Selbstkosten

Was sind Selbstkosten?

Laut Definition versteht man unter den Selbstkosten (engl. cost of ownership) sämtliche Kosten, die ein Unternehmen für die Produktion, Erzeugung, Lagerung, Vertrieb und Verwaltung von Waren und Dienstleistungen aufwenden muss. Um sie zu berechnen, werden abhängig vom Produkt oder einem Service nach einem bestimmten Kalkulationsschema unterschiedliche Kostenpunkte herangezogen. Dabei kann zwischen der Berechnung der Selbstkosten in Fertigungsbetrieben, der Berechnung der Selbstkosten in Handelsbetrieben und der Berechnung der Selbstkosten in Dienstleistungsbetrieben unterschieden werden. Das Ergebnis ist der sogenannte Selbstkostenpreis, der als Grundlage für die Preiskalkulation eines Produktes oder einer Dienstleistung dient.

Was ist der Selbstkostenpreis?

Der Selbstkostenpreis setzt sich aus den Herstellkosten, den Verwaltungskosten und den Vertriebskosten zusammen. Würde ein Unternehmen seine Produkte oder Dienstleistungen zum Selbstkostenpreis anbieten, wären zwar alle anfallenden Kosten gedeckt. Allerdings würde das Unternehmen so keinen Gewinn machen. Der Selbstkostenpreis dient daher nur als Grundlage zur Berechnung des endgültigen Verkaufspreises und als Preisuntergrenze. Neben den Selbstkosten spielen bei der Preiskalkulation weitere Faktoren eine wichtige Rolle. Dazu zählen beispielsweise die Fragen, wie viel Kunden bereit sind, für ein Produkt oder eine Dienstleistung zu bezahlen und zu welchen Preisen der Wettbewerb vergleichbare Produkte oder Services anbietet. Zusätzlich zum Gewinnzuschlag hat die Verrechnung von Rabatten oder Skonto Einfluss auf den Verkaufspreis. Um Gewinne zu erzielen, darf der Verkaufspreis die Preisuntergrenze nicht unterschreiten. 

Um zu verhindern, das Unternehmen die Preisuntergrenze unterschreiten und damit markt- und Wettbewerb mit sogenannten Dumping-Preisen gefährden, ist der Verkauf von Waren und gewerblichen Leistungen unter dem Selbstkostenpreis laut § 20 Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) sogar untersagt.

Unterschied Handelsbetriebe, Fertigungsbetriebe und Dienstleistungsbetriebe

Beim Ermitteln der Selbstkosten oder Herstellkosten wird zwischen Handelsbetrieben, Fertigungsbetrieben und Dienstleistungsbetrieben unterschieden. 

In Handelsbetrieben setzen sich die Selbstkosten zusammen aus

  • Beschaffungskosten
  • Lagerkosten
  • Verwaltungskosten (Personalkosten, Mietkosten, Energiekosten etc.)
  • Vertriebskosten

In Fertigungsbetrieben setzen sich die Selbstkosten zusammen aus 

  • Materialkosten
  • Fertigungskosten
  • Entwicklungskosten
  • Entwurfskosten
  • Verwaltungskosten (Personalkosten, Mietkosten, Energiekosten etc.)
  • Vertriebskosten

In Dienstleistungsbetrieben setzen sich die Selbstkosten zusammen aus

  • Lohnkosten (Stundensatz und Stundenzahl)
  • Materialkosten
  • Fertigungskosten

Ermittlung der Selbstkosten

Die Selbstkosten werden über die Selbstkostenkalkulation berechnet. Da die einfache Aufteilung der Gesamtkosten zu einem ungenauen Ergebnis führen würde, wird bei der Berechnung zwischen den Kostenarten Einzelkosten und Gemeinkosten unterschieden. Bei dieser Art der Berechnung spricht man von einer Zuschlagskalkulation.

Bei den Einzelkosten handelt es sich um Kosten, die einem Produkt bei seiner Herstellung direkt zugeordnet werden können. Typische Einzelkosten sind beispielsweise Einzelmaterialkosten und Fertigungslöhne. Dagegen stehen die Gemeinkosten, die bei der Produktion anfallen, aber keinem einzelnen Produkt zugeordnet werden können. Diese werden über einen entsprechenden Schlüssel auf die Produkte verteilt. Beispiele für Gemeinkosten sind Verpackungs-, Lager- oder Versandkosten.

Im Einzelnen setzen sich die Selbstkosten aus unterschiedlichen Kostenarten zusammen: 

Materialeinzelkosten (MEK) + Materialgemeinkosten (MGK)
= Materialkosten (MK)
+ Fertigungseinzelkosten + (FEK) Fertigungsgemeinkosten (FGK) + Entwicklungskosten (EK)
= Fertigungskosten (FK)
Herstellkosten (MK + FK = HK)
+ Forschungs- und Entwicklungsgemeinkosten (FEGK) + Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkosten (VVGK)
= Selbstkosten (SK)

Für die Ermittlung der Selbstkosten werden zunächst alle Einzelkosten, die im Allgemeinen nach Material- und Fertigungseinzelkosten unterschieden werden, den einzelnen Kostenträgern zugeordnet. Die Gemeinkosten werden im Rahmen der Selbstkostenkalkulation über einen im Betriebsabrechnungsbogen (BAB) ermittelten Zuschlagssatz den Produkten zugerechnet. 

Nachdem die Material- und Fertigungskosten im Rahmen der Selbstkostenkalkulation aus den Einzelkosten berechnet wurden, werden die Gemeinkosten mithilfe des Zuschlagsatzes und der Summe der Materialeinzelkosten berechnet. Das Ergebnis sind die Herstellkosten, auf deren Basis schließlich mithilfe der Zuschlagssätze für Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkosten die Selbstkosten ermittelt werden.

Selbstkosten berechnen

Je nach Art eines Betriebes werden unterschiedliche Kalkulationsschemata für die Berechnung der Selbstkosten angewandt. Die Darstellung erfolgt dabei häufig in einer Ergebnistabelle.

Kalkulationsschema Handelsbetriebe

Um die Selbstkosten in Handelsbetrieben zu berechnen, sind neben Lager-, Verwaltungs- und Vertriebskosten der Einkaufspreis und der Einstandswert der Waren die relevanten Faktoren. Der Einkaufspreis ergibt sich aus der Differenz zwischen Warenpreis und Rabatt, Skonto oder anderer Preisnachlässe. Der Einstandswert ist die Summe aus Einkaufspreis, den Bezugskosten wie Versand- und Lieferkosten sowie Zöllen, Abgaben und weiteren direkten Beschaffungskosten. Einstandswert plus Verpackungs-, Lager- oder Versandkosten werden als Handelskosten bezeichnet.

Selbstkosten Formel zur Berechnung

Das Kalkulationsschema oder die Formel, um die Selbstkosten in Handelsbetrieben zu berechnen, sieht also wie folgt aus:

Warenpreis
– Rabatt, Skonto, Preisnachlass
= Einkausfpreis
+ Bezugskosten (Versand- und Lieferkosten)
+ Zölle und Abgaben
+ weitere direkte Beschaffungskosten
= Einstandswert
+ Lagerkosten
+ Verwaltungskosten
+ Vertriebskosten
= Selbstkosten

Kalkulationsschema Fertigungsbetriebe

In Fertigungsbetrieben spielen die Produktionskosten eine entscheidende Rolle zur Berechnung der Selbstkosten. Hierzu zählen die Materialkosten, die sich aus Materialeinzelkosten und Materialgemeinkosten zusammensetzen, sowie die Herstellkosten, die sich aus Löhnen und Gemeinkosten für die Fertigung eines Produkts zusammensetzen. 

Das Kalkulationsschema oder die Formel, um die Selbstkosten in Fertigungsbetrieben zu berechnen, sieht also wie folgt aus:

Materialkosten (Einzel- und Gemeinkosten)
+ Fertigungslöhne (Löhne von Mitarbeitern, die direkt mit der Herstellung eines Produkts betraut sind)
+ Fertigungsgemeinkosten (Hilfslöhne, Hilfsmaterial, Energiekosten, kalkulatorische Abschreibungen bzw. Zinsen und Betriebsmittelkosten)
+ Sondereinzelkosten in der Fertigung
= Herstellkosten
+ Lagerkosten
+ Verwaltungskosten
+ Vertriebskosten (Einzel- und Gemeinkosten)
= Selbstkosten

Kalkulationsschema Dienstleistungsbetriebe

Die Selbstkosten in Dienstleistungsbetrieben hängen in erster Linie von den Löhnen der Dienstleister ab. Um hier Gewinne zu verzeichnen, ist die Kalkulation des Stundensatzes, der mit der geleisteten Arbeitszeit multipliziert wird, von hoher Relevanz. Hinzu kommen Materialkosten sowie Kosten für Fertigung und Vertrieb. Um Gewinne zu erzielen, schlagen die Dienstleister bei der Kalkulation der Selbstkosten einen Aufschlag auf die Kosten, die sie selbst für den Einkauf von Material aufwenden, drauf.

Das Kalkulationsschema oder die Formel, um die Selbstkosten in Dienstleistungsbetrieben zu berechnen, sieht also wie folgt aus:

Stundensatz x Stundenzahl
= Lohnkosten
+ Einkaufspreis Material
+ Materialaufschlag
+ Sondereinzelkosten Vertrieb
+ Sondereinzelkosten Fertigung
= Selbstkosten

Selbstkosten des Umsatzes

Die Selbstkosten des Umsatzes werden ermittelt, um zu berechnen, welche Selbstkosten für die Produktion innerhalb einer bestimmten Rechnungsperiode tatsächlich angefallen sind.

Für die Berechnung der Selbstkosten des Umsatzes werden die Herstellkosten des Umsatzes mit den Vertriebs- und Verwaltungsgemeinkosten addiert. Das Ergebnis gibt Aufschluss darüber, wie wirtschaftlich die Produktion eines Unternehmens arbeitet. 


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