinsen

Dir steht es natürlich auch frei, die Entgeltinformationen oder die Erhebung von Negativzinsen gerichtlich überprüfen zu lassen. Das Landgericht Tübingen (Az. 4 O 225/17) erklärt die doppelte Bepreisung einer Leistung beispielsweise für unzulässig. Das Gleiche gilt für die Erhebung von Negativzinsen auf Tages- und Festgeldkonten, für die nicht von vornherein die Möglichkeit von Negativzinsen vorgesehen war. So ein Vorgehen widerspricht laut dem Landgericht Tübingen (Az. 4 O 187/17) dem ursprünglichen Vertragscharakter und ist damit nicht erlaubt.

Negativzinsen betrifft Unternehmen aller Größenordnungen 

Während Verbraucher aktuell oft noch von den Negativzinsen verschont bleiben, werden Geschäftskunden von vielen Banken bereits damit konfrontiert. Negativzinsen sind auch längst nicht mehr ausschließlich für große und vermögende Unternehmen relevant. Auch kleine und mittlere Unternehmen (KMU) und Einzelunternehmer müssen sich mit der Frage auseinandersetzen, wie sie mit den Veränderungen der Finanzpolitik und deren Auswirkungen umgehen wollen. Wer jetzt an einen Wechsel seiner Bank denkt, sollte sich allerdings bewusst sein, dass auch Banken und Sparkassen, die heute noch keine Negativzinsen verlangen oder ihren Kunden sehr hohe Freigrenzen gewähren, mittel- und langfristig ihre Konditionen anpassen werden müssen, um auch in Zukunft ihre Kosten zu decken. Ein Ende der Niedrigzinspolitik der EZB ist nicht in Sicht. Mit einem Anstieg der Zinsen ist daher in naher Zukunft eher nicht zu rechnen.

Strategien, um Negativzinsen zu vermeiden

Wer keine negativen Zinsen zahlen möchte, hat neben einem Bankenwechsel durchaus weitere wirksame Möglichkeiten. So kannst Du Dein Guthaben auf mehrere Konten verteilen, Deine Einlagen durch Investitionen verringern oder auf unterschiedliche Anlageformen setzen. Mit einem Tagesgeldkonto erzielst Du aktuell zwar auch keine hohen Renditen, behältst aber jederzeit den Zugriff auf Dein Geld. Bei Festgeld hingegen sind aktuell je nach Laufzeit, Anlagebetrag und Bank Zinsen in Höhe von bis zu 1,5 Prozent pro Jahr möglich. Bei welchen deutschen oder europäischen Banken Du aktuell die besten Konditionen für Festgeld bekommst, verrät Dir der Festgeld-Vergleich unseres Kooperationspartners WeltSparen

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