Förderung bei der Existenzgründung – welche Möglichkeiten gibt es?

Die Gründung eines Unternehmens ist mit viel Aufwand verbunden. Sie fordert Zeit, Nerven und Geld. Damit Gründer ein wenig entlastet werden, bietet der Staat verschiedenste Möglichkeiten, die Existenzgründung finanziell zu unterstützen. Tatsächlich gibt es so viele Fördermittel, das der Überblick schnell verloren gehen kann und man nicht mehr weiß, wo man sich für die Beantragung melden soll. Welche Fördermittel es für die Unternehmensgründung gibt und was bei dem großen Angebot zu beachten ist, erfährst Du hier.

Welche Arten von Fördermitteln kann man als Existenzgründer wahrnehmen?

Der Staat ist an dem Erfolg von Unternehmen durchaus interessiert, denn diese Firmen tragen zum wirtschaftlichen Wachstum bei, kreieren Jobs und können potenziell durch innovative Ideen das Ansehen des Landes stärken. Daher bietet der Bund verschiedene Fördermittel, die Gründer während der oft schweren Gründungsphase finanziell helfen sollen.

Die Auswahl der Fördermittel ist recht umfangreich und ist neben den vom Bund gebotenen Mitteln auch von Bundesland zu Bundesland verschieden. Grundsätzlich kann man aber Fördermittel in Form von Zuschüssen, Darlehen bzw. Krediten und Bürgschaften erwarten.

Wer kann Fördermittel in Anspruch nehmen?

Ganz allgemein kann jeder, der in Vorbereitung der Gründung steckt, Fördermittel beantragen. Es wird oft noch zwischen Fördermitteln für Gründer und Klein- und Mittelunternehmen, Fördermitteln für Gründer, die zuvor arbeitslos waren, Fördermitteln für Start-Ups im IT- und Wissensbereich sowie für Start-Ups, die im Bereich erneuerbare Energien und Umweltschutz arbeiten, unterschieden.

Aufgrund der großen Auswahl an verschiedenen Fördermitteln kann man als Gründer auch die Hilfe von Unternehmensberatern in Anspruch nehmen. Dort muss man die Vision des Unternehmens und die wichtigsten Informationen zum Unternehmen mit den Unternehmensberatern vor Ort besprechen und wird dann auf das passende Fördermittel aufmerksam gemacht, ohne selbst viel Zeit und Aufwand in die Sache stecken zu müssen.

Diese Beratungen sind je nach Bundesland entweder kostenlos oder bieten die Möglichkeit auf einen Zuschuss zu den Kosten, die bei der Beratung entstanden sind. Selbst nach der Gründung kann diese Dienstleistung noch in Anspruch genommen werden. Gerade junge Unternehmen oder Unternehmen, die eine schwierige Phase erleben, sollten sich an die zuständigen Unternehmensberater wenden.

Welche Fördermittel gibt es für Gründer und Klein- und Mittelunternehmen?

Neben der allgemeinen Beratungsförderung gibt es eine Reihe an Krediten, die sich an solche Gründer richten. Zunächst mal sei da die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) zu nennen. Bei der KfW handelt es sich um eine Förderbank, die also darauf spezialisiert ist, Gründer zu fördern und die Konditionen der ausgehändigten Kredite dementsprechend günstig für die Gründer gestaltet.

Der wohl wichtigste Kredit, der für diese Gruppe von Gründern bei der KfW zur Verfügung steht, ist das ERP-Kapital für Gründung. Das ERP-Kapital kann bis zu drei Jahre nach Gründung der Firma in Anspruch genommen werden und beteiligt sich in Teilfinanzierung an bis zu 50% des Investitionsbedarfs. Trotzdem muss man als Gründer mindestens 10% Eigenkapital vorweisen können, ansonsten erhält man eine Absage.

Zum Investitionsbedarf zählt zum Beispiel der Kauf von Maschinen, Computern, Büros, Baukosten, Firmenfahrzeugen, aber auch der Kauf von Anlagen und Lizenzen oder Patenten kann hiermit unterstützt werden. Mit dem ERP-Kapital kann auch die erste Teilnahme bei einer branchenspezifischen Messe finanziell unterstützt werden. An und für sich können sämtliche Existenzgründer, Freiberufler, junge Unternehmen aber auch Unternehmensnachfolger vom ERP-Kapital profitieren.

Die Laufzeit dieses Kredits beträgt 15 Jahre und einen Festzinssatz gibt es für 10 Jahre. Im Anschluss darauf werden die Konditionen nochmal neu abgestimmt, je nachdem, wie es mit dem Unternehmen läuft. Der Zinssatz beträgt je nach Höhe des Kredits und wann und wo das Unternehmen gegründet ist 0,40% oder 2,40%. Die KfW zahlt mit dem ERP-Kapital bis zu 500.000€ Kredit an Gründer. Die ersten sieben Jahre des Unternehmens sind tilgungsfrei, das heißt, man zahlt nur die Zinsen zusammen mit dem Garantieentgelt.

Nach diesen sieben Jahren muss der Kredit in vierteljährlichen Raten abgezahlt werden. Das ERP-Kapital stellt dank dieser Konditionen für viele Gründer ein gutes Fördermittel dar, die KfW bietet jedoch noch viele weitere Finanzierungskredite für Gründer oder Klein- und Mittelunternehmer­ an, über die man sich auch informieren kann.

Neben diesen großen Krediten gibt es auch die Möglichkeit, kleinere Kredite aufzunehmen. Der Mikrokredit, der vom Bund verliehen wird, um Gründer und Klein- und Mittelunternehmer finanziell zu unterstützen. Der Mikrokredit wird vom Mikrokreditfond Deutschlands bereitgestellt und wird nur dann verliehen, wenn der Antragsgeber nachweisen kann, dass der Kredit nur für das Unternehmen verwendet wird und keine privaten Zwecke erfüllt.

Man kann mehrere Kredite zu verschiedenen Zeitpunkten je nach Bedarf beantragen, darf jedoch insgesamt die Kreditgrenze von 25.000 Euro nicht überschreiten. Zunächst gibt es die Möglichkeit, Kredite im Rahmen von 1000 Euro, 5000 Euro oder 10.000 Euro aufzunehmen.

Zielgruppe des Mikrokredits sind Gründer und Unternehmer, die von ihrer Bank keine Kredite erhalten. Grund dafür kann zum Beispiel die Risikoeinschätzung des Unternehmens sein. Der Mikrokredit richtet sich zudem explizit an Unternehmen, die von Frauen oder Menschen mit Migrationshintergrund gegründet bzw. geführt sind.

Laut Bundesministerium für Arbeit und Soziales beträgt der Zinssatz für den Mikrokredit 7,9%. Zusätzlich ist eine Abschlussgebühr von 100 Euro pro Kredit fällig. Wie und in welcher Höhe der Kredit abgezahlt werden soll, ist unterschiedlich.

Die Konditionen des Mikrokredits richten sich dabei an die individuelle Situation des Unternehmens und berücksichtigen diese. Wenn sich zum Beispiel die Rückzahlung für das Unternehmen nicht im Rahmen des Möglichen befindet, können auch Bürgschaften genutzt werden, um Abhilfe zu leisten. Die Flexibilität und das relativ niedrige Risiko des Mikrokredits ist daher eine oft genutzte Förderleistung für Gründer und kleine und mittlere Unternehmen.

Neben diesen Fördermitteln sind unter anderem auch der KfW-Unternehmerkredit, der ERP-Digitalisierungs- und Innovationskredit, das ERP-Beteiligungsprogramm und die Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ zu nennen.

Welche Fördermittel gibt es für Gründer, die zuvor arbeitslos waren?

Gründet man ein Unternehmen aus der Arbeitslosigkeit, bietet die Bundesagentur für Arbeit Gründungszuschüsse und Einstiegsgelder als Fördermittel. Der Vorteil eines Zuschusses ist, dass man anders als bei einem Kredit das Fördergeld nicht zurückzahlen muss. Das stellt natürlich eine große Entlastung für jedes Unternehmen dar.

Wer sich also entscheidet, ein Unternehmen zu gründen oder sich selbstständig zu machen, sollte sich über den Gründungszuschuss informieren. Im Allgemeinen gibt es für den Erhalt eines Zuschusses drei Voraussetzungen. Erstens muss die Selbstständigkeit in hauptberuflichem Umfang ausgeübt werden. Denn Ziel ist es, dem Gründer den Lebensunterhalt zu ermöglichen.  

Der zweite wichtige Punkt bei Beantragung des Zuschusses ist, dass man sich am Anfang der Selbstständigkeit befindet und der Anspruch auf Arbeitslosengeld noch mindestens 150 Tage Gültigkeit hat. Als dritte Voraussetzung muss man sich den Antrag bescheinigen lassen.

Dabei wird anhand vom Businessplan und Lebenslauf geprüft, ob das Geschäftsmodell solide ist und ob der Antragsgeber das Zeug dazu hat, die Selbstständigkeit erfolgreich zu meistern. Diese Bescheinigung ist zum Beispiel bei der IHK, der HWK oder der Bank zu erhalten. Die Laufzeit des Gründungszuschusses beträgt zunächst sechs Monate.

Wie hoch der Zuschuss ausfällt, hängt von der Höhe des Arbeitslosengeldes des Gründers ab. Allgemein gilt, dass die Höhe des Arbeitslosengeldes zusammen mit den 300 Euro Zuschuss pro Monat den Gründungszuschuss bilden.

Im Gegensatz zum Arbeitslosengeld muss der Gründungszuschuss auch nicht in der Steuererklärung angegeben werden. Der Zuschuss kann auf weitere neun Monate verlängert werden, wenn nachgewiesen kann, dass die selbständige Tätigkeit hauptberuflich ausgeübt wird. Bei Bewilligung erhält man weiterhin 300 Euro pro Monat, allerdings ohne Arbeitslosengeld.

Welche Fördermittel gibt es für Start-Ups in der IT- und Wissensbranche?

Für Start-Ups gibt es noch mehr Fördermitteln als bei den beiden oben aufgeführten Gründertypen. Neben Zuschüssen, Krediten, Bürgschaften und Venture Capitals können sich Gründer eines Start-Ups im Bereich Technik und Wissenschaft für Stipendien bewerben. Das EXIST-Gründerstipendium richtet sich besonders an Studierende, Hochschulabsolventen und Wissenschaftler. Wenn man in dieses Profil fällt, braucht man noch eine innovative Idee, die sich im Bereich der Technologie befindet bzw. eine Idee im Bereich der wissensbasierten Dienstleistungen.

Die Förderung kann zum einen den Lebensunterhalt sichern, man kann aber auch Förderstipendien für Sachausgaben oder Coaching erhalten. Für den Lebensunterhalt zahlt das Stipendium 3000 Euro pro Monat für promovierte Gründer, 2500 Euro pro Monat erhalten Hochschulabsolventen.

Technische Mitarbeiter an Hochschulen oder Forschungsinstituten bekommen 2000 Euro pro Monat, Studierende erhalten 1000 Euro. Zusätzlich erhält man als Gründer mit Kind noch 150 Euro pro Monat pro Kind. Für Sachausgaben kann man als Stipendiat bis zu 10.000 Euro erhalten, wenn man in einem Team mit maximal drei Leuten gründet, kann man bis zu 30.000 Euro Förderfinanzierung erhalten. Hat man Bedarf auf Coaching, zahlt das Stipendium eine Summe von bis zu 5000 Euro an Gründer. Die Dauer des Förderstipendiums ist auf ein Jahr beschränkt.

Als weitere Voraussetzung muss die Hochschule oder das Forschungsinstitut bereits in einem Gründernetzwerk verbunden sein. Außerdem muss die Hochschule oder der Forschungsplatz dafür sorgen, dass dem Gründer ein Mentor zur Verfügung steht und dass der Gründer einen sicheren Arbeitsplatz am jeweiligen Institut hat.

Auch der Gründer selbst muss gewisse Leistungen erbringen, um sich für das Stipendium zu qualifizieren. Er oder sie muss sich intensiv mit der Materie beschäftigen, sich zum Thema Gründen weiterbilden, indem er oder sie Seminare besucht und sich coachen lässt. Nach fünf Monaten muss dann eine erste Fassung des Businessplans präsentiert werden, nach weiteren fünf Monaten muss dann der finale Businessplan vorliegen.

Der Antrag auf das EXIST- Gründerstipendium kann jederzeit von Hochschulen oder Forschungsinstituten- und -einrichtungen gestellt werden. Auf diese Weise können Gründer mit besonders einfallsreichen, neuartigen Ideen im Bereich der Technologie und wissensbasierten Dienstleistungen die ersten Schritte zum Start-Up in gewohntem Umfeld und mit finanzieller Hilfe machen.

Aber auch Fördermittel in Form von Venture Capital sei hier zu erwähnen. Ein Venture Capital, auf Deutsch „Risiko- oder Wagniskapital“ bezeichnet Beteiligungskapital eines Investors, das außerbörslich und daher mit einem hohen Verlustrisiko verbunden ist. Besonders im Start-Up Mekka des Silicon Valleys in Kalifornien wird diese Art der Finanzierung von Start-Ups häufig genutzt.

Auch in Deutschland kann man als Gründer eines Start-Up Unternehmens auf Venture Capitals setzen. So hat sich zum Beispiel das Deutsche Börse Venture Network darauf spezialisiert, junge Start-Ups mit Kapital bei der Gründung zu unterstützen. Dieses Network hilft Gründern also dabei, Investoren und sonstige Finanzierungsmittel zu finden.

Das Venture Network bietet sich an für Start-Ups aller Branchen und unterstützt von der frühen bis späten Gründungsphase. Um sich für diese Unterstützung zu qualifizieren, muss man einen Antrag auf Mitgliedschaft stellen, was jederzeit möglich ist. Das Venture Network stellt sich aus drei Bereichen zusammen, die individuell an das Start-Up angepasst werden.

Der Bereich Capital kümmert sich vor allem darum, das Start-Up mit passenden Investoren in Kontakt zu bringen und auch sonst Finanzierungsmöglichkeiten zu schaffen. Im Network Bereich geht es wie der Name vermuten lässt um Networking. Das kann entweder in Form von Treffen innerhalb der Venture Network Community stattfinden, aber auch Teilnahme an Start-Up Konferenzen werden hier gefördert. Auch legale Unterstützung wird geleistet, da es bei der Gründung von Start-Ups oftmals zu Rechtsstreitigkeiten kommen kann.

Wenn das Start-Up bereits einigermaßen gut läuft, hilft der Bereich Skill dabei, das Wachstum des Start-Ups zu fördern. Neben dem Deutsche Börse Venture Network gibt es für Start-Ups auch High-Tech Gründerfonds, den INVEST – Zuschuss für Wagniskapital oder den German Accelerator für IKT- und Lifesciences-Start-Ups, um nur einige zu nennen.

Welche Fördermittel gibt es für Start-Ups im Bereich Clean Energy und Umweltschutz?

Besonders Start-Ups, die sich explizit auf Nachhaltigkeit und ähnliche relevante Themen spezialisieren, können eine Reihe Fördermittel erhalten. Es gibt zum Beispiel viele Förderpreise, die innovative Ideen belohnen und den ersten Schritt in Richtung Gründung unterstützen können.

So ist zum Beispiel das Green Start-up-Sonderprogramm der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit dem Schwerpunkt Digitalisierung zu nennen. Passende Start-Ups, die noch nicht länger als fünf Jahre in Betrieb sind, können somit finanzielle Unterstützung erhalten. Die Fördersumme deckt im Idealfall drei Bereiche ab. Zum einen erhält man als Gründer bis zu 2000 Euro pro Monat für den Lebensunterhalt, damit man sich in aller Ruhe auf das Unternehmen konzentrieren kann. Die maximale Dauer der Förderung beträgt 24 Monate.

Auch Sachkosten können für eine Summe von bis zu 40000 Euro durch das Sonderprogramm gedeckt werden. Als dritte Komponente des Förderprogramms bietet die DBU Start-Ups unternehmerische Förderungen in Form von Mentoren und Networking-Möglichkeiten. Auch rechtliche und steuerliche Beratung wird hier geleistet. Es geht bei dem Sonderprogramm für Start-Ups im Bereich Umwelt, Ökologie und Nachhaltigkeit also um die gesamte Förderung des Unternehmens, nicht nur der finanziellen. Neben dem Sonderprogramm sei auch noch der Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit StartGreen Award, das KfW-Umweltprogramm und das BMUB-Umweltinnovationsprogramm zu erwähnen.


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