Anlagenbuchhaltung

Finanzielle Sicherheit und Ordnung in einem Unternehmen ist immer auch mit der Anlagenbuchhaltung verknüpft. Dieser Teilbereich der Finanzbuchhaltung sorgt dafür, dass du als Unternehmer immer auf dem Laufenden sind, was den Wert deiner Vermögensgegenstände betrifft. In diesem Artikel möchten wir sie über die Besonderheiten und über die Vorteile der Anlagenbuchhaltung informieren. 

Als Chef eines Unternehmens ist es eine ewige Frage: Wie viel ist mein Unternehmen gerade wert? Ohne Weiteres lässt sich diese Frage meistens nicht beantworten. Zu komplex ist die Struktur eines Unternehmens, zu viel hängt von subjektiven Faktoren ab. Beispielsweise das Wachstumspotenzial einer Firma zu bewerten, ist eine Wissenschaft für sich und wird von unterschiedlichen Experten immer unterschiedlich gehändelt werden. 

Verlässlicher sind da schon die Angaben aus der Anlagenbuchhaltung: Um kalkulieren zu können, wie viel die langlebigen Vermögensgegenstände im Unternehmen wert sind, ist diese unerlässlich. Außerdem gibt die Anlagenbuchhaltung einen schnellen Überblick über alle langfristig relevanten Gegenstände oder Immobilien, die dem Unternehmen gehören.

Das ist sowohl für die Firma selbst als auch für mögliche Investoren oder Kunden relevant. Letztlich dient die Anlagenbuchhaltung der korrekten finanziellen Bewertung des Anlagevermögens eines Unternehmens. 

Anlagenbuchhaltung und Anlagevermögen: Was ist das überhaupt?

Auf dem Weg zu einer korrekten Anlagenbuchhaltung musst du dir erst einmal bewusst machen, was das sogenannte Anlagevermögen des Unternehmens überhaupt ist. Der Begriff ist im Handelsgesetzbuch, Paragraf 247, klar definiert: „Beim Anlagevermögen sind nur die Gegenstände auszuweisen, die bestimmt sind, dauernd dem Geschäftsbetrieb zu dienen.

Im Gegensatz zum Umlaufvermögen verbleibt Anlagevermögen also über einen langen Zeitraum im Unternehmen und trägt zum Erfolg bei. Von Anlagevermögen kann man beispielsweise bei folgenden Dingen sprechen:

  • Gebäude und Grundstücke
  • Maschinen
  • Geschäftswagen
  • Büroausstattung (Computer, Laptops, Drucker,…)

All die Gegenstände, die langfristig im Unternehmen verbleiben, können also als Anlagevermögen aufgefasst werden. Jedoch muss beachtet werden, dass Gegenstände nur bei Anschaffungskosten in Höhe von mehr als 1.000 Euro automatisch als Anlagevermögen gelten.

Bei geringeren Anschaffungskosten haben Unternehmen weitere Möglichkeiten: Du kannst für sogenannte „geringwertige Wirtschaftsgüter“ im Wert von 250,01 Euro bis 1.000 Euro Sammelabschreibungen vornehmen oder Gegenstände im Wert von unter 250 Euro als „sofortige Betriebsausgabe“ geltend machen. Doch in diesem Artikel wollen wir uns auf das „echte“ Anlagevermögen konzentrieren. Dieses zeichnet sich vor allem durch Abschreibungen aus. 

Anlagenbuchhaltung und Abschreibungen: Was du beachten musst

Anlagenbuchhaltung und Abschreibungen gehören untrennbar zusammen. Jeder Vermögensgegenstand aus dem Anlagevermögen muss nämlich abgeschrieben werden. Jahr für Jahr mindert sich so der Wert des Gegenstandes, bis er irgendwann bei null Euro angelangt ist. Entscheidend für die Abschreibung von Anlagevermögen sind vor allem drei Dinge:

  • Anschaffungswert des Vermögensgegenstandes
  • Nutzungsdauer des Vermögensgegenstandes 
  • Gewählte Abschreibungsart

Um am Ende des Jahres in der Unternehmensbilanz beurteilen zu können, wie viel jeder einzelne Vermögensgegenstand wert ist, sind die Abschreibungen unerlässlich. Dabei gilt natürlich: Je höher der Anschaffungswert eines Gegenstandes ist, desto größer wird auch die Abschreibung sein. Ein Gebäude oder ein Geschäftswagen wird demnach höhere Abschreibungen verursachen als ein Computer.

In Bezug auf die Nutzungsdauer eines Vermögensgegenstandes gibt es dabei Richtlinien des Bundesfinanzministeriums. In den sogenannten „Afa-Tabellen“ (Absetzung für Abnutzung) steht, über welchen Zeitraum ein bestimmter Gegenstand abgeschrieben werden sollte. Beispielsweise gelten folgende Abschreibungs-Zeiträume:

  • 6 Jahre für Personenkraftwagen
  • 3 Jahre für Computer, Laptops, Drucker usw.
  • 13 Jahre für Büromöbel

Die Lektüre der gesamten Liste ist dabei nicht nur informativ, sondern kann auch unterhaltsam sein. Wusstest du zum Beispiel, dass Golfplätze über 20 Jahre abgeschrieben werden sollen, Toilettenhäuschen eine wirtschaftliche Haltbarkeit von neun Jahren haben und Bierzelte in der Regel schon nach acht Jahren keinen buchhalterischen Wert mehr haben?

Entscheidend bei der Anlagenbuchhaltung: Die Abschreibungsart

Neben den Anschaffungskosten und der veranschlagten Nutzungsdauer spielt vor allem die Art der Abschreibung eine wichtige Rolle. Unterschieden wird in der Regel zwischen vier Verfahren zur Abschreibung des Anlagevermögens, wobei in der Praxis meist nur zwei relevant sind: die lineare Abschreibung und die degressive Abschreibung.

In Ausnahmefällen kommt die Abschreibung nach der Leistung zum Einsatz, und so gut wie überhaupt nicht wird die Option der progressiven Abschreibung genutzt – diese ist ohnehin teilweise nicht erlaubt. 

Konzentrieren wir uns also auf die lineare und die degressive Abschreibung. Wie der Name schon sagt, wird bei der linearen Abschreibung mit einer konstanten, linearen Rate abgeschrieben.

Ein Beispiel: Ein Unternehmen schafft sich einen Firmenwagen an und zahlt dafür 18.000 Euro. Abgeschrieben werden muss dieser gemäß der AfA-Tabellen über sechs Jahre. Das ergibt letztlich eine Abschreibung von 3.000 Euro jährlich. Nach sechs Jahren ist der Wagen in der Bilanz also nichts mehr wert. 

Die gängigste Alternative zur linearen Abschreibung ist die degressive Abschreibung, die der Realität meist näher kommt. Anfangs verliert ein Vermögensgegenstand nämlich bei der degressiven Abschreibung schneller an Wert, da bei dieser Methode mit Prozentsätzen gerechnet wird.

Somit müsste in unserem Beispiel die Abschreibung für das Firmenauto im ersten Jahr deutlich höher ausfallen. Einen Prozentsatz von 30 Prozent vorausgesetzt, müssten im ersten Jahr nach Kauf in Höhe von 18.000 Euro demnach 5.400 Euro abgezogen werden. Bei dieser geometrisch-degressiven Methode wird der Wert einer Anlage allerdings nie auf 0 Euro sinken (durch die Prozentsätze). Daher muss ab einem bestimmten Zeitpunkt auf die lineare Methode umgestellt werden. 

Fazit: Die Anlagenbuchhaltung benötigt Einarbeitungszeit, aber…

Fest steht: Angesichts der teilweise komplexen Arbeitsschritte, die für die Anlagenbuchhaltung nötig sind, benötigt man einiges an Wissen. Eine Ausbildung kann hier für stabile Grundlagenkenntnisse sorgen, und auch ein Studium der Wirtschaftswissenschaften oder Ähnliches beschäftigt sich damit. In die Materie muss sich also intensiv eingearbeitet werden, ansonsten erhöht sich das Fehlerrisiko. 

Doch auch wenn die Anlagenbuchhaltung kompliziert ist: Nötig ist sie in jedem Unternehmen, das zur Buchhaltung verpflichtet ist. Eine Bilanz zu schreiben, ist nämlich ohne Anlagenbuchhaltung schlicht unmöglich. Bereits rein juristisch betrachtet ist die Anlagenbuchhaltung daher Pflicht.

Und auch für die Ordnung in deinem Unternehmen hilft die Anlagenbuchhaltung definitiv weiter. Zu wissen, welche Vermögensgegenstände aktuell dem Unternehmen gehören und wie viele diese in etwa wert sind, ist unabdingbar. Durch dieses Wissen können die eigenen Strategien verfeinert werden. 

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Zuletzt aktualisiert vonOliver