Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung

Wenn es um Buchführung geht, gibt es viele Regeln, die es zu beachten gilt. Der Großteil von ihnen ist im Handelsgesetzbuch erfasst und daran kann sich jeder gut orientieren. Allerdings gibt es darüber hinaus auch die sogenannten Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung. Was genau das ist und wer diese befolgen muss, erklären wir dir heute.

Was sind die Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung?

Die Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung, kurz auch GoB, sind Regeln, die allgemein anerkannt werden und das Handelsgesetz ergänzen. Wir sprechen hier nicht von festgelegten Gesetzen, aber niedergeschriebenen Prinzipien, die bei Zweifelsfällen der Gesetze aus dem Handelsbuchgesetz angewendet werden können.  

Insgesamt sind es acht Grundsätze: Klarheit und Übersichtlichkeit, Richtigkeit und Willkürfreiheit, Vollständigkeit, Einzelbewertung, Wertaufhellung, Ordnungsmäßigkeit, Sicherheit und der Beleggrundsatz. 

Der Grundsatz der Klarheit und Übersichtlichkeit sieht vor, dass die Buchführung für einen Dritten schnell verständlich ist und einen guten Einblick in die finanzielle Lage gewährt. Dies schließt zum Beispiel komplizierte Begriffe sowie eine verwirrende Struktur aus. Das nächste Prinzip besagt, dass Schätzungen realitätsnah sein sollten und rechtlich korrekt vorgegangen werden muss.

Der Grundsatz der Vollständigkeit sagt aus, dass alle Vorgänge, die vermögensverändernd gewirkt haben könnten und somit buchführungspflichtig sind, berücksichtigt werden müssen. Außerdem müssen verschiedene Unterformen einer Kategorie vollständig aufgeführt werden. 

Der Grundsatz der Einzelbewertung sagt aus, dass jeder Geschäftsvorfall als einzelner kenntlich gemacht werden muss. Dies unterstützt zusätzlich das Prinzip der Klarheit und Übersichtlichkeit. 

Das Prinzip der Wertaufhellung schreibt vor, welche Informationen, auf welche Art und Weise erfasst werden müssen. Das Prinzip der Ordnungsmäßigkeit besagt, dass alle Buchungen chronologisch erfasst werden müssen. 

Das Prinzip der Sicherheit schreibt die archivsichere Aufbewahrung aller Dokumente der Buchführung vor. Zu guter Letzt gibt es das Belegprinzip, welches besagt, dass für jeden Geschäftsvorfall ein korrekter und vollständiger Beleg vorliegen muss.

Nun gibt es noch einige Prinzipien, die diese Grundsätze weiter ergänzen und die es zu beachten gilt. 

Das Prinzip der Bilanzidentität besagt, dass die Eröffnungsbilanz des aktuellen Geschäftsjahrs mit der Schlussbilanz des vorherigen Geschäftsjahres übereinstimmen sollte. 

Außerdem gibt es den Grundsatz der Fortführung der Unternehmenstätigkeit, welches besagt, dass man, solange die Prognose aus einem gewissen Anlass nicht begründet anders ausfallen könnte, von einem ähnlichen Verlauf des nächsten Geschäftsjahres ausgehen sollte.

Dies steht in naher Relation zu dem Vorsichtsprinzip, welches besagt, dass eine Schätzung von Beträgen die Aktivposten tendenziell tiefer und die Passivposten tendenziell höher gelegt werden sollten, um den Gewinn im kommenden Geschäftsjahr nicht negativ zu beeinträchtigen.

Das Realisationsprinzip legt fest, dass Gewinne erst ab Eingang im Firmenkonto als Gewinn kenntlich gemacht werden dürfen. Das Prinzip der Imparität hingegen sagt aus, dass sobald Verluste prognostiziert vorausgesagt werden können, diese auch bereits als solche verzeichnet werden müssen. 

Das Saldierungsverbot drückt aus, dass Zahlungen auf der Aktivseite nicht mit Beträgen auf der Passivseite verrechnet werden dürfen. 

Wie du es vielleicht schon aus der Buchhaltung kennst, müssen alle Erträge und Aufwendungen jeweils in dem Geschäftsjahr ihrer Entstehung entsprechend aufgeführt werden. Das letzte Prinzip, das Prinzip der Stetigkeit der Bewertungsmethoden, befasst sich mit der korrekten und vollständigen Aufführung aller Buchungen.

Sobald ein Betrag in einer Bilanz aufgeführt wurde, darf dieser nicht im nächsten Geschäftsjahr ohne Weiteres ausgelassen werden. 

Hierbei ist stets zu beachten, dass der Vorstoß eines Grundsatzes auch gleichzeitigen Verstoß gegen einen anderen Grundsatz bedeuten kann. 

Wo sind die Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung zu finden und wer legt sie fest?

Die GoB sind hauptsächlich aus der Praxis der Wirtschaft und Wissenschaften entstanden. Wie oben bereits erwähnt, sind sie nicht im Gesetz niedergeschrieben, aber haben gesetzlichen Charakter. Ebenso durch Rechtsfälle über das Handelsgesetzbuch haben sich die Grundsätze entwickelt.

Die Mehrzahl aller Grundsätze sind im Handelsgesetz zu finden, während manche noch nicht niedergeschrieben wurden, aber dennoch anerkannt werden. Wenn du hier nicht sicher bist, kontaktiere einen Experten. 

Wer unterliegt den GoB?

Jedes Unternehmen, das im Handelsregister registriert ist und der Pflicht zur Buchführung unterliegt, muss die Grundsätze befolgen. 

Ausnahmen gelten für Freiberufler und Kleinunternehmer. Kleinunternehmer sind jene, die einen Gewinn von weniger als 17.500€ im Jahr verzeichnen und im kommenden Jahr einen Gewinn kleiner als 60.000€ sowie einen Umsatz kleiner als 600.000€ prognostizieren.  

Was passiert bei einem Verstoß?

Ein Verstoß gegen die Grundsätze können in vielen verschiedenen Formen auftreten, von Fehlern im Betrag über einen fehlenden Beleg bis hin zu sachlicher Unrichtigkeit. Dies hat zur Folge, dass das Finanzamt selbst Schätzungen vornimmt anhand der vorliegenden Zahlen, was meistens zu einer Erhöhung der Steuerlast und somit zu Geldverlust führt.

Ebenso kann es sein, dass man die Buchführung überarbeiten muss und Strafe zahlen muss. Eventuelle Steuerrückzahlungen oder Steuervergünstigungen werden in der Regel auch gestrichen. 

Festzuhalten bleibt, dass die Grundsätze der ordnungsgemäßen Buchführung niedergeschriebene Prinzipien im Handelsgesetzbuch sind, die zwar einen rechtlichen Charakter aufweisen, allerdings keine Gesetze sind. Sie dienen in rechtlichen Zweifelsfällen des Handelsgesetzes und sind somit für jeden, der einer Buchführungspflicht unterliegt, wichtig.

Die acht Grundsätze lauten: Klarheit und Übersichtlichkeit, Richtigkeit und Willkürfreiheit, Vollständigkeit, Einzelbewertung, Wertaufhellung, Ordnungsmäßigkeit, Sicherheit und den Beleggrundsatz. Darüber hinaus gibt es einige Prinzipien und Verbote, welche es zu beachten gilt.

Bei einem Verstoß gegen diese Grundsätze drohen dem Steuerpflichtigen das Streichen von Steuervergünstigungen oder -rückzahlungen, eine Geldstrafe und häufig die Schätzung der Steuern seitens des Finanzamtes, welches meist zu Erhöhung der zu zahlenden Steuern führt.  

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Zuletzt aktualisiert vonOliver